Norbert regt sich auf vom 10.5.2007
über
(K)ein Beinbruch
oder
Ein Wochenende der gemischten Gefühle
Die Überschrift ist leider so unpassend, wie sie passend ist. Denn leider ist am frühen Samstag Morgen ein Mitglieder der „aktiven Fans“ von einem Auto so angefahren worden, dass er sich das Bein gebrochen hat. Ihm seien an dieser Stelle alle guten Wünsche ausgesprochen und wir alle hoffen darauf, dass er sprichwörtlich schnell wieder auf die Beine kommt. Dann hoffentlich schon als Zweitligist.
Eine späte Abfahrt und doch weiss man nicht, was man morgens so anziehen soll. Mit einem Pullover beim Laufen war es definitiv zu warm, mit einem Hemd beim Stehen war es definitiv zu kalt. So konnte man an meiner Bushaltestelle ein ständiges Ausziehen – wieder Anziehen – Ausziehen – wieder Anziehen bewundern. Glücklicherweise kam dann irgendwann der Bus und unter Studium der einschlägigen Hamburger Zeitungen ging es zum Klubheim.
Wo bereits unser Nichtraucherbus anwesend war. Wunder, oh Wunder. Einmal hatte sich frühes Kommen gelohnt. Insgesamt machten sich 6 Busse vom Klubheim auf. Und da war für beinah jeden Geschmack was dabei. Die Kurzhaarigen Jungs bereits kurz nach sieben, der Rest um neun und dann mit einem U 16-Bus, Raucher, Nichtraucher und (ich behaupte mal: Premiere) einem reinen Frauenbus. Eigene Beschreibung: „Sektbomber“. Nach den Getränken, die eingeladen wurden, war es aber eher ein „Mischgetränkebomber“.
Der Busfahrer wirkte am Anfang wie der Super-Oberlehrer, da hab ich noch gedacht: „Mann, der wird extrem nervig“, aber eigentlich war der ganz entspannt. So kann der erste Eindruck täuschen. Nicht entspannt war hingegen das Kassettendeck, welches Veteranen-Bernds Kassetten etwas beschleunigt abspielte. Und Status Quo im Disney Style klingt etwas eigenartig.
Ansonsten kann man die Hinfahrt nur als „entspannt“ umschreiben. Die Lüneburgfraktion diesmal schon zu zweit und dann auch noch mit einer Verpflegung für eine ganze Armee (und das auch noch in Gesund mit Wurzeln etc.), dazu die üblichen Veteranen und auch die Fotofraktion zu zweit. Es konnte also nix schief gehen.
Kurz vor Osnabrück riefen – mal wieder – unsere Freunde vom SK 8 „St. Pauli“ (so steht es zumindest auf ihren Diensthandys, da steht auch die Nummer drauf, aber die war leider nicht zu lesen) bei dem Busfahrer an. Leider haben die Busfahrer auch nicht begriffen, dass Plaudern mit der Polizei nicht ist. Insbesondere die Frage nach der jeweiligen Besatzung des Busses ist ja wohl mehr als lächerlich. Ich bin ja immer noch dafür, dass wir zu irgendeiner Auswärtsfahrt mal die Busse komplett gemischt machen, so mit zwei Skins, zwei Ultras, zwei Normalos und so weiter. Mal sehen, was die Polizei dann machen will.
So erfreuten wir uns ab kurz vor Osnabrück eines Motorradpolizisten. Eigentlich hätten wir als erster ankommender Bus noch die freie Auswahl gehabt, aber leider gab unser Reiseleiter die Wünsche „Ich will den coolen mit dem Amerikahalstuch“ nicht an den Polizisten weiter.
Nun führt dieses Abholen ja nicht etwa dazu, dass man direkt zum Stadion gebracht wird. Nein, vielmehr parkt man trotzdem irgendwo auf einer Busspur und muss dann noch ein ganz ordentliches Stück zu Fuss gehen. Alles unter massiver Polizeipräsenz, die so eine Art Pseudo-Fantrennung versucht.
