Norbert regt sich auf vom 5.3.2007

 

über

Rot für Braun-(Weiss)

oder

Wir fahren weit, wir fahren viel, und wir kommen nie ans Ziel

Vorwort

Spass macht das alles nicht. Unsere Mannschaft verliert, der Verein ist mal wieder in Aufruhr und auch sonst bringt das alles kein Spass. Trotzdem möchte ich euch natürlich einen Bericht geben. Diesmal mit: Niederlagen inklusive Polizei in Berlin; Sieg ohne Polizei in Osterholz und natürlich ein Vereinspolitikupdate. Ach ja, und solltet ihr treuer Leser der Seite fangemeinde.org sein, wundert euch nicht, es gibt doch einige Überschneidungen in den Berichten aus Berlin.

Macht schnell dicken Kopp

Um sieben Uhr am Klubheim für einen acht Uhr Bus? Ja es ist unerklärlich, aber so ist es nun mal und ändern werde ich das wohl auch nicht mehr. Diesmal wurde man aber belohnt, da bereits vor mir ein Bus wendete und auch die anderen Busse sehr früh ankamen. So konnte man in Ruhe seinen Platz einnehmen. Leider verliess uns der sehr nette und sympathische alte Herr, der eigentlich unser Fahrer sein sollte, und machte Platz für einen „normalen“ durchschnittlichen Busfahrer. Ansonsten war es ein klassischer „Kutten ohne Gruppen“ (KoG) Bus. Von über 50 Mitfahrern waren mir (!!!) gerade mal 20 überhaupt vom Gesicht bekannt. Der Rest war entweder auf seiner ersten Auswärtsfahrt ever oder zumindest seit Jahren nicht mit dem Fanladen unterwegs. Es ist – auch wenn ich jetzt gemein werde – immer wieder niedlich, wie die Dauerfahrer einfach ihre Plätze einnehmen, während die Neulinge ängstlich vor dem Bus stehen und dann den Busfahrer fragen, ob sie denn ihre Karte vorzeigen sollen...

Um 8:30 kam erstmal eine BlöVo Sms. „Sind fünf Minuten vor Abfahrt da, bitte Plätze besetzen“. Okay, das ist ja kein Problem, aber der BlöVo inklusive Intergalaktischer besserer Hälfte besass dann ja die Frechheit, bereits um 11 vor zu kommen. So kann ich nicht arbeiten.

Sehr schön auch die beiden Damen A und M, die nicht nur später eine Hauptrolle in diesem ereignisreichen Tag spielen sollten, sondern auch noch 10 Minuten vor Abfahrt mit den Worten „Das mit früh kommen und dann guten Platz suchen, war wohl nichts“ einstiegen. Früh kommen? 10 Minuten vor Abfahrt? Zur Entschuldigung muss gesagt werden, dass der Satz erst mit der Vorgeschichte Sinn ergibt. Die beiden hatten nämlich ellenlang auf die Hamburger Taxiinnung gewartet.

Nun war es ca. drei Minuten vor und es fehlte: Unsere Reiseleitung. Unglaublich, Daniela hatte, nunja, nicht direkt verschlafen, sie hatte schlichtweg ihren gefühlt 20sten Geburtstag ein bisschen lange gefeiert. Das war natürlich eine sofort akzeptierte Ausrede und so wurde sie doch noch mit Geschenken überhäuft.

Auf ging es in den wilden Osten. Hinfahrt? Was soll schon passieren? Die KoG vor uns machten sich mit Bier und Wodka platt, wir diskutierten darüber, ob man sich den Namen seiner Liebsten an den Hals tätowieren sollte (es war nicht wirklich eine Diskussion) und waren uns schon im klaren, dass Berlin etwas länger bei der Durchfahrt dauern würde.

Kurz vor Berlin dann die letzte Pinkelpause. Hier mussten wir dann erfahren, dass sich ein Bus (natürlich einer von denen, die danach noch Termine hatten) verabschiedet hatte. Probleme mit der Benzinleitung. Genaue Details wollten wir uns dann irgendwie nicht ausmalen. So mit Bus in Flammen und so. Der Bus sollte an der Raststätte, wo wir standen repariert werden und die restlichen Leute auf die Busse aufgeteilt werden. Da wir aber schon voll waren, warteten wir nicht und bekamen so versprochen „als Erste im Stadion“ zu sein.

