Norbert regt sich auf vom 5.4.2007

 

über

Und das nicht nur zur Sommerzeit…

oder

Der hat aber einen langen…

*denkpause*

Schritt

Vorwort

Ich möchte erstmal allen Lesern danken, die in den letzten Tagen viele Emails zu dem JHV-Bericht geschrieben haben. Kleinere Korrekturen und Ergänzungen waren dabei, für die ich danke, viele andere Meinungen, die ich auch sehr spannend fand, und viele lobende Worte. Das entschädigt dann für die Arbeit, die in einem solchen Bericht liegt. Ich möchte nun nicht die Korrekturen und Ergänzungen hier im einzelnen breit treten, da dies a. den Rahmen endlich sprengen würde und b. der Gesamteindruck durch die kleinen Fehler nicht geändert wird. Nur eine Sache will ich natürlich für die Nachwelt klar stellen: Die Radsportabteilung hat laut Auskunft der Abteilungsleitung 89 Mitglieder. Einem Start bei der Tour de France stehen also nur noch Kleinigkeiten im Wege.

Ich glaube, ich reiche das bei der Krankenkasse ein…

Wahrscheinlich das Spiel, welches ich jedes Jahr wieder am meisten verabscheue, ist der Besuch im Stadion im Volkspark, welches auf einen jeweils wechselnden Sponsorennamen getauft ist. Bereits im Vorfeld war mir klar: Knipsen im Innenraum ist hier nicht. Bei einem solchen Spiel pseudoneutral zu bleiben ist mir nicht gegeben. So hatte ich endlich mal wieder das Vergnügen, den Auswärtsblock zu unterstützen.

Auf Stehplätze wollte ich nicht, denn das erschien mir mit USP im Block doch etwas eng. So bestellte ich beim Fanladen Plätze im Block direkt daneben, so dass man schon die Stimmung aufnehmen kann, aber eben doch ein bisschen Platz hat.

Der Spieltag näherte sich und damit auch das grösste Problem beim Stadion im Volkspark: wie hinkommen? Nicht nur dass es irgendwie immer in einem riesigen Fussmarsch endet, nein, auch gewisse Sicherheitsüberlegungen muss man leider immer noch mit einbeziehen.

So entschied man sich, mit USP zum Stadion zu gehen. Vorher noch einen Stärkungshahn zu sich genommen und dann zum Treffpunkt. Die Ultras trafen sich um 17 Uhr am Knust, wo kurz noch ein paar Poserfotos gemacht wurden, dann ging es zu Fuss und per Bahn in den Volkspark. Eigentlich hatte ich bereits am Knust ein riesiges Polizeiaufgebot erwartet, aber dieses blieb erfreulicherweise aus. So konnten sich die ca. 500 versammelten Leute durch die Nebenstrassen und dann direkt über die Schanzenstrasse zum Bahnhof Sternschanze aufmachen. Dabei wurde auch fröhlich auf der Strasse gegangen, ein Fakt, der hier aufgrund späterer Nummern der Polizei Erwähnung findet. Der Marsch war sehr beeindruckend, Gesänge in Häuserschluchten haben etwas. Und dabei teilweise echt süsse Momente. So kam man u.a. an einem Kinderspielplatz vorbei, der Marsch war gerade ruhig und die Kinder fingen mit „St. Pauli“-Rufen an. Ein echt schöner Moment. Da hat man dann mal das – wahrscheinlich komplett falsche – Gefühl, dass das Viertel hinter einem steht.

Am Bahnhof befand sich dann auch unser Freund und Helfer, aber immer noch nicht in der Form der „Ich telefoniere mit meiner Jacke“-Menschen, sondern in Form der Bundespolizei. Warum die da alles aufgefahren hatten, was laufen kann, bleibt auf immer deren Geheimnis, aber insgesamt war alles super entspannt. Selbst als ein vereinzelter Lokalrivalenfan im Trikot vorbei lief. Der wurde zwar „angesungen“ und mit Sprüchen belegt, aber alles vollkommen ohne übermässige Aggressivität. Sehr nett auch, dass ein St. Paulianer ihn freundlich fragte, was denn wohl passiert wäre, wenn ein St. Paulifan an einer Horde Lokalrivalenfans vorbeigegangen wäre...

Die Bahn dann natürlich vollständig und komplett überfüllt, so dass es insgesamt gut fünf Minuten dauerte, bis die Bahn wieder abfahren konnte. Erstaunlicherweise ging die Bahnfahrt erneut ohne Polizeibegleitung ab.

