Norbert regt sich auf vom 19.2.2007
über
Brauchtest du Geld?
oder
Wer den Schaden hat, braucht für den Spott nicht zu sorgen
Fanszene tot? Nur noch USP macht was? Es sieht nicht so aus, denn zum ersten Heimspiel wurde man gleich zweifach überrascht (naja, einmal war ich nicht wirklich überrascht). Zum einen von dem Zine „In the streets of Hamburg“ (leider wohl schon vergriffen, aber das schreit nach einer Erhöhung der Auflage), welches von der kurzhaarigen Fraktion herausgegeben wird und endlich mal wieder ein Zine nach meinem Geschmack ist, gut geschrieben und auch endlich mal wieder Artikel, in denen jeder dritte Satz „Und dann gingen wir ein paar Biere trinken“ oder so ähnlich lautet. Absolute Kaufempfehlung von hier aus. Zum anderen durch die Gründung von Vor-Spiel St. Pauli, aber da hielt sich meine Überraschung in engen Grenzen, da ich an der Gründung beteiligt bin. Daher gibt es unten auch noch mal das Gründungsmanifest in epischer Breite.
Aber noch ein Stern am Fanzine Himmel erfreute den geneigten Leser. „Strictly Old Style“ kommt aus der Ultraecke (ist das nicht ein Widerspruch in sich? Ultra ist zumindest in Deutschland ja ein relativ junges Phänomen), hat mich beim ersten Mal durchblättern noch nicht von den Socken gehauen, aber alleine der Zugriff auf alte Flyer und Fotos macht es doch lesenswert. Die teilweise etwas wirren Theorien kann ich teilweise einfach nicht nachvollziehen oder seh ich einfach komplett anders, aber mal abwarten, der Autor verspricht ja nächstes mal „konkreter“ zu werden.
Was lest ihr sonst so heute? Eine Aufarbeitung von ungefähr 1000 Dingen, die zwischendurch angefallen sind., 180 Minuten Fussball, zwei Überschriften, das ganze auf einem heilen Bein und mit null Sympathie für Vereine, die im Volkspark Fussball spielen.
Wie schon die ganzen Überschriften andeuten, muss man für den Spott nicht sorgen, wenn man den Schaden hat. Und so ging es auch mir, als ich zu diesem Heimspiel notgedrungen auf Krücken kam. Eigentlich war das anders geplant, denn eigentlich wollte ich zum ersten Heimspiel wieder stehen und gehen können. Aber 1. kommt es anders und 2. als man denkt. Dankenswerterweise hatte sich Pectoris und sin Fru bereit erklärt einen ihrer Sitzplätze für mich zu opfern, so dass ich überhaupt das Spiel vernünftig verfolgen konnte.
Aufstehen und zum Hauptbahnhof, galt es doch die neueste Ausgabe von „Der Amateur“ abzuholen und auch das glorreiche Flugblatt von Vor-Spiel. Was natürlich nicht so schön war, denn der Hauptbahnhof war über und über besetzt von Sektenmitgliedern der gefährlichen Sekte „Raute“. Gut, Jacke zu und durch, war alles kein Problem. Was ich jedoch langsam irgendwie komplett albern finde ist dass ja wohl alle Ultras aller Vereine komplett gleich aussehen. Schwarze Wetterjacke irgendeines Outdoorherstellers, dazu ein Schal in Vereinsfarben und ein Kappi (am liebsten schwarz) mit ein paar Pins dran. Ist die Jugend von heute so austauschbar? Oder haben wir in unseren Schweizerarmeejacken genauso uniform ausgesehen? Immerhin sahen zu diesen Zeiten die Rautenjünger noch vollkommen anders aus als die braun-weiss-Gläubigen. Heute muss man eigentlich nur die Schals tauschen.
Dann in den Fanladen, wo folgende Frage und Antwortstunde begann, die sich den ganzen Tag (so oder so ähnlich) weiterzog: „Was hast du denn gemacht?“ „Kniescheibe versetzt, so schön mit Schienbeinbrechen etc.“ „Aua und Gute Besserung“. Also wenn gute Wünsche dazu führen, dass das ganze schneller heilt, dann müsste das Bein eigentlich heute gesund sein. Danke dafür. Aber ob es was genutzt hat, merk ich erst morgen, wenn ich mal wieder den Arzt besuche.
