Norbert regt sich auf vom 5.3.2007
über
Fussball
oder
Nicht-Fussball
Etwas ist falsch im St. Pauli Land. Nein, damit meine ich weder den Aufsichtsrat noch das Präsidium noch Leute, die einfach Fakten verdrehen oder nicht hören wollen. Aber wenn man zwei Jahre, nachdem man jemandem untersagt hat in einem Bus die Musik lauter zu drehen mit „Wichser; ich hau dir auf’s Maul“ und ähnlichem bedroht wird, dann zeigt das, welches Niveau teilweise die Diskussionskultur in diesem Verein hat. Und es zeigt auch, dass man alles in diesem Verein machen sollte, aber garantiert nicht Busbegleitung. Wenn man dann auch noch bedenkt, dass es sich um eine hofierte alte Grösse der St. Pauli Szene handelt, dann zweifelt man doch sehr. Denn mal ehrlich: Was passiert bitte, wenn der Kerl mal wirklich ein Problem hat? Danke an alle, die gestern im Klubheim der Sternschanze beruhigend eingegriffen haben. Nur diskutieren muss man mit dem Kerl nun wirklich nicht.
Natürlich bekommt ihr auch meine Wertung des Aufsichtsrat/Präsidiums-Battle um die Ohren gehauen. Ich kann einfach nicht die Deutungshoheit dieser Sache Leuten wie (setze hier einen Forenuser nach Wahl ein) überlassen, die sich ihre Story durch Fakten nicht kaputt machen lassen. Leider muss für diese Story ein bisschen mit den Regeln dieser Kolumne gebrochen werden. Die lauten eigentlich: Es wird nicht recherchiert (ich bin ja kein Journalist), es wird aus der Emotion heraus geschrieben und es wird alles berichtet, was ich höre. Welche dieser drei Regeln ich breche, das mag jeder Leser selbst herausfinden.
Aber bevor wir dazu kommen, fangen wir chronologisch an und beginnen Samstag morgen. Womit wir bei Hertha wären.
Der Tag begann etwas früher als sonst, da es galt unseren Lieblingsschweizer vom Flughafen abzuholen. Der war – Bonz, wie er nun mal Bonz ist – mit dem Flieger zum Heimspiel angereist. Vollkommen zu Recht hat der Hamburger Zoll erstmal 10 Minuten seinen Pass studiert, man weiss ja nie, ist die Schweiz doch als Al Kaida Hochburg und illegale Einwanderer in die EU bekannt (eine Regel bleibt auch bei diesem Bericht: Witz und Ironie muss der Leser alleine erkennen).
Nachdem aber keine Verbindung zu Urs O Samli (entfernter schweizer Verwandter von Osama) nachgewiesen werden konnte, durften wir unseren Lieblingsbonz ins Auto packen und mitnehmen.
Nach einem kurzen Abstecher nach Poppenbüttel ging es dann in unser Wohnzimmer, im Volksmund auch „Fanladen“ genannt (wer diese sehr schöne Institution noch nicht kennt, dem sei vor oder nach dem Spiel mal ein Besuch in der Brigittenstraße 3 empfohlen). Auch hier wurde unser Lieblingsbiber von allen anwesenden fröhlich begrüsst und ich konnte a. den Fanclubbeitrag nachbezahlen (auch wenn man zu Delegiertenversammlungen nicht eingeladen wird, aber das ist ein anderes Thema, was an anderer Stelle anders behandelt wird), die üblichen Auswärtskarten sichern und ein bisschen schnacken. Dann ging es zu unserem Speisesaal, wo die Gockel schon knusprig braun warteten. Moritz als temporärer Fleischverzichter machte sich über den Gemüseburger her und frisch gestärkt ging es dann zum Stadion.
Wo ich mich am AFM-Container aufhielt. Allein schon weil die Millerntoristen diesmal das Bier ausgaben. Hier trafen auch drei Aufsichtsräte ein wurden natürlich auch befragt, wirkte aber alles entspannt Ich kann es nicht beurteilen, was sind eigentlich kritische Fragen, liebes Abendblatt? Der von den Zeitungen vermutete Spiessrutenlauf blieb jedoch aus. Auch wenn ein Aufsichtsratsmitglied wie folgt auf die Germanwings Werbung (Flug für Gewinner plus 10 Freunde) wie folgt reagierte: „Ich habe keine zehn Freunde mehr in diesem Verein“. Ein anderer meinte etwas flapsig: „Ich hab nun zweimal das Stadion auf der Suche nach dem Lynchmob umrundet, aber ich finde ihn nicht.“ Wie meinte jemand so schön? „Wenn wir unseren Humor nicht verloren haben, dann ist alles gut.“
Trotz immer noch lädierten Knies hatte ich für mich beschlossen, dass ich lieber stehe. Ging auch ganz gut und insgesamt hat mein Knie keine grösseren Probleme bereitet (ein bisschen zwickt das alles immer, aber ich bin halt alt und schwer). Bei uns fand sich eigentlich der gesamte Haufen an und es begann ein Spiel, was sich eigentlich das ganze Wochenende über durch zog: „Ich weiss was, was du nicht weisst.“ Sonntag bin ich dann schon Gesprächen mit den Worten „Littmann; Aufsichtsrat; Stadionneubau“ aus dem Weg gegangen.
Aber back to Samstag. Irgendwelche Unmutsäusserungen gegen den Aufsichtsrat blieben aus, es gab nur ein unterstützendes Plakat von USP, welches u.a. heute im Abendblatt zu bewundern ist. Grossartiger Kommentar eines anderer Meinung Seienden im Forum: „Ich diskutier das dort, wo es hingehört und nicht im Stadion“ (kein wortwörtliches Zitat), ob das nun in ein Internetforum gehört, da mag man gespaltener Meinung sein, aber ein Plakat im Stadion ist aus meiner Sicht immer eine legitime und auch geeignete Basis für Meinungskundgebung. Ob man nun dahinter steht oder nicht.
Ansonsten gab es zum Intro tonnenweise Konfetti. Ich finde ja immer noch, dass das richtig geil aussieht. Man hat das zwar ungefähr 20 Tage noch in der Kleidung und auch in den Haaren sammelt sich das gut an, aber das ist ein Opfer, was man für ein wirklich super schönes Intro nehmen kann. Nur böse Zungen behaupteten, dass es sich um die Verträge über den Stadionbau handelte, die dort als Konfetti durch die Luft flogen...