Wir hatten das Abteil der Spassvögel erwischt, und das war echt spannend. Eine Gang kommentierte ungefähr jeden Gesang mit einem „Und das nicht nur zur Sommerzeit, nein, auch im Winter, wenn es schneit…“, was schon bei „Hamburg ist braun-weiss“ zu ziemlichen Lachschüben führte. Als aber eine andere Gruppe mit „Alle alle tot, alle alle tot, alle alle tot - wenn die Bahn entgleist, sind wir alle alle tot“ anfing und dieses wieder mit „Und das nicht nur zur Sommerzeit…“ kommentiert wurde, gab es kein Halten mehr.

Aussteigende „normal“ Reisende wurden durch ein ausgeklügeltes System von Verschieben und an die jeweilige Seite pressen „Und jetzt zur anderen Seite, hier muss auch noch jemand raus“ herausgelassen. Alles super diszipliniert und trotz der Enge seeeehr freundlich.

Man entschloss sich, bis Eidelstedt zu fahren, wo es wieder eine Polizeitaktik zu bewundern gab, die einfach nur Kopfschütteln hervorruft. Die hatten ungefähr alle Leute hinbeordert, die irgendwie laufen können. Der Rest fuhr die Wagen. Was das sollte, blieb deren absolutes Geheimnis. Und wenn man dann noch bedenkt, dass die nicht etwa Fantrennung praktizierten, nein, sie erklärten statt dessen, dass man nicht auf die Fahrbahn treten darf und hielten diese von St. Paulianern frei, blockierten die Straße statt dessen aber durch Polizeifahrzeuger. Was für ein Blödsinn.

Wenn man von Eidelstedt zum Stadion geht muss man eigentlich nur immer geradeaus und dann rechts und steht vor der Gästekurve. Man kreuzt sich eigentlich nur wenig mit den Leuten, die von Stellingen kommen. Also eigentlich wäre der Gang so das sinnvollste gewesen. Aber was macht die Polizei? Sie lässt uns rechts vor dem Stadion abbiegen, verteidigt den direkten Weg mit einem massiven Aufgebot, sorgt für einen Verkehrsstau (in dem auch unser Mannschaftsbus steckte) und führt einen an der CoLiA vorbei. Dort wollten sie einen dann über einen ca. einen Meter breiten Fussweg an der Strasse zur Gästekurve leiten. Alleine das ist bei einem Marsch, der nun schon ca. 2000 Leute umfasste, vollkommener Unsinn. Und so suchte sich die Menge ihren eigenen Weg, der über den Parkplatz und dann den Umlauf der CoLiA ging. Und da kommt man wo raus? Richtig, genau hinter der Nordkurve, wo die Lokalrivalenfans stehen. Hätte hier eine grössere Gruppe eine Auseinandersetzung gesucht hätte sie diese auch gefunden, denn die Polizei war natürlich nicht in Stellung, sondern verteidigte immer noch die Freiheit der Fahrbahn. So mussten die Beamten mal kurz ein bisschen Frühsport machen und standen dann hektisch mit einem Zug so, dass niemand in Richtung Lokalrivalenfans gehen konnte. Nur mal ganz ehrlich: Wenn da ein entschlossener Hooligan-Mob (und als solches werden ja unsere Ultras immer von unseren Zivis bezeichnet) gekommen wäre, dann hätten die 20 Polizisten richtig alt ausgesehen. Und das alles nur wegen einer vollkommen unsinnigen Polizeitaktik.

Eine Anwesende fragte im Hinblick auf die Polizeipräsenz noch, was eigentlich passiert wäre, wenn das ein Sicherheitsspiel gewesen wäre. Ob dann jeder einen Polizisten an die Hand bekommen hätt…?

Womit wir beim Thema sind: Wie kann so etwas kein Sicherheitsspiel sein? Nun ja, das führte dazu, dass es Vollbier gab. Ein Punkt, der nach meiner Schätzung mindestens 5.000 Leute mehr als sonst in den Volkspark brachte. Und wie kam es dazu? Die Hamburger Polizei soll kein Problem damit gehabt haben und die Stellen, die wohl unbedingt ein Sicherheitsspiel wollten, waren wohl zu langsam. Insgesamt blieb es auch absolut friedlich, zumindest soweit ich das gesehen habe. Laut Internet sollen auf dem Rückweg einige Idioten der Rauten mit Flaschen geworfen haben und dies in gemischt stehende Gruppen. Da einige Opfer davon sprachen, dass man die Täter erkannt hat, kann man nur deutlich raten, sich an die Staatsmacht zu wenden.

Nur um das auch mal klarzustellen: So etwas verhindert man nicht mit einem Bierverbot im Stadion. Was man aber verhindern würde, wären einige komplett volltrunkene Leute. Es ist immer wieder erschreckend, wie sich einige Leute die Rübe dicht knallen. Und dies mitten in der Woche!