Dumme Sprüche gab es natürlich auch reihenweise, wobei ich mich mal auf zwei Highlights beschränken möchte. Ein Bremer sang „Wenn du gehst, dann geht nur ein Teil von dir“ und ein „Corny redet nicht mit mir“-Aufsichtsratsmitglied antwortete spontan auf „hab Kniescheibe versetzt“ mit „Brauchtest du Geld?“
Der Hahn wurde natürlich auch der rituellen Opferung zugeführt und siehe da, wer kommt durch die Tür? Petruschka! Leider musste das Hallo relativ kurz ausfallen, da ich Termine hatte, aber es war natürlich schön, sie und ihren Göttergatten mal begrüssen zu können. Erstmal ihre Dauerkarten ihnen übergeben und dann leider auf zum Stadion.
Einen langen und langsamen Marsch später fand ich mich am AFM-Container wieder. Dort auch erstmal all die Gesichter begrüsst, die man nun lange nicht mehr gesehen hatte und die Schlange der „Ich hätte gern eine Karte“-Leute bewundert. Auch in der Tauschbörse war komplett Ebbe, was nur zeigt, dass 15.500 Plätze verdammt wenig sind.
Leider war sonst nicht viel los am AFM-Container. Durch die Auflösung des magischen Dreiecks „AFM-Container, Clubheim, erster Eingang GG“ blieben doch viele Leute vorne stehen, so dass nicht so der Punk abging wie sonst immer. Aber viele Leute hatten auch noch gar nicht realisiert, wo genau sich nun der Container befindet. Im neuen Stadion wird ja glücklicherweise dann alles besser.
Nun ins Stadion, wo ich für einen Sitzplatz viel zu früh anwesend war. Familie Pieper sitzt aber auch genau in diesem Block, war schon anwesend, so dass für Unterhaltung gesorgt war. Der Blick ins weite Rund war doch sehr ungewohnt. Wo einst die stolze Südkurve prangte, ist nun ein grosses Loch. Der Zaun verhängt, damit es keine Schwarzseher gibt (eine aus meiner Sicht überflüssige Sache, da doch sowieso alle Tickets verkauft sind) und leider auch schon mit Werbung vollgepflastert. Dahinter einfach ein riesiges Loch.
Im Norden nun die Gästefans, eine wirklich effektive und längst überfällige Lösung. Das zeigte sich bereits vor dem Spiel, wo an der Budapester Straße nur geringe Polizeikräfte vorhanden waren und noch mehr nach dem Spiel, wo der USP-Marsch nicht von einem Polizisten begleitet wurde. Massive Polizeikräfte konnte man schon hinter der Gästekurve sehen, aber so kommt es nun zu absolut keinem Zusammentreffen mehr zwischen irgendwelchen Gruppen auf ihrem Heimweg. Natürlich werden einige Leute ihre angestammten Wege ändern müssen, aber wer nun noch in Auseinandersetzungen vor dem Gästeblock verwickelt wird, der wollte dies und ist dann selber Schuld, wenn er sich Spiele eine ganze Zeit von draussen ansieht.
Die Stimmung – von Block 6 aus beurteilt – war bestenfalls durchwachsen, was ich jetzt aber gar nicht schlimm finde. Ohne die Südkurve entsteht ein komplett neues Bild des Stadions, an dass man sich erstmal gewöhnen muss. Und viele Leute werden auch einen neuen Platz gesucht haben, da ihr alter Platz nicht mehr vorhanden ist. Das sind nicht gerade die besten Voraussetzungen für gute Stimmung und wenn dann noch ein Bierverbot und ein von Taktik geprägtes Spiel hinzu kommt, dann ist die Stimmung halt mal lau. Das ist halt so. Besser wird es garantiert dann, wenn erstmal ein Rohbau in der Süd steht, dann wird es wieder geschlossener und enger in diesem Stadion.
Zum Spiel: Schlecht fand ich es nicht. Natürlich mit sehr wenig Torchancen, aber das war eigentlich zu erwarten, denn Lübeck ist eine extrem kompakte Mannschaft, die auch noch sehr defensiv eingestellt war. Da passiert halt nicht viel vor den Toren. Trotzdem gefiel mir, dass die Mannschaft zumindest 30 Minuten versuchte ihr taktisches Konzept (schnell und über aussen) zu spielen, auch wenn es nicht von Erfolg gekrönt war. Kuru fehlt noch die absolute Bindung zu seinen Mitspielern, aber die sind es auch nicht gewöhnt, dass da ein Stürmer in vorderster Front spielt und auch mal mit dem Abseits spekuliert. Trotzdem ist der Junge schon jetzt eine absolute Bereicherung. Wenn ich bedenke, wie häufig Luz und Wojcek sich irgendwo im Mittelfeld aufrieben, dann ist es echt schön anzusehen, dass wir endlich mal wieder einen Stürmer haben, der vorne für Wirbel sorgt. Und seine Leistung wurde ja auch durch das Herausholen des Elfers gekrönt.
