Norbert regt sich auf vom 23.10.2006 (!!!!)
über
Ende der Debatte
oder
Endlich mal ein sechs Punkte Wochenende!
Ich war heute ein bisschen im Stress und auf der Arbeit war irgendwie auch Generve angesagt. So etwas ist echt ätzend, dann ist die gute Laune vom Wochenende sofort wieder verflogen. Aber da hilft es ja vielleicht, wenn ich jetzt den Bericht schreibe.
Spiele, die eine Abfahrt erst um 11 Uhr benötigen. sind meine Freunde. Zwar führen sie auch regelmässig dazu dass Laber Larry und der Hippie from outer space (wer die beiden kennt weiss, wie das gemeint ist) an Bord sind, aber auch das kann man alles verkraften.
So trafen sich gut über 60 St. Paulianer am Clubheim um gemeinsam nach Kiel zu gurken. Gut über 60? Bei einem Bus? Ja, diesmal hatten wir vom Reisedienst Kaltenkirchen einen Bus mit unglaublich vielen Sitzplätzen, dafür aber ohne Klo. Aber für so kurze Reisen war der echt eine Alternative. Was war noch auffällig: Unsere Zivis waren nicht da. Zumindest konnte sie trotz Suche niemand entdecken. Ich fühle mich direkt ungeschützt. Kurzerhand wurde noch der ärmste OL überredet mit uns zu fahren und nachdem er seinen DFB Ausweis gefunden hatte (den er für verloren hielt, den er aber einfach dem Ordnungsdienst für Schulungszwecke (so nenn ich das jetzt mal) geliehen hatte), stand einen perfekten Tag auch nix mehr im Wege.
Ein gewisser ehemaliger Splitterherausgeber wollte nicht neben mir sitzen, da ich „zu fett“ bin (Skandal! Das gibt Rache! Ich glaub nicht mal, dass er das so gesagt hat, aber ich finde die Legende zu schön, um sie mir von der Wahrheit kaputt machen zu lassen), so hatte ich kurze Zeit später den ja auch nicht gerade kleinen OL neben mir sitzen. Moritz, wenn du das liest: das kommt davon, wenn du mich alleine lässt.
Warum war ich eigentlich der einzige Optimist im Bus? Wir haben bisher immer in Kiel gewonnen, wenn wir denn mit einem Torhüter angetreten sind. Also war eigentlich klar, wie das Spiel ausgeht. Da konnte auch das Horoskop meines Nebenmannes, welches „Stress am späten Nachmittag“ vorhersagte, nix dran ändern. Denn „später Nachmittag“ ist definitiv später als 16 Uhr.
Ansonsten erwies sich der Reisedienst Kaltenkirchen als sehr nützlich, denn die Autobahn war megavoll. Da er aber aus der Gegend kam und sich auskannte fuhr er über die Dörfer und reihte sich erst bei Neumünster wieder in den Stau ein, der sich dann auflöste. Gerade als wir wieder auf die Autobahn fahren wollten (es war 11:30) sahen wir oben den Mannschaftsbus vorbei fahren. Wir überlegten schon, ob das irgendwie als Ausrede für eine schlechte Spielleistung dienen könnte.
Nur leider hatten wir so alle Raststätten elegant umfahren und mussten nun „sexistisch“ auf einem Parkplatz halten, der offiziell nicht mal mehr ein Klo hatte. Ging dann aber alles gut, denn die Damen fanden auch einen Platz in dem offiziell geschlossenen, aber doch funktionstüchtigen Klo.
So fuhren wir in Kiel ein, wo der übliche Stau vom Westring ab nicht vorhanden war, die Polizei diesmal auch nicht den Weg in die Gästekurve gesperrt hatte (geschweige denn uns abgeholt hatte) und es auch keine Busparkmöglichkeit hinter der Gästekurve gab. So wurden wir auf der Strasse rausgeschmissen und ich ging los, meine Fotokarte zu holen. Auch der Einlass sah von weitem nicht ganz so chaotisch wie in den Vorjahren aus. Lernen die etwa doch dazu?