Nun begann wieder die Reise durch die Innenstadt von Berlin. Kurz gesagt: Es gibt keinen sinnvollen Weg zu Union. Und wenn man dann noch mit einer groben Übersichtskarte und einer mehr als mangelhaften Anreisebeschreibung des Vereines agieren muss, dann ist man aufgeschmissen. So machten wir doch eine kleine Sightseeing Tour und als wir am Stadion ankamen, da überholten uns von links kommend an einer Ampel auch die anderen Busse. Wir sind halt höfliche Leute und haben denen den Vortritt gelassen.

Aus dem Bus raus und eigentlich wieder Angst, dass die Polizei in ihrer Panik alles absperrt. Dem war aber nicht so, ich konnte mir also viele Worte sparen und war kurze Zeit später beim Presseeingang. Wo aber leider nicht die Karten hinterlegt waren, so dass ich noch mal über die Strassenbahntrasse stolpern durfte. Natürlich super mit meinem Knie.

Auf dem Weg dahin die Leute vom Basisticker getroffen, die auch schon eine sehr interessante Reise hinter sich hatten. Sie waren zusammen mit vielen anderen Unionern und St. Paulianern auf einem Schiff angereist, welches wirklich die gesamte Zeit von einem Wasserschutzpolizeiboot begleitet wurde. Unglaublich, oder? Haben die erwartet, dass die sich gegenseitig über Bord schmeissen? Und natürlich sind sie auch von Polizei beim Aussteigen begrüsst worden.

Vielleicht mal an dieser Stelle ein paar Worte zu dem Verhältnis Union – St. Pauli. Freunde werden wir nicht mehr und das liegt nicht an den paar Fascho Idioten, die es bei Union gibt. Ich halte 90 % da für komplett korrekt und auch in der Fankurve überwiegen klar „normale“ Leute. Was mich bei Union stört ist, dass die denkenden Menschen das 10 % Problem nicht sehen bzw. nicht sehen wollen und mit einem „Hauptsache Unioner“ übertünchen. So stehen halt auch Typen mit „Berlin Winking“ Aufdruck in der Kurve, die eher nicht sympathisch aussehen.

Warum das Spiel aber innerhalb von zwei Jahren in denen man sich nicht einmal getroffen hat von einem „Freunde untereinander“ zu einem „Risikospiel“ wird, kann wohl niemand so richtig erklären. Nur weil die Babelsberger mit denen ein Problem haben? Nun mal ehrlich: Wer von uns ist schon wirklich mit Babelsberg befreundet? Oder weil sich eine Ultragruppe von denen gegen eine Freundschaft ausspricht? Das kann es ja nun auch nicht wirklich sein. Oder hat doch jemand recht, der in Berlin meinte, dass Ultras halt die Fanszene prägen?

Kurz gesagt: Die ganze Präsenz war einfach lächerlich. Anstatt der 1000 Polizisten hätten auch locker die Hälfte gereicht. Und was der Wasserwerfer da sollte, weiss wahrscheinlich auch nur die Polizei.

Genauso lächerlich waren mal wieder die Einlasskontrollen. Nicht nur, dass es erneut zu Gedrängel kam, nein, es wurde u.a. einer Person ein normaler Ledergürtel abgenommen, weil der mit Nieten (nicht mal irgendwie gross lang) besetzt war. Das Ganze wird dann noch skurriler wenn man dazu erzählt, dass ein Ordner darauf aufpasste, dass die Person den Gürtel abnimmt und ein Polizist aufpasste, dass die Person nicht wegläuft. Vollkommen lächerlich wird es, wenn man als letztes erzählt, dass es sich bei der Person um die oben erwähnte Dame M. handelt. Diese absolut brutale Hooligandame bringt so ca. 50 kg und irgendwas zwischen 1,65 und 1,75 Körpergrösse mit. Und damit ist sie natürlich und sofort eine Gefahr für Sicherheit und Ordnung. Hinzu kommt noch, dass ohne den Gürtel die Hose nicht wirklich hielt. Da fällt einem dann nix mehr zu ein.

Wer jedoch in Berliner Stadien mit Stahlkappen rein will, der ist aber auch nur doof. Dieses Verbot ist genauso albern wie es alt ist.

