Norbert regt sich auf vom 4.12.2006 (!!!!)
über
Unsere Waffe ist die Solidarität
oder
Noch 14 Siege bis zum Zweitligaderby
Ich gebe es ja offen zu: Ich bin nicht wirklich ein Fussballfachmann. Meine Meinungen sind eher immer die subjektiven eines Fans und nicht die objektiven eines Berichterstatters. Umso erstaunter muss man sein wenn man im Forum liest, wie viele Leute im Detail berichten können, was alles Trainer in Paderborn oder Braunschweig so gemacht haben und warum dieses sie für den Job bei uns qualifiziert. Also, ich muss zu meiner Schande gestehen, dass ich Paderborn eher langweilig finde, eigentlich selbst das Montagsspiel ausschalte, wenn die da mal beteiligt sind, und mich mit diesem Verein keine Sekunde freiwillig beschäftigen würde. Umso erstaunlicher, dass es anscheinend Leute gibt, die so etwas tun. Kommen wir nun aber zum vorletztem Spiel vor der Winterpause. Der Pessimist in mir sagt mir „schreib mal nix vom „vorletzten Spiel im alten Millerntor““... Abwarten und Astra trinken.
Jedes Spiel hat ein Vorspiel und auch dieses Spiel hatte eines in Form der Auseinandersetzung beim Erfurt Spiel. Wer sich bisher darüber nicht schlau gemacht hat, dem empfehle ich entweder den letzten NRSA oder einfach die beiden Stellungnahmen des Fanladens und von USP, die unten angehängt sind. Der offene Brief des Sprecherrates ist mir zwar versprochen worden, aber falls der nicht irgendwo anders veröffentlicht worden ist, kann ich ihn auch nicht veröffentlichen, da ich ihn nicht als Datei vorliegen habe. (Ha, abends, als ich den Bericht dann Online stellen will, da war sie da und dementsprechend ist sie auch unten angehängt)
Meine Vorfreude auf diesen Tag war trotzdem erstaunlich grossartig. Bereits ab Dienstag hatte ich richtig Lust, zum Fussball zu gehen. Das kommt sehr selten vor, aber diesmal war es der Fall. Das Kribbeln steigerte sich und wurde auch durch eine gewisse Angst vor den Magdeburgern nicht reduziert.
Bereits vor dem Spieltag zeichnete sich ab, dass viele Leute, die sonst gar nix mit USP zu tun haben, an dem Marsch teilnehmen würden. Trotzdem waren die Schätzungen am Morgen im Fanladen sehr verhalten. Aussagen wie „Tausend Leute wären schon absolut grossartig“ wurden getroffen und von allen Anwesenden mit einem Nicken kommentiert.
Ansonsten galt es, Paulchen im Fanladen zum Erreichen des besten Alters von Welt zu gratulieren. Und obwohl er immer wieder sagte „Pssst, nicht so laut“ führte dies zum Gegenteil und jeder kam eigentlich richtig lauthals auf ihn zu und gratulierte. Zur Belohnung gab es Freibier für die Gratulanten. Dafür nochmal herzlichen Dank.
In die Hand gedrückt bekam man auch einen offenen Brief des Sprecherrates, der sich bitterlich beschwerte, dass sich der Verein zu den Ereignissen nach dem Spiel gegen Erfurt nicht äussern wollte. Auch wurde das Verteilen der USP-Stellungnahme im Stadion anfänglich verboten, was deutlich als Zensur aufgefasst wurde (ob es mal so gemeint war, bleibt hier jetzt offen, denn dazu gibt es ja auch eine Vereinsseite, die chronologisch etwas später kommt).
Zur Kleinen Pause, den üblichen Frass verdrückt, der diesmal etwas langsamer über den Tresen wanderte, da nur eine Bedienung anwesend war und dann ab in Richtung Stadion.
Die Polizei hatte mal wieder alles aufgefahren, was irgendwie Wasser und Knüppel von sich geben könnte. Die Magdeburger, die ich gesehen habe, waren aber alle unter „normal“ einzustufen. Da haben schon andere Vereine viel mehr Pack mitgebracht. Dementsprechend blieb es vor dem Spiel auch friedlich. Zwar soll eine Thor Steinar-Jacke den Besitzer gewechselt haben, aber dies wohl freiwillig, nachdem man den Träger auf die Bedeutung seiner Jacke aufmerksam gemacht hatte. Der soll sich danach erstmal eine St. Pauli-Teamjacke gekauft haben. Das ist das deutlich schönere Symbol.
Vor den Eingängen verteilte USP nun seine Stellungnahme und den Aufruf, an dem Marsch nach dem Spiel teilzunehmen. Als ich dann kurze Zeit später mit Fanladen-Stefan im Stadion schnackte erschien Pressesprecher-Christian, erklärte, dass die Leute doch bitte im Stadion verteilen sollten, er habe eben das Okay von Littmann bekommen. Man wollte eigentlich ein Verteilen im Stadion aus logistischen Gründen (so seine Worte) nicht, aber man möchte auch nicht, dass dies als Zensur aufgefasst wird, daher sollen die drinnen verteilen. Nun mag die Begründung fadenscheinig klingen, aber das aus meiner Sicht wichtige ist, dass irgendwo die Meinungsfreiheit gesiegt hat (wenn auch sehr spät) und die Zettel im Stadion verteilt werden konnten.
So gelang ich auf meinen Platz und dort war es leer. Sehr leer. Nicht nur, weil Knuffi eine Schulklasse betreute und in der Süd stand, nein, auch sonst waren sehr wenig Leute anwesend. Und damit mein ich weniger mein soziales Umfeld, welches ausser Knuffi und Thomas eigentlich vollständig war, auch sonst war es auf der Gegengerade sehr leer. Insgesamt mögen von den 6.600 Leuten, die eigentlich auf der Gegengrade stehen gerade mal 4.500 anwesend gewesen sein. Es waren reichlich Lücken vorhanden und die unteren Reihen füllten sich erst kurz vor dem Anpfiff.
Eine Premiere gab es in der Stadionsprecherkabine, als Klaus zusammen mit Daggi durch das Programm führte, da sowohl Knut als auch Reiner dienstlich verhindert waren. Man kann sagen, dass Klaus wiederkommen kann, da hörte man denn doch die Radioerfahrung (wer den jungen Mann nicht kennt, der ist „Chef“ der Basis-St. Pauli und macht u.a. auch Sendungen im FSK). Ob man nun die Gästefans so euphorisch begrüssen muss, sei mal dahin gestellt, lag aber wohl an guten Erfahrungen und netten Begegnungen mit denen vor dem Spiel, und dann sei das mal absolut erlaubt.
Und man muss auch sagen, dass sich die Magdeburger bei allen Bedenken 90 Minuten komplett korrekt verhielten. Kein Anzeichen irgendwelcher Randale, kein Pyrokram, ausser fussballüblichen Beschimpfungen keine Ausfälle und dazu noch relativ gut in der Unterstützung. Sind zu Recht nach dem Spiel gelobt worden.
