Norbert regt sich auf vom 5.3.2007
über
Eugen
oder
The end is near
oder
Wasch mir den Pelz, aber mach mich nicht nass
oder
Niemand baut die Südkurve
Ich hatte ernsthaft überlegt, diese Kolumne für zwei Wochen einzustellen, denn was nützt eine Diskussion, wenn man auf Fakten nicht mehr hört und wenn man nur noch hört, was man gerne hören möchte? Was nützt es, wenn man als aktiver Fan sowieso schon pauschal Totengräber des Vereins ist? Wie soll man da eine Meinung artikulieren?
Wenn wir schon bei Vereinspolitik sind. Ich empfehle jedem, die neue Gazzetta zu kaufen. (Wer die nicht kennt: Ist die Zeitung von Ultra Sankt Pauli, gibt es im Fanladen, dessen Besuch ich ja immer wieder empfehle.) Darin befindet sich ein Artikel, der absolut nicht typisch für diese Horde und einfach nur grossartig ist. Nämlich ein Artikel darüber, warum sie sich vereinspolitisch so positionieren, wie sie sich positionieren. Man sollte den mal vorurteilsfrei lesen und sich dann überlegen, ob da nicht sehr viel Wahrheit drin steht. Und dann sollte man endlich mal von der Lüge runter kommen, es werde nur Hetze von dieser Gruppe begangen. Man mag die Meinung nicht teilen, die geäussert wird, man kann ihr aber nicht absprechen, dass sie sauber argumentiert ist.
Hinzu kommt, dass mich immer mehr eine absolute Fussballmüdigkeit überfällt. Heimspiele sind von einer gelangweilten Routine geprägt, die auch nicht durch einen Versuch der Party nach dem Spiel besser wird, denn auch das ist Routine geworden. Auswärtsspiele sind zwar immer noch ein Abenteuer und von netter Begleitung geprägt, aber wer lässt sich schon gerne ständig von Ordnungskräften als Mensch dritter Klasse behandeln?
Auch dafür lohnt sich nebenbei die Gazzetta, die hat nämlich einen Antirepressiva Teil, der einfach nur haarsträubend ist. Beispiel gefällig? (Nicht aus der Gazzetta, sondern aus dem Tagesspiegel.) Berliner Fans sind auf der Rückfahrt vom Ligaspiel in Stuttgart kurz vor Berlin angehalten und die Insassen erkennungsdienstlich behandelt worden. Sprich mit Nummer vor dem Bauch fotografiert und Personalien aufgenommen worden. Grund war eine Schlägerei in Stuttgart, die Polizei suche ein paar junge Männer (die nicht zwingend in diesem Bus vermutet wurden). Ist das ja schon frech genug, so wird es absurd und zur reinen Schikane, wenn die Aktion nach einer Stunde in der Kälte stehen abgebrochen wird. Wenn man so Fussballfans behandelt, dann wird Widerstand zur Pflicht. Und dann kann man sich als Repräsentant des Staates nur schämen, auf der gleichen Seite zu arbeiten wie solche Leute.
So, und nun habe ich schon grosse Teile des Berichtes im Vorwort vorweggenommen, so dass ich mir den Bericht eigentlich sparen kann. Insbesondere, da Heimspiele halt zur Routine geworden sind. Aber dankenswerterweise haben wir ja einen Präsidenten, der immer wieder für Stoff sorgt.
Aus diesem Grund wird es nächste Woche auch erst einen verspäteten NRSA geben, denn die aoMV wird natürlich wieder mit einem langen dokumentierenden Bericht gewürdigt.
Routine ist ein gutes Stichwort, um den Bericht zu beginnen. Der Amateur wurde am Hauptbahnhof abgeholt, dann wurde der Fanladen mit meiner Anwesenheit supportet, dann wurde der Hahn verspeist, und schon war man am AFM Container. Dort erstmal die Karten der heute nicht anwesenden Auswärtigen unter die Leute gebracht, wobei der ärmste BlöVo Andy genau 2,5 Sekunden zu spät kam, da ich gerade die für ihn (bzw. für einen Freund von ihm) gedachte Karte in der AFM hinterlegt hatte. Aber auch da hat er sie bekommen, und so konnten einige Leute ohne Dauerkarte glücklich gemacht werden.
Dann auf unsere Plätze, wo es bei unserer Ankunft noch relativ leer war. Auch wenn schon vereinzelt Panik geschoben wurde, da Knuffi etwas später kam, aber eigentlich war mehr als genug Platz vorhanden. Vor uns diesmal nur bekannte Gesichter, so kann das ein entspanntes Spiel werden.
Und da dreht sich der Typ vor mir um und sagt: „Sag mal, was ist das eigentlich alles hier im Verein?“ Ich hatte irgendwie Angst, dass ich nun auf einen absoluten Littmann-Befürworter treffe, der MoPo nachplappert, aber siehe da: Nein! Differenzierte Meinung, teilweise sehr kritisch gegenüber der Presse und wirklich an einer anderen Meinung interessiert, auch wenn man sie am Ende nicht teilt. Und das ganze sachlich und vollkommen ruhig. Ach ja, wenn mal alle Leute so diskutieren würden. Was auffällt: In meinem Umfeld stört die meisten die fehlende Südkurve. Aussagen wie: „Das hat er zu verantworten“ fielen doch häufig. Und endeten am Ende des Spieles in „Niemand baut die Südkurve“-Gesängen auf die „Niemand siegt am Millerntor“-Melodie. Wohlgemerkt: Diese Gesänge kamen nicht aus dem Umfeld aktiver Fans, USP oder wie auch gerade das Lieblingsfeindbild von einigen Leuten definiert wird. Wir haben uns ziemlich einen gefeixt.
Insgesamt herrschte gute Laune vor, was alleine schon durch den Schiedsrichter bedingt war. Nun sind in dieser Kolumne Schiedsrichter eher selten das Thema, und man kann eigentlich immer zwei Meinungen haben, aber dieser Schiedsrichter steht bei mir unter Artenschutz. Der ist nämlich Finanzbeamter in Schleswig-Holstein und damit mein Kollege. Insofern wurde von mir (ausdrücklich im Scherz, sonst bekommt man von der Wortverdreherfraktion im Forum noch vorgeworfen, man habe ja keine Ahnung von Fussball) jede zweifelhafte Aktion mit Beifall und lauten „Sehr gut Kollege“-Rufen bedacht. Und das Erstaunliche: Keine aggressive Reaktion, eher Spass und auch mal hämische Sprüche (ohne persönlich zu werden) waren die Folge. Aus diesem Hintergrund kommt auch die Überschrift, denn nach einem vermeintlichen Rückpass der Wilhelmshavener brüllte alles „kontrollierter Rückpass“ und ich meinte, ich würde ab jetzt Eugen heissen, wenn das kontrolliert war. „Eugen, willst du ein Bier?“ (Bevor mich jetzt alle so ansprechen: Das ist dann später rückgängig gemacht worden)
Ach, wenn doch überall so mal reagiert werden würde.
Aber irgendwie komme ich von der zeitlichen Schiene ab. Der Gästeblock füllte sich erst sehr spät und sehr langsam. Die angeblich erwarteten 700 Wilhelmshavener waren nicht annähernd anwesend. Kurz vor Beginn des Spieles standen da immer noch nur 20 Leute rum, zum Anpfiff waren es dann vielleicht 250.
Dass die dann noch sehr ausfallend wurden, davon wird später zu berichten sein.
Die Torhüter laufen ein, Bene wird von USP und der absoluten Mehrheit der GG gefeiert, aber einige Rübennasen konnten es nicht unterlassen zu pfeifen. Nun ist ja Meinungsäusserung im Stadion gerne erlaubt, aber der Inhalt dieser Meinungsäusserung ist auf das äusserste zu kritisieren (ein Unterschied, den der User Palme im Forum nicht begreift bzw. nicht begreifen will). Wenn ich anfange, meinen Ersatz(!)torhüter(!) auszupfeifen, dann sollte ich mir überlegen, ob es noch legitim ist, am Tresen zu erzählen, dass bei „Pauli“ alles besser ist.
