Norbert regt sich auf vom 24.1.2007
über
Hart im Nehmen
Vorweg: An alle Lokalrivalenfans, die sich über den Countdown auf unserer Startpage geärgert haben: Diese kleine Stichelei sei erlaubt, und wer überall immer prominent eine Uhr präsentiert, wie lange er in der Bundesliga ist, der muss auch mal ertragen, wenn man sich auf den Zeitpunkt freut, wenn diese nicht mehr läuft...
Aber sonst soll sich diese Kolumne nicht mit unseren Freunden von der Müllverbrennungsanlage beschäftigen, sondern mit dem glorreichen FC St. Pauli von 1910. Kurz eine Bewertung der beiden Testspiele, die ich am Wochenende besucht habe. Natürlich auch ein paar Worte zu den Schauspielereien in unserer Funktionärsriege.
Wie sind unsere Aufstiegschancen wirklich? Klar, man kann sagen „Wir sind nur sechs Punkte entfernt, da ist noch alles drin“. Aber ich denke, dass dies eine Milchmädchenrechnung ist. Es gibt bereits ein Team mit 34 Punkten, zwei mit 32 Punkten, einmal 31 und dreimal 30 (jaja, Lokalrivale 2 hat diese Zahl auch schon, aber doch nur geringe Aufstiegschancen). Wenn nur der erste seine Zahl verdoppelt, bzw. die die beiden nächsten, dann sind die bei 68 bzw. 64 Punkten. Alleine um 64 Punkte einzuholen, müssten wir 38 Punkte aus 17 Spielen holen. D.h. wir müssten round about 12 Siege, 2 Unentschieden und nur 3 Niederlagen holen. Wie realistisch das ist, sei nun jedem selbst überlassen. Und selbst wenn die noch einknicken, dann haben die anderen genannten Teams viel bessere Chancen auf 68 bis 64 Punkte zu kommen, sprich, wir müssten immer noch so viele Punkte holen. Insofern ist es ein schönes Pfeifen im Walde, was unsere Verantwortlichen da sagen. Realistisch muss man wahrscheinlich selbst 70 Punkte zum sicheren Aufstieg holen und dies wären für uns 14 Siege, 2 Unentschieden und nur eine einzige Niederlage. Das wäre schon gepflegt als Wunder zu bezeichnen.
Wie dem aufmerksamen Leser dieser Kolumne nicht entgangen ist, bin ich zur Zeit nicht gerade gut zu Fuss. In Folge eines offenen lateralen Releases (etwas profaner gesagt: „Kniescheibe versetzt“) geh ich zur Zeit an Krücken und darf mein rechtes Bein mit sage und schreibe 10 KG belasten. Dieser Zustand wird mich auch noch nach Dortmund begleiten, aber ich hoffe, dass ich dann zum Heimspiel wenigstens wieder ohne Krücken gehen kann (wenn auch ohne ein Bein, was beugbar ist oder 90 Minuten Stehplatz überlebt, daher, falls irgendein Leser glücklicher Besitzer eines Sitzplatzes mit dem Gang direkt rechts neben ihm ist, dann kann er sich zwecks Tausch für ein Spiel gerne mal bei mir melden).
Umso freundlicher war es, dass zwei nette Menschen so nett waren, mich Freitag und Sonntag zu den Testspielen gegen Ciwan und Meckelfeld mitzunehmen. Leider gibt es nur Bilder von dem dunkleren der beiden, denn Sonntag in Meckelfeld hatte ich leider meinen Kamerachip im trockenen Zuhause gelassen.