Ich will nicht verheimlichen, dass auch einige finstere Gestalten dabei waren, aber die gingen in der Masse der korrekten Magdeburger absolut unter. Leider sorgten die wohl nach dem Spiel auch für Ärger, aber davon hab ich überhaupt nix mitbekommen. Eine nette Anekdote erzählte Sprecherrats-Roger an der Schanze am Sonntag. Da haben wohl Magdeburger sie nach dem Spiel mit „Arbeitslose, Arbeitslose“-Rufen begrüsst, was von seiner Gruppe wohl mit „Steuerzahler, Steuerzahler“-Rufen und dann mit beidseitigem Gelächter quittiert wurde. So soll es doch sein.
Spiel? Sind wir schon beim Spiel? Ich glaube ja. Und auch wenn es wieder irgendwelche Fussballexperten gibt, die nörgeln: Das war der erste über 90 Minuten überzeugende Auftritt unserer Mannschaft. Und Magdeburg war so schwach, weil wir sie so schwach gemacht haben. Mit einer läuferisch, kämpferisch und auch spielerisch absolut überzeugenden Leistung. Natürlich gibt es noch kleinere Haare in der Suppe und dazu zählt alleine schon die Chancenauswertung, aber das sind Details, an denen nun in der Woche auch in Ruhe gearbeitet werden kann und die mit weiter erhöhtem Selbstvertrauen von ganz alleine besser werden.
Ich will trotzdem einige Namen herausheben. Als erstes Borger: Der musste eigentlich nur aufpassen, dass er nicht einschläft vor Langeweile. Unsere absolut überzeugende Defensivarbeit führte dazu, dass er im ganzen Spiel einen Ball (und der noch von der harmloseren Sorte) aufs Tor bekam. Lechner: Mann, was hab ich den zwischenzeitlich verflucht, aber diesmal war das wieder die Leistung, die man haben will. Kampf, laufen und immer wieder bereit, die 100 m-Wege zu gehen. Boll: Wie wichtig ist er bloss für diese Mannschaft! Als Balleroberer, als Zerstörer, aber auch als kämpferisches Vorbild. Es bleibt zu hoffen, dass er sich nicht schlimmer verletzt hat. Takyi: Nach zuletzt etwas schwächeren Leistungen wieder der Techniker in der Mannschaft. Schade, dass sein Freistoss nicht rein ging. Muss noch ab und zumal lernen, sich schneller vom Ball zu trennen, aber was nicht ist kann ja noch werden. Scharping: In der Form eine absolute Unterstützung. Das war eine glatte 1. Traumpass zu Takyis zweiter Chance, mehrere wirklich gute Pässe auf die schnellen Mittelfeldspieler und vor dem 2-0 spielt er vier Mann in der Telefonzelle schwindelig. Nun gut, dass er den nicht direkt rein macht, ist vielleicht ein kleiner Schönheitsfehler, aber wir hatten uns darauf geeinigt, dass sein Pfostenschuss gewollt und somit einfach nur eine perfekte Vorlage für Marvin Braun war. Womit wir auch bei ihm sind. Hatte ich vor der Saison als Ergänzungsspieler gesehen, verletzte sich dann gleich, sah dann in den Testspielen eher lala aus und ist nun die absolute Stütze. Knipst und knipst und knipst. Leider zur Zeit (noch?) der einzige. Luz: Kämpferisch eine glatte 1, reisst Löcher, geht immer wieder rein und lässt sich auf vor die Socken hauen. Legt das 1-0 klasse vor (wenn auch vielleicht nicht absichtlich, aber das ist ja egal). Seine Probleme sind (noch?) folgende: null Torgefahr. Er gab nicht einen gefährlichen Schuss zum Tor ab. Und zweitens die Laufwege. Natürlich muss ein Stürmer mal nach aussen ausweichen, aber teilweise macht das Luz noch viel zu früh und macht damit die Räume eng für die Spieler, die eigentlich ihn mit Flanken füttern sollten. Kann man aber dran arbeiten, wird garantiert noch.
Bei uns (genauer gesagt bei Pieper) herrschte nebenbei etwas Verwirrung, wer von unseren ganzen Herren mit „B“ eigentlich ein „S“ an das Ende des Namens bekommt. Daher der in der Überschrift zitierte Merksatz.
Zur Halbzeit bei uns Zufriedenheit. Aussagen wie „Nun noch ein, zwei Tore nachlegen, damit die Nord auch was davon hat“ - „Ach egal, auf der Höhe sitzen nur meine Eltern“ zeigen die ausgelassene Stimmung. Womit wir auch schon bei der allgemeinen Stimmung sind. Pieper meinte vor dem Spiel, dass uns die Magdeburger an die Wand singen würden, daraufhin meinte ich, dass man dann einfach in der ersten Viertelstunde zwei Dinger machen müsste und dann sei das Problem gelöst. Ist dann ja auch so gekommen. Trotzdem grosser Supportsport der Magdeburger. Bei St. Pauli war es vielleicht nicht so fett, wie es hätte sein können, aber doch gut. Und was ich geil fand war das ständige klatschen nach gelungenen Aktionen und kämpferischen Einsatz. Das ist mir viel wichtiger als nun ein 90 minütiger Klangteppich. Und der „Luden“block (ist das Block 7 oder 6?) auf der Haupttribüne war ganz grosser Sport. Takyi fordert am Anfang der 2. Halbzeit die Leute zum Klatschen und Jubeln bei einer Ecke auf, so dass der gesamte Block sofort aufsprang. Und danach standen die bei jedem Standard bevor überhaupt der ausführende Spieler da war. Grossartig.
Nach dem Spiel die verdiente Ehrenrunde und alles war dabei ganz langsam das Stadion zu verlassen. Darf ich nebenbei erwähnen, dass ich es unglaublich finde, wie viele Flaschen immer im Müll der Gegengrade liegen? Spricht nicht gerade für die Eingangskontrollen und noch viel schlimmer für die Vernunft der Leute. Ich kann es absolut nicht begreifen, wie man Flaschen mit ins Stadion schmuggeln kann. Man selbst ist vielleicht vernünftig, aber kann ich das auch für den Nebenmann garantieren, der die auch aufheben kann und in Richtung Trainer schleudern kann? Natürlich alles Flaschen für alkoholhaltige Getränke, wo man sich wieder fragt, ob die Leute echt nicht 105 Minuten ohne Alkohol bleiben können.
Nun galt es sich am AFM-Container zu sammeln. Voll war es dort, aber das sagt noch nichts über die Anzahl der Teilnehmer am Marsch aus, denn voll ist es vor dem AFM-Container immer, insbesondere wenn es im Stadion kein Bier gegeben hat.