Im Innenraum angekommen zappelte erst einmal Bene an einem vorbei und meinte, dass das schlimmste sei, dass man nix tun könne. Und er würde trotzdem zu jedem Spiel mitfahren (der Basisticker und ich meinten nur „Das kennen wir“). Folgende Zitate sind noch überliefernswert. „Mittwoch kommt der Gips ab. Sonst bring ich meinen Arzt um.“ (Nicht ganz ernst gemeint, aber da ist jemand heiss, wieder trainieren zu können) und ins Telefon zu irgendjemanden „Ich hab keine Lust auf die Sitzplätze“. Dementsprechend fand er sich kurze Zeit später auch im Stehplatzbereich wieder. Nebenbei nachdem er bereits mit den „Fans“ im Zug angereist war. Hallo andere verletzte Spieler: Nachmachen!
Nachmachen ist sowieso ein gutes Stichwort. Von dem USP-Filmmann erfuhr ich, dass Thomas Meggle am Mittwoch beim USP-Treffen war. Nun soll das wohl „zwei Welten, die sich nicht unbedingt verstehen, treffen aufeinander“ gewesen sein, aber es ist erstmal unglaublich gross als Spieler, der gerade in der Kritik steht, da hinzugehen. Vielleicht mal ein Wandel in die richtige Richtung?
Ansonsten mussten sich die USPler wohl ziemlich mit der Polizei auseinandersetzen. So sollen Leute für Takt an die Fenster schlagen direkt aus dem Zug geworfen sein. Nun ja, nun ist es nicht jedermans Ding, so etwas zu machen, aber reicht hier nicht auch ein „Ey, lass das!“ und gut ist? Aber wahrscheinlich wird da eine versuchte Sachbeschädigung inklusive Stadionverbot etc. draus konstruiert und damit die nächste Repressionsstufe gleich gerechtfertigt.
Auch in Kiel hat sich nebenbei das Verbot von Zaunfahnen durchgesetzt. Fussballstadien sehen echt fürchterlich aus, wenn Zaunfahnen irgendwelchen blödsinnigen Sicherheitsüberlegungen oder hässlichen Werbebanden weichen müssen. Hallo, liebe Stadionlenkungsgruppe. Sollten bei uns erhöhte Mauern ohne Zaun Standard werden, dann bitte ich darum, dass diese nicht mit hässlichen Werbebanden zugepflastert werden, sondern sowohl für Heim- wie auch für Auswärtsfans genug Platz für ihre Zaunfahnen bleibt. Sonst fehlt ein Stück Fussballstimmung.
Der Presseraum in Kiel ist dann jedoch wieder ganz nett. Sieht ein bisschen wie ein Rittersaal aus. Und zu Essen gibt es da auch, was in der 3. Liga absolut die Ausnahme ist.
Zum Spiel: Kämpferisch eine glatte 1 - und zwar für alle eingesetzten Spieler. Und genau das will ich sehen. Natürlich gab es auch mal technische Unzulänglichkeiten, aber das ist egal. Ich will Einsatz, Einsatz, Einsatz sehen. Und das gegen eine Kieler Mannschaft, die brannte und die auf alles trat, was sich bewegte. Normalerweise lässt sich unsere Truppe von so etwas sofort einschüchtern und lässt sich abschlachten. Diesmal wurde aber gefightet und dagegen gehalten das es eine Pracht war. Insbesondere will ich hier Luz herausheben, der zwar seine eine Chance einfach blind versemmelte, aber sich u.a. zweimal Bälle erkämpfte und damit gefährliche Aktionen einleitete und der immer wieder vorne rein ging, als gäbe es kein Morgen mehr. Und als zweiten Spieler muss man einfach Charles Takyi erwähnen. Ein Tor gemacht, ein weiteres vorbereitet und in den regulären 90 Minuten – behaupte ich jetzt mal dreist – nicht einmal fair vom Ball getrennt worden. Mann, hat der auf die Socken bekommen. Über das Ding in der Nachspielzeit hüllen wir jetzt mal den Mantel des Schweigens. Da wollt er nur Zeit schinden und Kiel nicht mit einem 1-3 demütigen ;-)
Insgesamt stellt man sich die Frage, warum der Lokalrivale den abgegeben hat. Denn das Talent, was der immer wieder aufblitzen lässt, würde garantiert auch bald für höhere Aufgaben reichen.
