Norbert regt sich auf vom 14.5.2007

 

über

Positiv paralysiert

oder

Der 20.05. ist ein schöner Tag, um aufzusteigen

Vorwort

Nein, keine Panik, liebe Leser, hier bricht jetzt nicht die Euphorie aus. Das wird in dieser Kolumne nie passieren. Daher werdet ihr auch in diesem Bericht Rechenspiele und Ausblicke auf die nächsten Spiele finden.

Bereits hier direkt oben und als erstes möchte ich André Trulsen danken. Als wir gestern dabei waren, „Der Amateur“ unter die Zuschauer der 2. Mannschaft zu bringen, kam er bei mir an, drückte mir einen zweistelligen Euro-Betrag in die Hand, nahm ein Heft und murmelte was von „für die Saison“. Das ist nun mal ein wirklich grosser St. Paulianer! Und das wollte ich nun nicht irgendwo ganz hinten bei den Amateuren erwähnen.

Das Vor-Spiel

Wann habt ihr das letzte Mal die ganze Woche auf die Tabelle geguckt, sie immer wieder durchgerechnet? Wann habt ihr das letzte Mal die ganze Woche nicht still sitzen und das Spiel kaum erwarten können? Wann habt ihr das letzte Mal Schlangen für Auswärtskarten am Millerntor gesehen? Richtig, das war im Jahr 2001 und es ging am Ende der Saison nach Nürnberg. Nebenbei auch ein sog. „schweres Spiel“, welches am 20.05.2001 stattfand.

Bei mir herrschte die ganze Woche schon eine extreme Nervosität vor, die sich von Tag zu Tag steigerte. Nebenbei noch die Organisation für Magdeburg gemacht, die natürlich etwas komplizierter ausfiel, aber die aufgrund von absolut kompetenter Hilfe aus der Brigittenstrasse dann doch funktionierte. Dafür vielen Dank. Umso mehr schäme ich mich, dass ich zwischenzeitlich bei den Erfurt-Karten echt gedacht hatte, die perfekte Organisation hätte nicht funktioniert, aber das lag an einem Fehler meinerseits, der jedoch auch durch das kompetente und super klasse funktionierende Tresenteam ausgeglichen werden konnte. Wenn überall in diesem Verein der Mangel an Karten so perfekt verwaltet und ausgeglichen werden würde, dann wäre vieles einfacher.

Ich werfe dem Kartencenter diesmal jedoch deutlich weniger vor als sonst (oha! gez. die Lektorin). Dafür, dass es Magdeburg nicht schaffts die Karten rechtzeitig nach Hamburg zu bringen, kann in Hamburg niemand was. Ich weiss nicht einmal, ob man Magdeburg wirklich einen Fehler unterstellen kann. Die waren letztes Jahr noch in der 4. Liga, haben ein neues Stadion und müssen nun zum ersten Mal alle Karten frühzeitig verkaufen. Das ist natürlich nicht ganz einfach.

Mangeln tat es beim Kartencenter an der Kommunikation. Denn wenn man nur einen Teil der Karten zum Verkauf hat (es waren nämlich nur die Stehplätze aus Magdeburg wohl in Hamburg angekommen), dann kommuniziere ich das auch so.

Aber will man da jemandem in der herrschenden Hektik einen Vorwurf machen? Ich weiss es nicht.

Sehr positiv ist es aber, dass das Kartencenter auf entsprechende Kritik reagiert hat und keinen freien Verkauf organisierte, sondern wirklich nur an Mitglieder und Dauerkarteninhaber verkaufte. Bei der Ankündigung, dass man pro Person 5 Karten abgeben würde und dies an alle, habe ich gedacht, die spinnen. Aber als das bei ihnen angemerkt wurde, haben sie sofort reagiert. Und das ist immer am grössten: den eigenen Fehler einzugestehen und zu ändern.