Kommen wir zu Dinzeys Hose. Die war so knapp, dass sie hier in aller Breite gewürdigt werden muss. Mamma Mia, die Kombination Knackarsch, kräftige Beine und knappe Hose liess doch einige Kommentare zu. Die meisten absolut unter der Gürtellinie (ach ne, ging ja auch um eine Hose) und damit für diese Kolumne nicht geeignet. Aber spassig war es.
Das war sowieso die Überraschung des Tages, dass Dinzey diese Hose von Beginn an auf dem Feld tragen durfte. Aber – um dies mal vorweg zu nehmen – er trug sie vollkommen zu Recht. Wenn er doch immer so spielen würde.
Ein paar vereinzelte Herthafans waren auch da, wurden mit ihrem Lied begrüsst und auch sonst freundlich aufgenommen. Das Gerücht von angeblich anwesenden „üblen Gestalten“ halte ich für ein Gerücht, denn auch nach dem Spiel war alles super entspannt. Oder definiert man Papi und Sohn jeweils mit Schal und Trikot als üble Gestalten?
Zum Spiel. Unsere Jungs spielten gut und zielstrebig und hätten schon zur Halbzeit führen müssen. Aber ein paar Stockfehler und auch 15 Minuten Rückfall in alte Zeiten verhinderten eine Führung zur Halbzeit. Nach der Halbzeit drehten unsere Jungs dann aber auf und kamen durch Lechner, Dinzey und Billard zu einem nie gefährdeten 3-0 Sieg. Paddy musste wahrscheinlich nach dem Spiel nur duschen, weil der Platz so tief war, wirklich gefordert wurde er nicht.
Einzelne Spieler: Dinzey, siehe oben. Lechner, würde ich beinah schreiben, siehe Dinzey. Wenn er immer so spielen würde, dann wäre er wirklich ein Held. Kuru: Beweglich, immer eine Gefahr für eine Abwehr, leider noch ohne Glück und teilweise auch noch ohne Bindung. Wer ihn aber schon auf die Bank setzen will, der hat gepflegt keine Ahnung. Der kommt noch, keine Panik. Schulz: In der 1. Halbzeit definitiv der schwächste. In der zweiten Halbzeit dann aber mit einem coolen Comeback. Und das er sowieso eine der Kampfsäue in diesem Team ist, muss man wohl nicht sagen.
Stimmung? Wurde teilweise als sehr schlecht beschrieben. Das würde ich so nicht sagen. Wenn man bedenkt, dass wir immer noch im Findungsprozess sind (so ohne Südkurve) und das ja auch kein Gegner da war an dem man sich reiben kann, dann war das okay, wenn auch noch ausbaufähig. Was mir auffällt ist, dass zur Zeit aus Richtung Block 1 sehr wenig kommt. Das war schon mal besser, auch in Zeiten des Stimmungskonfliktes mit USP.
Zur zweiten Halbzeit gab es dann noch einen Protest gegen die Polizei, der so natürlich nur unterstützenswert ist. Insbesondere, wenn die Polizei Leute wegen Vermummung fest nimmt, sich aber ganze Züge der Polizei nur noch vermummt zu Demos und Fussballeinsätzen bewegen. Da ist irgendwo die Verhältnismäßigkeit nicht gewahrt.
Nach dem Spiel natürlich grosser Jubel, ein entspannter Blick auf die Tabelle, die Feststellung, dass wir nach drei Spielen noch immer ohne Gegentor im Jahre 2007 sind und die Hoffnung, dass dies auch nach dem Spiel bei Union so bleibt.
Nach dem Spiel ging es zum Fanladen, wo wir in trauter Runde viel Spass machten. So wurde eine Dame, die mit einem aktiven Lokalrivalenfan verbandelt ist, aufgefordert, diesen endlich zu heiraten. Wir stellten uns so die Hochzeitsfeier in bunten Bildern vor. Zitat: „Geil, ne Hochzeit mit ner behelmten Bullenkette in der Mitte der Kirche“. Auch die Ideen, dass man durch den Hochzeitssaal eine weisse Linie malt, die nur nach Körperkontrollen überschritten werden darf, sorgte für Heiterkeit. Komischerweise wollte die Dame nicht, dass wir ihn anrufen und ihn auffordern, ihr endlich einen Antrag zu machen.
Danach war Ende angesagt und mit Gazetta lesen und Chaot lesen ging es nach Hause. Beide sind natürlich wieder einmal gelungen, wobei der Chaot dringend zwei Sachen braucht: Einen Layouter und einen Lektor. Bewerbungen werden gerne weiter geleitet.
Diese Saison nicht wirklich viel Freude machen bisher unsere Amateure. Mal wieder mitten im Abstiegskampf empfingen sie am Sonntag Wolfsburg II. Das ist nicht nur der Tabellenführer der Oberliga, nein, die hatten bis Sonntag alle Auswärtsspiele gewonnen. Und wenn man dann noch bedenkt, dass wir das Hinspiel 7-1 verloren hatten, dann war eine Klatsche das wahrscheinlichste Ergebnis.
Zum Abschied der Sternschanze machte man sich doch sehr früh auf, denn es galt noch einmal die wirklich gute Gastronomie an der Schanze zu supporten. Nun gilt das Union 03 Klubheim auch nicht als schlecht, aber trotzdem werden wir die beste Stadionwurst ever erstmal vermissen. Man kann nur hoffen, dass wir a. irgendwann zurückkehren und b. die Gastro bis dahin nicht schlechter geworden ist. Denn für den Pächter, der den Laden gerade erst übernommen hat, ist das natürlich ein herber Verlust, wenn dort keine Fussballspiele mehr stattfinden.
Insgesamt 365 Zuschauer dachten ähnlich und sorgten für einen Rekordbesuch an der Schanze. So verzeichnete auch der Amateur einen Rekordverkauf und nur ca. 20 Exemplare blieben bei uns. Leider waren die Zeitungen nicht nur schlecht geheftet diesmal (wir hatten ungefähr 10 Hefte, die nur als „Schrott“ zu bezeichnen sind), nein wir hatten auch Rekordpreise für den Druck bezahlt, da unser üblicher Drucker im wohlverdienten Urlaub weilte. Egal. Mit diesen Einnahmen ist alles wieder gedeckt.