Freitag also ging es mit Toddy gen Benefeld, wo auf einem gemütlichen Dorfplatz Ciwan Walsrode der Gegner war. Eine Mannschaft mit einem kurdischen Hintergrund, die jedoch diesen Platz nur für dieses Spiel angemietet hatte. So machten wir kurze Zeit später mit der geilsten Klubheimbedienung ever Bekanntschaft. Wir waren die ersten Gäste. Ich krückte also zu einem Platz, setzte mich hin, fragte Toddy noch laut, was er wolle und harrte der Dinge, die da kommen würden. Hinterm Tresen drei Leute, die mich definitiv gehört haben mussten. Aber meint ihr, es kommt mal einer und fragt, was ich bestellen will? So ging dann Toddy, als er aus den hinteren Räumen wieder kam, an den Tresen, bestellte und fragte, ob man Handball im Fernsehen gucken könnte (wohlgemerkt, wir immer noch die einzigen Gäste). Getränke bekamen wir, aber Handball durften wir nicht gucken, was uns von drei Leuten nach einander klar gemacht wurde, teilweise in einem unverschämten Ton. Okay, dieses Klubheim wird nicht weiter empfohlen. Dementsprechend war auch nach einem Getränk Schluß.
Draussen dann 1100 Zuschauer, da sich ungefähr das gesamte Dorf und ungefähr alle kurdischen Mitbürger aus ca. 50 km Umkreis eingefunden hatten. Dementsprechend wurde das zwischenzeitliche 1-3 auch frenetisch gefeiert. Zur sonstigen sportlichen Darbietung? Erste Halbzeit war eigentlich ganz okay, mit einigen schönen Kombinationen, aber insgesamt mit zu wenig Zug zum Tor. Zu einzelnen Spielern dann nach dem ganzen Bericht.
Zweite Halbzeit war dann absolut Grotte und wären nicht in den letzten Sekunden noch zwei Tore gefallen, dann wäre das super mies gewesen. Die ersten drei Minuten sahen super aus, schnell, gefällige Kombinationen, schöner Fussball, aber nach drei Minuten, einem Tor und einem Gegentor war alles wieder vorbei.
Bemerkenswert war noch, dass die Mannschaft ohne Witz mit „Pauli, Pauli“-Rufen angefeuert wurde. Echt kein Witz. Das hab ich noch nie gehört und das wirklich nicht mal auf dem übelstem Dorf. Noch bemerkenswerter war, dass eine Hundertschaft Bereitschaftspolizei anwesend war. Auf die Frage, was sie da eigentlich wollten, ausser zu frieren und sich zu langweilen, zuckte nur ein junger Polizist mit den Schultern. Das war mal wieder echte Verschwendung der Steuergelder.
Danach von Toddy wieder nach Hause gekarrt worden. Vielen Dank dafür.
Kommen wir zu Sonntag. Diesmal ging es mit Knuffi nach Meckelfeld. Aufgrund einer guten Routenplanung war der Spielort relativ schnell gefunden und dank einiger denkender Ordner konnte mich Knuffi auch direkt vor dem Stadion rauslassen und dann etwas entfernter parken. Dafür mal ein grosses Lob an die Organisatoren. Normalerweise kommt man an eine solche Sperre, wedelt mit dem noch blutendem Bein, welches ab ist, und darf trotzdem nicht näher ans Stadion. Hier aber mal ja.
Kommen wir zu den negativen Punkten an diesem Tag: Es goss in Strömen und ich hatte meine Fotochips zu Hause vergessen. Das sorgte eine kurze Zeit für etwas negative Stimmung, insbesondere da mein überdachter Sitzplatz von spät kommenden Leuten noch vorgestellt wurde, so dass ich nix sah. Also raus in den Regen, aber da konnte man immerhin sehen.
Die erste Halbzeit war eher mau, Grottenfussball, wenn überhaupt, und wenn Hauke nicht sehenswert eingeschoben und es eine schöne Kombination gegeben hätte, dann wäre man wahrscheinlich weggeschwommen. Fairerweise muss man aber auch erwähnen, dass der Platz nicht gerade zum Fussballspielen einlud. Und das ist die Untertreibung schlechthin.
Die zweite Halbzeit war dann deutlich positiver. Nein, nicht vom Spiel her, aber es war trocken, man hatte Paulchen zum Schnacken gefunden und das Spiel fand auf unserer Seite statt.
Mehr ist dann auch nicht passiert und kurz vor Schluss hatte man genug gefroren und machte sich auf den Weg nach Hause.