Von USP wurden weisse OP-Handschuhe verteilt, so dass der ganze Zug wie ein CSI-Team bei der Arbeit aussah. War aber absolut beeindruckend, wenn die ganzen weissen Hände in die Luft gingen. Von Vereinsseite sollen sich mehrere Aufsichtsräte an dem Marsch beteiligt haben, was ich sehr gross finde und was für mich auch ein deutliches Zeichen der Solidarität ist. Ein Spieler war auch am Start (wer wohl?) und insgesamt reihten sich gut 2000 St. Paulianer in den Marsch ein (Zahl stammt aus dem Polizeibericht). Unglaublich, grossartig und nicht zu toppen! Ich hatte vieles erwartet, aber das hatte ich absolut nicht erwartet und es lässt mich doch noch an den FC St. Pauli und seine Fans glauben. Wie schrieb jemand sinngemäss im Forum so schön? Das ist wie mit der eigenen Schwiegermutter: man ist nie einer Meinung, man kann es sich nie gegenseitig recht machen, aber wenn irgendjemand was gegen sie sagt, dann bin ich da. So soll es sein. Nun würde ich USP nicht als meine Schwiegermutter bezeichnen, aber es bringt es schon auf den Punkt: Egal wie viele interne Streitigkeiten und Differenzen man hat, wenn eine Gruppe so unberechtigt angegangen wird, dann ist man da. Was ich insbesondere sehr schön fand war, dass nicht nur die üblichen 300 Gesichter mitliefen, die eben überall da sind, sondern auch viele andere Gesichter und viele ganz „normale“ St. Paulianer, die keiner Gruppe angehören. Das war richtig Klasse. Hinzu kam noch, dass die Stimmung im Marsch einfach Gänsehaut pur war. Immer wieder brachen Gesänge aus, dann wieder war Stille und es wurden nur die weissen Hände in den Abendhimmel gereckt, dann brach irgendwo wieder Gesang aus.
Die Polizei verhielt sich ziemlich passiv. Zwar wurde der Marsch begleitet und die Seitenstrassen abgesperrt, aber eine schwarze BFE-Einheit war nicht vorhanden und die begleitenden Polizisten machten weit vor dem Fanladen Halt. Die Brigittenstrasse war kurzfristig für den Verkehr gesperrt worden, so dass sich dann auf der Kreuzung noch ein längeres Gesangsduell (auch absolute Gänsehautstimmung) entwickelte.
Der Rest des Abends verlief dann bei komischen leicht gegärten Apfelsaft, schönen Gesprächen, einigem Getanze und anderen Dingen sehr nett. Zwar hat der OL schon bessere DJ-Tage gehabt, aber schliesslich war das Jolly auch erstaunlich leer für ein Heimspiel.
Richtig abgefeiert wurde natürlich noch die Niederlage des Lokalrivalen. Wobei van der Vaart für seine Rote Karte noch Beifall erhielt. Lange nicht eine solche gepflegte Blutgrätsche gesehen. Nun tut einem Thomas Doll ja schon beinah (aber nur beinah) leid, aber ansonsten wird es Zeit, dass die Uhr endlich abgestellt wird. Welche Uhr? Die mit den „Jahren in der Bundesliga“. Wir freuen uns. Und die Supportidee für das Derby in der 2. Liga ist auch schon fertig. Fragt mal bei Heiko im Fanladen nach ;-)
Kommen wir zu so etwas wie einem Fazit: Der Marsch ist super gelungen und es wurde ein deutliches Zeichen gegen die Polizeiwillkür in Hamburg gesetzt. Man kann nur hoffen, dass die Polizei aus ihren Fehlern lernt und nicht noch mal ohne Sinn und Verstand einen Marsch angreift und im Fanladen Leute als Kriminelle behandelt. Finger weg von unserem Wohnzimmer und Finger weg von einem friedlichen Marsch. Leider befürchte ich sehr, dass die Polizeiführung in Hamburg nicht sehr lernfähig ist und den Marsch von Samstag wahrscheinlich noch als die Versammlung von 2000 Gewaltbereiten kategorisiert. Zumindest lässt die Presseinformation der Polizei einen solchen Schluss ohne weiteres zu. So nach dem Prinzip: „Nur massive Kräfte haben einen Bürgerkrieg verhindert.“
Und vielleicht können nun auch alle Sticheleien gegen Forenuser mal ausgesetzt werden, denn auch diesem Kreis haben sich unglaublich viele Leute an dem Marsch beteiligt. Auch viele deutliche Kritiker an USP. Das sollten mal alle Leute überlegen, bevor sie wieder irgendwelche Gazettavorworte schreiben und auf Foren rumhauen.
Sportlich gilt es nun den Traum eines jeden St. Paulianers zu verwirklichen: Derby in der 2. Liga. Das heisst, wir brauchen 14 Siege. Ich denke, dass man in dieser ausgeglichenen Liga mit 67 Punkten locker aufsteigt. Natürlich ist das bei 18 noch ausstehenden Spielen nahezu unmöglich, aber nichts anderes kann das Ziel von Trulsen und Stani als Trainer sein. Wenn insbesondere Stani sich für seine Mitschuld der zur Zeit herrschenden Misere erleichtern möchte sollte er entweder den Wundertrainer nun verpflichten, der uns zumindest in 2 Jahren in die 2. Liga bringt, oder aber das Wunder in dieser Saison selber vollbringen. Wichtig ist nun gegen Wuppertal zu gewinnen und damit den Abstand zu den Aufstiegsplätzen auf höchstens sechs Punkte zu begrenzen. Das ist nach der Winderpause aufholbar, insbesondere da man Dresden, Düsseldorf und Lübeck zu Hause noch Punkte abnehmen kann (okay und zu Osnabrück, Erfurt und Magdeburg muss, aber da muss man dann halt auch Punkte holen). Fakt ist: 14 Siege wird schwer, aber es ist eben nicht ganz unmöglich. Auf geht es, Jungs!
Dabei sei nicht verheimlicht, dass es mir vor der 2. Liga graust. Wenn man bedenkt, dass in dieser Liga gerade noch 4/9 der Spiele am Wochenende stattfinden, dann kann man sich vorstellen, wie schwierig es wird dort alle Auswärtsspiele mit zu machen. Und das ist ja eigentlich immer mein erklärtes Ziel. Und Freitag 18 Uhr ist eine Anstosszeit, die einfach nur unmenschlich ist. Nicht mehr und nicht weniger. Aber das Derby will ich trotzdem. Und wenn es zweimal Montag 20:15 ist. Ich will diese Karte haben. Und wenn wir zweimal 9-0 verlieren, dann wird es doch das Erlebnis meiner Fankarriere sein und ich würde mir die Karte in einen Bilderrahmen tun. Also liebe Spieler: Verspielt nicht diese historische Chance, in dem ihr den Aufstieg vermasselt.