So wirklich begreifen kann ich das nicht. Auf der einen Seite wird in den Hamburger Medien der VfL damit zitiert, dass man mit St. Pauli noch nie Probleme hatte, auf der anderen Seite fährt man da schon wieder alles auf, was laufen kann, verweigert St. Paulianern den Besuch in einer Kneipe und tut so, als ob der 3. Weltkrieg bevor steht. Passiert ist den ganzen Tag natürlich mal wieder gar nix.
Und nur wegen den paar Kindern auf Osnabrücker Seite so ein Aufwand? Halte ich für übertrieben. Und dies obwohl u.a. in Thor Steinar-Klamotten unterwegs. Aber die waren eher der Marke „Einmal „Buh“ rufen und die laufen heulend zu Mami“.
Was beide Vereine nicht konnten: die Tickets für dieses Spiel vernünftig unter die Leute zu bekommen. Das Kartencenter von uns ist das letzte Mal bereits kritisiert worden, der VfL wird es diesmal. Erst am Donnerstag meldeten die „Ausverkauft“, obwohl man Karteninteressenten schon Monate vorher erklärt hatte, es gäbe keine Karten mehr. Grund: Man war der Meinung, dass man den Nordwall bereits abgerissen habe zum Zeitpunkt des Spiels. Nun ja, erstens finde ich es schade, dass nun auch das schönste Stadion Deutschlands vermodernisiert wird, zum anderen sollte man eigentlich auch in Osnabrück wissen, dass Stadionbauprojekte nie pünktlich starten. Und nicht alle Präsidenten sehen sich gerne verfrüht im Bagger.
Afroh und ich machten uns erstmal auf den Weg zu unseren Pressekarten, die wir auch problemlos fanden. Danach ging ich noch mal vor den Gästeblock, versorgte Leute mit meiner nun überflüssigen Karte und erkannte, dass der chaotische Verkauf des Kartencenters zu folgendem geführt hatte: Tausende von Leuten, die nun die Hände mit Karten in die Luft hielten. So konnten aber wenigstens alle Leute, die auf Verdacht nach Osnabrück gefahren waren, noch mit Karten versorgt werden.
Im Innenraum angekommen war mir klar, dass mein Aberglaube mich zur Zeit zu einer unvorteilhaften Kleidung drängt, da ein Hemd bei diesen Temperaturen nicht wirklich angenehm ist…
Gross aufgefahren hatte der NDR. Ob es nun wirklich sinnvoll ist, genau vor den Gästeblock zwei Mikrofone aufzustellen, bleibt mal dahin gestellt. Vor der Heimkurve hab ich so etwas nicht gesehen (aber auch nicht danach gesucht), so dass im Fernsehen dann natürlich eine andere Supportverteilung rüber kommt als sie wirklich vorhanden war. Denn in echt verläuft sich doch relativ viel in diesem Stadion, und in der Stadionmitte hört man den Gästeblock echt nur, wenn alle richtig dabei sind. Das ganze „Ultragemurmel“ (das soll jetzt bitte keine Wertung beinhalten, mir fehlt zur Zeit einfach ein anderer Begriff) geht unter. Hätte ich so nicht gedacht, muss ich sagen. Ich hätte gedacht, dass in einem solchen engen Stadion der Sound vergleichbar mit Gladbach und Leverkusen ist. Aber weit gefehlt.
Introtechnisch gab es auf Osnabrücker Seite eine Gans, die nicht wirklich zu verstehen war. Mit der Lupe sieht man, dass die Gans Lothar heisst und einen St. Paulischal im Maul trägt. Aber sonst?
Zum Spiel: Vollkommen zerfahren. Es kam auf keiner Seite wirklich Spielfluss auf. Eigentlich pfiff ständig der vollkommen überforderte Schiri oder sein Linienrichter hatte ständig die Fahne oben (teilweise in Szenen, bei denen nicht annähernd eine Abseitsstellung vorlag). Der Schiri war wirklich einfach nur schlecht. Und damit meine jetzt nicht die Rote Karte gegen Lechner, das hab ich nicht gesehen und kann ich auch nicht beurteilen. Fakt ist, dass zu diesem Zeitpunkt Enochs eigentlich hätte mit den Platz verlassen müssen. Denn dieser wurde vom Schiedsrichter in der 1. Halbzeit dreimal mit dieser typischen „beim nächsten mal gibt es Gelb“-Handbewegung verwarnt. Nur es gab vor eben dieser Lechner-Szene nie Gelb, sondern nur Verwarnungen.