Kommen wir nun zu ein paar Worten zu einzelnen Spielern, wobei die Eindrücke auf den Leistungen in zwei Testspielen (eine sowieso schon dünne Grundlage, dies ausdrücklich erwähnt, auch wenn es ja immer wieder Leute gibt, die daraus echte Entwicklungen deuten wollen) nach dem (Zitat!) „härtesten Trainingslager“ (sprich noch dünnere Grundlage).
Die Torhüter
Bene ist auch für Testspiele gesperrt gewesen, die beiden anderen haben gespielt, haben beide immer in kurzen Hosen gespielt und es ist ein Wunder, dass die beiden nicht erfroren sind. In beiden Spielen hatten sie nicht wirklich eine Chance, sich irgendwie, irgendwann oder irgendwo auszuzeichnen. Hier eine Bewertung vorzunehmen wäre ein gespielter Witz.
Die Abwehr
Hauke spielte die meiste Zeit hinten links (in Meckelfeld dann eine Halbzeit auch rechts), das war eigentlich das auffälligste. Sonst natürlich auch nicht viel getestet. Hauke wirkte etwas sicherer als vor der Winterpause, aber das ist wie schon gesagt ein subjektiver und insbesondere nicht gesicherter Eindruck. Interessant war, dass eigentlich in allen Spielen vier Abwehrspieler aufgestellt waren, aber hinten in der Regel immer nur 3 Spieler auf einer Linie stehen blieben. Ob dies nun taktisch eine Dreierkette sein sollte oder ob insbesondere Lechner einfach aufgrund von Langeweile ins Mittelfeld vorrückte, war leider nicht wirklich zu erkennen. Mangels Forderung ist es schwer zu erkennen, wer hier sich gut entwickelt hat und wer nicht. Auffällig waren die Fehlpässe von Morena in Meckelfeld. Da sind mir doch zwei bis drei echt miese Dinger aufgefallen.
Das Mittelfeld
Boll, Schultz und mit Abstrichen Bruns haben ihre Form erreicht. Boll und Schultz überzeugten mit läuferischem Einsatz und auch mit der Kreation von einigen sehr schönen Spielzügen. Bruns läuft zwar wie Sau, bekommt aber auch gegen unterklassige Gegner nur ganz selten Flanken zustande oder kann sich durchsetzen. Überhaupt nicht gefallen haben mir Meggle und Takyi. Wenn beide auf dem Feld waren lief gar nix mehr im Mittelfeld und das anscheinend von Stani gewünschte Direktspiel kam komplett zum Erliegen. Braun war komplett unauffällig, hat aber auch nur einmal gespielt, genauso wie unser unaussprechlicher Kanadier.
Der Sturm
Mann, ist Dinzey schlank geworden. Im Spiel hat er mich jedoch noch nicht wirklich überzeugt. Kuru zeigt ansatzweise, dass er ein Strafraumstürmer ist, aber um ihn wirklich zu beurteilen fehlten einfach die Bälle in die direkte Spitze. Stendel ist wieder fit, bemüht sich sehr, aber man merkt, dass ihm noch einiges zur Topform fehlt. Ist wahrscheinlich klar, wenn einen der Körper so lange im Stich gelassen hat. In Meckelfeld fiel Lange positiv mit sehr engagiertem Spiel und dem „dahin gehen, wo es weh tut“ auf.
Sprich: Es gibt noch einiges zu tun. Was mir gefiel war der immer wieder getestete Versuch, direkt und schnell zu spielen. Hat nicht immer funktioniert, aber gerade die Schnelligkeit leidet natürlich auch stark unter einem Trainingslager.