Ist es denn realistisch den Abstieg des Lokalrivalens anzunehmen? Natürlich spricht noch viel dagegen, aber unrealistisch ist es nicht. Eine Dame sagte Samstag im Jolly, dass zwei Dinge nie passieren würden, etwas privates und dass der Lokalrivale absteigt. Ich habe gesagt: „Doch, passiert beides 2007“. Dabei bleibe ich. Warum? Zum einen weil vier Punkte Rückstand schon verdammt viel Holz sind. Zum anderen, weil jeder Lokalrivalenfan sagt „Die steigen nicht ab.“ Hinzu kommt noch, dass die sich immer darauf verlassen, dass sie am Ende drei simple Heimspiele haben (Mainz, Bochum, Aachen, man kann sagen was man will, aber das ist ein Traum). Ich glaube auch nicht an den üblichen 2 ½ Jahre Zyklus des Lokalrivalens (Hinrunde ganz schwach, dann Trainer beurlauben, dann riesige Rückrunde, das Jahr darauf oben mitspielen, aber alles in der Rückrunde verspielen, bzw. verkleinern, dann international mit Ach und Krach in die 1. Hauptrunde kommen, um dann zu scheitern und in der Liga wieder auf einem Abstiegsplatz zu stehen. Dann alles von vorne.). Diesmal sind sie fällig. Ich gönn das Thomas Doll nicht, aber sonst kann der Verein gerne mal ein Jahr 2. Liga spüren.
Haben unsere Amateure gegen Cloppenburg 2-0 verloren. Eigentlich ein gutes Spiel, wobei ich gewisse Sachen nie verstehen werde: Warum können Trainer nicht mit Spielern umgehen, die auch mal den Mund aufmachen? Grosse Klappe - nix dahinter ist ja nun auch nicht richtig. Und warum im zweiten Spiel hintereinander bereits vor der Halbzeit gewechselt wurde? Die Entscheidung war bereits nach ein paar Minuten nach Anpfiff gefällt, da machte sich Schnecke Kalla nämlich schon warm. Halte ich nicht gerade für sinnvoll, insbesondere bei jungen Spielern. Warum macht sich Bene gute Wochen eigentlich immer wieder mit Böcken kaputt? Da hält er die ganze Zeit eigentlich ganz passabel, knallt auch gestern ein paar Dinger richtig schön raus, aber beim 1-0 sah er einfach unglücklich aus. Auch wenn ich es für übertrieben halte von einem Torwartfehler zu sprechen, liebes Abendblatt. Bedenkt mal, dass der ganz frei war und sich die Ecke aussuchen kann. Und beim 2-0 nun das Tor Bene aufgrund des Ballverlustes anzukreiden ist einfach unfair, denn a. war das in der Nachspielzeit und da hat man versucht alles schnell und zu machen und dementsprechend auch riskant und b. hat der Torschütze auch noch mal eben die gesamte Abwehr ausgetanzt, sprich lief nun nicht direkt nach dem Ballverlust direkt auf den Torhüter zu. Auch hier sei dem Abendblatt mal deutlich widersprochen.
… unser Präsident Teil 1: Er hat geheiratet, herzlichen Glückwunsch dazu. Einen Tenor, den er laut MoPo 11 Jahre kennt. Ich weiss ja nun, dass „Treu sein“ auch anders gemeint sein kann als im klassischen Sinne, aber sprach er nicht vor kurzem noch von einer Liebe zu einem Kubaner? Bleibt zu hoffen, dass das „junge Glück“ hält und unser Präsident glücklich wird.
… unser Präsident Teil 2: Der leider auch einen auf den Deckel bekommen muss, weil er (gelesen in der Sonntagsausgabe des Abendblattes, alles sinngemäß und nicht wörtlich zitiert) in der Pressekonferenz, nachdem man den Trainer von Magdeburg gefragt hat, ob er nicht bereue, in Magdeburg verlängert zu haben wo doc nun bei St. Pauli der Posten frei sei, gesagt haben soll, dass, wenn man wüsste, wie schön Magdeburg sei, niemand den Trainer von Magdeburg um seinen Job beneide. Arrogant, unhöflich und absolut fehl am Platz ist eine solche Aussage. Insbesondere da Magdeburg gar nicht so hässlich sein soll.
…unsere neue Südtribüne, deren Baubeginn in diesem Jahr ich zumindest bezweifele, aber die im neuen Abendblatt ziemlich gehighlightet war. Sehr erstaunlich dabei war, dass die Idee der „Ultrakurve“ positiv wiedergegeben wurde (inklusive eines kleinen Einschubes, was denn nun Ultras sind) und dass bereits 81 Business-Seats verkauft sind. Das mag auf den ersten Blick wenig klingen, aber wenn man unsere Bauhistorie kennt finde ich das unglaublich viel, wenn noch nicht ein Bagger das Millerntor berührt hat. Ich denke, dass hier auch noch ein Schub kommt, wenn denn wirklich mal was zu sehen ist. Hinzu kommt, dass die Vermarktung am 16.11. begonnen hatte, damals bereits 40 Plätze verkauft waren und nun zwei Wochen später 41 mehr. Wenn wir alle zwei Wochen weiterhin 40 Plätze verkaufen, dann haben wir bis Ende Juni (29 Wochen) gut 600 Plätze mehr verkauft. Ich denke, dass sollte doch zu schaffen sein. Und knapp vor der Saison 700 Plätze wäre ja ein schönes Ergebnis. Der Rest verkauft sich dann auch noch.
… die bundesweite Solidarität mit USP und dem Fanladen. U.a. in Leipzig, in München (geiles Plakat; sinngemäß: „17.11.2006 Polizeiskandal in Hamburg? Die Republik wartet auf Antworten, Hr. .....“ (und es folgte der Name des Hamburger Einsatzleiters), in Frankfurt und beim Lokalrivalen wurden Plakate mit Solidaritätsbekundungen aufgehängt. Insbesondere für das Plakat des Lokalrivalens („Freiheit für den Fanladen“) ein ganz grosses „Daumen hoch“. Über alle Grenzen hinweg, sei das mal ausdrücklich gelobt.
… die Bild-Zeitung, die Max Merkel in Rente schickt. Und genau an dem Tag, an dem noch mal seine ganzen Sprüche erscheinen, tritt Max Merkel von der irdischen Bühne ab. Etwas makaber das Ganze, und wirklich gemocht hab ich den Typen auch nicht. Trotzdem wird man diese knorrigen Kommentare vermissen. Alles Gute, wo immer er nun auch sein mag.
… die Elbphilamonie, die nun noch teurer als geplant wird. Und natürlich zahlt der Steuerzahler die Mehrkosten. Nun ist dem Abendblatt insoweit recht zu geben, dass es Kultur nicht zum Nulltarif gibt, aber bereits bei ca. 70 Millionen Stadtsknete ist eine Grenze erreicht, wo man die Sinnhaftigkeit eines Projektes bezweifeln muss. Insbesondere da Hamburg bereits eine defizitäre Staatsoper und eine garantiert auch defizitäre Musikhalle (oder wie der Laden nun heisst) hat. Ob man dann noch ein weiteres Kulturhaus braucht, dass auch laufend defizitär werden wird, sei mal dahin gestellt. Aber spätestens wenn ich zu diesem Bau noch 110 Millionen dazu steuern soll ist das zu viel und der Bau sollte ein Traum bleiben, der halt nicht zu finanzieren ist.
