Norbert regt sich auf vom 30.10.2006 (!!!!)

 

über

Was ist rot und stinkt nach Fisch? Rot-Weiss Ahlen!

oder

Arroganz, Überheblichkeit, Selbstgefälligkeit und anderen schlechte Eigenschaften

Zweimal 1-1 ist nicht das gleiche

Samstag morgen, sechs Uhr, mein Wecker klingelt. Die übliche Unlust wird überwunden und man quält sich aus dem Bett. Die erste Feststellung ist, dass man selber zwar einen ruhigen Abend hatte, aber das Knuffitaxi erst drei Stunden zuvor seine Fahrerin ins Bett befördert hat. Kein Problem, die Fahrerin ist trotzdem ausserordentlich fit und kurze Zeit später ist man am Bus.

Hier wieder die üblichen Verdächtigen, die mal auf einen frühen Bus hoffen der aber wie üblich nicht kommt. So sammelten sich die Besatzungen von drei Bussen, und nachdem die drei Busse endlich eingetrudelt waren suchte man sich Plätze. Das erwies sich diesmal als etwas schwieriger, da nicht nur wir gerne vorne sitzen, sondern auch die kurzhaarige Fraktion. Nun ja, man ordnete sich irgendwie und das passte ja auch alles. Und die Jungs (sowie die begleitenden Damen) haben ja immer was Gutes. 1. Gute Musik (wenn auch natürlich in einem gewissen Stil) 2. reichlich Gesichten, die eine Auswärtsfahrt lustig machen. Wobei die hier jetzt nicht nacherzählt werden, da a. selber nicht erlebt und b. ihr ja auch noch einen Anreiz haben müsst, mal selber auswärts zu fahren…

Der Busfahrer erwies sich auch noch als ganz entspannt und unterhaltsam und so fuhr man seine Wege. Das einzige, was nervte, waren zwei Herren, die es nicht lassen konnten, auf Tankstellen irgendwas zu zocken und sich daran auch noch so aufzugeilen, dass der halbe Bus es mitbekommt. Sorry, aber irgendwelche Klauaktionen sind vollkommen unter aller Sau. Und da das hier nicht nur Getränke sondern wohl auch DvDs und andere Sachen betraf sind sie durch nichts zu entschuldigen.

Nun ja, sonst eine wirklich entspannte HINfahrt. Das Bustippspiel war diesmal etwas anders als sonst, weil wir beschlossen (und dies ohne das Daniela das vorgeschlagen hatte) 1,50 Euro zu nehmen und davon jeweils 50 Cent als Soli für den Fanladenbus. Sonst machen wir das immer so, dass wir einen Euro nehmen „and the Winner takes it all“. Diesmal war der Fanladen der „Winner“, denn viele Leute gaben doch deutlich mehr als 1,50.

Nicht unerwähnt bleiben soll, dass auch die London- und Norwegen-Fraktionen vertreten waren, wobei insbesondere erstaunlich war, dass L., der alte Hopper, noch nie vorher in Ahlen gewesen war.

Auf dem Hinweg sind wir nebenbei über Hannover gefahren, ein Zusammentreffen mit irgendwelchen Lokalrivalenfans blieb aber aus. Nur ein „Tagesausflug Autostadt“-Bus beinhaltete ein paar Lokalrivalenfans der Marke „Papa und Sohn“. Warum man die dann noch anpöbeln muss, bleibt wohl auch ewig das Geheimnis von Fussballfans. Da hätte auch ein freundliches Lächeln gereicht.

Getroffen haben wir die nebenbei nach gut zwei Stunden Fahrt auf einer Raste kurz vor Hannover. Und damit hatten wir eigentlich schon den ersten Fehler begangen, denn wir hatten zwei Stunden keine Pause gemacht. Und so waren alle fröhlich zum Pinkeln auf das Busklo gegangen anstatt mal eine Pause einzufordern. Doof war das, und man sollte wirklich überlegen das Busklo erst einmal abzuschliessen und nur dann aufzumachen, wenn jemand ausdrücklich den Schlüssel verlangt. Dann wird es wenigstens echt nur im „Notfall“ genutzt. So war es natürlich dann auf der Rückfahrt voll.

In Ahlen noch kurz ein bisschen rumgekurvt, da die eine Ausfahrt gesperrt war, aber leider liess sich dadurch die Polizei nicht foppen und holte uns trotzdem ab. Warum man dann durch irgendein Wohngebiet mit kleinen engen Strassen geführt werden musste, bleibt wohl auch auf immer das Geheimnis der Polizei. Insbesondere da es eine direkte Strasse gibt und da nun nicht gerade der Ahlener Mob wartete.