Immerhin über 16.000 Zuschauer sahen die Partie, die lange von der Taktik geprägt war und durch Kleinigkeiten entschieden wurde. Kleinigkeiten im Sinne von: bescheuerte rote Karte, Sonntagsschuss und Torwartfehler. Wenn Kuru sein erstes Tor macht, dann gehen wir als Sieger vom Platz, aber „wenn“, „hätte“, „könnte“ ist die Sprache der Verlierer, und die wenden wir seit vier Jahren ständig an.

Spätestens jetzt ist jegliche Aufstiegsträumerei unrealistisch. Dazu hätte man einem direkten Konkurrenten auch mal Punkte abnehmen müssen. Aber das dies nun die eine in der Rückrunde mögliche Niederlage war, kann ich mir nicht vorstellen, wenn man u.a. noch in Osnabrück, Erfurt und Magdeburg antreten muss.

Insgesamt sind wir einfach zu schwach um wirklich oben mitzuspielen.

Schwach ist ein gutes Stichwort um die Stimmung zu beschreiben. Die Unioner können verdammt laut werden, aber sie haben genau das gleiche Problem wie wir. Die meiste Zeit singen vielleicht 2 % aller Anwesenden irgendwelche Ultralieder. Und nur bei Wechselgesängen und bei Eckbällen wird es laut. Dann aber auch wirklich hammerlaut. Gleiches bei uns: Von den mitgereisten 3000 Leuten (die teilweise aber auch nur mit der Strassenbahn angereist waren) sangen grundsätzlich immer nur ca. 150. Nur bei einigen Szenen wurde es lauter.

Vielleicht noch ein paar Worte zu Intro und Spruchbändern. Bei Union gab es ein paar rot-weisse Bahnen und viel Konfetti, auf St. Pauliseite gab es eine „Freiheit für Matti“-Aktion, zu der mir sämtliche Hintergründe fehlen, so dass ich sie nicht kommentieren kann (als ich mal danach guckte, war die entsprechende Internetpage down). Zur 2. Halbzeit gab es bei St. Pauli noch ein „Kurve abgerissen, Fans beschissen?“-Transparent. Ich war erstaunt, dass es dazu noch keinen 100 Seiten Thread im Forum gibt.

Da ich mir auch auf dem Rückweg die Diskussion mit der Polizei schenken wollte, begab ich mich ca. 5 Minuten vor Feierabend in den Gästeblock. Die Stimmung war natürlich bombig und von dort machte man sich dann auf zu den Bussen. Was sich die Polizei hier leistete war etwas, was diese Szene in „Nackte Kanone“, wo einer zwei Leute mit dem Megafon zum Weitergehen auffordert, noch als sinnvoll erscheinen lässt. Das war Realsatire. Kurz zu den örtlichen Begebenheiten: Der Gästeblock ist über einen kleinen Weg erreichbar, der an einem Fluss (die Wuhle?) längs geht. Man geht nach rechts und gelangt dann auf eine Strasse. Dort stehen die Busse und da ist auch eine Strassenbahn, die einen eigentlich weg bringt. Nun hatte man den Unionern schon verboten auf diese Strasse zu gehen. Trotzdem sperrte man die Strasse so ab, dass die Leute nur nach rechts durften. Nach links (weg vom Stadion und insbesondere zu einem Ort, der nicht von Unionern zu erreichen war) durfte man nicht. Der Durchgang war durch einen Wasserwerfer (!!!!) und eine behelmte Polizeireihe abgesperrt. Damit aber noch nicht genug. Zu Beginn wurde selbst das Betreten der Strasse durch Polizei verhindert. Warum? Keine Ahnung. Wer nun aber sein Auto nach links geparkt hatte, hatte sehr schlechte Karten, denn solche Argumente kann man mit irgendwelchen Hooligans in Uniform nicht austauschen. Da half nur erhebliche Verzögerungen in Kauf nehmen, riesige Umwege gehen (und dann natürlich komplett gemischt mit Unionern) oder zu ungewöhnlichen Maßnahmen greifen (wer will, der gucke sich mal das letzte Foto bei Harrys Vagabunden an. Ohne Worte).