… das Rechtsverständnis in Deutschland, welches mal wieder im Mannesmann-Prozess deutlich geworden ist. Statt nun mal klare Kante zu fahren, ist hier wieder irgendeine Hinterzimmer-Mauschelei rausgekommen. Dabei wäre ein Urteil so etwas von wichtig gewesen. Wenn die Nasen verurteilt werden, dann wären endlich mal Grenzen aufgezeigt gewesen. Und wenn sie freigesprochen worden wären, dann hätte der Gesetzgeber einen klaren Auftrag gehabt. So bleibt wieder das Gefühl des Freikaufens. Zwar gelten die Angeklagten so nicht als verurteilt bzw. als vorbestraft, aber auch nicht als unschuldig. Denn § 153a setzt eine Schuld des Täters voraus.
… das Rechtsverständnis in Deutschland II, welches sich im Hoyzer-Prozess zeigt. Wenn mich jemand oberflächlich gefragt hätte, hätte ich immer gesagt „Klar, ist Betrug“. Ich musste auch lernen, dass das so einfach nicht ist. Und es ist eben nicht alles, was strafwürdig ist, auch wirklich strafbar. Umso interessanter wäre hier ein Urteil damit man dann überlegen kann, ob man diese Strafbarkeitslücke schliessen möchte. Bisher war das in Deutschland, wo bis vor kurzem nicht einmal Oddset existierte, ja logischerweise kein Thema.
… das Rechtsverständnis in China. Laut Spiegel ist ein Betreiber einer chinesischen Pornoseite im Internet aufgeflogen, die insgesamt 600.000 User hatte. Nun ist Pornografie in China illegal und so kam es nun zum Prozess gegen den Betreiber. Das Urteil? Lebenslänglich!!!!!!! Nun kann man ja über Pornografie denken wie man will, aber dafür lebenslänglich? Da ist klar, warum man für jeden Scheiss dauernd die Todesstrafe verhängen muss. Ich zumindest kann mir ungefähr 1000 schlimmere Straftaten vorstellen, als Verbreitung von „normaler“ Pornografie an Erwachsene.
Angriff auf den Fanladen - gemeint sind wir alle! Stellungnahme zum 17.11.2006
Am Freitag, 17. November, kam es zu einem in dieser Dimension nicht vorher da gewesenen Angriff auf den von USP organisierten Marsch und Besucher des Fanladens. Des Weiteren wurde die Unantastbarkeit der Institution Fanladen massiv mit Füßen getreten. Um eine genaue Übersicht zum Ablauf des Abends zu geben, wollen wir nachfolgend das Ganze chronologisch auflisten um die Tragweite der Vorfälle aufzuzeigen:
Um eine Eskalation mit den zahlreich anwesenden und schon vor dem Spiel negativ aufgefallenen Gästefans sowie der Polizei zu vermeiden, blieb Ultrà Sankt Pauli nach dem Spiel noch eine dreiviertel Stunde länger am Stadion. Somit sollte gewährleistet sein, dass die misslungene Taktik der Polizei aus den letzten Wochen nicht erneut dazu führt, dass Heim- und Gästefans auf der Budapester Straße aufeinander treffen und es zu Eskalationen zwischen den verschiedenen Fangruppen kommt. Als sich der Marsch mit großer zeitlicher Verzögerung in Bewegung setzte, waren sämtliche Erfurter schon auf dem Kiez oder in den S- und U-Bahnen bzw. in ihren Bussen. Dies konnte aus verschiedensten Gesprächen der Polizeibeamten untereinander entnommen werden.
Nichts desto trotz wurde die Budapester Straße von zwei transportablen Flutlichtmasten erhellt, an beiden Seiten standen Wasserwerfer und von Beginn an wurde die ca. 300 Personen große Gruppe von einem zweireihigen, doppelseitigen Spalier begleitet.
An der Kreuzung Detlef-Bremer- und Clemens-Schultz-Straße, direkt vor der Kneipe „Café Miller“, gab es eine Streitigkeit zwischen herumstehenden Personen und einem Autofahrer, welcher wild in die Menge fuhr, immer wieder vor- und zurücksetzte und damit in Kauf nahm, Anwesende zu verletzen. Einer der Herumstehenden soll dort die Seitenscheibe des Wagens eingeschlagen haben - zu diesem Zeitpunkt befand sich die Spitze des Marsches jedoch noch an der Einmündung Budapester Str./ Clemens-Schultz-Str., also etwa 50 Meter vom „Café Miller“ entfernt. An der betreffenden Kreuzung angekommen, entstand kurzzeitig Verwirrung ob eines eventuellen Angriffes von Erfurtern, da die Polizei den Marsch in zwei Teile spaltete und bereits hier die Teilnehmer massiv bedrängte und schlug. Der deeskalierenden Einwirkung eines Fanladenmitarbeiters und verschiedenen USPlern ist es zu verdanken, dass der Marsch sich nicht provozieren ließ und seinen gewohnten Weg durch die Annenstraße fortsetzten konnte. Bereits hier konnten Gespräche zwischen verschiedenen Polizeieinheiten mitgehört werden, welche auf absolute Unkenntnis der Örtlichkeiten schließen ließ. Offensichtlich wussten einige Polizisten weder wen sie dort begleiteten, noch wo sie waren ("Ist das der Hans Albers Platz?"), oder wohin die Reise gehen sollte.
Höhe Hein-Hoyer-/ Annenstraße reihte sich eine weitere Polizeieinheit vor den Marsch ein und bewegte sich im Laufschritt die Brigittenstraße hoch. Kurz vor dem Marschende zählten die ersten Reihen lachend von zehn herunter und liefen die letzten Meter am Paulinenplatz vorbei bis zum Parkplatz vor dem Fanladen. Dieses „Ritual“ wurde von USP schon häufiger benützt, ohne dass es hierbei zu Zwischenfällen kam. Am Freitag nahm eben jene Einheit dies zum Anlass von ihrem Standort auf Höhe des Kinos B5 auf den Fanladeneingang zuzurennen und unter Einsatz ihrer Schlagstöcke wahllos auf alle einzuschlagen, die in ihrer Reichweite waren. Obwohl viele der Betroffenen die Hände sichtbar über ihre Köpfe hoben, wurde weiterhin auf die Leute eingeprügelt. Nachrückende Personen aus dem Fanladen wurden ebenfalls attackiert, sowohl durch Schlagstöcke als auch durch Pfefferspray. Nach minutenlangen Auseinandersetzungen, wobei es vereinzelt zu Flaschenwürfen aus dem Pulk kam, zog sich die betreffende Einheit Richtung Gilbertstr. zurück. Dieser Einsatz hatte zahlreiche Verletzungen zur Folge: Ein Sankt Paulianer erlitt eine Schädelprellung, verlor für mehrere Stunden seinen Gleichgewichtssinn und konnte auf einem Ohr nicht hören. Unzählige Personen hatten mit den Folgen des Pfeffersprays zu kämpfen, selbst ein Vater mit seinem sechsjährigen Sohn auf dem Rücken ist geschlagen worden.
In der nächsten dreiviertel Stunde sammelten sich nun Polizeieinheiten in den umliegenden Straßen. Aufmerksame Beobachter hatten das Gefühl, dass der Fanladen gekesselt werden soll, da die Polizei Straßen absperrte. Das Ziel sollte wohl eine Personenkontrolle in größerem Stil sein.