Am Stadion angekommen, besorgte ich erstmal meine Fotokarte (das ist in Ahlen cool geregelt mit Reservierungsnummer und allem) und laberte dann noch ein bisschen vor dem Gästeblock. Der Webmaster hatte das Rad als Anreisemittel gewählt, was bei 40 km aus Kamen auch eine Leistung ist. Die Radhosen der Radsportabteilung verstossen nebenbei mal wieder gegen einen Grundsatz des FC St. Pauli, dass nämlich unsere Vereinsfarben braun-weiss sind. Ich wäre echt dankbar, wenn wir eine ähnliche Regelung wie der Lokalrivale in der Satzung hätten, die jeder Mannschaft - egal welcher Sportart - vorschreibt, dass sie in weissem Hemd, roten Hosen und blauen Stutzen zu spielen haben. Ein Traum wäre so etwas. Ich glaube, in keinem anderen Verein wird so häufig von den Vereinsfarben abgewichen. Schade genug und nicht gerade identitätsstiftend.

So, dann mal rein. Im Innenraum durfte man sich nur auf einer Seite aufhalten, was bei ca. 10 Fotografen irgendwie lächerlicher ist, insbesondere da man auch nicht hinterm Tor stehen durfte. Zwar wurde es vor dem Spiel wohl noch geduldet, aber insgesamt fiel damit der freundliche Schnack am Zaun aus. Denn immer mit einem genervten Ordner im Rücken bringt das auch keinen Spass. Zaunfahnen waren auch mal wieder vorne verboten und die Ordnerchefin nörgelte noch, dass die Leute dies nicht verstanden, denn eigentlich sei ja auch seitlich aufhängen verboten und Schwenkfahnen sowieso und dies habe man ja erlaubt. Sprich: Typisches reines Sicherheitsdenken, Fans sind nur gefährlich. Es ist wirklich schade, dass beinah in keinem Stadion mehr Zaunfahnen hängen dürfen. Irgendwie gehört doch diese Reviermarkierung dazu und nun ist alles aus „Sicherheitsbedenken“ und wegen „Werbebanden“ verdrängt worden. Ich hoffe, dies ist im neuen Millerntor anders. Man kann nur hoffen, dass nicht noch jede Bande irgendwie vermarktet werden muss, sondern dort wenigstens reichlich Platz für Zaunfahnen bleibt. Aber die Erfahrungen in Block 1 (wo eine blöde Werbebande, die nie zu sehen ist, nicht verhängt werden darf) und auf der Haupttribüne zeigen, wohin es laufen wird.

Zum Spiel: siehe Überschrift. Was soll man da sonst zu schreiben? Das Dinzey eine Frechheit war? Das wir mindestens 8 Spieler haben, die keine Eier in der Hose haben? Das unsere Spieler sich nach einem dämlichen 1-0 für die Götter halten und denken, sie können es wie Real Madrid herunterspielen? Dass ein Ahlener Sieg verdient und absolut gerecht gewesen wäre? Insbesondere weil die gekämpft haben, unsere aber nicht? Ach, es ist doch egal. Es ändert sich ja sowieso nix. Ich behaupte mal, dass sie nun gegen die grossen auftrumpfen werden und dann verlieren wir gegen Kickers Emden oder so. Es ist zum Kotzen. Zwar ist der Abstand zu oben gleich geblieben, aber mit einem Sieg in Ahlen wären es nun noch zwei Punkte bis oben. Und wenn wir in Ahlen, Emden oder Wilhelmshaven nur zweimal als bessere Mannschaft den Sack zugemacht hätten, dann wären wir jetzt mit 26 Punkten Tabellenführer. (Ich will jetzt gar nicht anfangen, dass gegen Union, Lokalrivale II und in Lübeck auch ohne weiteres mehr Punkte möglich gewesen wären) So aber hat uns unsere Arroganz vier ganz entscheidende Punkte geraubt. Und nicht anderes ist es. Es ist nicht fehlendes Können, es ist einfach Arroganz und Überheblichkeit. Viele Spieler müssen dringend von ihrem Thron runter, sonst wird das nie was mit dem Aufstieg.

Und das ist die Parallele zu der letzten Saison. Wir sind gut genug, aber wir sind einfach zu überheblich, zu unkonzentriert und zu doof, um Vorsprünge in Siege umzuwandeln. Wenn man in den letzten vier Auswärtsspielen führt und am Ende doch nur einen Sieg und drei Unentschieden einfährt, dann ist das einfach dämlich.

Stimmung? Die war ganz gut, wenn man das Spiel mal dagegen hält. Aber im unüberdachten Rund geht natürlich auch viel verloren. Ahlen hat immerhin einen Stimmungsblock von 20 Leuten, da geht natürlich so gut wie gar nix. Jedoch die Kinder auf der Haupttribüne, die gingen richtig ab. U.a. auch mit dem Lied, was die Überschrift bildet. Da habe ich und der Westfreund, der dankenswerterweise auch eine Innenraumkarte hatte (irgendwie wegen eines Studienprojektes), doch sehr gelacht. Und er hat auch geraucht, obwohl auch dies im Innenraum verboten war.