Meinungsäusserungen, der 2. Teil. USP äusserte sich zur aktuellen Vereinssituation auf Plakaten, die dann wieder als Hetze dargestellt wurden. Siehe dazu die Ausführungen im Vorwort. Plakate sind nach ihrem Wortsinn plakativ, aber hier wurden sie auch noch mit einem langen und ausführlichen Meinungsartikel hinterlegt. Hetze sieht für mich anders aus. Insbesondere, da die Plakate eine persönliche Beleidigung nicht beinhalteten.
Was erstaunlich ist: Zwar übertreffen sich die Leute im Forum damit, ihre Anti-AR-Signaturen auffällig und gross zu machen und feiern sich, dass sie ja in der Mehrheit dort sind. Aber eine wie auch immer geartete plakative Äusserung zu einem Spiel bringt keiner von denen zustande. Erstaunlich, oder? So waren weder Transparente, noch Sprechchöre, noch irgendetwas anderes zu hören.
Noch eine kleine Anekdote zu USP. Die haben bei ihrem Mittwochstreffen wohl fünf Stunden über Vereinspolitik diskutiert, bis man auf einer gemeinsamen Linie war. Wie meinte ein USPler so schön zu mir? „Wer noch mal sagt, dass USP ein gleichgeschalteter Haufen sei, dem verpass ich eine Kopfnuss.“ Wie wurde der natürlich Freitag im Fanladen empfangen? „Also, für mich ist USP ein gleichgeschalteter Haufen.“
Zum Spiel? Sag ich nicht viel! 20 Minuten richtig guter Fussball, dann 20 Minuten Krampf, dann das 1-0 (hervorragend durch Stendel rausgeholt), dann kontrolliertes Spiel ohne zu überzeugen, dann das 2:0 (typisches Stendel-Wühler-Tor), und fertig war die Laube.
Und damit wären wir auch schon beim „Man of the Match“, wie die Briten so schön sagen. Bei uns herrschte die Meinung vor, dass wir mit einem in der Hinrunde fitten Stendel wahrscheinlich mindestens vier Punkte mehr hätten. Der Typ ist zwar kein klassischer Knipser, aber ein Wühler vor dem Herren, der halt auch mal „schmutzige“ Tore macht bzw. vorbereitet. Ich würde den ja gerne mal zusammen mit Kuru sehen, aber das traut sich Stani anscheinend (noch) nicht, so dass Kuru diesmal auf der Bank Platz nehmen musste. Bleibt nur zu hoffen, dass Stendel nun fit bleibt und weiterhin Tore zu unserem Aufstieg beiträgt. Nun bin ich nicht wirklich scharf auf die 2. Liga (wenn man die Spieltermine sieht, dann weiss jeder warum), aber sportlich spannender und finanziell attraktiver ist sie allemal. Und dann hätten wir auch nicht mehr das Südkurvenfinanzierungsproblem.
Kommen wir zu den Gästefans: Nicht nur, dass die Anzahl enttäuschte, nein, auch das Auftreten. Bereits nach ein paar Minuten wurde der erste wegen einer Raucheinlage aus dem Block geführt (nebenbei ohne dass sich der Rest des Blockes sichtlich darüber aufregte), dann kam es wohl noch zu rassistischen Sprüchen (kann man an meinem Platz nicht hören, im Forum war von „Zick-Zack-Zigeunerpack“ die Rede) und Rumgerocke, worauf nach und nach immer mehr Leute aus dem Block verwiesen wurden. So alle zehn Minuten einer, hatte man das Gefühl. Sehr geil war, dass irgendwann Mitte 2. Halbzeit die Busfahrer der Wilhelmshavener gesucht wurden. Erstmal Verwirrung bei uns, bis das Missverständnis, dass die Fahrer und nicht die Mitfahrer gesucht wurden, aufgeklärt war. Dann, als der nächste von der Polizei abgeführt wurde, kam nur der trockene Kommentar: „Guck mal, die haben die Busfahrer gefunden.“
Nach dem Spiel in den Fanladen, wo ich mein Objektiv vermisste, also wieder zurück zum Stadion, dort mit Hilfe von Ordnern und Afroh gesucht, nix gefunden, mein Knie überbelastet, was dann weh tat, so dass ich auf dem Rückweg den Fanladen nicht mehr betrat, sondern nur schnell nach Hause wollte.
Dankenswerterweise gab es wirklich einen ehrlichen Finder, der das Teil bei der AFM abgegeben hat. So war meine Laune Samstag mittag schon wieder besser, aber Freitag war sie nicht mehr zu retten.
Zeigte die Fanclubdelegiertenversammlung. Der Sprecherrat der Fanclubs hatte vor der Versammlung ein Papier in Umlauf gebracht, welches Aktivität begünstigen sollte. Dies wurde teilweise zu Beginn auch sehr emotional kritisiert, und das ist auch okay so. Insbesondere, da man wirklich den Vorwurf „Fanpolizei“ da reinlesen konnte. Auf dem Treffen wurde das ganze aber so sachlich und so auf Kompromisslinien hin diskutiert, wie man es sich im ganzen Verein wünschen würde. Und da war wirklich jeder bereit, von seinen Positionen abzugehen oder diese zumindest einfach nur sachlich und nicht persönlich zu vertreten. So waren selbst die beiden FC 42-Vertreter bei weitem nicht immer einer Meinung, aber ich denke, wir können beide mit dem Gefundenen leben.
Das Konzept im einzelnen werde ich jetzt hier nicht ausbreiten, da wende man sich bitte an den Sprecherrat. Der ist neu gewählt und besteht nun aus Annika, Julia, Tanja, ?, Karsten und Roger. Zweimal Punktown, einmal Youngtimers JD, einmal Kopfschuss, einmal Millerntoristen.
Ich kann an dieser Stelle nur Werbung für die - bei St. Pauli häufig vernachlässigte - Welt der eingetragenen Fanclubs machen. Solltet ihr eine Gruppe von so ca. zehn Personen (Minimum ist fünf) sein, die sowieso immer zusammen zum Fussball gehen, dann solltet ihr euch echt mal überlegen, ob gewisse Vergünstigungen, zwei hervorragende Turniere, eine Vertretung beim Verein und eine wirklich gute Diskussionskultur euch 30 Euro im Jahr wert sind. Wir als FC 42 sind ja beinahe schon einer der ältesten Fanclubs (wenn man mal von solchen Recken wie Veteranen oder Braun-Weissen Teufeln absieht), und wir würden uns immer über mehr Fanklubs freuen.
Sonntag dann unsere Premiere auf unserem neuen Heimground. Bei Union 03 fand das einzige Spiel der Oberliga oder Verbandsliga in Hamburg statt, und so weihten 330 Zuschauer das neue Stadion ein. Und das bei wirklich brutal ekligem Wetter. Super windig, damit super kalt und dazu noch immer wieder Hagel oder Regenschauer.
Als erstes wurde das kulinarische Angebot von mehreren Leuten unter die Lupe genommen. Und während sich das Bier sowohl drinnen, als auch draussen als „gut“ erwies, wurde bei der Wurst doch laute Kritik vernommen. Hier muss vielleicht noch ein kleiner Nachhilfekurs an der Sternschanze genommen werden. Wir sind halt verwöhnt. Die Frikadellen auf dem Union-Sportplatz sind dafür unschlagbar.
Der Amateur verkaufte sich erneut sehr gut, nur leider muss Orsen dabei immer noch eine Krücke nehmen. Das einzige, was ärgert, sind Typen, die wirklich ohne Witz die Hand ausstrecken um einen zu nehmen, denen man dann sagt „kostet 10 Cent“, die dann immer noch die Hand ausstrecken, sagen „zahl ich nicht“ und immer noch die Hand ausstrecken nach dem Prinzip „geb ihm mir endlich so“. Erst auf ein gepflegtes „dann eben nicht“ ging der Typ weiter.
Aber so etwas gibt es genau zweimal, dafür ungefähr 200 mal nette Leute, die sich über die Zeitung freuen, die gerne auch mehr Geld geben und die den Spass am Machen dieser Zeitung machen.