Vor dem Spiel hörte ich noch einen ganz üblen Witz, den ich euch hier – natürlich – nicht vorenthalten möchte: „Wie bringen Österreicher ihren Kindern das Sprechen bei?“ „Sie tauchen sie in den Wörthersee“. Okay, wer jetzt gelacht hat, ist schnell zu begeistern.
Begeistern konnte man sich jedoch am Spiel unserer Helden, die gut dagegen hielten und eigentlich einen Sieg verdient gehabt hätten. Diesen hatte Berkan Algan auch auf dem Fuss, vergab ihn aber leider in der letzten Minute. Insgesamt wirkte aber auch er viel agiler als in den Spielen zuvor. Lag es nur daran, dass Benny Adrion sich als bärtiger Mittelfeldrenner versuchte?
So gab es wieder kein 6-Punkte-Wochenende, aber letztendlich gingen doch alle zufrieden nach Hause. Was wir nicht vermissen werden sind die Platzverhältnisse an der Schanze, aber ansonsten werden wir den Platz schon vermissen. Der einzige unschöne Aspekt des Tages ist oben gehighlightet.
Nun kommt der grosse Battle zwischen AR (in the blue corner) und altem Präsidium. Ich möchte mit ein paar
Vorbemerkungen
anfangen.
1. Dies ist immer noch eine emotionale Fussballfankolumne. Hier stehen auch mal deutliche Worte drin, auch mal flapsige und die sind nicht immer auf die 100 % ige politische Korrektheit abgeklopft. Wenn ich also etwas von „System Littmann“ schreibe, dann sind damit keine „mafiöse Strukturen“ oder so etwas gemeint. Das war da auch nicht hineinlesbar. Haben wahrscheinlich auch 99 % der Leser nicht, aber letztens musste ich mir im Forum diesen Vorwurf gefallen lassen.
2. Natürlich ist diese Kolumne parteiisch. Wer etwas anderes behauptet, der lügt. Sie ist schon allein deshalb parteiisch weil sie immer aus Sicht eines St. Pauli-Fans berichtet und insofern der Lokalrivale immer schlecht weg kommen wird. Nur versuch ich mich so weit wie möglich an die Fakten zu halten und würde euch nie mit einem einfachen „AR raus“ oder „Littmann raus“ abspeisen, sondern würde das immer begründen.
Alle anderen Vorbemerkungen siehe Vorwort (diese Kolumne ist auch immer unstrukturiert)
Vorgeschichte
Seit ungefähr Mitte Dezember ist der breiten Öffentlichkeit bekannt, dass Littmann nicht einfach so vom Aufsichtsrat wieder zur Wiederwahl vorgeschlagen wird. Damals wandte sich Littmann an die Presse und niemand weiss so recht, worum es inhaltlich eigentlich geht. Es gibt wildeste Vermutungen, aber weder Littmann noch der Aufsichtsrat haben wirklich inhaltlich was herausgelassen. Das sollte man immer im Kopf behalten.
Dies ist nebenbei umso erstaunlicher, weil ja zwischen den beiden Parteien angeblich selbst streitig war, ob das Präsidium nun die Gründe wusste oder nicht.
Was man auch immer im Kopf behalten sollte ist, dass es sich bei Littmann um einen Schauspieler handelt. Krass ausgedrückt (und ich unterstreiche, dass das Zitat nicht von mir kommt, Beschwerden darüber bitte an under construction) handelt es sich bei Littmann um jemanden, dessen Beruf es ist, Leuten etwas vorzuspielen. Nochmal, so hätte ich es nicht ausgedrückt, aber wenn der in der Öffentlichkeit nicht überzeugend wirken würde, dann hätte er in seinem angestammten Beruf ein Problem. Daher muss man, wenn man sich mit dem Phänomen (und das ist er im positiven wie im negativen Sinne) Littmann auseinander setzen will, immer streng bei den Fakten bleiben.
Und dies tun einige Leute hier nicht. Es wird da z.B. behauptet, dass auf dem Treffen der ehrenamtlichen Helfer dieses Vereines (ich war leider aufgrund meines Knies nicht da) sich alle (oder zumindest die grosse Mehrheit der anwesenden Leute) gegen den Aufsichtsrat eingeschossen hatten. Das wird erstmal in die (Foren-) Öffentlichkeit herausposaunt und verfehlt dort die gewünschte Wirkung nicht. Nur wenn man mit anderen Leuten spricht, dann war es so gar nicht. Vielmehr gab es dort Informationsbedarf, teilweise auch kritische Stimmen, aber eben auch ruhige abwartende Stimmen. Nur warum sich sein Argument von solchen differenzierenden Wirklichkeiten kaputt machen lassen?
Genauso wird behauptet, dass viele Sponsoren bei einem Weggang von Littmann nicht weiter machen würden. Dem mag ja so sein, aber es stellt sich folgende Frage: Warum haben diese das einem Forenuser mitgeteilt und z.B. nicht der Vermarktung, die bisher von solchen Plänen nichts weiss. Und warum fand das letzte Sponsorentreffen (genaue Organisation dieser Treffen ist mir nicht bekannt, aber wenn ihr die heutige Blöd lest, dann bedenkt bitte, dass das nicht so konspirativ ist, wie es da gemacht wird) zwar unter Anwesenheit von AR-Vertretern, aber nicht von Mitgliedern des Präsidiums statt (so heute die Blöd)? Warum ist der AR dort nicht massiv angegangen worden (davon berichtet die Blöd nicht)? Und wenn viele Sponsoren nur mit Corny weitermachen wollen, warum steht dann zumindest ein Sponsor laut Zeitungen als neuer Präsident zur Verfügung?
Klar ist – und auch das habe ich gehört -, dass es zumindest einen Sponsor geben soll (Achtung, unsichere Quelle), der nicht weiter machen will, aber bei diesem handelt es sich angeblich (Achtung, unsichere Quelle) um ein langjährigen Freund eines Präsidiumsmitgliedes. Und wenn der nicht loyal zu seinem Freund wäre, dann wäre die Welt ja nicht mehr in Ordnung.