Aber es wurde noch lächerlicher. Man hatte die Busse nicht etwa direkt an dem Gästeblock untergebracht, sondern hatte sie ein ganzes Stück die Strasse hoch abgestellt. So mussten wir alle u.a. am VIP und Presseeingang (ich hätte mir also den Wechsel in den Gästeblock schenken können; auf dem Weg kamen mir nebenbei Pröpper und Orth entgegen, die anscheinend nach Berlin gereist waren.) vorbei und standen dann gegenüber der Strassenbahnhaltestelle um auf die Abfahrt der Busse zu warten. Und was passiert? Aus einem Waldweg kommen die ganze Zeit fröhlich Unioner. Und natürlich sind hier plötzlich keine 10 bis 20 Typen, die immer unauffällig mit ihrer Jackeninnentasche sprechen und auch die anwesenden 10 behelmten Polizisten standen eher gelangweilt in der Gegend rum. Wenn wir wirklich Interesse gehabt hätten ein paar Unioner platt zu machen, hier wäre unsere Gelegenheit gewesen.

Wollten wir aber nicht und da erstmal nur irgendwelche Familien mit Kindern kamen, stand man fröhlich rum, quatschte mit dem Südzeckenhippie und dem langhaarigen Schweizer und wartete auf ein Wundern. Hier machte ich mal wieder folgende Erfahrung: Warum kennen mich eigentlich so viele „Pauli“-Asseln mit Namen? Auch gerade weil ich Leute, die nach Niederlagen noch fröhlich singend an einem vorbei ziehen, schon immer sehr mochte…

Tja und dann kamen doch noch ein paar Vollidioten. Erstmal irgendso ein Honk, Marke Brille, Schal und kein Gehirn, der minutenlang (ich war so erschrocken, dass ich die Kamera nicht rausholte) erstmal Hitlergruss zeigte (wohlgemerkt den „echten“ und dies vor der Polizei, die nicht einschritt) und dann Marke Sonnenbank, Mukkibude, Thor Steinar-Klamotten, die auch erstmal rumasseln und provozieren durften (worauf glücklicherweise nur verbal eingegangen wurde) und sich dann aber ein Laufduell mit der Polizei lieferten. Immerhin einer wird wohl noch ein bisschen im Gefangenenbus gesessen haben.

Unsere bahnfahrende Kopfschussfraktion hatte natürlich auch nette Erfahrungen mit der Polizei und hat ihren Zug nicht bekommen, da natürlich weder ein anderer Weg erlaubt wurde, noch eine vernünftige Auskunft zu bekommen war. Und natürlich wollte auch kein Polizist für die Bahn bescheinigen, dass sie deswegen gehindert waren ihren Zug zu bekommen. Und das mit Tickets mit Zugbindung. Hat sich aber wohl aufgrund von netten Bahndamen alles geklärt.

So, Abfahrt, und solltet ihr Fan von Homer sein, dann hättet ihr eure wahre Freude gehabt, denn wir durchlebten genau seine Odyssee. Erstmal fuhren wir so, wie die anderen Busse gekommen waren. Da wir aber keinen Zusammenhalt fanden, fuhren wir irgendwann alleine. Das taten wir ein ganzes Stück, bis uns Hinweisschilder, Stadtplan und Ortskenntnis alleine liessen. Da war schon Pinkelpause angesagt, da natürlich das Busklo voll war. Dann fuhren wir nach Ausschilderung in Richtung Autobahn. Soweit so gut, aber leider war das die Autobahn in Richtung Dresden und leider hiess dies: ca. 50 % des Weges, den wir auf der Hinfahrt in Richtung Stadion genutzt hatten, noch mal in die gleiche Richtung zu fahren. So kamen wir noch mal beinah direkt am Stadion vorbei. Hier wirklich unwirkliche Szenen, denn auch 90 Minuten nach Abpfiff (wir hatten da ja ganz schön gestanden und waren noch eine riesige Ehrenrunde gefahren) standen grosse Menschenmassen am Bahnhof. Einige Typen hatten schon „HBF“ Zettel gemacht und hielten diese dem Bus entgegen (später wurde ich aufgeklärt, dass es wohl auch noch zu allem Überfluss nur einen Schienenersatzverkehr gegeben hatte). Hier natürlich wieder Unioner und St. Paulianer bunt gemischt.