Im Forum wurde vorab verkündet, dass jeder, der die Worte Aufsichtsrat, Südkurve oder Präsidium in den Mund nimmt, mindestens 50 Cent zahlen muss. Und was als Abschreckung gemeint war, entwickelte sich zu einem echten running gag, denn ungefähr zehn Leute kamen wirklich, grübelten kurz („Was musste ich noch mal sagen?“), sagten dann die Schlüsselwörter und zahlten freudig 50 Cent. Vielen Dank dafür.
Das Spiel ist schnell erzählt: Matschball auf einem gerade eben bespielbaren Platz. Unsere Helden teilweise unter Druck, aber mit Toren „zum genau richtigen Zeitpunkt“. Eine Kopfballbogenlampe von Roman, ein schönes Tor von Abdul und noch ein Tor von Roman und fertig war der 3:0-Sieg. Dass die Null stand, war Bene (einzige Profileihgabe) zu verdanken, bei dem sich Unsicherheiten in der Strafraumbeherrschung mit Glanzparaden abwechselten. Insgesamt war das für Torhüter bei starkem Wind und aufgewühltem Platz kein leichtes Spiel, und das sah man auch Bene an.
Komischerweise läuft es nun bei unseren Amateuren. Dies aber auch, seitdem wir wirklich einen Stamm gefunden haben und sich die Profileihgaben in engen Grenzen halten. Und seitdem Benny spielen kann, haben die Amateure noch nicht ein Gegentor bekommen. Garantiert nicht nur sein Verdienst, aber doch ein sehr lustiger Zufall.
Was Amateurspiele immer wieder schön macht, ist der Kontakt zwischen Spielern und Publikum. Da brüllt der Henstedter Keeper minutenlang einen Abwehrspieler zusammen, mit dem Ergebnis, dass auch das Publikum anfängt dessen Namen zu rufen und zu sagen „deck da“. Da holt sich Benny den Ball zu einem Freistoss, Roger sagt „Hau ihn rein“, und Benny fragt nur trocken im Zurücklaufen „soll ich?“. Oder da wird erstmal über den Schlamm in Bennys Gesicht bei einer Ecke diskutiert. Und nach Abpfiff springt unser Torhüter in den Ultrablock und feiert mit ihm. Das bringt doch Spass.
Aber auch eine Aufforderung beinhaltet dieser Artikel: Kommt zu Union, der Platz ist wirklich schön, und es gibt anscheinend langsam auch wieder besseren Fussball zu sehen. Und bringt – soweit vorhanden – Zaunfahnen mit. Die Wände rund um den Platz sind bisher ein bisschen kahl und könnten Zaunfahnen echt gebrauchen. Ich werde diese Woche auch mal in den Keller abtauchen und gucken, ob es den alten FC 42-Alien eigentlich noch gibt.
Und nachdem wir es nun geschafft haben, beinahe fünf Seiten mit guter Laune zu füllen, kommen wir zur unerfreulichen Seite des Vereins. Das Match Präsident vs. Aufsichtsrat.
Littmann hat geantwortet und auch sonst noch viel erzählt, dies gilt es zu bewerten. Auch gilt es, eine Leitlinie für die aoMV zu schreiben. Natürlich bin ich nicht allwissend, aber ich will jedem Leser dieser Kolumne einen Denkanstoss geben.
Ausgangslage
Leider merke ich immer wieder, dass viele Leute die Ausgangslage verkennen. Unser Aufsichtsrat hat nicht unseren Präsidenten abgesägt. Nochmal: Seine Amtszeit ist ausgelaufen, und er ist (bzw. war; als diese Zeilen geschrieben wurden, war das Landgerichtsurteil noch nicht in der Welt) nur noch unser Präsident, weil unsere Satzung ein „ewiges“ Präsidium vorsieht. Er selber ist zum 26.3. zurückgetreten, und erst danach ist vom Aufsichtsrat mit einer Amtsenthebung begonnen und ein neuer Präsident vorgestellt worden. Diese Fakten werden gerne übersehen! Oder gerne mit der Aussage „Aber der AR wollte den doch sowieso absägen“ negiert. Das ist für mich jedoch reine Spekulation. Es gibt dafür keinen öffentlich zugänglichen Beweis.
Hinzu kommt, dass der AR dafür gewählt ist, den Präsidenten zur Wahl vorzuschlagen, dieser hat kein Selbstnominierungsrecht. Das mag höchst undemokratisch sein (ist es auch, keine Frage), ist aber vom DFB so vorgeschrieben, da man turbulente JHVs verhindern wollte. Wir haben das nebenbei noch in der abgeschwächten Form. In anderen Vereinen wird der Präsident einfach vom AR bestimmt!
Nun muss der AR seine Entscheidung für eine Nichtnominierung nicht bekannt geben, eine Begründungspflicht gibt es in der Satzung nicht (man gucke sich mal § 18 unserer Satzung an). Insofern wäre es kein Problem für den AR gewesen, hier Corny schlichtweg nicht zur Wiederwahl vorzuschlagen, sondern einen anderen. Den hätte die Mitgliederversammlung zwar nicht wählen müssen, aber damit wäre noch lange nicht Corny wieder gewählter (doppelt unterstreichen) Präsident, denn über diese Hürde muss er nun mal hinweg.
Warum es nun nicht zur Abarbeitung der Streitpunkte vor einer Wiederwahl gekommen ist, wird sich wahrscheinlich nicht mehr klären lassen. Ein Blick in die Satzung verrät hier aber noch etwas sehr Interessantes: Der AR schlägt nur den Präsidenten vor (!), nicht auch die Vizepräsidenten. Dieser schlägt wiederum der Präsident(schaftskandidat) dem AR vor, der diese nur aufgrund von „wichtigen Gründen“ nicht nominieren kann. D.h. eine Einigung mit den amtierenden und willigen Vizepräsidenten bringt nicht die Nominierung von Littmann, dazu muss er schon durch die Knochenmühle AR.
Aber wir sprechen hier ja trotzdem über eine Absetzung, wenn auch nicht eines Präsidenten in seiner gewählten Amtszeit, sondern eines „ewigen“ Präsidenten. Diesen darf der AR aus „wichtigem Grund“ mit einer Dreiviertelmehrheit aller im Amt befindlichen AR-Mitglieder absetzen. D.h. mit 6 Stimmen (rechnerisch mit 5,25 Stimmen). Vor dieser Absetzung sind dem Präsidenten die Gründe mitzuteilen, und er hat das Recht, Stellung zu nehmen, jedoch vor einem beschlussfähigen AR. D.h. es müssen mindestens sechs AR-Mitglieder anwesend sein. So sieht es nun mal § 21 unserer Satzung vor. Und auf die berufen sich ja alle gerne.
Hinter diesem Hintergrund ist auch zu werten, dass Corny behauptet, er hätte ja Diskussionstermine mit dem AR vereinbaren wollen, aber das sei ja daran gescheitert, dass der AR alle Mitglieder mit dabei haben wollte und nie alle Zeit gehabt hätten.
Nun ja, sechs Leute sind laut Satzung leider zwingend. Und ob die nun Zeit hatten oder gehabt hätten müssen, mag jeder ausdiskutieren und spekulieren, wirklich sagen können wir es nicht, da wir weder die vorgeschlagenen Termine kennen, noch wann diese Terminvorschläge gemacht wurden. Und ganz ausdrücklich: So wie das Präsidium ehrenamtlich tätig ist, ist auch der AR ehrenamtlich tätig. D.h. in seiner Freizeit. Und da mag man zwar mal gerne am Stammtisch „Urlaub nehmen“ oder „unbezahlten Urlaub nehmen“ fordern, aber wirklich realistisch ist das nicht. Insbesondere wenn man bedenkt, dass wir u.a. einen Pharmamenschen und einen Unternehmensberater im AR haben. Beides Jobs, die sich nicht gerade durch flexible Termingebung am Tag auszeichnen. Insofern müsste hier, um das wirklich gegen den AR verwenden zu können, aufgezeigt werden, wann und wie kurzfristig diese Terminvorschläge waren, denn um die Erfordernis von sechs Teilnehmern auf AR-Seite kommen wir laut Satzung leider nicht herum.