Sprich: Besser wäre es gewesen, wenn alle Leute, inklusive Präsidium und Aufsichtsrat, in der Öffentlichkeit Ruhe bewahrt und die Fakten konstruktiv abgearbeitet hätten. Und es auch unterlassen hätten wild im Forum zu spekulieren, ohne irgendwas zu wissen. Oder sich von der Fassade blenden zu lassen ohne hinter die Kulissen zu sehen.
Es ist nebenbei auch erstaunlich, wie gottgläubig einige Leute bei Littmann sind und wie wenig Vertrauen in einen gerade gewählten Aufsichtsrat gesteckt wird. Während jedes – auch noch von der Presse verfälschte – Zitat von Littmann als Wahrheit gesehen wird, wird jedes Zitat eines Aufsichtsrates sofort zerpflückt, als „Schmierentheater“ und als Fehlinformation gesehen. Unterschwellig wird die Legitimation des Aufsichtsrates angezweifelt, weil er ja nicht mit „Mehrheit“ gewählt wurde. Hierzu sei mal ein dringendes Studium unserer Satzung empfohlen, welches jedem Mitglied nur vier Stimmen bei der Aufsichtsratswahl gibt. Wenn man dann sieht, dass 521 stimmberechtigte Mitglieder bei der Wahl waren und die ersten vier Aufsichtsratskandidaten 418, 360, 307 und 259 Stimmen bekommen haben, dann ist das zweimal eine 2/3 Mehrheit, einmal noch satt über 50% und einmal noch beinah 50 %. Das ist bei diesem Wahlsystem eine Mehrheit. Punkt, aus, Ende. Zu bedenken ist, dass vier Leute die Mehrheit sind und im AR theoretisch alles machen könnten (ausser den Präsidenten zu feuern). Theoretisch reichen aber vier um eine neue Kandidatur zu verhindern. Nun ist hier selbst alles einstimmig ausgegangen, so dass sich selbst grosse Minderheiten (die eben die drei anderen Aufsichtsräte gewählt haben) repräsentiert fühlen. Und wer nicht da war, der ist selber schuld. Es war – auch in dieser Kolumne – mehrfach darauf hingewiesen worden, dass die Aufsichtsratswahl deutlich wichtiger ist als die eigentliche Präsidentenwahl. Man hätte auch – wenn man denn meint alles besser machen zu können – selber kandidieren können. Man hätte dann nur 118 Stimmen bekommen müssen und wäre im AR gewesen. Hinzu kommt noch, dass der Vorsitzende (auf den schiessen sich ja auch viele gerne ein) das beste Ergebnis erlangt hat.
Noch eine Vorbemerkung: Es geht hier nicht um eine Abwahl von Littmann, es geht hier auch nicht um eine Amtsenthebung (formell vielleicht, aber auch gerade mal für knapp 30 Tage). Seine reguläre Amtszeit ist abgelaufen, er hat selber öffentlich erklärt, dass er kommissarisch das Amt nur bis zum 26.3. behalten möchte. D.h. mit dem Ablauf dieses Tages sind wir ohne Präsident, wenn er sich denn an seinen eigenen Aussagen messen lassen möchte. Und dies gilt selbst dann, wenn am 25.3. eine aoMV stattfindet, der AR mit 100 % abgewählt wird und Littmann mit standing ovations gefeiert wird. Denn einen neuen Präsidenten können wir an diesem Tag schlichtweg nicht wählen, so dass dann nur zwei Möglichkeiten bleiben. 1. Littmann sagt „Was interessiert mich mein Geschwätz von gestern“ und bleibt kommissarischer Präsident oder 2. wir haben bis dahin einen neuen. Und bevor ich die jetzt entstande Unsicherheit noch einen Monat weiter ertrage und eine „lame duck“ (Achtung, man bedenke, wie genau die Amerikaner diesen Begriff benutzen) im Amt lasse, da handele ich doch lieber und suche mir einen neuen Präsidenten.
Und noch eins: dies ist auch immer, was man bedenken sollte und was viele Leute nicht bedenken: es geht hier nicht prinzipiell um die Abwahl eines gewählten Vereinsvertreters oder das Herauswerfen in Schimpf und Schande. Es geht darum, ob man mit diesem Präsidenten weiter machen möchte. Das ist für mich immer noch etwas anderes als die Abwahl eines gewählten Organs, welches vor genau fünf Monaten demokratisch gewählt wurde. Das sollte man immer bei den Vorwürfen beachten. Es hat aus gutem Grunde nie einen Abwahlantrag gegen Littmann gegeben, trotzdem behaupte ich, dass bei einer Abstimmung am Tag der letzten JHV er nicht 460 Stimmen bekommen hätte.
Vorwürfe:
Krisenmanagment
Beiden Parteien ist ein absolut mieses Krisenmanagment in der Öffentlichkeit (man beachte hier das „in der Öffentlichkeit“) vorzuwerfen.
Dem Präsidenten (und damit auch dem Präsidium, denn irgendwelche Absetzbewegungen seiner beiden Vizepräsidenten hat es nicht gegeben) ist vorzuwerfen, dass er zwar als beleidigte Leberwurst in die Presse gegangen ist, aber mit Fakten auch gegeizt hat. Die gern gelebte Ausrede, dass man ja nicht wisse, worum es geht, kann ich einfach nicht glauben. Sorry, aber dann könnte der AR heute keine fette Pressekonferenz mit Vorwürfen machen. Woher sollen die denn kommen, wenn nicht vom Verhalten des Präsidiums? Und miteinander reden tut man ja anscheinend noch (siehe Abendblatt von heute). Mal ganz davon ab, dass dieser Behauptung die Behauptung entgegen steht, dass dem Präsidium das alles mehrfach schriftlich und mündlich mitgeteilt wurde.