Ich möchte nebenbei mal eine Lanze für Stendel brechen. Es ist zwar nicht immer effektiv, was er da vorne macht, aber er beschäftigt seine Gegenspieler ständig durch seine wühlende Art. Das ist schon gut. Insbesondere wenn dann plötzlich der abgekämpfte Gegenspieler sieht, wie Sako Stendels Platz einnimmt.
Besagter Sako hatte den Sieg auf dem Fuss, aber der Ball war nicht ganz einfach zu nehmen, so dass er den leider über das Tor semmelte. Schade. Das wäre es natürlich gewesen.
Trotzdem muss man das Unentschieden als absolut okay einrechnen. Wenn man bedenkt, dass wir keinen Punkt zu den Nichtaufstiegsplätzen verloren, sondern nach einem sehr schweren Auswärtsspiel immer noch drei Punkte Vorsprung haben, dafür aber wieder einen Spieltag weniger, dann ist das schon super. Natürlich ist damit noch nicht alles in Butter, da wir nun vier wirklich gute Gegner haben, aber im Endeffekt muss das nicht ein Nachteil sein, denn so bleibt bei unserer Mannschaft die Konzentration hoch.
Zu hoffen wäre, dass sich Boll nichts Schlimmeres getan hat, denn der ist für diese Mannschaft sehr wichtig.
Ein erneutes Lob muss man dem Trainingsstand der Mannschaft machen. Erneut wurden wir läuferisch im Vergleich zu Osnabrück von Minute zu Minute stärker. Das ist schon klasse. So kamen wir auch in Unterzahl nur einmal wirklich in Gefahr, ein Gegentor zu kassieren. Da ist die Mannschaft deutlich besser aufgestellt als in der Hinrunde. Ein Verdienst von Stani, der anscheinend mit Pedro Gonzales den richtigen Mann an das Millerntor geholt hat.
Noch etwas ist an das Millerntor zurückgekehrt: Das nötige Glück! Unter Bergmann hätten wir in einem solchen typischen 0-0 Spiel wahrscheinlich in der 90sten Minute einen Sonntagsschuss aus 45m oben in Winkel bekommen. Das passiert glücklicherweise auch nicht mehr (jeder, der in Lübeck war, weiss, wovon ich spreche).
Stellt sich nun folgende Frage: Wieviele Punkte brauchen wir noch? Schwer zu sagen. Rein rechnerisch 10 Punkte, dann kann uns keiner mehr einholen. Praktisch würde ich sagen, dass bereits 7 reichen können, wenn denn gegen Dresden gewonnen wird. Und das trotz anderslautender Rechnereien im Forum. Wirklich ernsthaft aufsteigen können eigentlich nur noch Magdeburg, wir, Osnabrück, Dresden und Emden. Zwar sehen 6 Punkte nicht viel aus, aber die in vier Spielen aufzuholen wird schon sehr schwierig. Ich denke, dass sich in Emden nun auch bald die Erkenntnis durchsetzen wird, dass man nicht wirklich 2. Liga spielen kann. Dann bleiben noch vier Mannschaften, die um zwei Plätze spielen. Eine davon haben wir zu Hause und können sie selber erledigen. Die andere haben wir auswärts und könnten sie etwas schwieriger selber erledigen. Was wünscht man sich mehr?
Nebenbei ist eine lustige Konstellation möglich: Magdeburg ist durch, wir brauchen einen Punkt in Magdeburg, damit wir aufsteigen und nicht Dresden. Ist das nun für die Magdeburger Fans der Alptraum? Oder sind wir denen lieber als Dresden? Ich glaub die Vereinsführung muss man nicht fragen, angesichts der Mehrausgaben für Ordner etc. wenn Dresden kommt.