Kurzer Einschub: Ob unsere Satzung wirklich zeitgemäss und krisensicher ist, steht auf einem anderen Blatt. Ich denke, dass aus diesem Chaos wirklich Nacharbeiten notwendig werden. Aber das soll danach in Ruhe entschieden werden.
Schnell gefordert wird natürlich auch, dass man, wenn man nicht flexibel Zeit hat, nicht für ein solches Amt kandidieren soll. Nur da beisst sich die Katze in den Schwanz. Denn wenn wir nicht gerade nur Arbeitslose, Rentner, Lehrer oder Beamte im AR haben wollen, dann müssen wir damit leben, dass sie auch belastende Berufe ausüben. Mir persönlich ist das lieber, insbesondere wenn man bedenkt, dass wir wirtschaftliche Qualifikation und wirtschaftliches Verständnis auf AR-Seite dringend brauchen. Weiterhin muss man bedenken, dass der AR sich in „normalen“ Zeiten vielleicht 20 mal pro Jahr mit entsprechend langen Vorplanungsfristen trifft.
Insofern muss man einfach bei der ganzen Bewertung bedenken, dass der AR nicht langfristig Littmann absetzen wollte, sondern erst nach seinem Rücktritt ihn möglichst schnell absetzen wollte. Zitat: „erst durch den Rücktritt war das Präsidium nicht mehr Teil der Problemlösung“.
Leitlinien für Sonntag
Was aber ist nun ein wichtiger Grund? Unsere Satzung schweigt zu diesem Punkt vollständig. Zwar benennt sie häufiger den wichtigen Grund als Abwahlgrund, aber sie definiert nie (zumindest habe ich es trotz Suche nicht gefunden), was eigentlich ein wichtiger Grund ist. Die Rechtsprechung definiert folgendes als wichtigen Grund (das Zitat ist nicht aus einem Vereinsurteil, so etwas hab ich auf die Schnelle nicht gefunden, die Definition bleibt aber die gleiche): „Nach ständiger Rechtsprechung ist ein wichtiger Grund zur ausserordentlichen Kündigung […] gegeben, wenn dem Kündigenden unter Berücksichtigung aller Umstände eine Fortsetzung des Vertragsverhältnisses auch nur bis zum Ablauf der Frist für eine ordentliche Kündigung nicht zugemutet werden kann.“
Entscheidend ist eine Unzumutbarkeit, die Frist abzuwarten, bis man ordentlich kündigen kann oder in unserem Fall der Corny sowieso geht oder von einer Wahl-aoMV abgewählt wird. Letztere braucht acht Wochen Vorlauf, so steht es in unserer Satzung (man gucke mal wieder in § 1). Ob diese Gründe vorliegen? Keine Ahnung! Was nur vielleicht ganz interessant ist, ist folgendes: Auch einen AR können wir nur aus wichtigem Grund abwählen. Sprich: Das Ganze muss gerichtsfest sein. Und am Montag wird eventuell eine neutrale, vereinsunabhängige Instanz entscheiden, ob so ein wichtiger Grund für unseren Präsidenten vorlag! Das Gerichtsurteil lag beim Schreiben dieser Zeilen noch nicht vor, wird aber ganz am Ende dieses Berichtes natürlich gewürdigt. Wenn die aber über formelle Begründungen hinaus und wirklich zum Inhaltlichen kommen, dann sollte sich jeder überlegen, ob diese Entscheidung nicht weise und richtig ist. Egal, wie sie letztendlich ausgeht. Eine Hoffnung wäre, dass die unterlegene Seite dann endlich ihr Unterliegen einsieht und dieser Verein wieder in geordnete Bahnen kommt. Dies gilt – bitte dreifach unterstreichen – jedoch nur dann, wenn das Gericht wirklich ein inhaltliches Urteil fällt und nicht nur ein formales.
Was noch wichtiger ist: Die Entscheidung der aoMV ist genauso gerichtlich überprüfbar, da nach unserer Satzung der AR nur mit wichtigem Grund abgewählt werden darf! Und die Begründung „die haben unseren erfolgreichen Präsidenten abgesägt“ trägt dann nicht mehr, wenn das LG sagt „ihr habt aus wichtigem Grund richtig gehandelt“. Das wird dann nix. Ob es andere wichtige Gründe gibt? Z.B. schlechte Aussendarstellung? Ich weiss es nicht. Lest euch noch mal den oben genannten Massstab durch! Daran und nur daran und nicht an persönlichen Sympathien oder Antipathien können wir als Versammlung unsere Entscheidung am nächsten Sonntag messen. Und ich denke, dass da das LG-Urteil ein sehr gutes Leitbild ist. Wenn es denn über formelle Gründe (z.B. Frist nicht eingehalten etc.) hinaus kommt.
Und das schreibe ich jetzt hier so, obwohl ich eine klare Meinung habe, die ich auch klar vertreten werde, egal wie das LG-Urteil ausgeht. Aber es geht hier nicht um meine Meinung, sondern darum, dass ich eine Leitlinie für Sonntag darstellen möchte.
Es bleibt nur zu hoffen, dass uns bis Sonntag nicht nur eine Entscheidung des LG vorliegt, sondern auch Gründe dieser Entscheidung.
Aber wir haben ja noch ein paar mehr Tagesordnungspunkte. U.a. sollen wir das Präsidium bis zum 26.3. entlasten. Dies müssen wir ja unabhängig von den Vorwürfen des AR prüfen, und dies ist auch unabhängig von einer Entscheidung des Landgerichtes. Selbst wenn Corny bestätigt bekommt, dass er ein super tolles Amt ausgeführt hat, stört mich ein Punkt an diesem Tagesordnungspunkt sehr. Ein Bericht des Kassenprüfers ist nicht vorgesehen. Und ohne diesen gibt es für mich einfach keine Entlastung. Eine Entlastung soll symbolisch zeigen, ob man Schadensersatz geltend machen möchte oder nicht. Hinzu kommt, dass man ein bisschen zeigen kann, ob man zufrieden ist oder nicht. Aber den erstgenannten Punkt kann ich nur dann entscheiden, wenn ich das extra dafür geschaffene unabhängige Gremium Kassenprüfer dazu gehört habe. Insofern ist bei diesem Punkt definitiv eine Enthaltung angesagt, denn so wird darüber nicht entschieden. Noch besser wäre es, das Ganze schlichtweg zu verschieben bis zur nächsten JHV. Oder der Kassenprüfer äussert sich noch.
Und noch ein Thema haben wir. Der Aufsichtsrat soll weitere Befugnisse bekommen. Er soll Geschäfte zwischen Verein und Vorstandsmitgliedern genehmigen müssen, wenn sie gewisse Bagatellgrenzen überschreiten (das sind sog. Insichgeschäfte). Absolut begrüssenswerter Vorschlag, der nur ein Problem hat: Er führt zu einem absoluten Konfliktpotential zwischen AR und Präsidium. Denn dass jeder Präsident den Vertrag, den er mit sich selbst ausgehandelt hat, für absolut angemessen hält, versteht sich von selbst. Und wenn dem AR ein latentes Misstrauen in der Art „Die haben ja sowieso keine Ahnung“ von den Mitgliedern entgegen gebracht wird (in der jetzigen Diskussion wird den AR Mitgliedern ja jegliche wirtschaftliche Kompetenz abgesprochen).
Streitstand
Littmann hat sich nun zu den Vorwürfen geäussert. Unabhängig davon, ob diese Gründe insgesamt oder einzeln einen „wichtigen Grund“ darstellen, soll sein Vortrag hier natürlich gewertet werden.
Folgendes bleibt aber zu sagen und das für beide Seiten: Es ist einfach, auf einer Pressekonferenz einen Sachverhalt darzustellen, wie man ihn gerne hätte. Schwierig wird das, wenn man den auch mit Beweisen unterfüttern muss. Und das verlang ich von beiden Seiten.
Hier hat der AR erstmal einen kleinen Nachteil, denn ob man will oder nicht, es gibt eine gewisse Beweislast.