Um erstmal das Positive abzuschließen, ist Sako natürlich zu erwähnen. Endlich mal ein Stürmer, der seine Körperlichkeit einbringen kann und gegen eine etwas abgekämpfte Abwehr noch mal Akzente setzen kann. Er war an beiden Toren irgendwie beteiligt und hat damit eigentlich alles richtig gemacht. Ob das (schon?) für 90 Minuten reicht, wage ich jedoch zu bezweifeln. Irgendwann stumpft sich der Überraschungseffekt der Grösse ab.
Leider nicht wirklich perfekt spielten alle unsere Aussenspieler. Weder Lechner noch Rothenbach noch Takyi noch Braun noch Bruns haben mich wirklich überzeugt. Die beiden Abwehrspieler bringen nach vorne viel zu wenig, auch wenn sie hinten solide stehen, und die offensiven Spieler versemmeln viel zu viele Flanken und Pässe. Da ändert auch Takyis einer Geistesblitz nichts dran, der das Spiel letztendlich entschied.
Hier stellt sich sowieso die Frage, ob wir nicht auf den Aussenpositionen noch hätten nachlegen sollen, denn während wir mit Joy und Lechner gerade mal zwei gelernte Aussenverteidiger im Verein haben, haben wir mit Schultz, Boll, Brückner, Schnecke Kalla, dem Kanadier, dessen Namen ich nicht schreiben kann und dem Ex-Lübecker, dessen Namen ich genauso wenig schreiben kann, insgesamt sechs Spieler, die auf der Sechs spielen wollen und dies auch könnten. Wenn man bedenkt, dass wir sowohl in der 1. Mannschaft, als auch in der 2. Mannschaft diese Position meistens nur einfach besetzten, dann ist das ein bisschen viel und dementsprechend spielen die auch – zumindest bei der 2. Mannschaft – wild auf irgendwelchen anderen Positionen. Und für Boll ist zur Zeit kein Platz in der Startelf, was ich erstaunlich finde.
Komplett richtig ist es allerdings, Meggle eine Denkpause zu geben. In der Vorbereitung von extremer Lustlosigkeit geprägt, so dass eine Nichtberücksichtigung komplett in Ordnung ist. Bei Dinzey hat sie mich überrascht, der wirkte dünn und motiviert, aber da ich nur Teile der Spiele gesehen habe, kann das natürlich ein Fehleindruck sein.
Aber irgendwie doch verdient, gewannen wir durch zwei Tore, die beide der Frech sich selber reinlegte und so konnte man doch noch feiern. Das Projekt Aufholjagd ist also gestartet und wenn wir nun gegen Dortmund und Bremen sechs Punkte einfahren, dann sind wir oben dran. Aber eben auch nur dann. Ich bleib dabei: Wir brauchen 42 Punkte aus der Rückrunde und das heisst, es fehlen uns noch 39.
Nach dem Spiel ging es ganz entspannt ohne Polizei zum Fanladen, wo kurz noch Fazit gezogen wurde und dann ging es bewegungsbedingt nach Hause, wo ich mich gepflegt auf dem Sofa besoff.
Sonntag ging es dann zur 2. Mannschaft, die komischerweise erst um 15 Uhr spielte (ich dachte immer Winterzeit = 14 Uhr?), was wohl einige verwirrte. Zu Gast war Ramlingen-Ehlershausen und jeder hoffte auf eine Wiedergutmachung des Hinspieles, welches uns nach einem langen Marsch eine 2-0 Niederlage bescherte. Der Verkauf des Amateurs fand diesmal ungewohnterweise im Sitzen statt, denn nicht nur mich sondern auch meinen Mitverkäufer Orsen hatte es irgendwie am Knie erwischt. Ein gefundenes Fressen für alle Fotografen, womit wir mal wieder bei dem Schaden und dem Spott wären. An dieser Stelle ein „Gute Besserung“ an Orsen, der aber immerhin schon an einer Krücke gehen kann.