Nur leider ist es so, dass zur Zeit viele Leute selbst aus dem Kreis der Allesfahrer ohne Karte da stehen. Teilweise auch aus eigenem Verschulden (weil z.B. zu spät drum gekümmert) oder weil ihnen auch ein Sonderzugplatz nicht geholfen hätte. Aber noch versucht man, sich zu organisieren, und dieser Personenkreis weiss normalerweise sich zu organisieren.

Aber auch so war halt den ganzen Tag echt Trubel im Fanladen. Gut, dass niemand auf die Idee gekommen war, zu kochen. Das wäre voll in die Hose gegangen.

Aber ich hüpfe zeitlich schon wieder. Denn ich wollte euch noch von der Choreo berichten. Wie ihr in diesen Zeilen schon gelesen habt, hat sich eine neue Choreogruppe gebildet, die sich „Vor-Spiel“ nennt (der Gründungsaufruf steht auf der eher bescheidenen Seite vor-spiel.org). Das Zentralkomitee dieser Gruppe hat lange überlegt, wann und wo wir unsere erste Choreo machen, hatte sich dann aber für Düsseldorf entschieden. Was schnell fest stand war der Spruch zur Choreo „Dieses Vor-Spiel wird ein Nachspiel haben.“ Dies sollte ein Hinweis darauf sein, dass es zwar unsere erste, aber nicht die letzte Choreo sein soll. Nur was dazu machen? Die Ideen gingen über die üblichen braun-weissen Pappen, zu Konfetti in braun und weiss, über alles mögliche und blieben dann bei Luftballons hängen. Und zwar bedruckten. Die hattet ihr – sofern ihr denn Gegengradensteher seid – nun gegen Düsseldorf in der Hand. Nur leider waren die auch ordentlich teuer. So hat sich die Gruppe bereits vor ihrem 1. Geburtstag ordentlich verschuldet und hofft nun, dass ihr uns Spenden gebt, damit wir das wieder raus bekommen. Eine Möglichkeit dazu wird beim Dresden Spiel sein, wo die Gruppe den AFM-Container bewirtet.

Eine weitere Möglichkeit gibt es, indem ihr uns die restlichen Luftballons abkauft. Wir haben nämlich ein paar übrig behalten, die in nächster Zeit dann in den Verkauf kommen. Preise und Orte des Verkaufes wird es auch hier zu lesen geben.

Die Künstler der Gruppe trafen sich dann Freitag mit mir, um die Tapete zu malen und ein paar andere Dinge vorzubereiten. In der ungefähr ersten Wohnung, die ich auf dem Kiez sofort beziehen würde, ging die Arbeit flott voran, und in zwei Stunden entstanden eine Tapete und ein paar Anweisungszettel.

Am Spieltag dann unglaublich viel Geschleppe und eine ziemlich chaotische Organisation. Insbesondere daher vielen Dank von mir an alle, die mitgeholfen haben. Insbesondere an unsere Konfettisackschlepper; an USP, die für uns Luftballons verteilten und die Anweisungstapete einmal durch die Gegengrade trugen; an Sven für die absolut unproblematische Genehmigung; an die Feuchten Biber, dass sie ihren Abschiedsgruss im perfekten Timing brachten; all die Leute, denen ich Konfetti aufs Auge gedrückt habe zum Verteilen („Norbert, was macht der Sack hier?“ - „Den verteilst du gleich“) und natürlich an alle Leute, welche die Luftballons mit Luft gefüllt haben und hochgehalten haben. Ohne euch alle wäre das nicht gegangen.

Neben der Vor-Spiel Choreo war Lesetag angesagt am Millerntor. Viele Tapeten zu den Themen Polizei, Repressionen und G 8 könnt ihr auf der Fotoseite sehen. Einige finde ich inhaltlich etwas zweifelhaft, aber wenn wir das jetzt hier diskutieren, dann würde das den Rahmen des Berichtes endlich sprengen. Zu den fussballbezogenen Sachen findet ihr unten noch was. Erstaunlich und grundsätzlich positiv, dass sich auch die Düsseldorfer äusserten. Erneut nicht zu 100 % meine Meinung, aber doch die richtige Seite. Unerwartet, aber gut.