Die Rückfahrt? Siehe Hinfahrt. Für Begeisterung sorgte nur der Bundesligakommentator, der Stuttgart – Mainz kommentierte. Der formulierte (ohne Scheiss, jedoch kein wörtliches Zitat) folgenden Satz: „Stuttgart verwandelt seine Chancen eiskalt, so steht es 2-0, aber eigentlich müssten sie aufgrund der vielen Chancen schon 5-0 führen“. Bei einer Einblendung ungefähr 10 Minuten später sagt er „Stuttgart geht fahrlässig mit seinen Chancen um.“ Ja was denn nun…?
Auf dem Kiez dann noch ein paar Lokalrivalenfans mit „3-0 und wieder knapp verloren“ besungen und dann nach Hause gefahren.
Mag ja so sein, aber als ich Sonntag auf den Platz des VfL 93 kam, konnte ich nur mit dem Kopf schütteln. Ein Rübenacker ist dagegen eben! Nun ja, unsere Jungs liessen sich nicht schocken und erspielten ein lockeres 3-1. War zwar kein grosser Fussball, aber doch nett anzusehen und genau das richtige zum Schnacken und in der Sonne sitzen. Positiv heraus stachen Benny und Prediger. Bei Benny sollte man vielleicht doch noch mal versuchen, ob sein Körper Profibelastungen mitmacht. Das fussballerische Talent hat er absolut. Prediger überzeugt auch von Woche zu Woche mehr. Wahrscheinlich hat ihm der Abstieg in die 2. Mannschaft gut getan. Vielleicht ist das ja eine Basis, auf der er aufbauen kann.
… unser Stadionbau. „Baustelle einrichten“ habe ich mir irgendwie anders vorgestellt, aber ich weiss auch nicht wirklich, was da genau in meiner Vorstellung hätte passieren sollen. Insofern: Abwarten und Tee trinken. Entscheidend ist, ob da am nächsten Montag wirklich was passiert.
… Hansa Rostock, deren Strafe für die Feuershow in Essen etwas verwunderlich ist. Vielleicht vorweg: Eine Strafe ist vollkommen verdient, absolut notwendig, und die haben von mir auch kein Mitleid zu erwarten, denn wenn der Block noch heftig am Feiern ist, wenn es brennt, dann fragt man sich schon, welch Geistes Kind die sind. Über die Höhe der Geldstrafe kann man ja nun gern auch diskutieren, aber was als Strafe das Verbot des Verkaufes von Stehplätzen sollte, erschliesst sich mir nicht so ganz. Denn durch diese Sperre hatten die sogar noch die Chance, alle höherpreisigen Sitzplätze abzuverkaufen. Ob das Spiel dann aber mit 16.000 somit als ausverkauft galt? Keine Ahnung…
… die CSU, die aufgrund der Frage, ob nun Christian Klar begnadigt werden soll oder nicht, vollkommen am Rad dreht. Nun will ich mal eines deutlich klar (sic!) stellen: Für die Taten der RAF gibt es aus meiner Sicht keine Rechtfertigung und der Zweck heiligt nun mal nicht die Mittel. Jedoch: Wer hat denn immer gefordert, dass sie wie „normale Mörder“ behandelt werden? Doch genau die, die nun schreien, wenn genau dies passiert. Ein „normaler Mörder“ hat nämlich auch das Recht auf Begnadigung und auch das Recht, irgendwann Bewährung zu bekommen. Und auch bei ihm geht es dann (gemeint ist die Bewährung, die Begnadigung ist ein rechtsfreier Akt, der keiner Begründung bedarf) nur um folgende Frage: Ist er noch eine Gefahr? Ob er seine Taten bereut ist ein Teil dieser Frage, aber doch nicht die entscheidende. Ich empfehle sonst zu diesem Thema die letzten Ausgaben der „Titanic“, die in ihren – absolut lesenswerten – „Briefen an die Leser“ nicht nur Brigitte Mohnhaupt darauf aufmerksam macht, dass sich ihr Knastabo nun nicht mehr verlängert, nein, die auch diese ganzen scheinheiligen K