Die Einheit der Polizei, welche den Schlagstockeinsatz zuvor begann, wartete immer noch in der Bleicherstraße, also nur wenige Meter vom Fanprojekt entfernt. Um ca. 23 Uhr, das Spiel und der Vorfall waren schon fast 2 Stunden vorbei, wurde von der Polizei tatsächlich der Fanladen gekesselt, und es gab die Ankündigung den Fanladen zu betreten um eine Person wegen Beamtenbeleidigung festzunehmen.
Hatte die Polizei an diesem Abend bereits mehrmals das Maß absolut überschritten, drang sie nun auch noch in die Räume eines sozialpädagogischen Projekts ein, welches seine Unantastbarkeit zu bewahren hat, um bestmögliche Arbeit leisten zu können. Circa 10-15 uniformierte Polizisten betraten den Fanladen, nahmen dort von allen Anwesenden die Personalien auf und fotografierten sie. Davon betroffen waren nicht nur diverse Sankt Paulianer von außerhalb und Erfurter Fans, sondern auch ein Mitarbeiter des Fanladens, sowie eine Person aus dem Vorstand von Jugend und Sport e.V., dem Trägerverein des Fanladens. Zudem trat die Polizeieinheit, die den Marsch attackiert hatte, erneut in Erscheinung und betrat ihrerseits den Fanladen, um dort den Keller noch einmal zu durchsuchen. Auch hier blieb die Suche, nach wem oder was auch immer, erfolglos.
Während dieser absolute Skandal im Fanladen vonstatten ging, spielte sich in den umliegenden Straßen ein weiterer ab. Über den Zeitraum einer halben Stunde machten Polizeieinheiten in Autos und zu Fuß dort Jagd auf einzelne Sankt Paulianer auf dem Nachhauseweg. Hierbei wurde in mindestens einem Fall ein Jugendlicher in ein Auto gezwungen und ihm dort mehrmals mit Schlägen und Festnahme gedroht, sobald er sich bewege. Eine Person wurde mit der Androhung von der Schusswaffe Gebrauch zu machen zum Stehen bleiben aufgefordert, an anderen Stellen jagten Polizisten Sankt Paulianer mit offener Autotür durch das Viertel.
Dieser Vorfall reiht sich in die jüngere Geschichte ein. So wurden einem jungen Sankt Paulianer nach dem Osnabrück-Spiel durch einen Polizeibeamten mit protektorenverstärktem Handschuh das Jochbein und der Kiefer gebrochen, sowie 4 Zähne ausgeschlagen.
Nicht nur das unverhältnismäßig gewalttätige Auftreten der Polizei ist zu verurteilen, insbesondere muss die Taktik der Einsatzleitung, die Taktik des Herrn Polizeioberrat Matthias Tresp, hinterfragt werden. Eingesetzte Beamte sind uninformiert über den Weg und das Ziel des Marsches, dessen Teilnehmer werden durch ein martialisches Aufgebot an Einsatzkräften und schwerem Gerät kriminalisiert.
Das 16 Jahre alte Fanprojekt – der Fanladen St. Pauli - wird in seiner sozialpädagogischen Arbeit behindert, indem man die Räumlichkeiten erstürmt und somit der gesamten Fanszene einen geschützten Rückzugsraum nimmt. Ebenfalls muss die Arbeit der zivilgekleideten Szenekundigen Beamten hinterfragt werden. Ihre angebliche Szenekundigkeit hätten sie deeskalierend einsetzen können und müssen, um zu klären, dass der Fanladen kein Angriffsziel für die ankommenden Sankt Paulianer darstellt, sondern das Ziel ihres Marsches ist.
Auch nach dem Magdeburgspiel wird es wieder einen Marsch gemeinsam mit den Stadionverbotlern vom Stadion zum Fanladen geben, wie nach jedem Heimspiel seit Sommer 2004. Er startet kurz hinter dem AFM-Container in Höhe des Telekomgebäudes. Am Marsch zum Fanladen nehmen erfreulicherweise nicht mehr nur USPlerInnen teil, sondern seit geraumer Zeit auch viele andere Fangruppen und Einzelpersonen. Ein weiteres Ansteigen der Teilnehmerzahl, insbesondere nach dem Magdeburgspiel, wünschen und erhoffen wir uns nun von der Sankt Pauli Fanszene. Wir werden uns, wie bereits die letzten 2 Heimspiele, deutlich später in Bewegung setzten, um eine Konfrontation mit den Gästefans zu vermeiden. Wir werden geschlossen auf der Straße gehen und laut unsere Solidarität mit dem Fanladen kundtun um zu zeigen, dass wir einen Angriff auf unser Fanprojekt nicht akzeptieren. Lasst uns zeigen, dass nicht wir es sind, die beständig die Eskalationsschraube anziehen. Der Marsch ist friedlich, Provokationen seitens der Polizei werden keine Beachtung finden. Beweisen wir, dass Sankt Pauli auf Repressionen und Polizeigewalt mit einer viel stärkeren Waffe antwortet: mit braun- weißem Zusammenhalt.
Freiheit für die Fans! Der Fanladen bleibt unantastbar! Gegen Polizeigewalt und willkürliche Repression!
27. November 2006
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Wir sind erschüttert und entsetzt über den Einsatz der Polizei im und am Fanladen am Freitag nach dem Erfurtspiel.
Wir haben mit unserem Vorstand und der Geschäftsführung des Verein Jugend und Sport e.V. einen gemeinsamen Text entworfen, um der steigenden Repressions-Spirale und verhärteter Fronten entgegen zu treten. Diesen haben wir der Polizei-Einsatzleitung und der Ebene darüber zugesandt mit der Bitte um Änderung in der Polizeitaktik. Daraufhin kam keine Reaktion.
Deshalb veröffentlichen wir diese Stellungnahme jetzt hier und hoffen auf eine öffentliche Reaktion und größeren Druck in Richtung der Verantwortlichen für die Polizei-Einsätze der letzten Monate:
Zur Verhältnismäßigkeit der Einsätze und der Wertschätzung langjährig etablierter Fanarbeit beim FC St. Pauli durch die Hamburger Polizei
Stellungnahme des Fanladen St. Pauli, des Fanprojekts des FC St. Pauli, zu den Vorfällen nach dem Heimspiel des FC St. Pauli gegen Rot-Weiß Erfurt am Freitag, den 17.11.2006
Am Freitag, den 17.11.2006, kam es nach dem Heimspiel des FC St. Pauli gegen Rot-Weiß Erfurt im Rahmen des traditionellen Marsches der Fangruppierung Ultrà Sankt Pauli vom Stadion zum Fanladen St. Pauli in der Brigittenstraße in dessen unmittelbarer Nähe zu gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen Fans und Polizei. Im Zuge des polizeilichen Einsatzes wurde massiv mit Schlagstöcken und Pfefferspray sowohl gegen die TeilnehmerInnen des Marsches als auch gegen Unbeteiligte und vermittelnde Fanprojekt-Mitarbeiterinnen vorgegangen. Ebenso wurden Fans nach eigenen Angaben verschiedentlich durch Beamte beleidigt und in teils drastischer Art und Weise verbal bedroht. Etwa eine Stunde später kamen circa 15-20 uniformierte Beamte in Schutzausrüstung in den Fanladen, um von den noch etwa 10 anwesenden Personen (inkl. der Fanladen-MitarbeiterInnen) die Personalien und (teilweise auch von den Fanladen-MitarbeiterInnen) Fotos aufzunehmen. Währenddessen hatten circa 50 Beamte das Gelände um den Fanladen abgesperrt und jeglichen Durchgang verweigert. Die ursprünglich durch den Leiter der Maßnahme im Fanladen geäußerte Begründung für das Vorgehen lautete auf Strafverfolgung des Tatbestands Beleidigung, was zu einem späteren Zeitpunkt durch den Einsatzleiter um die Tatvorwürfe des schweren Landfriedensbruchs und versuchter schwerer Körperverletzung erweitert wurde.