Dazu gab es noch einen Abschiedsgruss an die Lost Boyz, die nach Hoffnung der Biber zumindest ein Jahr ohne sie auskommen müssen. Es bleibt zu hoffen, dass dies dann auch wirklich so ist.

So viel Hektik vor dem Spielbeginn, viel Nervosität sowieso. Da war es eigentlich schon gut, dass ich für dieses Spiel den relativ ruhigen Innenraum gebucht hatte. Afroh weilte auf irgendeiner Familienfeier, so dass ich es mir im Innenraum bequem machte. Daher genoss ich einen sehr schönen Blick auf die Choreo. Insbesondere als nach Anpfiff die Luftballons über die Gerade tanzten, war das ein wunderschönes Bild (welches wahrscheinlich gerade mal eine Hand voll Leute gesehen haben, da sie sonst mit Spielen oder zugucken beschäftigt waren).

Zum Spiel. Wann habt ihr das letzte Mal im Zusammenhang mit dem FC St. Pauli von 1910 das Wort „souverän“ in Verbindung gebracht? Und ich meine jetzt nicht die Rugby Damen, die in schöner Regelmässigkeit „souverän“ Deutscher Meister werden. Auch hier muss man wahrscheinlich schon in die Saison 2000/2001 zurück gehen. Unsere Abwehr steht bombensicher, unser Mittelfeld spielt zwar nicht immer schön, aber geht die notwendigen Kilometer. Gerade Meggle, Schultz und Boll entwickeln sich in der Rückrunde zu den Marathonmännern des Vereines. Ist euch nebenbei etwas aufgefallen? Wir sind wieder zu einer Doppelsechs zurückgekehrt und plötzlich läuft es.

Natürlich gibt es immer noch Fehler, die man abstellen muss (ich sag nur „Ballverluste in der Vorwärtsbewegung“, eine Floskel, die ich die letzten Spiele immer in meinen nicht vorhandenen Bart murmel), aber wenn man gerade mal zwei halbe Chancen zulässt und die grösste Aufgabe des Torhüters ist, bei der einen Chance, die er fischen muss, sich nicht zu zerren, dann ist das einfach grossartig.

Hinzu kommt, dass wir aus Standards endlich regelmässig Tore machen. Was haben wir in den letzten Jahren gelitten unter halb hohen Ecken. So sehr, dass wir auf unserer Höhe immer schon witzelten, dass man mal den Mustertrainervertrag im Geschäftsstellen Rechner ändern sollte und den Passus „Ecken sind halb hoch auf den kurzen Pfosten zu trainieren“ streichen sollte. Und nun kommt eine Granate nach der nächsten in den Strafraum und wird auch verwandelt. Diesmal sehr artistisch von Meggle.

Und das 2-0 war einfach eiskalt. Natürlich steht da der Torhüter viel zu lange, natürlich geht dem Ganzen auch ein Abwehrfehler voraus, aber das dann auch noch so knallhart zu nutzen, das macht eine Spitzenmannschaft aus.

Aufgrund der wirklich guten Kondition der Mannschaft (ist an dieser Stelle eigentlich schon Pedro Gonzales gelobt worden? ;-)) hatte man auch danach echt nicht mehr die Angst, dass hier noch irgendwas kippen kann.