Dann die Pinkelpause, welche eigentlich nur für zwei Damen angesagt war, aber natürlich auch von einigen anderen genutzt wurde. Irgendwann (Bundesliga war schon lange vorbei) waren wir dann endlich auf der Autobahn. Wohlgemerkt auf der, die nach Südosten führt. So durften wir den gesamten Berliner Ring umfahren um wieder in unsere Richtung zu kommen. Natürlich inklusive sofortigem Pinkel und Einkaufsstop, wo das Zeug gekauft wurde, welches die Überschrift für diesen Abschnitt bildet, denn so Weinbrand macht schnell glücklich.

Nachdem wir innerhalb von 20 km einen McDreck Stop und einen Tankstop hingelegt hatten, fing der Galgenhumor an zu regieren. Lieder wie „12 Stunden Busfahrt sind lang, erst fangen sie ganz schnell an, aber dann“ (in mehreren Versionen) oder „Wir fahren weit, wir trinken viel und wir kommen nie ans Ziel“ wurden gedichtet und auch sonst regierten Sprüche aller Art. „Gleich überholen uns die Busse, die noch bis 8 in Berlin geblieben sind“ und „Wären wir doch mal mit den Skins nach Schwerin zum Konzert gefahren, da wären wir schneller zu Hause“ waren nur einige davon.

Das Überschreiten der Landesgrenze Schleswig Holstein wurde mit Jubel aufgenommen, der Eintritt nach Hamburg mit einer Welle gefeiert. Am Hauptbahnhof trennten sich unsere Wege. Ich ging noch zu einer privaten Party, füllte die letzten noch denkenden Zellen ab und schmiss mich dann ins Bett.

Wir können nicht diskutieren, wir sind einer Meinung

Sonntag kam viel zu schnell und viel zu früh klingelte der Wecker. Wobei dieser auch um 18 Uhr hätte klingeln können, es wäre immer noch zu früh gewesen. Aber wat mut dat mut und die Kombination Oberligafussball-Dorf-neuer Ground zog insgesamt 7 Leute um 12 zum Klubheim, um sich nach Osterholz Scharmbeck (gerne von mir auch mal mit „n“ geschrieben) zu begeben. So machten wir zwei Autos voll, wobei wir natürlich eine strikte Geschlechtertrennung einhielten. Immerhin waren auch nur fünf Mitfahrer tags zuvor in Berlin gewesen und auch nur vier mit dem gleichen Bus. So hatte man sich doch was zu erzählen, auch wenn das Thema Vereinspolitik sich nicht wirklich eignete, da Elvis dort die Überschrift formulierte.

Autofahrten tendieren stark dazu, ereignislos zu sein, und so sollte es auch diesmal sein. Wir hatten ein Navigationsgerät in einem Auto und so fuhren wir den Damen gemächlich und entspannt hinterher. Der einzige, der in beiden Autos nicht 100 % entspannt war, war der ärmste Elvis, denn ich kann leider aufgrund meiner Knie-OP immer noch nicht mit wirklich nah an das Lenkrad. Und hinter unserem 2m Bärchen ist auch nicht wirklich Platz.

Nach gut einer Stunde waren wir in Osterholz angekommen, wo Toddy schon entspannt seines Weges ging, es aber nicht wirklich Parkplätze in Stadionnähe gab. Nun ja, wir kamen doch relativ gut unter und mussten dabei nicht einmal den Trick von Hr. S. benutzen, der sich als Offizieller des Vereines ausgab.

Was nun folgte war Oberligafussball wie ich ihn mag. Sonne, nette Temperaturen, dazu ein schnuckeliges Stadion, entspannte Ordner (wenn man mal von den drei Rentnern, die einen renitent zum Eingang schickten absieht) und genau ein Streifenwagen der Polizei. Der Platz steht nebenbei genau unter einer Kirche. Göttlicher Beistand ist also gewiss.