Der Aufsichtsrat hat erst versucht das intern zu halten und nicht an die Presse zu gehen. Dies ist erstmal gut und vollkommen okay. Nur lass ich mich doch nicht von einem Präsidenten, der anfängt die Presse zu seinen Zwecken zu nutzen vier Wochen lang sturmreif schiessen, gebe irgendwelche halben Statements ab und gehe dann viel zu spät an die Öffentlichkeit. Entweder ich äussere mich dann gar nicht in der Presse oder ich gehe rechtzeitig (und das wäre hier spätestens Mitte Januar gewesen, wenn mich jemand fragen würde, siehe aber dazu noch später) an die Presse. Und dann mit dem gesamten Paket, soweit es vertretbar ist. Und nicht mit so einer halbgaren Pressemitteilung wie die vom 27.2.2007. Die hätte man sich auch gepflegt schenken können. Natürlich muss man bedenken, dass wir in unserer Satzung ein „Schweigegelübte“ haben und der Aufsichtsrat – anscheinend als einziger – sich daran gebunden fühlte. Das ist zwar ehrenhaft und wird von den besonnenen Leuten wahrscheinlich auch noch angerechnet, ob es wirklich sinnvoll ist, steht auf einem anderen Blatt.
Und Foreneinträge, die aus dem Frust der Situation und des allgemeinen Misstrauens einiger User gegen die eigene Person getragen sind, kommen nie gut an und sind auch für einen Mandatsträger überflüssig. Das darf der normale Fan gerne mal machen, von einem Mandatsträger erwarte ich da Zurückhaltung (nebenbei einer der Gründe, warum ich mich so wenig für ein Mandat eigne).
Eins sei aber mal klar gestellt: Dass der AR vor der allgemeinen Öffentlichkeit u.a. den Fanclubsprecherrat und USP informiert ist für mich absolut legitim und auch kein Skandal. Natürlich ist es so dass man daran zweifeln kann, warum Gruppen, die ausserhalb des Vereines und seiner Organisationen stehen, so etwas zu hören bekommen, aber dazu sei mal folgendes gesagt: Zum einen ist das schon immer so, zum anderen sitzen beide Gruppen mit Wort und Stimme im Stadionlenkungsausschuss. Diesen Fakt hat niemand prinzipiell kritisiert, so dass man sich nun auch nicht beschweren darf.
Hinzu kommt, dass jeder in einem dieser Gremien mitmachen kann. Der Fanclubsprecherrat sucht nämlich immer Kandidaten für dieses Gremium. Wer da also mitmachen will, der sei herzlich willkommen. Nur sich beschweren, warum man als normaler Forenuser später informiert wird als Gruppen, die seit Jahren konstruktiv und inhaltlich (Stadionlenkungsgruppe ist hier schon erwähnt) mitarbeiten, das geht nicht.
Bei St. Pauli bekommt man Macht und Information durch Mitarbeit. Nicht durch auf dem Sofa sitzen. Das war schon immer so und ist auch bei jedem anderen Verein so. Wem diesen beiden Gremien nicht passen: Es gibt sonst noch das AFM Plenum (Termine sagt einem dieser nette Punker in dem Container) oder die Basis St. Pauli. Alle freuen sich über neue Teilnehmer und alle freuen sich über neuen Schub und neue Leute. Und das sind auch nicht alles nur Leute, die dem „Aufsichtsrat nahe stehen“ oder mit diesem kuscheln. Wie sagte der Vorsitzende der Basis so schön zu mir: „Wir haben beschlossen, dass wir uns in diesem Thema nicht einig sind.“?
Warum erst jetzt?
Ein weiterer Vorwurf an den Aufsichtsrat ist eben das „Warum erst jetzt?“. Jedoch kann man das nicht wirklich greifen. Vielmehr hat man das Unbehagen, dass wir alle diese Fragen bereits im Januar geklärt gehabt haben könnten. Aber ob dies wirklich stimmt kann ich nicht beurteilen und da spreche ich auch nahezu jedem das abschliessende Urteil ab. Denn niemand weiss, wie genau die Vorgänge im Innern waren.
Karibikurlaub und Nichterreichbarkeit
Herr Littmann hat berufliche Verpflichtungen und das ist auch gut so. Dass zu diesen beruflichen Verpflichtungen auch der Auftritt auf Kreuzfahrtschiffen zählt, ist auch gut so. Nur sich dann für den Aufsichtsrat als nicht erreichbar hinzustellen, das ist lächerlich. Auch hier hat sich der Aufsichtsrat mehr als dusselig in seiner öffentlichen Darstellung hinstellen lassen. Natürlich ist Littmann erreichbar und wenn er anderes behauptet, dann muss man –ohne dies jetzt nachgeprüft zu haben – wahrscheinlich nur den nächsten Werbeprospekt der Aidaschiffe zücken, wo garantiert irgendwas von „modernen Kommunikationsmitteln“ steht. Nur ob er erreichbar sein wollte, das ist eine andere Frage. Anscheinend nicht, denn zwar konnte er ständig mit der Presse (insbesondere mit der MoPo) reden, aber anscheinend nicht mit dem Aufsichtsrat. Und das verlange ich von einem Präsidenten, der wiedergewählt werden will. Selbst mit seinen grössten Kritikern hat er sich inhaltlich auseinander zu setzen, sonst kann man einen solchen Verein nicht leiten. Und sich in einer solchen Situation taub und blind zu stellen ist peinlich und qualifiziert allein schon für eine nicht erneute Wiederwahl.
Auch mal ganz ehrlich: Wenn Littmann nicht mal mit Leuten fertig wird die aus seiner Sicht nichts in der Hand haben, die aus seiner Sicht ihm nichts vorwerfen können, wie soll er dann mit ausgebufften und cleveren Geschäftsleuten wie Caterern, Bauunternehmern und Brauereien fertig werden?
Die Verträge kommen morgen
Es gab zu Arschrockzeiten immer einen schönen running gag. Auf die Frage, wann Klo denn gedenke seine NuhNuh zu heiraten, antwortete dieser grundsätzlich mit „nächstes Jahr“. Und dies antwortete er dann auch im darauffolgenden Jahr (falls sich die beiden zwischenzeitlich doch geehelicht haben sollten, gilt das nun natürlich nicht mehr). So ungefähr verhält es sich auch mit den Verträgen zum Stadionbau. Die kommen immer morgen. Und morgen kommen sie wieder morgen. Oder „demnächst“. Nur wirklich abgeschlossen werden sie nie. Ausnahme ist der Carlsberg-Vertrag (oder Holsten-Vertrag oder Astra-Vertrag oder auch Bier-Vertrag). Nur seien wir mal ganz ehrlich: Das war auch der einfachste. Denn die geben 1 Mio zusätzlich zu dem, was die nächsten 16 Jahre auch ohne Stadionbau gekostet hätten und bekommen dafür eine Grundbuchsicherung, eine langjährige Ausschankgenehmigung und mehr Plätze, die saufen können als vorher. Da hätte ich auch eine Million rausgekegelt. Und auch von unserer Seite war in diesem Punkt die Auswahl nicht sehr schwierig, denn wer trinkt hier schon eine andere Plörre als Astra? Ich hätte mal gerne den Thread gesehen, wenn wir z.B. mit Flensburger oder Warsteiner abgeschlossen hätten.