Eine Lanze möchte ich hier mal für Rothenbach brechen. Wenn ich schon wieder lese, dass er als „nur bedingt zweitligatauglich“ eingestuft wird, dann bekomme ich das kalte Kotzen. Natürlich ist der nach vorne nicht sehr effektiv, aber dafür ist er hinten um so sicherer. Das sieht nie so aus (weswegen er immer in der Kritik steht), aber wirkliche Fehler hat er diese Saison eben auch noch nicht gemacht. Und seine Zweikampfwerte waren auch gegen Düsseldorf mal wieder absolut top. Und wenn man dann noch bedenkt, dass er der „Lückenbüsser“ ist, sprich immer da spielt, wo gerade einer fehlt, sprich sich auf keiner Position zu 100 % einspielen kann, dann ist das wirklich grossartig.

Die Stimmung war aus dem Innenraum empfunden eher mässig. Das lag aber wohl auch daran, dass alle Leute absolut gebannt vom Spiel waren. Nach dem Schlusspfiff fiel diese Anspannung doch von allen Leuten ab. Zumindest bei mir entwickelte sich dann auch nicht eine grosse Partylaune, eher war ich „positiv paralysiert“ (einen Ausdruck, den Südzecken Andi so passend prägte).

So ging es in den Fanladen, wo Karten organisiert wurden und das erste Fazitbier getrunken wurde. Dann noch kurz zum Hafengeburtstag, wo die Jolly-Bühne trotz absolut beschissenem Wetter ganz gut besucht war, so dass man nur hoffen kann, dass die auf ihr Geld gekommen sind. Da war aber bei mir die Luft raus und es ging gen Heimat.

Was ist das Ganze nun wert? Ich alter Berufspessimist gehe immer noch davon aus, dass wir nun in Erfurt verlieren, dann ein Zitterspiel gegen Dresden haben, wo wir die Nerven schlichtweg nicht haben, wir dann vor dem letzten Spieltag Dritter sind, in Magdeburg nix holen werden und Magdeburg und Emden oder Dresden nächstes Jahr die 2. Liga bevölkern. Jeder Lauf hat mal ein Ende, und der wird bei St. Pauli wahrscheinlich jetzt kommen. Denn im Osten kann ich zumindest die Siege an einer Hand und die Unentschieden an zwei Händen abzählen. Und das in all den 17 Jahren, wo wir dort antreten müssen.

Aber vielleicht läuft es auch anders. Und da kommen wir ja auch zur Verlegung des Erfurt-Spieles. Natürlich ist das ein gespielter Witz, dass der Polizei acht Tage vor der Begegnung auffällt, dass sie gleichzeitig irgend so einen Nazikongress im Land haben. Der nebenbei schon seit gut einem halben Jahr bekannt ist. Ein fader Beigeschmack bleibt, und man fragt sich, ob der Grund für die Verlegung nicht eher ist, dass man St. Pauli und insbesondere den Fans einen auswischen wollte. Aber etwas Gutes hat die Verlegung. Denn so spielen wir am 20.05. Dieses Datum sagt euch nix? Ich sag es mal so: Städtisches Stadion am Dutzendteich, letztes Spiel von Andy Köpke, Tore durch Kolinger und Baris. Noch Fragen? Let’s do it again, St. Pauli!

Aufgrund meines Berufspessimismus werde ich mich jetzt auch nicht mit den Auswirkungen eines Aufstieges auf den Verein auseinandersetzen. Nur soviel: Auch im nichtsportlichen Bereich herrscht da viel Ungewissheit. Wie ein Angestellter mir gegenüber richtig erwähnte, kann man die Angestellten des Vereines, die bereits 2. Ligaerfahrung haben an einer Hand abzählen. Abwarten, ob sie denn nun neue sammeln können. Auswirkungen auf die Fans? Siehe Gazettaartikel von diesem Wochenende, der spricht einem vollständig aus der Seele. Aber wir steigen ja nicht auf.