Insgesamt hatten sich wohl inklusive Bremer und Hannoverfraktion so 40 St. Paulianer im weiten Rund verteilt. Ein Supportblock kam nicht wirklich zustande, aber neben der Trainerbank war so ein bisschen Support doch zu hören. Auf Osterholzer Seite fand sich u.a. eine Sirene ein (Der Versuch diese vor dem Spiel zu kaufen ging schief, da wir leider die geforderten 80 Euro nicht aufbrachten) und auch sieben finster guckende Dorfnazis inklusive Thor Steinar Klamotten. Ist aber nix passiert, insofern kann man diesen Punkt mit Kopfschütteln abhaken.

Bereits vor dem Spiel meinte KaPe, dass der Acker aussehe wie an der Schanze. Ich meinte noch, dass das ja kein Problem sei, dann würden sich die Spieler zumindest wie zu Hause fühlen. Aber um ehrlich zu sein: Das war eine Beleidigung unseres geliebten Schanzengrüns. Der Platz war deutlich schlimmer.

Das Spiel war eher nix für Fussballästheten. Niedriges Oberliganiveau. Aber wenn man 3-0 gewinnt und dabei auch noch drei sehr hübsche Tore macht, dann bin ich trotzdem absolut zufrieden.

Rückfahrt? Siehe Hinfahrt. Danach war gammeln auf dem Sofa angesagt, was aber auch schnell in Richtung Bett verlassen wurde.

Update

Kommen wir zum vereinspolitischen Teil. Zwischenzeitlich ist ja auch uns aller Corny wieder da und hat schon verlauten lassen, dass 90 % aller Vorwürfe falsch sind. Natürlich möchte ich das alles beleuchten.

Der Bau

Nun hat mich jemand aufgeklärt, dass es wohl doch geht, mit dem Bau anzufangen mit der vorliegenden Baugenehmigung. Lassen wir das mal so stehen und packen es unter „kann ich nicht aufklären“. Es bleibt der Vorwurf, dass die Baugenehmigung anders dargestellt wurde, dass – auch die vereinsinterne - Kommunikation dort einfach grauenhaft war und dass wir weder Verträge haben noch die Auflagen auch nur irgendwie abgearbeitet wurden. Ob letzteres nun geschieht? Keine Ahnung.

Gerade bei den Verträgen ist es immer wieder interessant, Littmanns Worten zu lauschen. Bei der JHV war davon die Rede, dass wir „spätestens“ im November einen Generalunternehmer haben. Wohlgemerkt: Im November war das Thema „Wiederwahl“ und „Konflikt AR / Vorstand“ noch nicht auf der Tagesordnung. Warum trotzdem damals kein Generalunternehmervertrag abgeschlossen wurde, das muss ganz klar das Präsidium verantworten. Oder zumindest zeigen, dass sie im November dem AR Vertragsentwürfe vorgelegt haben, die dieser nicht wollte.

Wir haben nun nebenbei Mitte März und wir haben immer noch kein Generalunternehmervertrag. Das ist aus meiner Sicht nebenbei der wichtigste Vertrag. Nicht nur, dass er am meisten Eigenkapital bringt, er gibt uns ja auch der know how eines Stadionbaues. Denn nix gegen Kollege Vierkant, aber ich behaupte mal, dass der nun nicht alle Gewerke koordinieren kann (soll er ja auch nicht, dafür holt man sich ja einen GU).

Der Spielervertrag

Es sei nun an 90 % nix dran. Das ist zumindest rechnerisch sehr interessant, denn einen Punkt von ungefähr sechs bis zehn gibt Littmann ja offen zu. Nämlich den Punkt auf den sich – leider – sowohl nun die Presse, als auch er nun stürzen. Nämlich ein Spielervertrag, der wohl mit sehr geringem Gehalt, dafür aber mit einem sehr hohen Beraterhonorar ausgestattet ist. Littmann gibt offen zu, dass es so gelaufen ist (zumindest laut Blöd), führt aber ehrende Motive an, weil man „dem Spieler helfen wollte“. Und es sei ein Unding, nun den Spieler auch mit Dreck zu bewerfen.