Sonst die üblichen Gesichter und das übliche Gekicke. Ramlingen schoss einmal aufs Tor und der war drin. Die „Verstärkung“ aus der 1. Mannschaft (Joy, Brückner, Reus) blieb blass oder hatte keine Chance einzugreifen. Ein stark verbesserter Lange (man, der kann ja laufen und sich bewegen) erzielte zwar noch den Ausgleich, aber das wars. Und obwohl St. Pauli II noch Chancen für ungefähr 10 Spiele hatte.
Am Rande noch erfahren, dass Mama Kalla bei Cordi aufgehört hat (so dass es nun keinen Grund mehr gibt Cordi auch nur annähernd sympathisch zu finden). Insgesamt ein nicht sehr spannender Tag. Nur einen absoluten Skandal gab es. Ramlinger Fans hingen ihr Transparent ohne Witz mitten in die Meckerhecke. Soweit ist es schon gekommen an der Schanze.
… Todesfall 1: Prof. Dr. Kion ist tot. Damit geht ein absolut verdienter, jahrlang treuer St. Paulianer von uns. Ich wäre wahrscheinlich in wenig vereinspolitischen Dingen mit ihm einer Meinung gewesen und ich fand seine Kandidatur für den Aufsichtsrat absolut unpassend, aber wenn man mit ihm sprach, dann war er ein so freundlicher und sympathischer Mensch, dass man ihn definitiv vermissen wird. Umso trauriger dass er aufgrund der unglücklichen Kandidatur nicht bei der letzten JHV mit stürmischen Applaus und kiloweise Blumen verabschiedet wurde. Verdient hätte er es. Noch eine Anmerkung am Rande: Dringend gearbeitet werden muss an Schweigeminuten, denn die war – mal wieder – viel zu kurz. Und irgendein Trauerabzeichen wäre auch gut gewesen, wenn auch auf schwarzen Trikots schwer umsetzbar. Noch ein Argument mehr für braune Heimtrikots.
… Todesfall 2: Werner Hackmann ist tot. Von vielen Fussballfans wahrscheinlich das personifizierte Feindbild. Trotzdem ist es traurig, wenn jemand so früh und so brutal aus dem Leben gerissen wird. Er sollte nebenbei ALLEN Rauchern ein warnendes Beispiel sein sofort aufzuhören.
… der neue Übersteiger. Den ich mir gestern mit den Worten „sonst kann ich ja nicht pöbeln“ gekauft habe. Das was ich bisher gelesen habe, ist die übliche Übersteiger Qualität, wobei der Spass echt komplett auf der Strecke geblieben ist. Das USP Interview bringt – finde ich – nicht viel neues außer den schon häufig geäusserten Positionen, die durch dauerndes Wiederholen auch nicht richtiger werden, wobei ich es albern bis extrem lächerlich finde mit einem Herrn X zu sprechen. So baut man weder Vertrauen auf, noch wird man wirklich ernst genommen. Die Gruppe sollte sich mal ein Gesicht und einen Namen geben, so wirkt das einfach Paranoiahaft. Der Stadionbauartikel ist mit vielen interessanten Infos gespickt. Dager spar ich mir hier aber meine Ausführungen zu diesem Thema oder zum Thema Aufsichtsrat und verweise vollinhaltlich auf den Übersteiger. Dem da geäußerten ist nix hinzuzufügen. Absolut gelungen ist auch das Stani Interview.
… die beiden anderen Fanzines, die hier schon genug abgefeiert wurden und die neue Gazetta, die auch nett zu lesen ist.
… das Erwin (Offenbacher Fanzine), welches leider sein Erscheinen eingestellt hat. Nicht nur, dass damit der Grund, warum ich Sympathien in die hässlichste Vorstadt Deutschland habe, weggefallen ist, nein es ist auch eines der besten (wenn nicht das beste) Fanzine Deutschlands gestorben. Mein absolutes und nie erreichtes Vorbild, wenn es um Bildunterschriften geht. Dagegen sind die Bildunterschriften hier auf der Seite echt langweilig und schlecht. Schade und mach es gut im Fanzine-Himmel!
