Norbert regt sich auf vom 18.9.2006 (!!!!)

 

über

Same procedure as last week, Mr. Ruhri? Same procedure as every week, Mr. RMM!

oder

Das war das schlechteste 2-0, was ich je gesehen habe.

Vorwort

Bitte lest diesen Bericht nicht weiter. Ich habe keine Ahnung, da ich aufgrund meiner Leibesfülle nie Fussball gespielt habe und aufgrund einer fehlender Lebensalternative Bergmann so nahe stehe. So zumindest die Quintessenz einer Nachricht, die mir ein User meinte schreiben zu müssen. Okay, wenn er meint.

Ich hasse es, wenn du erotisch wirst

Endlich mal Freitagabend ein Spiel. So machte ich Freitag früh Feierabend und begab mich mit dem Essen-für-nach-dem-Spiel zum Fanladen. Dort angekommen musste ich feststellen, dass die Hippiesuppe leider gekippt und ungeniessbar war. Ich teilte diese schlechte Nachricht der Köchin mit, die aber schnell einen Alternativplan hatte und so unser Essen nach dem Spiel noch rettete. So wartete ich mit Ruhri entspannt in der Sonne und nach einem anfänglichen nicht alkoholischen Getränk tranken wir uns entspannt mit Astra in Stimmung. Halt wie immer oder eben wie in der Überschrift genannt.

Danach – auch wie immer – ging es in Richtung Hähnchenvertilgung, wobei der angekündigte Olespapa fehlte, dafür aber Besuch aus dem fernen London einschwebte und kurz seine Nordkurvendauerkarten bewunderte um dann sich mit uns auf die Gegengerade zu stellen. Kurz: Petruschka war wieder im Land, und so kam es zu einer grossen Wiedersehensfreude. Der Hahn war köstlich wie immer, so dass es frisch gestärkt in Richtung Platz ging.

Vor dem AFM-Container war eigentlich noch gar nix los, ausser dass bereits zu diesem frühen Zeitpunkt Dauerkarten aus der Tauschbörse erheblich nachgefragt waren. Unglaublich eigentlich, wenn man bedenkt was für ein unattraktiver Gegner heute anstand. Anscheinend üben Freitagabendspiele immer noch ihren besonderen Reiz aus.

Zwar war der Gästeblock voll, aber nicht etwa mit Leverkusenfans, sondern mit Kindern aus der Schule Ludwigstrasse, die wohl irgendwie Partnerschule des FC St. Pauli ist. Leider war ihre musikalische Darbietung zur Halbzeit von meinem Rang nicht zu hören, aber ansonsten fand ich das eine sehr schöne Idee, die mal einzuladen.

Aus Leverkusen waren erkennbar 3 Leute angereist, was ich absolut lobenswert finde, denn auch wenn die eventuell aus dem Norden kamen, finde ich das mutig sich in irgendeinen Gästeblock zu stellen und seine Mannschaft zu dritt anzufeuern.

USP hatte verkündet, dass sie keinen organisierten Support machen wollten, da ihnen die Leistungen zu schlecht waren. Ist natürlich vollkommen okay und auch die Protestplakate kann man nur komplett unterschreiben, führte aber in der Praxis zu der besten Stimmung auf der Gegengrade seit langem (wenn man mal Pokalausnahmen weglässt). So war zumindest bei uns auf der Höhe eigentlich dauernd was los und es wurden mehrfach richtig laute Wechselgesänge von der Nord (die dafür auch die richtige Stelle hat) angestimmt. Zwischenzeitlich driftete der Support auch fett in die Ironie ab, was meine Zwischenüberschrift erklärt. Aber ich finde so Ironie (auch wenn sie von der Presse immer fälschlicherweise als „selber feiern“ abgetan wird) besser als Pfiffe oder so. Auch wenn das zwischenzeitlich nicht ganz unverdient gewesen wäre. Okay, wird jetzt ein Umdenken bei USP stattfinden, weg von Trommel und Melodie hin zu KISS (Keep it stupid simple)? Nach den ersten Reaktionen nein. Es ist aber schön zu sehen, dass es auch dann Support in diesem Stadion gibt, wenn kein Vorsänger auf dem Zaun steht. Insgesamt brauchen wir aber eigentlich beides: Support von allen Seiten und einen kreativen, hemmungslosen und unermüdlichen Kern. Insofern geht es aus meiner Sicht auch nicht ohne Ultra. Nur – und das schreib ich jetzt auch schon seit mindestens 3 Jahren – wie den perfekten Mittelweg finden?

Wie eben schon durchklang war das Spiel richtig grottig. Einfach langsam und technisch auf sehr niedrigem Niveau. Trotzdem sind die Reaktionen im Internet teilweise echt der Hammer. Da wollen einige Takyi schon wieder aus der Stammelf schreiben, obwohl er a. das 1-0 schön vorbereitet hat und b. es sein erster wirklich mieser Auftritt in braun-weiss war. Meggle wurde zur Halbzeit ausgewechselt, war bis dahin nicht anwesend (angeblich grippekrank), so dass es nach der Halbzeit besser wurde. Schön zu sehen ist, dass anscheinend bei Luz der Knoten geplatzt ist, denn vier Tore in zwei Spielen sind erstmal eine Hausnummer.