Einschub: Beweislast heisst, dass ein Nichtbeweis zu ungunsten der Partei geht, die eine Tatsache behauptet. Als Grundregel gilt in Prozessen – und diesen Massstab wenden wir hier mal in Ermangelung eines anderen möglichen an – dass jede Partei die Sachen beweisen muss, die für sie günstig sind.
Wie oben aber bereits dargelegt, geht sowohl die Abwahl des Präsidenten, als auch die Abwahl des AR nur aufgrund eines „wichtigen Grundes“. Dafür hat die Beweislast natürlich die Seite, die behauptet, dass ein solcher wichtiger Grund vorliegt. Wohlgemerkt: Tatsachen! Nicht Behauptungen, nicht Bewertungen! (Letzteres ist erst der zweite Schritt.)
Sprich: Es ist an dem AR zu beweisen, dass wichtige Gründe vorliegen, die Zusammenarbeit mit Littmann zu beenden. Und es ist im Gegenzug an den Antragsstellern zu beweisen, dass wichtige Gründe vorliegen, den AR abzuwählen. Wenn etwas in der Tatsache unklar bleibt, dann ist es kein wichtiger Grund! Ganz einfach.
Einschub: Nachteilig für den AR ist natürlich, dass die Absetzung eines Präsidenten ohne ausreichenden wichtigen Grund wiederum ein wichtiger Grund sein könnte.
Noch etwas: Unabhängig davon, ob wir hier wichtige Gründe haben oder nicht. Wir müssen uns auch fragen: Sind dies Gründe, die eine Wiederwahl von Littmann verhindern? Und da gilt ein ganz anderer Massstab (ein Wort, das in dieser Kolumne, die ohne sz geschrieben wird nicht vorkommen darf) als für seine Absetzung. Denn wie ließ selbst die MoPo so schön schreiben? Ein Verein führt man anders als ein Theater.
Und in diese Abwägung muss man ja noch ganz andere Punkte einfliessen lassen, die hier eher keine Rolle spielen. So z.B. der Investor, der noch später zu behandeln ist.
Nachtrag: Ich habe mal meine Wertung in den folgenden Zeilen vorgenommen. Die des LGs ist wohl eine andere. Die Frage ist, wo der Schwerpunkt der Entscheidung von den Gründen her ist.
Einzelne Punkte
Steuerstrafverfahren
Das bleibt vollkommen unklar, da ich auch den anfänglichen Vorwurf des AR nicht zu 100% verstanden habe. Wenn ich es richtig sehe, geht es nur bedingt darum, ob es ein Steuerstrafverfahren noch gibt, sondern eher darum, wie dieses zu verhindern ist. Dass es nie eines gegen Littmann gegeben hat, ist schlichtweg gelogen und den Grund, warum das gelogen hat, gibt er gleich an. Er hat nämlich eine Selbstanzeige erstattet, und die setzt formal ein Steuerstrafverfahren in Gang, welches dann beendet wird, weil die Selbstanzeige strafbefreiend wirkt. Natürlich handelt es sich hier nur um eine Ungenauigkeit, aber genau diese führen ja zu den ganzen Problemen und Missverständnissen. Und den Wahrheitsgehalt können wir auch nur dann überprüfen, wenn jeder genaustens bei der Wahrheit bleibt. Aber um hieraus einen wichtigen Grund zu konstruieren, brauchen wir Vortrag und Beweise in der Mitgliederversammlung.
Spielerverträge
Auch hier ist vieles unklar. Erst wurde Littmann in den Zeitungen so zitiert, dass es die Konstruktion gibt, nun wieder sagt er, es gebe sie nicht. Heute legt das Abendblatt noch nach und sagt, dass das Ganze nur die Spitze des Eisberges ist und es noch mehr problematische Verträge geben soll. Insbesondere, weil viele Spieler bei ein und demselben Berater unter Vertrag sind und es da stinken soll. Das Schöne ist: Das ist ja einem relativ einfachen Beweis zugänglich. Geschwärzten Vertrag auf den Overhead, und wir wissen Bescheid.
Bisher haben wir nur Indizien, und die sind nicht gerade stark. Indiz für die Story des AR ist u.a., dass in den Zeitungen (und damit wird das Indiz natürlich noch schwächer) erst die Story zugegeben wurde, dann nun wieder nicht. Abwarten. Ein weiteres – ebenso schwaches - Indiz ist, dass viele Spieler eben bei einem Berater sind. Das führte u.a. vor der Saison dazu, dass ein User im Forum auf die Frage, wer denn noch kommen sollte nur meinte „Sucht euch hier einen aus“ und dann die Liste der Spieler, die bei diesem Berater unter Vertrag sind, präsentierte. Das kann einen koscheren Grund haben, nämlich gegenseitiges Vertrauen und eine gute Geschäftsbeziehung, und das kann einen unkoscheren Grund haben, nämlich versteckte Zahlungen.
Was ich nur mal deutlich machen will: Hier könnte unser Präsidium ohne weiteres in ein Strafverfahren laufen. Denn das kann (muss nicht, dafür müsste man eben den ganzen Vertrag mal sehen und man müsste insbesondere auch wissen, wie der Spieler das bei den entsprechenden Stellen meldet) Steuerhinterziehung, Hinterziehung von Sozialbeiträgen oder Betrug sein. Und dazu könnte das Präsidium – wenn denn die Vorwürfe stimmen - ohne weiteres Beihilfe geleistet haben. Das wird euch jeder Jurist bestätigen. Denn zur Beihilfe muss man gerade mal irgendeine nützliche Tätigkeit für die eigentliche Tat ausgeführt haben (hier: den Vertrag unterschrieben) und billigend in Kauf genommen haben, dass der Täter die Haupttat ausführt und diese strafbar ist. Das ist nicht gerade eine grosse Hürde.
Einschub: Trotzdem wollten mir schon Leute weis machen, dass dies nur ein Problem des Spielers und nicht des Präsidium ist. Dem ist definitiv nicht so. Und auch eine Üblichkeit in anderen Vereinen schützt vor Strafe nicht.
Dubiose Spielerverträge ein wichtiger Grund? Urteilt selbst. Und bedenkt immer, dass Otto Paulick vor 20 Jahren zurückgetreten ist, weil er ein Steuerermittlungsverfahren am Hals hatte, was meines Wissens (ich gebe aber zu, dass ich da noch sehr jung war) nicht mal was mit dem Verein zu tun hatte.
Fakt ist aber auch hier: Wer seine Version beweisen kann, gewinnt.
Baugenehmigung
Richtig ist, dass Auflagen das Normalste der Welt sind, da kann man Littmann nur Recht geben. Darum ging es aber im Vortrag des AR nicht, wenn ich das richtig verstanden habe. Es ging eher darum, dass Auflagen auch nicht erfüllt sind. Und da kommt es darauf an, welche Auswirkung die Auflagen haben und wann sie zu erfüllen sind. Die Auflage „immer Bauzaun um die Baustelle“ ist eben eine andere als die Auflage „bevor hier auch nur ein Bagger rollt, hab ich ein Statikgutachten“. Hier ist viel Detailkram abzuarbeiten. Ich hoffe, die aoMV ist bereit, dieses zu leisten. Ob das ein wichtiger Grund ist, muss sich zeigen, da es dort natürlich auch drauf ankommt, ob die Auflagen durch schlechte Geschäftsführung nur zögerlich erfüllt werden.
Was hier jedoch ganz wichtig ist: Seht euch oben noch mal den Massstab an. Wichtiger Grund heisst: „Ich kann nicht abwarten, den anders loszuwerden“, und gerade bei unserem Bauprojekt ist es so, dass wir keinen einzigen (dreifach unterstreichen) Tag mehr verschenken dürfen. Sonst wird die ambitionierte Planung (und darauf hat diese Kolumne am Tag der Vorstellung des Projektes hingewiesen) nix mehr.
Sprich: Wenn hier z.B. ein Statikgutachten noch nicht beauftragt wurde oder erst spät beauftragt wurde, ohne dass es einen erkennbaren Grund dafür gibt, dann ist das aus meiner Sicht sehr schnell ein wichtiger Grund. Aber auch hier gilt: Abwarten, wer welche Beweise vorlegt.