Wer hat nun Schuld? Ist das alles nur eine Schmierenkomödie um gekränkte Eitelkeiten? Ich denke nein. Fakt ist, dass wir einen Präsidenten haben, der wiedergewählt werden muss. Fakt ist auch, dass ein Präsident, damit er denn gewählt wird, vom Aufsichtsrat vorgeschlagen muss. Dies ist – und insoweit gebe einigen Schreibern Recht – eine Einschränkung der demokratischen Mitgliederrechte, aber dies hat nicht unser Aufsichtsrat zu verantworten, sondern ist vom DFB so gewollt und eine Nichtbeachtung hätte einen Lizenzentzug zur Folge. Wenn ich einen Präsidenten aber vorschlagen soll, dann muss ich ihn auch prüfen, denn ich bin nach der Denke des DFB und auch der entsprechend konstruierten Satzung ja für ihn verantwortlich. Da hilft ein blindes „Durchwinken und dann die Mitglieder entscheiden lassen“ nicht. Und es wäre definitiv gegen den Sinn der Satzung. Nun ist es aber so, dass wir einen Präsidenten haben, der sich nicht nur Verdienste um diesen Verein erworben hat, sondern der auch erhebliche Probleme mit „Kontrolle“ und „Zusammenarbeit“ hat. Man könnte auch sagen, dass wir den klassischen Sonnenkönig als Präsidenten haben. Er mit seiner Art erfolgreich gewesen und wir haben grosse Schritte in Richtung „Gesundung“ und „Stadionbau“ gemacht und ich denke, deswegen könnten viele Leute auch weiterhin mit Littmann leben (der Autor nimmt sich hier ausdrücklich aus, aber das hat andere Gründe als die zur Zeit diskutierten), nur denke ich, dass gerade das Kontrollorgan jedes Recht hat, vor einer erneuten Kandidatur Kontrolle zu üben. Und hier liegt wohl genau der Hase im Pfeffer. Neben der Kandidatur und Wiederwahl haben wir noch ein Stadion zu bauen. Und zumindest öffentlich fehlen dazu noch einige wichtige Bausteine. Ich sag nur: Baugenehmigung, Bauunternehmer, Bank und Bierlieferant (Caterer). Alles ist bisher öffentlich nicht vermeldet und dann gibt es das für mich auch nicht. Wo aber hängt dies alles? Beim Aufsichtsrat, der alles verschleppt, sowieso keine Ahnung hat, wie man baut und sowieso doof ist? Oder bei einem Präsidenten, der selbstherrlich ist, den Aufsichtsrat nicht will und nix vorlegt? Ich finde es schwierig, dies aus öffentlichen Meldungen zu bewerten.
Daher fange ich nun mal ein bisschen anders an. Ist es erstmal überhaupt legitim, den Stadionbau und das Vorliegen der Unterlagen mit der Nominierung zu verknüpfen? Ich denke ja. Es handelt sich hier um ein prägendes Objekt, was den Verein auf Jahre binden wird. Und ich finde, wenn so etwas – auch per Zufall – zusammenfällt, dann darf man einen runden Beginn fordern, bevor man wiederwählt.
Darf auf der anderen Seite der Präsident etwas fordern, bevor er wieder zur Verfügung steht? Definitiv ja! Bei Littmann geht es ja um die 400.000 Euro, die er gerne wieder hätte, die er dem Verein mal geliehen hat. Nur legitim und absolut okay. Ob ein Aufsichtsrat nun wirklich solche Verträge ausarbeiten kann, sei mal dahin gestellt, aber da könnte man sich ja auch der Hilfe des Präsidiums etc. bedienen.
Nur dies alles erklärt nicht diesen medialen Kampf. Der wird mit sehr wenig öffentlichen Argumenten geführt und ist daher schwer bis ins letzte zu kommentieren. Nur eines sollte man komplett vermeiden: Die Schuld dem AR in die Schuhe schieben, denn Littmann hat die Presse zuerst genutzt. Oder aus den Ergebnissen Entschuldung und Stadionbau einen Freifahrtschein für Littmann zu bauen. Neben Clevernis gehörte da auch unverschämtes Glück zu. Aber das braucht man ja auch mal.
Leider muss ich diesen Text ein bisschen mit angezogener Handbremse schreiben, aber hoffen wir mal, dass sich alles bald ins Gute auflöst. Fakt ist aber auch, dass dieser Verein auch ohne Littmann das Stadion bauen kann – oder könnte, theoretisch. Die Hauptfinanzierung sind nun einmal die 5,5 Millionen von der Stadt und die sind dem Verein und nicht der Person gegeben. Und sonst gibt es noch keine Partner, die darauf pochen können, mit Littmann unbedingt weiter machen zu wollen, den