Die Eingangskontrollen waren schnell überwunden, auch wenn die elektronischen Einlasskontrollen sich doch als sehr menschlich erwiesen. Also so können wir die auch in unser neues Stadion übernehmen.

Und drinnen standen dann auch endlich unsere Freunde der immer mehr werdenden Art „Das Innenfutter meiner Jacke spricht zu mir“. Nur sollten sie heute keine Rolle mehr spielen. Und das ist auch gut so.

Noch kurz mit Pectoris geschnackt und dann in den Block. Wir haben uns natürlich nicht auf unsere Plätze gestellt, sondern zu den Leuten, die wir kennen, also 12 Reihen über den von uns „gebuchten“ Plätzen im gleichen Block. Hat auch erstmal keinen gestört. Vor Anpfiff mussten wir erstmal die Stadionshow ertragen, die nicht nur von den beiden normalen Labertaschen des Lokalrivalen (oh Gott, sind die schrecklich) durchgeführt wurde, nein, die auch viel zu laut ist und jeden Ansatz von Gesang oder Stimmungsaufbau tötet. Wenn so etwas bei uns mit dem neuen Stadion Einzug erhält, dann bleibe ich zu Hause.

Mal so eine Frage am Rande: Sprechen die beiden sonst auch die Amateure? Sonst wird sich der richtige Amateurstadionsprecher richtig bedankt haben, dass ihm dieses Highlight abhanden gekommen ist.

Anpfiff - endlich kann man singen, brüllen und schreien und dies führte bei uns zu einer wirklich 90 Minuten-Stimmung. Meistens lautstark, wenn auch etwas diffus, aber immer präsent.

Und ca. 15 Minuten nach dem bereits verspäteten Anpfiff kommt so ein Typ und fragt mich, ob das mein Platz hier sei. Ehrlich, wie ich nun mal bin, sag ich ihm „Nein, nicht wirklich.“ Daraufhin sagt er: „Dann ist das meiner. Mach mal bitte Platz.“ Hab ich gemacht und seine Tussi kam auch noch und auch die hat Platz bekommen. Und dann fiel er, der Satz des Tages. Er guckt sich um und sagt „Warum steht ihr denn alle, ich dachte das sind hier Sitzplätze.“ Ich bot ihm also an, sich hinzusetzen, wobei drum herum alle klar machten, dass sie trotzdem stehen bleiben würden. Komischerweise hat er sich ein paar Sekunden später verzogen. Nun war das ein junger Mensch, aber insgesamt bringt dieses „Stehen auf Sitzplätzen“ immer wieder Probleme. Denn neben uns standen z.B. zwei ältere Herrschaften und die hätten garantiert auch lieber mal gesessen.

Das kommt aber auch davon, wenn die Karten wild durcheinander verkauft werden und sich in einem Block knallharte Auswärtsfahrer und normale Sitzplatzbesucher wiederfinden. Aus meiner Sicht wäre es sinnvoller beim nächsten Derby ein bis zwei Blöcke als „Hier wird definitiv gesessen“-Bereiche auszuloben und die Leute beim Kauf des Tickets nach ihren Wünschen zu fragen. Dann hätten Altere und Leute, die halt nicht mehr so gut stehen können, eine Chance zu sitzen. Ansonsten ist irgendwann die Folge, dass sich diese Powerordnertypen dazu veranlasst sehen überall Sitzzwang einzuführen. Es wundert sowieso, dass diese komischen Typen das nicht gemacht haben. Hier sollte das Kartencenter in Rücksprache mit dem Lokalrivalen Abhilfe schaffen. Und es zeigt nebenbei eines: Wie falsch es war, die Stehplatzblöcke so unsinnig zu verkleinern.

Introtechnisch gab es bei uns viele Wurfrollen, ein schönes Plakat und ganz viel Konfetti. Drüben gab es nicht viel, dafür aber eine Spruchbandshow, die eigentlich ganz okay war, mit einigen Ausrutschern. Dabei wurde der Finger in die Wunde gelegt, die wir halt haben, nämlich keine Südkurve. Zur Halbzeit gab es noch Tapeten bzw. Bettlaken von USP, wobei nur „Ihr habt soviel Sti(e)l wie ein Cornetto Eis“ von unserer Position aus zu sehen war.