… die Krawalle in Leipzig, die erstmal nur Kopfschütteln auslösen müssen. Einige Anmerkungen hab ich aber trotzdem. 1. Es ist erstaunlich, wie überrascht einige Leute nun tun, dabei war schon immer klar, dass Lok ein Pulverfass mit brennender Lunte ist. Die hatten in den unteren Ligen nur einfach nicht die Gegner, damit es richtig kracht. 2. Es ist erstaunlich, wie nun wieder der hektische Aktivismus um sich greift, nachdem jahrelang eine kontinuierliche Fanarbeit versäumt wurde (so zahlt das Land Sachsen dort bisher kein Fanprojekt). 3. Es sollte jedem zu denken geben, ob Gewalt wirklich ein sinnvoller Weg ist auf Repressionen etc. zu antworten. Ich habe keine Lust, dass irgendwann bei Spielen ein Fan oder auch ein Polizist auf der Strecke bleibt. Denn auch wenn die Polizei abstrakt ein Feindbild ist, so muss man doch wissen, dass auch das nur Menschen sind, die Familie etc. haben und die meistens von unfähigen Vorgesetzen oder unfähigen Politikern verheizt werden. Daher sollten alle Beteiligten dringend daran denken und dringend die Füsse still halten. Sprich einfach mal die Flasche in der Hand behalten und nicht werfen etc.
… Italien, wo diese Entwicklung halt zur Spitze getrieben wurde und wird und was bei mir nur Kopfschütteln auslöst. Ich habe keine Ahnung, wie man die dort herrschende Fankultur als Vorbild nehmen kann (ich pauschalisiere, ich weiß)
… Vor-Spiel St. Pauli, die mit folgendem Text sich gründeten
Schluss mit dem reinen Rein-und-Wieder-Raus-Ritual -
St. Pauli hat wieder Lust auf ein gepflegtes „Vor-Spiel“
Zum Start der Meisterschaftsspiele im Jahre 2007 hat sich mit „Vor-Spiel“ eine neue Supporter-Gruppe gegründet, die ausgewählte Spiele des FC St. Pauli mit ein wenig Erotik und viel mehr Optik bereichern will.
Wer braucht denn noch ein „Vor-Spiel“?
Die Idee dafür ist bei den Pokalchoreos in der letzten und dieser Saison erwachsen. Dort fand sich eine lose Gruppe, die Choreos auf der Haupttribüne vorbereitete, finanzierte und durchführte. Diese Aktionen waren unserer Meinung nach wirklich erfolgreiche Ergänzungen zu dem bereits existierenden Support und haben uns nebenbei auch noch viel Spaß bereitet. Dies wollen wir nun etwas institutionalisieren, um so langfristig die Qualität dabei weiter zu vergrößern und vor allem die Intervalle dazwischen zu verkleinern.
Was wir begehren?
Zentrales Ziel dieser Viagra-Gruppe ist es, bei Spielen der 1. Mannschaft durch verschiedene Choreos sowohl Mannschaft als auch Zuschauer vor dem Spiel in eine gelöste, positive und auch aufgeladene Stimmung zu bringen und dabei die beiderseitige Lust zu steigern. Kurz: Alle durch ein gelungenes Vor-Spiel noch heißer zu machen.
Was uns kalt lässt?
Wir verstehen uns ausdrücklich nicht als Konkurrenzveranstaltung oder -vereinigung zu bestehenden Support-Gruppen oder Fanclubs. Wir werden die bereits erfolgten Kooperationen und Koordinationen weiter fortführen und sehen uns vielmehr als Ergänzung, als ein weiterer Zusammenschluss, in dem sich interessierte St. Paulianer auch noch einbringen können. Mit uns kann man „Fremdgehen“, ohne ein schlechtes Gewissen zu kriegen, denn statt falscher Eifersucht setzen wir viel lieber auf die freie Liebe und sind eine offene Gruppe. So monogam die Liebe der Gruppe zu unserem FC St. Pauli ist, so polyamourös können die einzelnen Mitglieder in ihrem Fandasein sein. Auch sind wir keine Organisation, die irgendwelche Ziele über die oben benannten hinaus verfolgt. Wir sind weder eine Gruppe, die den oral-akustischen Support organisiert, noch eine Gruppe, die sich explizit um vereins-, fan- oder andere politische Ziele kümmert. Eine Beteiligung daran, so wünschenswert sie ist, ist jedem unserer Mitglieder selbst überlassen und stellt keine Voraussetzung für ein Engagement in oder mit unserer Gruppe dar.
Was sind die Objekte unserer Begierde?