Und damit kommen wir nun zu dem entscheidenden: drei Punkte sind drei Punkte sind drei Punkte. Ein Wort zur Trainerdiskussion: Bisher halte ich die für komplett unsinnig. Denn mit so vielen verletzten Stammspielern reisst in dieser Liga keine Mannschaft etwas. Nun sind wir aber auf einem normalen Grad der Verletzungen, so dass ab jetzt gezeigt werden muss, was diese Mannschaft, dieser Trainer und dieser Sportdirektor kann. Erstmal ist es gut, dass wir unsere Schwächeperiode und die Verletzungssorgen mit nur 3 Punkten Rückstand auf einen Aufstiegsplatz überwunden haben, so dass es nun gilt in Emden und gegen Lokalrivale 2 zu gewinnen und dann den Anschluss nach oben hergestellt zu haben. Und dann möchte ich keine Trainerdiskussion mehr lesen. Sollte das jetzt mit vollem Kader nicht gelingen, dann können wir immer noch drüber diskutieren. Nur wie schnell das in dieser Liga geht, sieht man an Holzbein. Nach zwei hohen Siegen in den ersten drei Spielen hatten einige Experten im Forum die ja schon zum Aufstiegskandidaten gemacht. Guckt mal, wo die jetzt stehen. Oder wo Mannschaften wie Düsseldorf oder Osnabrück stehen, die deutlich, und ich meine DEUTLICH, mehr Geld als wir verpulvern. Die Liga ist viel ausgeglichener als letztes Jahr und die Saison ist noch sehr lang. Insofern Ruhe bewahren! Mein Ziel ist es ab jetzt bis zum Spiel in Dresden nicht mehr zu verlieren und höchstens zweimal Unentschieden zu spielen. Von den Gegnern her müsste das zu machen sein. Nochwas zur Trainerdiskussion. Nicht sinnvoll finde ich es die letzte Saison mit in die Diskussion zu werfen. Die Entscheidung mit Bergmann zu verlängern ist nun mal getroffen worden (die man ohne weiteres kritisieren kann, denn das Saisonziel ist letzte Saison ja auch gepflegt verpasst worden) und jetzt gilt es nach vorne zu gucken.

Nach dem Spiel war ich noch kurz im Jolly, musste dann aber zur Spinnenrettung nach Hause (Anmerkung der Lektorin: nicht die Spinne wurde gerettet, sondern die Lektorin vor der Spinne :-)).

Sonntag dann das Debakel

Sonntag Mittag machte man sich dann mit einem vollen Auto auf nach Wolfsburg, um unsere 2. zu unterstützen. Insgesamt waren ca. 10 St. Paulianer anwesend, was bei der Unattraktivität dieses Spieles absolut begrüssenswert ist. Bereits auf dem Hinweg war uns klar, dass man bei Wob 2 verlieren kann, aber die Autobesatzung wünschte sich wenigstens eine ansprechende Leistung. Ansonsten war man ruhig und entspannt unterwegs. Vor Ort waren dann Eintrittskarten und ein Parkschein hinterlegt, wobei wir letzteren nicht brauchten, da man dort ganz entspannt unter der Tribüne parken kann. Ground geentert und von irgendwelchen stiernackigen Ordnern extremgefilzt worden (inklusive zeigen von Handy und Geldbörse). Ganz ehrlich: das ist in der Oberliga einfach unangemessen, frech und unfreundlich. Insbesondere da natürlich die ganzen anwesenden Rentner nicht so behandelt wurden. Warum überhaupt 30 Ordner auf 119 offizielle Zuschauer anwesend sein mussten, ist mir nicht klar. In Hamburg fährt man Spiele mit 400 Zuschauern mit drei bis fünf Ordnern. Ich weiss nicht, ob unsere Zivis da nun immer die voll gewalttätigen Horden ankündigen oder ob die Vereine einfach so vollkommen durchdrehen. Bereits in Ramlingen wurden wir von solchen Ordnern empfangen, nun bei Wolfsburg II erneut.

Im Gegensatz zu dieser Unfreundlichkeit waren die Stadionsprecher sehr freundlich, versorgten einen im Gegenzug für Namenshilfe mit Kaffee, Aufstellung und Innenraumberechtigung. Daher auch die Hammerbilder vom 7-1.

Über den Rest hüllen wir den Mantel des Schweigens.

Und dann war da noch…

… die rassistischen Ausfälle bei Rostock II und Aachen. Rostock hat seine Strafe bereits bekommen, diese ist vielleicht nicht sehr hart, aber ich finde das okay, insbesondere da es sich um den ersten Fall handelt und man vielleicht auch erstmal die Grenzen und Massstäbe ausloten muss. Sehr positiv finde ich auch, dass endlich Sachen wie „Asylanten“-Rufe thematisiert werden und nicht als „normaler Fussballkram“ hingenommen werden. Insofern den Lorbeerkranz des Monats (ach, das waren noch Zeiten, als der ÜS den verlieh) an Schiri Weiner, der konsequent das Spiel unterbrochen und einen Sonderbericht geschrieben hat. Mehr davon! Ich finde es auch positiv, dass Rostock seine Strafe sofort hingenommen hat. Eine Änderung ist auch, dass das Ganze öffentlich thematisiert wird und in den Zeitungen gebracht wurde. Das war vor ein paar Monaten noch ganz anders.

In diesem Zusammenhang sei auch Bielefeld erwähnt, die einen Demoaufruf gegen eine Nazidemo mit unterschrieben haben. Das ist endlich mal was und nicht das typische „wir sind ein Fussballverein, Politik interessiert uns nicht“. Nebenbei zeigte man auch ein Plakat gegen Nazis, was auch von den Bayernspielern hochgehalten wurd