Stellen wir dazu folgendes fest: 1. Das Thema ist für die Öffentlichkeit absolut ungeeignet. Denn Personalverträge sind nun mal etwas, was nicht in die Öffentlichkeit gehört. 2. Daher frage ich mich, ob es sinnvoll war, dies als AR anzusprechen. Das sei hier mal deutlich gesagt. 3. Ein Spieler wird hier jedoch nicht mit Dreck beworfen, denn dass es den Vertrag gibt, wird ja offen zugegeben. Ob es sinnvoll ist, diesen in die Öffentlichkeit zu ziehen sei mal dahin gestellt, hätte aber durch das Präsidium durch Nichtabschluss einfachst verhindert werden können. 4. Eine Bewertung, ob dieser Vertrag wirklich problematisch ist, kann keiner wirklich abgeben, da wir den genauen Inhalt glücklicherweise nicht kennen, aber es müssen bei jedem alle Alarmglocken angehen. Denn eine solche Konstruktion könnte (man beachte bitte den Konjunktiv!!!) ohne weiteres eine Steuerhinterziehung, ein Hinterziehung von Sozialversicherungsbeiträgen und noch andere Straftaten sein. Dazu Beihilfe zu leisten wäre dann der Vorwurf. Und zumindest ein begründeter Anfangsverdacht wäre in einer solchen Konstellation gegeben. Ob der Vertrag letztendlich zur Strafbarkeit führt –dies sei hier noch mal deutlich gemacht – können wir nicht abschliessend klären, denn dafür bräuchten wir den Vertrag. Und den haben wir (als interessierte Öffentlichkeit) glücklicherweise nicht.

Nur was klar ist: Zwar würden die ehrenden Motive die Handlung des Präsidiums erklären, nur Motive hindern nicht die eventuelle Strafbarkeit, sondern reduzieren nur eventuell die Strafzumessung. Und das ein solcher Vertrag von einem Aufsichtsrat, der auch nur annähernd klar denkt, beanstandet wird, ist ja wohl jedem klar. Und was unserem Präsidium klar sein sollte: Man kann halt nicht alles machen, was wünschenswert ist. Insofern muss sich hier unser Präsidium den Vorwurf gefallen lassen, dass es nicht gesagt hat: „Wir würden gerne, aber wir dürfen einfach nicht.“ Das wäre mal ein sympathisches Versagen gewesen.

Man kann nur hoffen, dass sich entsprechende Stellen damit befassen. Das Ergebnis wird dann abzuwarten sein.

Die Öffentlichkeitsarbeit

Nun ist ja Littmann am Zug und angeblich soll es ja Montag noch Details geben. Bisher habe ich nur gelesen, dass eben 90 % unwahr sein sollen (an 10 % ist etwas dran?) und eben die Geschichte mit dem Spielervertrag. Wenn da noch was kommt, dann werde ich natürlich versuchen es zu bewerten. Was ich bei Littmann ab und zumal vermisse (das ist jetzt aber bitte kein Punkt, der irgendetwas mit seiner Amtsführung als Präsidenten zu tun hat) ist Konsequenz bei der Pressearbeit. Hatte er noch vor ca. zwei Jahren erklärt nicht mehr mit der Blödzeitung reden zu wollen, so hat er jetzt nicht nur das wieder gemacht, nein, er nutzt sie selbst zur exklusiven Verkündung seiner Sicht bei den Spielerverträgen. Konsequentes Handeln sieht für mich anders aus.

Die Abwahl

Es ist Littmanns gutes Recht, sich an den Ehrenrat zu wenden. Dessen satzungsgemässe Aufgabe ist es ja, bei Streitigkeiten zwischen zwei Vereinsgremien vermitteln zu dürfen. Insofern wundert man sich, dass Littmann sich nicht schon seit Monaten an dieses Gremium gewandt hat, wenn er doch unzufrieden mit der Nichtnominierung war. Besser als ein „ich werde nicht nominiert und versteh das gar nicht“ an die Presse wäre das allemal gewesen. Insbesondere, da der Ehrenrat ja nun aus weisen alten (und nicht so alten) Menschen besteht und garantiert bei vielen Vereinsmitgliedern Respekt geniesst. Gut, nun sind die Herren am Zug (haben wohlgemerkt zu diesem Zeitpunkt noch nichts Inhaltliches entschieden) und das ist auch gut so. Vielleicht finden die ja eine Lösung, wie auch immer die aussieht.