Aus dem St. Pauli-Block sind wohl noch Leute abgeführt worden, wobei mir genauere Hintergründe nicht bekannt sind. U.a. standen wohl auch unsere zwei Klaufreunde „an der Wand“ (wie H. es so schön nannte).

So ging es doch etwas genervt zum Bus zurück, wo noch ein bisschen mit den Westlern gelabert wurde, und dann ging es nach Hause. Und nun begann die nervigste, assigste und alle anderen negativen Attribute, die euch einfallen, Rückfahrt ever. Erstmal brauchten wir 40 Minuten aus Ahlen raus, da man beschloss lieber nicht rechts zu fahren, wo das Navi rechts sagte, sondern lieber den Polizisten fragte, der einen nach Ahlen zurück schickte, wo dann aber die Bundesstrasse gesperrt war, was zu einigen Kurvereien führte. Okay, das ist ja noch zu ertragen, und danach gab es auch erstmal eine leckere Wurstpause, denn der Busfahrer hatte für 1,50 Euro Würste warm gemacht. Nur dann ging es los. Innerhalb von 30 km zwei Pinkelpausen, bei der zweiten wird ein Typ vergessen (wahrscheinlich weil seine Kumpels sich lieber an dem geklauten Zeug aufgeilten, als mal zu gucken, ob jeder da ist), wir mussten umdrehen, also gut ne halbe Stunde verloren. Kurz vor Hamburg noch beinah eine Schlägerei im Bus, die aber mit weiblicher Beruhigungskraft und - als dies nicht mehr half - deutlichen Drohungen beendet wurde. Unglaublich, wie einige Leute austicken. Kein Problem, wenn es mal Stress gibt, dafür sind immer genug Leute mit Ruhe da, aber einer Frau noch dumm zu kommen, die schlichten will, geht gar nicht. Absolut nicht. Und das hat der Typ auch deutlich mitgeteilt bekommen. Da fällt die Pinkelpause in Stilhorn absolut nicht ins Gewicht (das kann nun mal jedem passieren, da hab ich absolut kein Problem mit). Wenn man dann aber am Ende durch den Bus geht und sieht, wie teilweise die Plätze eingesaut werden (natürlich ganz vorne dabei unsere Klaufreunde), dann kann man nur den Kopf schütteln. Ach ja: Eine Ansage haben die nicht bekommen, da kannst du auch mit einer Wand reden, die ändert genauso ihr Verhalten.

Bei dieser ganzen passierten Scheisse fallen natürlich die ganzen netten Dialoge, die gepflegte Kümmerlingtour, in die wir meinen Tippspiel-Gewinn teilweise umsetzten, und auch viele nette Mitfahrer komplett unter den Tisch. Leider reichen gut 5 Leute, die sich daneben benehmen, von 40 Leuten, die sich absolut korrekt verhalten, um einen den ganzen Tag zu versauen.

In Hamburg angekommen fiel die übliche Party aus und ich begab mich nicht über los, ich zog nicht 4000 Euro ein, sondern fiel nur ins Bett.

Das andere 1-1

Wie unterschiedlich zwei 1-1 sein können, konnte man dann am Sonntag sehen. Bei entspannter Stimmung sah man an der Schanze ein kampfbetontes Spiel, welches garantiert keine Feinschmeckerkost war, aber doch spannender und schneller als Tags zuvor. Das schlechte Wetter verhinderte 200 Zuschauer aber trotzdem war es ein gelungenes 1-1. Inklusive eines „Ich schiess die Latte aus ihrer Verankerung“ Hammertor von Hinzmann. Was Roger zu der Aussage brachte, dass dieser doch Aussenverteidiger sei und der Trainer in Rogers Jugend seinen Aussenverteidiger nach einer Aktion im gegnerischen Strafraum immer zusammen geschissen hätte ;-)

Nach dem Spiel ging es mit Klaus ins Konsum, wollte ich abends doch noch zum Millerntor Brigade / Banda Bassotti Konzert. Netter Laden, wo man entspannt Fussball gucken konnte. Dann rüber zum Knust, wo sich auch noch ein schönes Konzert entwickelte. Und schon war das Wochenende zu Ende. Montag morgen musste man dann feststellen, dass man zu Alt dafür ist (Zitat einer Dame, die deutlich jünger ist als ich) und dies obwohl besagter Roger vorne im Pit wie ein ganz junger tanzte (und der ist ja nun deutlich äl