Nur die ganzen anderen Verträge, die lassen auf sich warten. Und dabei schwächt jede Minute, die ins Land geht, unsere Verhandlungsposition. Insofern war schon ein Abriss der Südkurve ohne Verträge zumindest blauäugig, wenn nicht fahrlässig, selbst wenn man sich da sicher war, dass man alle Verträge sofort unterzeichnet bekommt. Dem war ja nur augenscheinlich nicht so.
Und um das mal ganz deutlich zu machen: Dies liegt auch nicht an der Unsicherheit über die Weiternominierung von Hr. Littmann, denn diese war zu diesem Zeitpunkt (Abriss Südkurve) sowieso noch nicht im Gespräch. Weiterhin wäre es ja für Littmann als Verhandlungspartner mit Baufirmen etc. eine sog. „Chance of control“-Klausel in die Verträge einzubauen, also diese Verträge an seine weitere Präsidentschaft zu binden. Das hätte der AR vielleicht nicht akzeptiert (aus meiner Sicht selbst zu Recht), aber dann wäre aus meiner Sicht deutlich klarer gewesen, dass Verträge auch wirklich ernsthaft vom Präsidium abschlussreif verhandelt worden wären. So ist die Ausrede „Das liegt alles an der Unsicherheit“ einfach zu billig, da wir keinen konkreten Vertrag vorliegen haben.
Wisst ihr was das lustige ist? Ich habe jetzt noch kein Wort zu der heutigen Pressekonferenz gesagt. Und alleine mit diesen Argumenten habe ich erhebliche Zweifel, ob man einfach so den Präsidenten erneut nominieren sollte.
Pressekonferenz
Kommen wir nun zu heute. Und hier möchte ich erstmal meinen Informanten danken, die dort waren.
Baugenehmigung / NRSA exklusiv ;-)
Fakt ist, wir haben eine Baugenehmigung. Fakt ist, mehr ist auch nie behauptet worden. Wenn man sich die Pressemitteilungen des Vereines durchliest, dann ist da nie behauptet worden, dass wir auch eine Baugenehmigung für das Projekt haben, welches wir planen. Insofern kann hier niemand einer Lüge überführt werden. Ob nun bewusst der Eindruck erweckt wurde, dass wir eine entsprechende Baugenehmigung haben, dass steht auf einem anderen Blatt. Das überlass ich jedem Leser selbst.
Was diesen Fakt so interessant macht ist, dass Baugenehmigungen ja etwas sind, was man ausserhalb dieses Vereines nachprüfen kann. Also egal wem man nun in diesem Verein traut, egal wen man in diesem Verein der Lüge bezichtigt, Baugenehmigungen kann man nachprüfen. Leider nur als Anwohner vollständig (daher kann und will ich hier auch nichts zu den Auflagen und deren Erfüllung sagen), aber ein bisschen bekommt man doch raus, wenn man einfach mal auf doof beim Amt anruft. Und genau das hab ich am 1.3.2007 einfach mal getan. Das Gespräch lässt sich wie folgt zusammenfassen. Auf meine Frage hin, ob denn Baugenehmigungen öffentlich seien, sagte die Dame vom Amt, dass dies grundsätzlich nicht der Fall sei, sie aber nur die Vermittlungsstelle sei und daher mal an ihre bearbeitende Kollegin weiterverbinden würde, die wisse so etwas genau. Daraufhin fragte sie mich, an welcher Adresse denn das Bauprojekt entstünde. „Auf dem Heiligengeistfeld“ entlockte ihr ein „Oha“. Nun hatte ich die Bearbeiterin am Rohr, die mich erstmal fragte, worum es denn ginge. Ich wieder „Auf dem Heiligengeistfeld, Baugenehmigung des FC St. Pauli“. Ob ich denn Anwohner sei. Nicht wirklich, sagte ich daraufhin, ich wohne nun wirklich woanders. Was ich denn wissen wolle, denn zur Zeit sei die noch nicht öffentlich, aber da stünde eine Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) an. Ich meinte daraufhin, dass ja bekannt sei, dass es eine gebe, mich interessiere der Umfang. Ja, sagt sie, der sei bisher für „soviel Plätze wie da vorher bestanden haben“. Mehr gebe es nur mit einer UVP. Ich solle doch, wenn mich mehr interessiert, in den Amtlichen Anzeiger der Stadt Hamburg gucken, da wird der Beginn der UVP drin stehen. Daraufhin fragte ich, wie lange dies denn dauern würde. Sie sagte, ja, so in drei bis vier Wochen stünde das denn drin. Daraufhin folgte noch eine kurze Diskussion über den Nachbarbegriff und dann bedankte ich mich und legte auf.
Sprich: Dieser Fakt ist Realität und kann auch von keinem Präsidenten der Welt wegdiskutiert werden. Es stellt sich nur folgende Frage: Können wir beginnen zu bauen, ohne eine vollständige Baugenehmigung zu haben? Ich denke mal, dass das Präsidium sagen wird: „Ja, klar“ und der Aufsichtsrat sagen wird „Nein, natürlich nicht.“. Ich hab mich mal versucht ein bisschen schlau zu machen, aber leider hab ich keinen Baurechtler in der Bekanntschaft. Aber die Leute, die vom Bau sind, meinen, dass man dies nicht dürfe. Klingt für mich als Laie auch ganz plausibel, denn man kann ja auch mit der Baugenehmigung für ein Einfamilienhaus nicht beginnen ein Hochhaus hochzuziehen.
Allemal darf man diese Tribüne nicht mit den ganzen Plätzen nutzen, so lange sie nicht genehmigt ist (selbst wenn man denn bauen dürfte). D.h.: nix „Ab in den Süden“.