Negative Punkte: Schultz hat sich verletzt. Das ist nicht gut, der war die ersten 27 Minuten wirklich klasse. Bleibt zu hoffen, dass er bald wieder fit ist. Sonntag an der Schanze meinte er, er könne nur einen Kinderwagen schieben, mehr geht nicht.
Die letzten 10 Minuten schwamm die Truppe ungemein. Insbesondere nach der gelb-roten Karte war noch mal Holland in Not angesagt. Und beinah hätte ein Bock von Morena noch zum 2-2 geführt. Hier muss noch an der Konzentration und eventuell auch an der Kondition gearbeitet werden. Wobei Kondition nach 90 Minuten purem Kampf natürlich irgendwann auch zu Ende ist.
Spielerisch muss noch viel passieren, aber das wird schon.
Wenn ich nun lese, dass Kiel schwach sei und der und der die 3-0 weggehauen hat, dann bekomm ich schon wieder das kalte Kotzen. Quervergleiche im Fussball bringen nix. Und hinzu kommt, dass Kiel einen neuen Trainer hat (zur Zeit noch Klaus Thomforde) und wie ihr ihn alle kennt, kann der eines garantiert: Spieler heiss machen. Und Kiel war heiss. Nur war unsere Truppe abgebrüht genug dagegen zu halten.
Nun gegen Gladbach II nachlegen und wir sind voll im Soll und können oben angreifen. Und dann will ich diese Saison auch keine Trainerdiskussion oder so mehr lesen. Wir sind seit 6 Spielen (zwei Siege, vier Unentschieden) ungeschlagen. Und das nach einem Fehlstart, der auch verletzungsbedingt war. Wir haben Werder (Tabellenzweiter) geschlagen, gegen Union (Tabellenerster) und gegen Lokalrivalen (Tabellenvierter) unentschieden gespielt. Es geht aufwärts, und wenn nun noch Stendel zurück kommt und wir offensiv noch eine Waffe mehr haben, dann geht da noch einiges. Aber nur wenn nicht alles kaputt geredet und alles ständig in Frage gestellt wird. Daher: Ende der Trainerdebatte, nun United we stand, divided we fall. Abgerechnet wird dann am Ende der Saison. Und auch wenn das gegen Gladbach ein Gammelspiel werden wird, will ich von den Rängen 90 Minuten die Power erleben, die unsere Jungs in Kiel auf dem Platz gezeigt haben.
Noch ein Wort zu Thomas Meggle. Dieser wird sich nun wohl erstmal hinten anstellen müssen. Ohne ihn lief es deutlich besser, da Spieler wie Takyi aber auch Arifi oder Boll viel mehr Verantwortung im Mittelfeld übernahmen und sich nicht hinter ihm versteckten. Ich denke er muss sich nun im Training anbieten und dann wird das wieder.
Stimmung ist das nächste in diesen Berichten übliche Stichwort. Die war auf St. Pauli-Seite eventuell gar nicht schlecht, wie ich in der ersten Halbzeit noch hören konnte, aber auf der Kieler Heimseite kommt aufgrund der eigenartigen (und die Heimfans definitiv begünstigenden) Akustik nix an. Denn die lang gezogene nicht überdachte Gästekurve schluckt natürlich Schall, während der enge überdachte Heimblock schon mit 10 Leuten richtig laut klingt. Sollten wir vielleicht bei uns auch so machen ;-)
Es ist nebenbei lustig, wenn man 2-0 führt und in der Heimkurve steht und die sich tierisch über Schiri und St. Pauli aufregen. Zitat „Was für eine Drecksmannschaft“. Da kann man natürlich nur entspannt in sich hineinlachen.