Baugenehmigung an sich: Das hatten wir hier schon. Das ist ein Thema, was schwer bis gar nicht zu bewerten ist. Hier ist wohl vieles auch Hinterzimmermauschelei, was aber eher den Wähler in dieser Stadt als den Wähler in diesem Verein interessieren sollte. Mein Vorwurf bleibt jedoch: Warum ist das nicht vernünftig im Verein kommuniziert worden? Wir haben so eine Lenkungsgruppe, und da kann man so etwas auch mal kommunizieren. Dann ist es vielleicht nach zwei Wochen im Verein rum, aber dann kommt auch keiner auf die Idee, so etwas öffentlich zu diskutieren. Ob die mangelnde Kommunikation ein wichtiger Grund ist? Eher nicht. Das ist eher ein Grund, warum man sich so eine Wiederwahl eines Präsidenten schenken kann. Das dies nun durch den AR in die Öffentlichkeit getragen wurde, ist natürlich mehr als blind, und da ist dem AR definitiv ein Vorwurf zu machen, aber auch dem Präsidium. Siehe zur Kommunikation sowieso noch weiter unten.
Stadionbetriebsgesellschaft
Laut Littmann ist die Gründung nicht zustimmungspflichtig, angeblich soll es auch eine Zustimmung gegeben haben, obwohl es diese Erfordernis nicht gegeben hat. Ja wat denn nun?
Ob es die Zustimmung gegeben hat oder nicht, lässt sich ja einfach klären. Die wird dann ja schriftlich vorliegen oder halt nicht. Achtung: Hier ist definitiv das Präsidium in der Beweislast, denn das ist ein für sie günstiger Punkt!
Nicht ausreichend ist, dass der AR weiss, dass man so etwas gründen möchte und muss und das Details besprochen sind. Zustimmung ist ein formeller Akt, und der liegt vor oder halt nicht. Sprich: Das ist ja auch relativ einfach zu beweisen.
Aber ist das überhaupt zustimmungspflichtig? Was sagt dazu unsere Satzung? Ausdrücklich steht da – natürlich – nix drin. Alleine hier zeigt sich mal wieder die Notwendigkeit, unsere Satzung in solchen Punkten zu präzisieren.
Fällt es aber vielleicht unter die genannten Punkte? Da steht was von „Geschäften, die mit finanziellen Verpflichtungen über 150.000 Euro verbunden sind“. Gut, wenn man das Stammkapital rechnet, dann ist das also nicht zustimmungspflichtig. Nur was ist, wenn diese Gesellschaft sofort nach Gründung und ohne eigene Einnahmen sich auf höhere Beträge verpflichtet? Dann rutscht der Verein eventuell in die Haftung (bitte beachten: juristische Voraussetzungen sind von mir nicht geprüft worden), und dann sollte so etwas auch genehmigt werden. Hinzu kommt noch etwas: Es gibt in unserer Satzung noch eine Zustimmungspflicht für „Rechtsgeschäfte, die über den normalen Geschäftsbetrieb eines Vereines hinaus gehen“. Ich weiss nicht, wer von euch in mehreren Vereinen ist. Aber ihr könnt ja mal überlegen, ob es normal ist, GmbHs als Tochtergesellschaften zu gründen. Kurzum: Spätestens dadurch wird das zustimmungspflichtig.
Und Gründung einer Gesellschaft ohne Zustimmung ist ein wichtiger Grund. Insbesondere, wenn es sich nicht um irgendeine Popelgesellschaft handelt, sondern um eine Gesellschaft, die letztendlich Verpflichtungen in Millionenhöhe eingehen soll. Und wahrscheinlich ja auch schon erhebliche Verpflichtungen eingegangen ist.
Unklar – aber auch hier ohne Bedeutung – ist die immer wieder behauptete Steuerfreiheit der Gesellschaft. Da haben zwei Steuerbeamte (meine Schwester gehört nämlich auch zu der Sippe) nix verstanden. Gewerbesteuerfreiheit eventuell ja, aber wie die insgesamt steuerfrei sein soll, ist mir vollkommen unklar. Ob dies aber auch wirklich gemeint ist, ist mir ebenso unklar.
Abriss Südtribüne
Littmann sagt nun, dies sei alles im Konsens zwischen AR und Präsidium geschehen, damit man die Logenverkäufe ankurbeln kann. Zeitpunkt sei Bewilligung der Bürgschaft gewesen.
Hier darf man nie vergessen, wer im Bagger sass. Nicht nur, dass hiermit ja wohl zugegeben ist, dass der Zeitpunkt eine reine Show war, um mehr Plätze zu verkaufen, nein ein Verschulden durch Handeln ist ja noch etwas anderes als ein Verschulden durch Unterlassen!
Ob und inwieweit man hier dem AR ein Mitverschulden anhaften kann, habe ich persönlich für mich noch nicht entschieden. Aber: Das Hauptverschulden trifft Corny Littmann, welcher den Abriss persönlich im Bagger begonnen hat.
Ist das ein wichtiger Grund? Nun ja …gute Frage… Wirklich sinnig war es nicht. Aber ein wichtiger Grund wäre es für sich alleine nicht. Ein wichtiger Grund wird es nur dann, wenn man bedenkt, dass zu diesem Zeitpunkt keine Verträge unter Dach und Fach waren. Zwar behauptet Littmann nun, dass die Verträge seitdem immer nur günstiger als der damalige Verhandlungsstand abgeschlossen wurden, aber man darf nicht vergessen: Wir haben bisher nur zwei Verträge unter Dach und Fach, und das waren die simplen. Einen GU haben wir bis heute nicht. Und das ist und bleibt der komplizierteste und wichtigste Vertrag. Hier denke ich, dass sowohl Littmann seine Behauptung noch erheblich konkretisieren als auch der AR nachlegen müsste. Denn der Grund „Ankurbelung Verkauf Logen“ ist ein äusserst dünner. Ich denke nicht, dass man zwischen Dezember und März ohne einen weiteren Baufortschritt viele Logen verkauft hätte. Hinzu kommt, dass so die ganzen Leute, die aufgrund dieser Veranstaltung Logen gekauft haben, nun wahrscheinlich einen ziemlich dicken Hals haben.
Schlechte Liquidität
Auch hier ist Detailarbeit Pflicht und sollte von der Versammlung auch erledigt werden. Ein einfaches Glauben reicht hier nicht. Und was wichtig ist: Überschuss ist ungleich Liquidität. Das wird in diesem Verein auch immer wieder verkannt. Ein rechnerischer Überschuss von 240.000 Euro sagt noch nix über die Liquidität aus.
Natürlich ist die bei unserem chronisch klammen Verein im Winter nicht gerade doll. Die Frage ist eben aber, ob sie schlechter war als sonst. Im Abendblatt taucht nun noch die Behauptung auf, dass die Nacimento-Zahlung vom Holstengeld geleistet wurde. Das wäre anderseits haarsträubend, denn das würde a. heissen, dass die entsprechende Rückstellung in der Bilanz nie mit der Zurückhaltung entsprechender Gelder unterfüttert war und dass b. unsere Liquidität deutlich über dem Normalen schlecht ist. Ganz mal davon ab, dass das Holsten-Geld ja wohl Geld ist, was für ein ganz bestimmtes Projekt vorgesehen ist.
Wichtiger Grund? Definitiv! Wenn es stimmt, dass Holstengeld den Verein sofort wieder zweckentfremdet verlassen hat, dann ist das ein wirklich schwerer Vorwurf, der unser wichtiges Projekt klar gefährdet. Nur ob es stimmt? Da ist Detailarbeit gefragt, und das muss sich die Versammlung auch antun, auch wenn Zahlen nervig sind und gerade so etwas nervig ist.