Präsidium unschuldig? Zumindest eine gewisse Nebeltaktik ist dem Präsidium hier vorzuwerfen, wenn nicht noch mehr. Man hat unwidersprochen den Eindruck entstehen lassen, dass man eine vollständige Baugenehmigung hat.
Regelwerk des Präsidiums
Weiterhin hat das Präsidium dem Aufsichtsrat ein Regelwerk zur Zusammenarbeit übergeben. Nach diesem Regelwerk sollte u.a. der Aufsichtsrat nur noch mit dem Präsidium reden dürfen, nicht aber mehr mit anderen Mitarbeitern des Vereines. Weiterhin sollten Fehler des Präsidiums als Fehler der ehrenamtlichen Tätigkeit akzeptiert werden. Das ist nun ein ziemlicher Hammer. Ich weiss, das ist nur „Satzungsgedöns“ und damit unerheblich (so hat das ohne Scheiss jemand im Forum geschrieben), nur sollte jedem klar sein, dass so etwas für einen Aufsichtsrat unakzeptabel sein muss. Denn sonst kann er nicht mehr kontrollieren und gerade weil das Präsidium nur ehrenamtlich tätig ist, muss sich ein Aufsichtsrat auch bei den hauptamtlichen Mitarbeitern informieren dürfen.
Mal ganz davon ab, dass es sich nicht nur um einen Satzungsverstoss handeln würde, nein, ich behaupte auch mal, dass der DFB, der in seinen Statuten ja gerade einen Aufsichtsrat vorschreibt um Sonnenkönige zu verhindern, sich eine solche Regelung sehr genau und sehr kritisch bei der Lizenzierung ansehen würde. Ich behaupte selbst mal, dass man bei einer solchen Regelung erhebliche Probleme bekommt eine Lizenz zu erhalten.
Das mit den Fehlern als Folge der ehrenamtlichen Arbeit klingt auf den ersten Blick okay, ist es dann aber doch nicht mehr. Fehler, die wirklich in der Hektik entstanden sind, wird jeder akzeptieren, und jeder wird akzeptieren, dass gerade ein ehrenamtliches Präsidium mal einen Bock schiesst. Aber das kann ich doch nicht als Regelwerk zur Regel erklären. Wenn ich so mein Amt führen will, dann bin ich leider nicht dafür geeignet.
Und die Ehrenamtlichkeit ist nun mal ein Prinzip, welches wir in unserem Verein nicht geändert haben und das wusste auch das Präsidium, als es sich zur Verfügung stellte. Ob dies sinnvoll ist, steht auf einem anderen Blatt, ist aber hier nicht zu diskutieren und auch vom Präsidium nicht diskutiert worden, denn sonst hätte die Forderung ja lauten können und müssen, dass man ein vollamtliches Präsidiumsmitglied haben will. Eine Forderung, die jeder sehr gut verstanden hätte. Nur ob das zu bezahlen gewesen wäre steht auf einem anderen Blatt.
Abriss ohne Präsidiumsbeschluss
Die Südkurve ist ohne Präsidiumsbeschluss abgerissen worden. Ziemlicher Hammer, oder? Und definitiv erstmal ein aktives Verschulden durch Handeln des Präsidiums. Ob der AR den Abriss hätte verhindern können, steht auf einem anderen Blatt. Jedoch: Das hätte bedeutet zu diesem Zeitpunkt an die Presse zu gehen und den Präsidenten mit einer Klage oder einer einstweiligen Verfügung zu stoppen. Ganz schön harter Schritt, oder? Ob man den hätte gehen müssen ist mir nicht klar, kann ich nicht sagen. Ich tendiere eher zu nein, denn das hätte ja noch bitterer nach Schlammschlacht ausgesehen.
Und was einem ganz deutlich sein muss: Bei einer vom Präsidium behaupteten Abrisszeit von ca. 10 Tagen und einer wirklichen Abrisszeit von gut zwei Wochen kann man nicht das – definitiv günstige – Bauwetter im Dezember als Entschuldigung anführen. Sorry, das klappt nicht. Denn bei aller Liebe: Die 10 Tage längere Bauzeit hätten selbst bei Frost bis in den April den Kohl nicht mehr fett gemacht.
Gründung Stadionbaugesellschaft ohne Zustimmung AR
Es ist eine Stadionbaugesellschaft ohne Zustimmung des Aufsichtsrates gegründet worden. Das mag auf den ersten Blick erneut „Satzungsgedöns“ sein, aber auf den zweiten Blick entledigt sich damit das Präsidium jeglicher Kontrolle, denn in einer solchen GmbH, in die man natürlich eleganterweise Präsidiumsmitglieder als Geschäftsführer einsetzt, gelten die Zustimmungsvorbehalte des AR erstmal nicht. D.h. man kann machen, was man will. Und wenn man dafür Geschäftspartner findet (die sich eventuell auch von den Meldungen blenden lassen, dass die Finanzierung gesichert ist und mal ehrlich: Wer hätte diesen öffentlichkeitswirksamen Auftrag nicht gerne als z.B. Abbruchunternehmen übernommen?), dann kann man in dieser Gesellschaft natürlich schön ohne Kontrolle Verträge mit Leuten schliessen und diese Gesellschaft schön überschulden, was dann auf den Verein zurückgefallen wäre. Ob dies hier passiert ist, weiss ich im Detail nicht, zeigt aber, wie wichtig die Zustimmung des AR zur Gründung ist.
Rückführung Darlehen Littmann
Ist mir vollkommen unklar. Kann ich nichts zu sagen. Fairerweise muss man aber folgendes sagen: Anders als damals bei Weisener (wo das immer angeblich Geschenke waren), wurde von Littmann nie etwas anderes behauptet, als dass es sich um ein Darlehen handelt. Hier ist mit offenen Karten gespielt worden und dass er das nun zurück haben möchte, ist sein gutes Recht. Auch zum 1.7.2007. Ob dies den Verein in Konkurs stürzt ist eine andere Frage. Dies kann Littmann jedoch auch nicht wollen, denn dann wäre a. sein Darlehen komplett flöten und b. er eventuell in der persönlichen Haftung für andere Schulden, die der Verein nicht bezahlen kann. Ich denke, dass sich hier relativ schnell eine gute und auch einvernehmliche Lösung finden wird.