Die aoMV

Ist nun eingeladen und auch insgesamt acht Anträge, den AR abzuwählen sind eingegangen. Dazu ein paar nicht ganz unwichtige Anmerkungen: 1. Man braucht für dieses Unternehmen eine 2/3 Mehrheit. 2. Nach Satzung geht das nur einzeln und aus wichtigem Grund. Ich bin sehr gespannt, ob a. diese wichtigen Gründe (und ein allgemeines „das sind Dilletanten“ reicht nicht) in den Begründungen vorgetragen werden und ob b. der Versammlung dieses Kriterium bei ihrer Entscheidung wirklich bewusst sein wird. Interessant wird es dann, wenn die Versammlung etwas beschliesst (komplette Abwahl ohne Gründe), was eigentlich gegen die Satzung verstösst. Was gilt dann?

Dem Versammlungsleiter wünsche ich jetzt schon viel Spass.

Interessant ist auch die Tagesordnung: Zum einen, weil der Bericht des Aufsichtsrates vor dem Bericht des Präsidiums kommt. Normalerweise ist das ja andersherum. Dieser – absolut clevere – Schachzug sei dem Präsidium als Einladender erlaubt. Denn natürlich ist die Replik immer einfacher als die erste Rede.

Weiterhin entspringt es einer gewissen Ironie, dass in der Einladung bereits der Antrag des Kassenprüfers mit drin ist, die Satzung zu ändern und dem AR noch eine Kompetenz mehr zu geben. Klar, der muss jetzt behandelt werden, da er letztes Mal nur verschoben worden ist, aber lustig ist das schon.

Die Motive

Mir immer noch vollkommen unklar sind mir die Motive der Handelnden. Littmann ist – ohne Not – zurückgetreten. Eine aoMV hätte er auch einberufen können ohne zurückzutreten. Nachdem er nun zurückgetreten ist, kämpft er um jeden Tag Präsidentschaft. Warum? Welchen Sinn hat das? Wenn er doch sowieso zurücktreten möchte ist es doch vollkommen egal, ob dies nun am 12.3., am 23.3. oder am 26.3. geschieht. Oder geht es darum, dass man den AR abgewählt haben möchte um dann triumphal zurückzukehren? Wenn ja, warum dann der Rücktritt? Wenn ja, dann will ich aber vor der Versammlung eine ganz klare Aussage in diese Richtung. Sonst wird hier nicht mit offenen Karten gespielt. Denn rein fiktiv: Es wird nun der AR abgewählt und nach der Versammlung sagt Littmann „Super, vielen Dank, aber macht nun mal euren Mist alleine, ich trete morgen zurück.“ Dann haben wir unseren Verein enthauptet und können uns erstmal einen gerichtlich bestellten Notvorstand suchen. Auch nicht gerade ein Anzeichen von Seriosität, oder? Mal ganz davon ab: Kann man so eine Rücktrittserklärung eigentlich rückgängig machen? Und wirklich glaubhaft wirkt Littmann dann auch nicht, wenn der Rücktritt von gestern plötzlich nicht mehr zählt.

Und die Aussage auf der letzten JHV war: Wenn man mich will, kandidiere ich gerne wieder. Nun will der AR nicht, warum zieht sich Littmann nun nicht einfach zurück und kommentiert alles aus dem Hintergrund? Da würde er viel mehr gewinnen, weil sich niemand genötigt gesehen hätte und sehen würde die Gründe in die Öffentlichkeit zu tragen.

Die Reaktionen

Ganz grosses Tennis finde ich ja die Signatur eines Users im Forum. „In dubio pro Vorstand, AR abwählen“. Im Zweifel soll ich also ein gerade gewähltes Gremium abwählen um einen Präsidenten, der zurückgetreten ist, zu stützen? Und das soll ich machen, wenn ich im Zweifel bin? Nicht nur, dass unsere Satzung etwas anderes vorsieht, nein, so geht das einfach nicht. Man kann eine Abwahl nur aus vollster Überzeugung machen. Jeder sollte sich der Konsequenzen eines solchen Schrittes bewusst sein und sollte nicht „aus Zweifel“ ein Gremium abwählen. Wenn man es nicht besser weiss (;-)), dann sollen die das untereinander regeln und beide im Amt bleiben, bis eben einer verzichtet (was unser Präsident ja schon angekündigt hat). Denn man wählt ja gerade Präsidenten und Aufsichtsräte, damit diese Insiderwissen und besseren Überblick haben. Wenn ich mir aber klar b