Nichtnominierung von Anfang an geplant
Reine Behauptung, die man nicht nachweisen kann. Hinterm Rücken verhandelt? Ebenso. Auch gerade, was soll das denn heissen? Der AR ist ja per Satzung verpflichtet, einen Präsidenten vorzuschlagen. Und wenn er mit dem einen verhandelt, weil man eben sich nicht sofort einig ist (so wird es ja vom AR dargestellt), dann muss man sich auch nach Alternativen umsehen, selbst wenn derjenige, mit dem man verhandelt, die erste Wahl ist. Das hat nix mit „hinterm Rücken zu tun“. Hier dreh ich das Argument einiger AR-Kritiker „Das ist planlos, die haben ja nicht mal einen Nachfolger“ ins Gegenteil um, so dass ich immer den AR kritisieren kann, egal was er macht. Ausnahme natürlich, er steht sofort auf, klatscht standing ovations und erklärt Corny zum Präsidenten auf Lebenszeit.
Das ist für mich nebenbei auch kein wichtiger Grund, den AR abzusägen. Denn dann hätte er ja gar keine Möglichkeit mehr seine Nominierung wirklich zu prüfen.
Kommunikation an sich
AR wollte immer alle dabei haben: Das ist aus der Satzung beinahe so geschuldet. Zumindest ab dem Moment, wo man den Präsidenten abwählen möchte. Ob das sinnvoll ist, steht auf einem anderen Blatt.
Ansonsten lässt sich diese ganze Kommunikationsschiene nicht mehr aufklären. Natürlich hat es das Angebot gegeben, an den Sitzungen des Präsidiums teilzunehmen, und natürlich wäre es ein Einfaches gewesen, entweder daran teilzunehmen oder kurz nach der Sitzung zum Telefonhörer zu greifen und zu sagen „erzähl mal, was ihr so beschlossen habt“. Und dann wenn man sagt „kritisch“ zu sagen, „lass uns mal drüber reden“. Warum dies nicht gemacht wurde, ist mir unklar. Jedoch auch hier ist ein Blick in die Satzung (weil ja immer von Hol- und Bringschuld gesprochen wird) sehr spannend. § 20 Abs. 4 verpflichtet nämlich das Präsidium, den AR über alle Vorgänge, die für den Verein von besonderer Bedeutung sind, zu informieren. Sprich: Wenn die nicht kommen, obwohl das Angebot bestand, dann ist das Präsidium noch lange nicht raus aus der Pflicht. Es ist eben doch eine Bringschuld des Präsidiums. Ob in diesem Punkt unsere Satzung so glücklich ist, sei mal dahin gestellt, aber es steht halt nun mal da so. Sprich: Selbst wenn sich der AR zurücklehnt und sagt „lass mal kommen“ ist das komplett satzungskonform und kein wichtiger Grund. Die feine englische Art ist es trotzdem nicht, aber von der Einhaltung dieser sind beide Seiten weit entfernt. Denn eine Informationsverweigerung im Sinne von „immer wenn du mit uns reden wolltest, sind wir weggelaufen“ wird von beiden Seiten nicht behauptet.
Hierunter fällt ja auch das Verbesserung der Kommunikationspapiere. Nach Littmann (und der will daraus zitiert haben) gab es den Punkt „Fehler als Ausfluss der ehrenamtlichen Tätigkeit anzuerkennen“. Das geht definitiv nicht, das kann kein AR der Welt akzeptieren. Siehe dazu im vorletzten NRSA. Den Punkt „dürfen nicht mit leitenden Angestellten reden“ stellt Littmann anders da. Sie sollen sich nicht in die Führung dieser Personen einmischen. Das klingt okay, aber warum das so gefordert wurde etc. ist mir vollkommen unklar. Hier wird wieder einmal entscheiden, wer die besseren Beweise vorlegt.
Fakt ist: Ein wichtiger Grund ist das für sich genommen nicht. Es ist eher ein bescheuertes Papier des Präsidiums, über das man nur den Kopf schütteln kann.
Und nun?
AR abwählen? Littmann abwählen?
AR abwählen? Ich sehe zwei Sachen, die zum wichtigen Grund werden könnnten. 1. die öffentliche Diskussion der Baugenehmigung. Aber ob man als Aufsichtsgremium, welches nicht informiert wurde, auf Hinterzimmermauscheleien warten muss? Ich bezweifele dieses. 2. die Nichtverhinderung des Südkurvenabrisses. Dort ist mir aber im zeitlichen Ablauf vieles noch nicht klar.
Ob es noch mehr Gründe gibt, werden wir nach der Beweislage entscheiden müssen.
Littmann? Wichtige Gründe? Hier gibt es ein paar mehr, die jedoch häufig unter dem Vorbehalt der Beweisbarkeit stehen.
1. der Südkurvenabriss. Wenn der aber okay war, dann war er auch beim AR okay. Da beisst sich allemal die Katze in den Schwanz. Wenn es bei beiden ein wichtiger Grund war, dann hat sowohl der AR Littmann zu Recht abgewählt, und dann wird zu Recht auch der AR abgewählt. Krank, oder? Wobei hier eben bei der Verantwortlichkeit des AR noch gearbeitet werden muss.
2. Spielerverträge: Wenn sich das denn bewahrheitet. Nebenbei immer noch ein Thema, was ich sehr ungern diskutiere, was aber wohl leider hier diskutiert werden muss. Littmann soll nebenbei mal gegenüber Journalisten den Namen des Spielers genannt haben. Glücklicherweise hat das daraufhin keine Presse weiter getragen. Nur blind und blauäugig wäre dies natürlich, wenn es denn stimmt.
3. Liquidität: Wenn es denn stimmt.
4. fehlende Verträge, fehlende Auflagen: Wenn es denn stimmig ist. Gerade bei ersterem spricht aber der Fakt, dass es keine Verträge gibt, sehr stark gegen Littmann.
Alles weitere ist für sich genommen kein wichtiger Grund, sondern eher schmückendes Beiwerk und kann nur in der Gesamtschau den wichtigen Grund noch verstärken.
Kleiner Hinweis: Hier wurde bewusst die Prüfung der wichtigen Gründe immer an der Person Littmann und an „dem AR“ festgemacht. Richtig ist, dass nach unserer Satzung jeweils eine individuelle persönliche Prüfung stattfinden muss. Das wollte ich aber auch aufgrund des homogenen Auftretens beider Gremien nicht leisten.
Neue Entwicklungen
Der Investor
Unabhängig von der Begründung einer Abwahl ist der neue Investor, den Littmann haben soll. Nun muss der AR ja nicht jemanden aus wichtigem Grund abwählen, er „kann“ es. Wenn wir dies mal als pflichtgemässes Ermessen (ein Begriff aus der Verwaltungsjuristerei) definieren, dann muss der AR überlegen, welche sachlichen Gründe es für eine Abwahl oder gegen eine Abwahl gibt. Und da kann so ein Investor natürlich ein Grund sein, den Präsidenten zu behalten, obwohl dieser ganz viel Bockmist verzapft hat.
Und für eine Versammlung, die den Präsidenten eventuell neu zu wählen hat, gilt das natürlich noch umso mehr.
Hat der AR nun eventuell nicht sein Ermessen ausgeübt? Nun ja, ich persönlich hätte immer in der Öffentlichkeit gesagt „wir prüfen das“, aber wirklich überzeugen tut mich das bisher noch nicht. Warum?
Nicht weil hier ein Investor sich an eine Person bindet. Das ist okay, wenn auch bedenklich, aber Erpressung oder so ist das nicht. Inwieweit damit der DFB ein Problem hat, könnte man den ja fragen.
Die Probleme liegen vollkommen woanders. Ich muss erst einmal prüfen, ob der Investor seriös ist. Ich drück es mal ein bisschen krass aus: Wenn das der Obermafiosi persönlich ist, dann spricht das eher dafür, Littmann ganz schnell abzuwählen. Wenn das Mutter Teresa ist, dann eher dafür, ihn nicht abzuwählen. Beides wissen zumindest einfache Vereinsmitglieder bisher nicht. Daher kann es meine Meinung am nächsten Sonntag nicht beeinflussen.