Selbstverständlich und als immanenter Teil unseres professionellen Auftrags als kritisch-parteiliche VertreterInnen von Faninteressen distanzieren wir uns deutlich von jeglichen gewalttätigen Handlungen von Seiten der FußballanhängerInnen, wie Angriffe, bspw. in Form von Flaschenwürfen auf Polizeibeamte. Solches Verhalten wird von uns weder akzeptiert noch geduldet, und es liegt uns fern, Formen von Gewalt zu verharmlosen.
Jedoch lassen uns sowohl alle Berichte und Eindrücke, die wir von den Ereignissen und deren Entwicklung selbst gewinnen konnten, als auch die Schilderungen von TeilnehmerInnen des Marsches – St.-Pauli-Fans jeglicher Couleur und jeglichen Alters – sowie von unbeteiligten AugenzeugInnen und BesucherInnen des Fanladens übereinstimmend zu einem Schluss kommen, der uns veranlasst, die Verhältnismäßigkeit des polizeilichen Vorgehens an diesem Abend in seiner Massivität deutlich infrage zu stellen.
Bedauerlicherweise ist dies nicht zum ersten Mal geschehen. Die am vergangenen Freitag erreichte Eskalationsstufe steht aus unserer Sicht vielmehr für eine neue Qualität in einer ordnungspolitischen Spirale repressiver Maßnahmen gegenüber zumeist jugendlichen Fußballfans, die sich seit geraumer Zeit in Hamburg beobachten lässt.
Kurzfristigen, ordnungspolitischen Interventions-Strategien scheint derzeit der Vorzug gegeben zu werden sowohl gegenüber deeskalierenden polizeilichen Handlungsalternativen als auch gegenüber langfristig und auf Nachhaltigkeit angelegten, sozialpräventiven Herangehensweisen der Fanarbeit. Dies bestätigt sich in drastischer Form anhand der Vorgehensweise im Zuge des Einsatzes in den Räumlichkeiten des Fanladens und der dort vorgenommenen Personalienfeststellungen, wodurch in besorgniserregender Art und Weise ein geschützter Raum eines anerkannten freien Trägers der Jugendhilfe durch polizeiliche Intervention missachtet wurde.
Diesem Schritt geht die Entwicklung voraus, innerhalb derer der verantwortliche Polizei-Einsatzleiter uns mehrfach das Vertrauen in unsere Arbeit abgesprochen sowie in Sicherheitsbesprechungen zu den Heimspielen des FC St. Pauli die Unmöglichkeit einer konstruktiven Zusammenarbeit mit dem Fanladen St. Pauli zum Ausdruck gebracht hat. Dies geschah insbesondere aufgrund unserer Weigerung, vertrauliche Informationen aus der Fanszene an die Polizei weiterzugeben.
Die Arbeit eines Fanprojekts gemäß dem „Nationalen Konzept Sport und Sicherheit (NKSS)“, der Arbeitsgrundlage aller sozialpädagogischen Fanprojekte in Deutschland zusammen mit dem Kinder- und Jugendhilfegesetz SGB VIII, basiert auf der Herstellung eines Vertrauensverhältnisses zu den Fans.
Schon allein angesichts des sehr negativ belasteten Verhältnisses zwischen Fans und polizeilichen Organen im modernen Fußball kann und darf Fanarbeit nur mehr nach beiden Seiten vermittelnd tätig sein, aber keinesfalls zum verlängerten Arm ordnungspolitischer Instanzen werden! Würden FanarbeiterInnen bspw. personenbezogene oder andere vertrauliche Daten an die Polizei weiterleiten, würde dies zum unweigerlichen Verlust der Vertrauensbeziehung zu den Fans führen.
Diese Arbeitsgrundsätze werden von Seiten des Fanladen St. Pauli bereits seit über 16 Jahren aktiv und erfolgreich vertreten und sollten auch der Polizei bekannt sein.
Die Diskreditierung unserer Arbeit im Rahmen der zunehmenden ordnungspolitischen Einschränkung von Freiräumen für Fußballfans, wie sie derzeit im Umfeld des FC St. Pauli zu beobachten ist, gibt uns zu Befürchtungen Anlass, dass auch zukünftig mit einer Verhärtung der Fronten und einer Steigerung der Eskalation gerechnet werden muss: mit Zunahme der repressiven Interventionen und der Missachtung der Arbeit des Fanprojekts werden unsere Handlungs- und Vermittlungsspielräume zwischen den am Fußball beteiligten Gruppen und Institutionen drastisch eingeschränkt.
Ein konstruktiver Austausch zwischen den Fanarbeitern und den Sicherheitskräften sowie eine gegenseitige Akzeptanz beider Arbeitsweisen sind uns daher grundsätzlich sehr wichtig. Leider mussten wir jedoch in der Vergangenheit mehrfach die Erfahrung machen, dass wir von Seiten der Polizei weder als gleichberechtigte DiskussionspartnerInnen noch mit unserer – teils notwendigerweise auch polizeikritischen – Expertenmeinung zur Fanszene des FC St. Pauli und den Ursachen jugendkulturellen Verhaltens entsprechend wahrgenommen und wertgeschätzt wurden.
In Anbetracht der gegenwärtigen Debatte um eine Zunahme der Gewalt in den unteren Ligen wurde sowohl von der Bundesarbeitsgemeinschaft der Fanprojekte als auch von Seiten des DFB und der DFL als zuverlässigste Finanziers der Fanprojekte sowie von der Bundesregierung die Notwendigkeit zu differenzierten, angemessenen und anlassbezogenen Sicherheitskonzepten als auch die Stärkung von präventiver Jugendarbeit im Fußball betont. Besonders wurde dabei für eine sicherheitspolitische Entdramatisierung und für den Vorzug einer sachlichen Analyse unter Einbeziehung von notwendigen Freiräumen für und einem Dialog mit Fußballfans plädiert.