Verträge mit Angestellten
Noch so ein Vorwurf, den ich nicht nachprüfen kann. Mag sein, dass die fehlerhaft sind, mag sein, dass sie es nicht sind. Ist meines Erachtens auch ein Punkt, den man als Aussenstehender nie nachprüfen kann, da niemand von uns – vollkommen zu Recht – diese Verträge zu sehen bekommt.
Alles weitere
Ist mir aus den bisher hastigen Zusammenfassungen, die mich erreicht haben, zu schwammig, will ich nix zu sagen. U.a. genannt wurde noch, dass nicht 2 Mio. Kapital gebraucht werde für die Süd, sondern 4 Mio., dass es ein Steuerstrafverfahren gegen den FC gebe, wozu der AR erst am 21.02.2007 die Unterlagen erhalten habe und dass es angeblich immer mehrere Angebote gegeben habe, diese aber nicht dem AR vorgelegt wurden und auch nicht bekannt war, warum diese abgelehnt wurden. Ich denke aber, dass die Hauptpunkte Baugenehmigung, Regelwerk und Verträge Stadionbau absolut ausreichen, um sich mal auf die Suche nach einem neuen Präsidium zu begeben. Insbesondere wenn man bedenkt, dass Littmann während einer Vermittlung durch einen Dritten zu diesen Punkten zurückgetreten ist, also an einer sachlichen Aufarbeitung anscheinend nicht interessiert war. Angeblich soll nebenbei eine Vermittlung durch den Ehrenrat (der ist satzungsgemäss dazu da!) vom Präsidium nicht gewollt gewesen sein. Das lässt auch tief blicken. Ob und inwieweit den AR eine Mitschuld trifft, kann ich bisher nicht abschließend beurteilen, hier muss eine aoMV und eine lange sachliche (bitte doppelt unterstreichen) Fragerunde noch mehr Aufklärung geben. Ob diese Mitschuld aber ausreicht, ein für vier Jahre gewähltes Gremium nach nicht einmal einem Viertel seiner Amtszeit abzuwählen, dass wage ich zu bezweifeln. Aber für eine Wiederwahl sollte man dies allemal im Kopf behalten, dies klären und auch inklusive der Tätigkeit in den restlichen drei Jahren bewerten.
Vollkommen verkürzt also mein Urteil: Littmann weg ist richtig, AR auf Bewährung behalten.
Und nun?
Als neues Präsidium stehen bereit Stefan Orth (Vermarktung), Wolfgang Helbig (Vereinsaufgaben), Carsten Pröpper (Sport) und Andreas Wasilewski (Finanzen). Kenn ich alle nicht ausser Carsten Pröpper, der innerhalb des Präsidiums für den Sport zuständig und Stani den Rücken freihalten soll. Ob dies nun dazu führt, dass Stanislawski hinschmeisst, halte ich für eine alberne Spekulation (da mal eine grosse Rüge in Richtung Parmi), denn Stani selbst hat ja Unterstützung in Interviews angemahnt. Und selbst wenn er sich nach der Saison wieder auf den Sportdirektor konzentrieren und nicht Trainer bleiben möchte (er hat es ja bisher offen gelassen), wird er über einen sportlichen Fachmann im Präsidium garantiert nicht traurig sein. Ausser die können persönlich nun gar nicht miteinander, aber das ist mir nicht bekannt. Insofern: Nicht spekulieren, abwarten.
Dem Rest wünsche ich erstmal viel Glück und Erfolg, sie können es brauchen.
ao MV
Natürlich ist diese abzuhalten. Alles andere ist Quatsch. Selbst wenn nun das Präsidium abgesetzt wird und das neue dies nicht will, ist aus meiner Sicht diese ao MV abzuhalten. Natürlich kostet sie Geld, aber sollte Littmann nun gönnerhaft gesagt haben: Das übernehme ich privat (wenn das stimmt, was in der Zeitung steht), dann hoffe ich, dass der Verein genug Ehre hat, diesen Vorschlag abzulehnen. Diese ao MV wird auch nicht ganz einfach, aber wenn sich alle an einen sachlichen Vortrag (wieder doppelt unterstreichen) halten, dann sollte auch diese gesittet und vollständig über die Bühne gehen. Die einzige Möglichkeit auf diese MV zu verzichten, die ich sehe, wäre, wenn man direkt zu einer ao MV einlädt, auf der das neue Präsidium form- und fristgerecht gewählt werden könnte. Soviel Zeit hat wahrscheinlich jeder und dann hätten wir dieses auch gleich erledigt.
Nur was ich auch deutlich sagen will: 700 Unterschriften bekommt man in diesem Verein eher nicht, wenn nur 521 stimmberechtigte Mitglieder zu einer Aufsichtsratswahl kommen.
Stadionbau
Dies muss das wichtigste Projekt des neuen Vorstandes sein. Hier gilt es nun klar Schiff zu machen, alles neu zu bewerten und alles aufzuarbeiten. Es bleibt zu hoffen, dass wir wenigstens zur Sommerpause schon auf ein bisschen Beton blicken und vielleicht zum Ende der Hinrunde der nächsten Saison eine Eröffnung feiern können. Ob wir zu Saisonbeginn eine Tribüne haben, wage ich angesichts der Probleme stark zu bezweifeln. Ich persönlich –negativ wie ich bin – tendiere sowieso mit einer Wahrscheinlichkeit von 2,5 % dafür, dass wir überhaupt anfangen zu bauen.
Schlussbemerkungen
Auch wenn ja alle Aufsichtsräte angeblich unter einer Decke stecken, da sie alle der AFM angehören (was nicht stimmt, meine ich), so sollte man doch bemerken, dass laut Aussage AR alles einstimmig beschlossen wurde. Und aus der aktiven Fanszene stammend sind nun definitiv nicht alle ARs, so dass man bitte mit diesem Vorwurf hinterm Berg bleibt.
Nicht zu klären ist, ob man zwischen Littmann und dem Rest des Präsidiums unterscheiden kann. Zum einen stellt sich diese Frage nicht, da beide ihren Verbleib an den Verbleib von Littmann geknüpft haben und sich auch inhaltlich nicht distanziert haben. Insofern ist eine Differenzierung hier nicht möglich. Und selbst wenn beide gute Arbeit geleistet hätten, lässt sich eine Wiedernominierung des gesamten Präsidiums aufgrund der Probleme nicht rechtfertige