Zum Spiel: AAAARRRRGGGHHHHHHHH. Du bist 90 Minuten HAUSHOCH überlegen und hast ca. 100 Chancen und schaffst es nicht, den Ball über die Torlinie zu bekommen. Das ist kein Pech mehr, das ist absolutes Unvermögen. Und damit wurde ungefähr die 1.000ste Chance vergeben, endlich mal oben ran zu kommen. Da wären sie wieder, die Worte der ewigen Verlieren „hätte, könnte, wäre, müsste“. So bleibt nur eines für uns: mindestens noch ein Jahr dritte Liga. Und das, obwohl dies die wahrscheinlich beste Saisonleistung war. Aber wie sagte heute auf der Arbeit eine Mitarbeiterin von mir so schön? „Das ist der Unterschied zwischen schön spielen und effektiv spielen.“

Zu einzelnen Spielern: Sako: Man hat der einen langen… …Schritt. Das waren ungefähr unsere Worte jedes Mal, wenn er an den Ball kam und wieder jemanden austanzte. Das sieht alles super langsam bei ihm aus, ist aber alles super schnell. Nur leider ist er – wie alle anderen Stürmer – vor dem Tor absolut harmlos.

Stendel und Kuru: Haben beide mehrfach den Ball frei auf dem Fuss und versuchen noch einmal Hacke, Spitze, eins, zwei, drei. Von einem Stürmer erwarte ich, dass er solche Bälle aufs Tor zimmert. Und wenn es unplatziert mit der Pike ist.

Quizfrage: Letztes Tor auswärts, dass nicht Fabian Boll geschossen hat? Lange her, kann ich euch sagen. Es ist einfach erschreckend, wie voll unsere Stürmer die Hosen auswärts haben.

Meggle und Schultz: Alter Schwede, das war doch endlich mal gut. Beide kämpferische Vorbilder und endlich mal mit der Laufarbeit, die notwendig ist.

Boll: Mit einigen haarsträubenden Fehlern (einer hätte beinah zum 1-0 für den Lokalrivalen geführt), aber er ist trotzdem wichtig. Und der einzige, der auswärts mal das Tor trifft.

Dinzey: Dazu folgender Dialog. „Nach zwei Minuten hat man gesehen, dass Dinzey heute keine Lust hat.“ „Wieso hast Du so lange für diese Feststellung gebraucht?“

Was ich nicht verstehen kann ist, warum in den Zeitungen der Hesl so abgefeiert wird. Wirklich grosse Dinger musste er nicht halten, weil unsere Stürmer lieber alle so vorbei semmelten und seine Abschläge sind ja eine Gefahr für die eigene Mannschaft.

Schlusspfiff und möglichst schnell das Stadion verlassen. Nach Abfeiern der Mannschaft war mir nun so gar nicht. Im Nachhinein war unser Entschluss, schnell nach Stellingen zu gehen, wahrscheinlich der Beste. Zwar ist das echt ein Marsch, so dass man wirklich überlegen kann, ob man Besuche beim Lokalrivalen nicht bei der Krankenkasse absetzt (die letztens Knuffi erzählt hat, dass sie abgeschlossene Kurse, die in irgendeiner Art was mit Bewegung zu tun haben, zu 80 % bezuschussen würde. Also wenn das nicht diese Voraussetzungen erfüllt, was dann?), aber immerhin waren wir so vor der Masse am Bahnhof und konnten uns in eine noch relativ leere Bahn drücken. Diesmal nicht so gesittet, da u.a. vier Lokalrivalen Idioten von hinten unbedingt schubsen mussten.

Die machten sich sowieso im Waggon richtig Freunde. Erstmal irgendwelche Lieder mit „wir gehen dreimal täglich in den Puff“ um auch deutlich zu machen, welches Niveau man hat, dann irgendwelche Böhse Onkelz-Lieder. Daraufhin wurden sie von St. Pauli ziemlich in Grund und Boden gesungen. Insgesamt wurde aber nicht mal auf diese Rübennasen aggressiv reagiert, und die waren glücklicherweise auch nur voll und hohl und nicht aggressiv. So entwickelte sich ein netter Sprüchestreit. „Wir ham ne Südkurve - und ihr nicht“ wurde mit „Wir haben Abi - und ihr nicht“ beantwortet, was erstmal klischeehaft ist, aber hier doch so situationskomisch, dass selbst der mir gegenüber sitzende Lokalrivalenfan lachen musste. In eine ähnliche Kategorie sind Sprüche wie „Keine Haare am Sack, aber schon ein Kamm in der Tasche“ einzuordnen. Den Vogel aber schoss der Typ ab, der das Volk über alle Vereinsgrenzen mit folgenden Gesängen unterhielt: „Wir kommen aus dem Osten, wir leben auf Eure Kosten, wir arbeiten nie - Cottbus Energie!“ und (noch besser) „Wir kommen aus dem Süden, wir fischen gern im Trüben, wir essen gerne Snickers - Stuttgarter Kickers!“

Reeperbahn raus („wir wohnen hier, Ihr fahrt noch weiter nach… Elmshorn oder wo Ihr her kommt….“) und wo diese Lokalrivalenprolls noch dieses unschöne Wort mit „F“ einer Frau entgegenwerfen mussten, und der letzte Teil des Fussmarsches begann. Dann das A