Ein polizeiliches Vorgehen, das die Prinzipien und die Unterschiedlichkeit der Aufgaben von Fanprojekten und Sicherheitsorganen nicht berücksichtigt, kann nicht akzeptiert werden, vor allem da es kontraproduktiv für das Erreichen der Ziele ist, die von allen beteiligten Institutionen (Politik, Sicherheitsorgane, Vereine und Jugendhilfe) bei der Einrichtung von Fanprojekten schriftlich festgelegt wurden.
Entsprechend erwarten wir von Seiten der Hamburger Polizei ein Umdenken in der Polizeistrategie und eine Anerkennung der Grundsätze von Fanprojektarbeit als wesentlichen Beitrag zum gemeinsamen Interesse: einem friedlichen Verlauf der Fußballereignisse. Die Handlungsweisen des Fanladens sollten folglich respektiert werden und nicht – wie geschehen – die Erfolge langjähriger Arbeit durch einseitige ordnungspolitische und repressive Schnellschüsse torpediert werden. Friedfertige Heimspiele können nur durch ein Miteinander erreicht werden – in unbedingter Anerkennung bestehender Selbstregulierungsmechanismen innerhalb der Fanszenen und Strukturen von professioneller Fanarbeit. Auch auf bundesweiter Ebene zeigt sich übereinstimmend, dass überall dort, wo eine entsprechende Wertschätzung und eine Kooperation auf Augenhöhe, insbesondere zwischen Polizei und Fanprojekt, gegeben ist, auch spürbar bessere Zustände in den Fankurven in Bezug auf Gewalt und Rassismus festzustellen sind.
Bedauerlicherweise sehen wir nach den Vorfällen von letztem Freitag, nach den Entwicklungen der letzten Monate und den entsprechenden Äußerungen des Einsatzleiters derzeit keine Möglichkeit zu einer weiteren Kooperation mit der Hamburger Polizei, solange nicht der jüngste Einsatz von Seiten der Verantwortlichen uns gegenüber kritisch reflektiert und fehlerhafte Vorgehensweisen eingeräumt werden konnten. Ebenso halten wir es für unabdingbar, dass sich die besagten polizeilichen Stellen in Hamburg eingehender mit den spezifischen Aufgaben von Fanprojekten vertraut machen. Entsprechend werden wir bis dahin die Teilnahme an den Sicherheitsbesprechungen vor Heimspielen aussetzen und gegenüber der Polizei auch für keinen weiteren Austausch zu aktuellen Entwicklungen und Ereignissen in der Fanszene des FC St. Pauli zur Verfügung stehen.
Ansonsten wird der Fanladen St. Pauli auch weiterhin seine kritische Arbeit mit und für die Fanszene des FC St. Pauli in der gewohnten Qualität fortsetzen. Zudem werden wir zukünftig die polizeilichen Einsätze rund um die Heimspiele des FC St. Pauli durch einen Anwalt als neutralen Beobachter begleiten, dokumentieren und anlassbezogen bewerten lassen.
Hamburg, 21.11.2006
Sollte es keine Antwort geben oder unsere Arbeit weiterhin ignoriert und missachtet werden, behalten wir uns andere Möglichkeiten des friedlichen Protestes vor.
Offener Brief an das Präsidium des FC St. Pauli
Wer Solidarität verweigert, stärkt die Gegenseite
Mit größter Enttäuschung haben wir vernehmen müssen, dass das Präsidium des FC St. Pauli nicht bereit ist, dem Fanladen seine Solidarität zu erklären und den unverhältnismäßigen Polizeiüberfall auf den Fanladen und dessen BesucherInnen am 17.11.2006 zu verurteilen. Noch mehr entsetzt und wütend gemacht hat uns aber die Tatsache, dass das Präsidium das Verteilen von Informationsflugblättern im Stadion anlässlich des Magdeburgspiels verbieten will.
Wir werden Beides nicht widerspruchslos hinnehmen!
Wie in der Stellungnahme des Fanladens und des Vereins Jugend und Sport bereits geschildert, kam es am Freitag, den 17.11.06 im Anschluss an das Spiel gegen Erfurt zu einer weiteren Eskalation seitens der Polizei gegen die Fanszene des FC St. Pauli. Dies war der bisherige traurige Höhepunkt in der zunehmend repressiveren und eskalierenden Taktik der Hamburger Polizei gegen die Fans unseres Vereins. Im Zuge dieser Eskalation und Provokation wurde seitens der Polizei der Fanladen überfallen und von allen Anwesenden (auch von den MitarbeiterInnen des Fanladens) Personalien aufgenommen und Fotos gemacht.
Jeder und jede, welche sich mit der Arbeit sozialpädagogischer und sozialarbeiterischer Projekte beschäftigt, weiß, dass dies eine nicht zu akzeptierende Einmischung und Provokation der Arbeit sozialer Projekte darstellt. Ein soziales Projekt wie das Fanprojekt ist ein geschützter Raum, in welchem parteilich, vertrauensvoll und bei Bedarf auch anonym soziale Arbeit getätigt wird.
Gerade erst wurde die hervorragende Arbeit des Fanladens durch die Verleihung des Integrationspreises der Stadt Hamburg für das Projekt Kiezkick des Fanladens gewürdigt. Darüber hinaus gab es in den letzten Wochen auf Grund bundesweiter negativer Ereignisse, wie wir sie von St. Pauli Fans noch nie erleben mussten, von Seiten des DFB, DFL und der Bundeskanzlerin eine Aufwertung der Fanprojektarbeit hinsichtlich deren Bedeutung für die soziale Arbeit mit Fans.
Dass dies die Hamburger Polizei wenig interessiert und diese das Fanprojekt St. Pauli lieber heute als morgen zerschlagen sehen möchte, steht auf einem anderen Blatt. Dass dies aber den Verantwortlichen unseres Vereins entgangen ist, ist einfach nur beschämend. Anstatt sich – wie andere Vereine auch – solidarisch hinter den Fanladen und die Fans zu stellen, verbietet das Präsidium für das Stadion das Verteilen von Flugblättern, welche die Geschehnisse dokumentieren. Wir werden dies so nicht akzeptieren:
Wir fordern das Präsidium auf, seine Haltung umgehend zu ändern, dem Fanladen seine uneingeschränkte Solidarität auszusprechen und den Polizeiüberfall auf den Fanladen zu verurteilen.
Sollte dies nicht geschehen, müssen wir davon ausgehen, dass sich das Präsidium zum Erfüllungsgehilfen der Hamburger Polizeitaktik macht und sich damit gegen diejenigen stellt, die diesem Verein in den letzten zwei Jahrzehnten erst seine europaweite Reputation gebracht haben..
Als Konsequenz hieraus sehen wir uns zurzeit nicht mehr in der Lage, mit diesem Präsidium weiterhin zusammen zu arbeiten. Als gewählte Fanvertretung werden wir so lange die Mitarbeit in allen Vereinsgremien und Projekten beenden, bis das Präsidium gezeigt hat, dass es auf der Seite der Fans des FC St. Pauli steht und nicht auf der Seite der Repression.
Gezeichnet: Roger H., Tanja P. für den Sprecherrat der organisierten Fanclubs des FC St. Pauli
Bei aller verständlichen Wut, so krass hätte