Aber selbst, wenn es die sprichwörtliche Mutter Teresa ist, muss ich doch mehr als eine leere Versprechung haben, wenn es mich beeinflussen soll. Nun gibt es laut Presse einen Letter of Intent, nur leider sind diese Dinger immer noch nicht bindend. (Wer mir so etwas nicht glaubt, der nehme sich einen BGB-Kommentar von Palandt, gucke unter Rdnr 18 vor § 145 nach und finde dort (in Palandt-Deutsch): „ist in der Regel die rechtlich nicht verbindliche Fixierung der Verhandlungsposition“. Und dass diese Regel hier nicht gilt, sondern die mögliche Ausnahme, dass will ich nicht nur behauptet haben, sondern bewiesen.)
Letters of Intent hatten wir im Rahmen unserer Stadionbaugeschichte schon ungefähr 200. Nur ein Vertrag ist noch nie draus geworden.
Sprich: Ich will irgendwas sehen, was diesen Investor bindet.
Und selbst wenn das vorliegt, habe ich noch ein letztes Problem: Sind die Konditionen okay? Natürlich will der eine Gegenleistung (wie sagte Santa Paula so schön? „Die, die keine Gegenleistung haben wollen, sind noch schlimmer“), und natürlich soll er die auch bekommen. Und da traue ich einem Präsidenten, der seine Zukunft damit erkaufen will, nicht zu, diese wirklich wertfrei zu prüfen. Dafür bräuchte ich – genau! – einen Aufsichtsrat. Und den habe ich in dieser Situation für diesen Vertrag nicht. Und die Gefahr, dass wir hier einen Vertrag überhastet abschliessen, der uns wirtschaftlich komplett abhängig macht oder andere grauenhafte Konditionen enthält und damit in den Ruin treibt, ist gegeben. Oder ich vertraue dem AR, dass er den wirklich wertneutral prüft und dann überlegt, ob das reicht, um Littmann weiter kandidieren zu lassen. Nur dieses Vertrauen scheint bei vielen ja nicht da zu sein. Daher meine Äusserung, dass ich eben einen AR dafür nicht habe.
Der Kompromissvorschlag
Dann gibt es noch einen Kompromissvorschlag aus den Reihen des Amateurvorstandes, der ungefähr lautet, dass der AR Littmann nun nicht absetzt, der AR zurücktritt, im Sommer neu gewählt wird und im Herbst dann der Präsident neu gewählt wird.
Ein wirklicher Kompromissantrag ist dies nicht. Wenn der AR ihm nicht zustimmt, dann ist es ein verkappter Abwahlantrag, denn der AR wird ja zum Rücktritt aufgefordert. Wenn er zustimmt, dann wäre er vielleicht okay.
Noch ein kleines Problem bleibt: Der AR kann nach Satzung nur mit einer Frist von zwei Monaten zurücktreten. Wir hätten also allemal zwei Monate die gleiche Situation wie jetzt. Und wie soll uns das weiterbringen? Bis dahin sind wirklich alle Fristen für einen zeitigen Stadionbau abgelaufen.
Ganz wichtig für alle Leute, die nicht gerade in der No 1 sind und die vielleicht ihrer Abteilungsleitung mehr vertrauen als dem AR und dem Präsidium: Guckt, wer das unterschrieben hat und wer nicht. Und fragt euch immer, warum eure Abteilungsleitung da mit drauf steht oder nicht. Und warum sie vollständig drauf steht oder auch nicht.
So und nach nun knapp 16 Seiten qualmt mir der Kopf, ihr seid wahrscheinlich alle komplett wirr und ich warte nun auf das LG-Urteil, wenn denn eines kommt und wenn es uns denn inhaltlich weiter hilft.
Das LG Urteil oder sind wir nun schlauer?
Nach dem LG gibt es keine wichtigen Gründe. Soweit so gut. Es gibt nix zu diskutieren, hier liegt eine brutale Niederlage des AR vor. Nun habe ich bisher keine detaillierten Berichte aus dem Gerichtssaal. Was ich bisher rudimentär gehört habe, ist eine Begründung für das Gericht, dass wir eben in acht Tagen eine ao MV haben und daher ein wichtiger Grund nur Sachen von höchster Dringlichkeit sein kann, die sich innerhalb der nächsten fünf Tage ereignen. Sprich: Das zeitliche Element wird sehr betont. Das wir ja in fünf Tagen keinen neuen Präsidenten wählen können, scheint das Gericht nicht interessiert zu haben. Und das zu Recht, denn wir können ja auf der ao MV aus wichtigem Grund abwählen. Aber wie schon gesagt. Das hab ich jetzt aus ersten rudimentären Gründen herauskristalisiert. Und vor Gerichten gilt immer: Es gibt die mündlichen, die schriftlichen und die wahren Gründe. Hier wäre es also schön noch konkreter zu werden. Nun ja, bei dem Maßstab des Gerichtes ist einfach zuzugeben, dass keiner der oben genannen Gründe ein wichtiger Grund ist. Denn das Corny nun den Verein bis zur ao MV an die Wand setzt, das glaubt nicht mal der kühnste Pessimist. Nur ist das auch unser Massstab? Ich denke nein, denn wir hätten ja dann ein anderes zeitliches Element und wären das höchste Beschlussgremium. Können wir jetzt den AR abwählen, weil er keinen wichtigen Grund hatte? Gute Frage, ich kann sie nicht beantworten. Schwere taktische Fehler sind das allemal. Welche Möglichkeiten hat ein AR dann noch, wenn er mit einem Präsidenten unzufrieden ist und dieser eine ao MV einberuft? Aus meiner Sicht nur noch extreme Leichen oder einen Abwahlantrag auf der aoMV. Wie können wir in der nächsten Krisensituation verhindern, dass wir mindestens zwei Wochen Verzögerung, wenn nicht drei Monate Verzögerung akzeptieren müssen, weil unser Präsident immer im Amt bleibt? Ist diese Klausel sinnvoll oder müsste man sie ändern? Ist die Absetzungsmöglichkeit durch den AR vielleicht nicht sinnvoll? Fragen über Fragen, die ich nicht beantworten kann.
Ein kleines Problem nur: Wenn wir nun den AR nicht abwählen, dann sind wir kein Schritt weiter. Und wenn wir ihn abwählen, dann brauchen wir einen neuen, der erstmal acht Wochen später gewählt werden muss. Denn vorher könnten wir z.B. den Investorenvertrag gar nicht satzungsgerecht abschliessen. Sprich: Egal wie es ausgeht, es wird eine Verzögerung geben. Die einzige Möglichkeit, die den Verein sofort wieder handlungsfähig (und zwar vollständig) machen würde, wäre den Präsidenten durch die aoMV abwählen zu lassen und dann den AR einen neuen bestimmen zu lassen. Nur ob das sinnvol ist?
Welche Möglichkeit bleibt? Rücktritt des AR? Bringt uns in der Zeitschiene nicht sehr viel weiter, wäre aber eine Konsequenz, wenn man sagt, man möchte mit CL nicht weiter zusammenarbeiten. Oder die zweite (Traummöglichkeit), man setzt sich heute noch zu zehnt an einen Tisch mit ganz viel Wein und Bier, schreit sich noch mal zwei Stunden an und arbeitet dann all diese Vorwürfe oben Punkt für Punkt ab und kommt danach zu einer wie auch immer gearteten gemeinsamen Lösung.
Und zuletzt
Immerhin hat Littmann nun mit offenen Karten gespielt und gesagt, dass er natürlich nicht zum 26. zurücktreten will. Ein bitterer Beigeschmack bleibt, denn viel Schlammschlacht hätten wir uns schenken können, wenn er ohne Rücktritt eine aoMV beantragt hätte. Und es bleiben die Vorwürfe im Raum, ob sie nun wichtige Gründe darstellen oder nicht. Auch er geht nicht gestärkt aus dieser Show heraus.
Dem AR muss man schwere taktische Fehler vorwerfen. Wahrscheinlich hätte er auf seiner Pressekonferenz nur die neuen Präsidiumsmitglieder vorstellen sollen, sagen sollen „sind dann ab 26. Präsidenten“ und sagen sollen „Gründe warum wir Littmann nicht nominiert haben, gibt es auf der aoMV“. In diesem Fall hätte Littmann keine gerichtliche Möglichkeit gehabt dagegen vo