Nach dem Spiel wieder zum Bus. Der stand da deutlich länger (nebenbei nicht eines Blickes von der Polizei gewürdigt), da wir einen Mitfahrer verloren hatten. So konnten alle noch mal entspannt auf Klo bzw. in die Büsche gehen und ein Mitfahrer erstmal seinen Mageninhalt in Kiel lassen. Interessant jedoch auch, dass ein älterer Typ am Bus vorbei geht, in den Bus brüllt und der OL nur was von „Der hat doch Stadionverbot“ murmelt. Ich frage warum, er sagt „rassistisches Gepöbel“ und man merkt wieder, dass es solche und solche Stadionverbote gibt. Da kommt halt kein Polizist und achtet darauf, dass der nicht mehr ins Stadion geht.
Die Rückfahrt war bei mir von Cola Korn (Restetrinken halt) und Karpfengeschichten geprägt. Verging also wie im Fluge. Zu Hause dann noch Jolly, dann Bett und Sonntag die 2. Mannschaft.
Kleiner Nachtrag: Im Bus sammelte H. auch für den Fanladen. Dabei kam noch mal eine ordentliche Summe zustande, da Argumente wie „Ich hab doch schon gespendet“ bei ihr auf taubeste Ohren stiessen.
Als hätte man nicht schon genug Störche gesehen, pfiff Bibi Steinhauser schon 25 Stunden später das nächste Spiel gegen Kiel an. Irgendein Witzbold meinte, dass man das auch gleich an einem Wochenende verfrühstücken könnte und so spielte unsere 2. Mannschaft gegen Kiel 2. Ich hatte ja eigentlich mit sehr wenigen Zuschauern gerechnet, aber ein schöner Herbsttag und gute Laune wegen Auswärtssieg trieb dann den Saisonrekord von 340 Zuschauern an die Sternschanze.
Der Amateur wollte auch alle Einnahmen zugunsten des Fanladens spenden und aufgrund eines gestifteten Drucks (wer mal einen Copyshop braucht, der sollte mal Kafaii im Hauptbahnhof checken, denn der Michi, der dort arbeitet, hat das uns gespendet) und ganz vielen zusätzlichen Spenden kamen 118,34 zustande. Wenn man dann bedenkt, dass H. erneut keine Verwandten und den Satz „Ich hab doch schon“ auch nicht kannte, sprich auch noch eine Dose füllte, kamen garantiert gut 200 Euro zustande. Mal sehen, wir geben morgen im Fanladen ab.
Das Spiel war einfach nur so wie Fussball sein muss. Der Gegner überlegen, der eigene Torhüter herausragend und die Stimmung gut. Kiel scheiterte immer wieder an Hayko und unsere Helden waren lange 1-0 durch Abdul Yilmaz in Führung. Der Ausgleich kam verdient, und gerade als man das als gutes Ergebnis verdaut und die Hoffnung auf ein 6-Punkte-Wochenende abgeschrieben hatte, pfiff Bibi Elfer (Hand, ganz dumm rangegangen, von meiner Perspektive nicht zu erkennen, ob die Hand wirklich dran war, aber wenn nicht: war einfach dumm hingegangen). Bevor der Schütze anlief, sag ich noch zu Elvis „Festhalten und Konter einleiten“. Was macht Hayko? Pariert den Schuss, lässt ihn noch ein bisschen auf dem Hintern abtropfen, hat ihn dann sicher, wirft ab, der Konter läuft, Abdul ballert gegen den Pfosten und Prediger wuselt sich durch und 2-1. Der Jubel war gross und Kiel einfach nur baff. So gemein – aber auch so schön – kann Fussball sein.
Noch ein Wort zu Hauke Brückner (oder wie macht man sich beliebt). Er spielte nicht wirklich gut, aber zum ersten Mal in meinem Leben hab ich gesehen, dass ein Spieler, der von der 1. Mannschaft runterbeordert wird, die Bänke wegbringt. Und zwar allein beide Bänke.
Abends war der Abend dann etwas getrübt wegen des Ergebnisses aus Leverkusen, aber das fiel nicht wirklich ins Gewicht.
Noch ist der Doppelaufstieg drin. Grupo unbändige Euphorie! Nächstes Wochenende noch mal sechs Punkte (Gladbach zu Hause und Nordho