Vorläufig wird es nur zu ausgewählten Spielen irgend etwas von uns geben. Wir werden uns neben den Pokalspielen zunächst also nur einzelne „Rosinen“ herauspicken. Ob sich das ändert hängt dann natürlich auch von Euren Neigungen oder Eurer Leidenschaft ab.
Wo sind unsere Tummelplätze?
Wir wollen alle Stadionbereiche in unsere Arbeit integrieren. Für unsere Aktionen werden wir meistens die Haupttribüne, manchmal auch die Nordkurve und die Gegengerade nutzen. Die neue Süd wird wohl nicht unsere Spielwiese sein, da andere Gruppen dort Aktionen durchführen werden.
Wer sind die Vor-Spieler(innen)?
Wir sind ein Zusammenschluss von attraktiven Leuten mit viel Sex-Appeal, die an optischem Support unserer Mannschaft interessiert sind. Sind es bis jetzt hauptsächlich relativ gleichaltrige Gegengeradensteher wollen wir gerne irgendwann einen Querschnitt durch alles, was diese bunte Welt des FC St. Pauli ausmacht, vereinen. Jeder Mensch kann bei(m) Vor-Spiel mitmachen: Jung oder alt, Sitzplatz oder Stehplatz, 90-Minuten-Sänger oder spielbezogener Supporter, Skinhead oder Langhaariger, Frau oder Mann, all dies spielt keine Rolle. Nur Menschen mit faschistischer, rassistischer, sexistischer oder ähnlicher Gesinnung werden wir keine Möglichkeiten für vorspielende Genüsse geben.
Was sind unsere Praktiken?
Geleitet (soweit dies nötig ist oder werden sollte) wird das Ganze von einem Zentralkomitee (eine Hand voll Dominas und Dominos), welches die organisatorischen Aufgaben wie Mitgliederverwaltung, Kasse etc. übernimmt. Sonst soll es bei uns nur flache Hierarchien und pralle Basisdemokratie geben. Wir möchten eigentlich keine wöchentlichen Treffen abhalten oder uns zu stark organisieren. Mindestens einmal im Jahr wird im intimen Kreis vorgespielt, alles dirty betalkt, Neues geplant und gemacht.
Was haben wir zu bieten?
Wie heißt es immer so schön? „Mittendrin statt nur dabei“ und „Vorfreude ist die schönste Freude“ - genau das bieten wir. Dazu viel derben Spaß, prickelnde Unterhaltung, feinmotorische Handarbeit, die Möglichkeit, neue Leute kennen zu lernen und bei Bedarf natürlich auch eine Zigarette danach. Darüber hinaus bekommst Du Ermäßigungen auf unsere eigene Lack- und Leder-Kollektion (in Planung) sowie bei unseren Blitzdating- und Singlenachwuchstouren (auch Busfahrten zur 2. Mannschaft genannt), einen unregelmäßig erscheinenden internen Newsletter und andere jetzt noch nicht ausgesprochene Ideen.
Was kostet der Spaß?
Eine Mitgliedschaft bei uns kostet pro Person 20 Euro pro Saison und verlängert sich nicht automatisch. Dafür wird jeweils ein neuer Mitgliedsausweis ausgehändigt. Da wir zur Halbserie anfangen, kostet das Ganze diese Saison 10 Euro!
Wer bei uns Mitglied ist, wird jedoch nicht verpflichtet, bei irgendeinem Aufbau zu helfen oder so. Natürlich werden wir gezielt unsere Mitglieder ansprechen, um zu helfen, aber es kann sowohl sein, dass Mitglieder beim Vor-Spiel einfach nur zugucken wollen (die passiven Voyeure), als auch dass Nichtmitglieder beim Vor-Spiel mitmachen (aktive Exhibitionisten in spe). So oder so: Vor-Spiel macht auf jeden Fall sexy.
Wie wirst du wir?
Melde Dich bei Norbert (fc42), Phil oder Til (beide Millerntoristen), gib ihnen 20 Euro und Deine e-Mail-Adresse und dann bekommst Du einen Mitgliedsausweis und darfst Dich eine Saison lang Vor-Spieler(-in) nennen.
Wie sind wir zu erreichen?
Entweder persönlich bei den Spielen, unter dem Chiffre 691910 im Fanladen oder Du schickst uns einfach eine e-Mail mit dem Betreff „have longer fun“ an: eros@vor-spiel.org. Für frivole Fragen, anrüchige Anregungen und knisternde Kontaktan