Ein Randgeschehen führt noch zu Kopfschütteln. Immer noch haben ca. fünf bis zehn St. Paulianer Stadionverbot. Dabei handelt es sich nicht gerade um Engel und einige sitzen auch nicht ganz zu Unrecht ihre Strafen ab, aber dies spielt hier keine Rolle. Da sie nicht ganz auf Fussball bzw. die Melodie des Fussballs verzichten wollen, stehen sie normalerweise hinter Block 1 vor dem Stadion. So auch diesmal. Dort sind sie eigentlich keine Gefahr für niemanden und stehen halt etwas frustriert rum. Diesmal wurden sie jedoch von ca. 20 Polizisten bewacht. Warum, kann so wirklich keiner sagen. Nun kam es dazu, dass innerhalb des Stadions ein polizeikritisches Lied gesungen wurde, was diese mitsangen. Für dieses Mitsingen bekamen sie vom Leiter des Zuges der Polizei Platzverweis für das Heiligengeistfeld. Also wenn man so dünnhäutig reagiert, dann ist das schon etwas komisch.

Aufstiegsfieber

Trotzdem hielt mich das Fieber in der Nacht von Samstag auf Sonntag wach. So lag ich ab ca. sechs Uhr morgens wach und bin kurz vor sieben aufgestanden. Und da ich nix hatte, was mich auch nur annähernd beschäftigte, habe ich um acht Uhr morgens am Sonntag mir die Stadionbaukamera angeguckt. Da waren aber schon die Linien für die Footballer gezogen. Unglaublich, wann haben die bitte angefangen? Und der Spielertunnel stand auch schon bereit.

Nun nach einem Vormittag, der neudeutsch durch „Chillen“ geprägt war, ging es dann per Bahn zur 2. Mannschaft. Ein bisschen mulmig war mir schon zu Mute. Ich trage eigentlich grundsätzlich zur 2. Mannschaft eine USP-Jacke, weil die verschließbare Taschen hat und das Geld vom Amateurverkauf da so perfekt hiein passt. So auch heute. Nur irgendwann überlegte ich, was ich denn nun mache, wenn nun die ganzen CFHH-Typen in meine Bahn einsteigen. Bis Abfahrt Holstenstrasse war ich dann doch etwas aufgeregt, aber es kam keiner.

Und dabei sollte es auch bleiben. Insgesamt vielleicht vier Hannoveraner und zwei verirrte Lokalrivalenfans wurden von ca. 100 Polizisten bewacht. Die in den letzten Jahren immer stark einfallenden Lokalrivalenultras waren diesmal komplett zu Hause geblieben. Hatten die Angst? Waren die aus Versehen zur Sternschanze gefahren? Oder ist die Freundschaft mit Hannover Geschichte?

So entwickelte sich ein entspannter Tag. Das Spiel war von den Defensivreihen geprägt und wurde durch einen schönen Angriff entschieden, den Prediger einnetzte.

Auf den Rängen versuchte USP in der 1. Halbzeit noch Stimmung zu machen, aber wenn alle Leute merklich angeschlagen sind von der Feier am Tag zuvor, dann macht eine Trommel die Stimmung eher kaputt, als das sie anheizt. So stellte auch USP die Anfeuerungen irgendwann ein. War auch besser so, denn im Gegensatz zu einer vollen Kurve mit Überdachung, wo Ultragesang wirklich Druck macht, klingt es von einem kleinen Mob unter freiem Himmel einfach lächerlich und doof.

Mehr passierte dann auch nicht, so dass man fröhlich nach Hause gehen konnte. Der 6. Sieg hintereinander. Die Truppe spielt wirklich erfolgreich Fussball. Sollten wir mit der 1. Mannschaft aufsteigen (was wir ja nicht tun), dann wird sie jedoch den grossen Schnitt erleben, denn dann ist sie wieder eine „echte“ U 23 und dann dürfen nur drei Spieler auf dem Platz über 23 Jahre alt sein. Und da mit Mbidzo, Algan, Yamrali, Hinzmann und Adrion bereits fünf Leistungsträger über 23 sind wird das schwierig.

… und dann war da noch

… unser Stadionbau, der sich sehr prächtig entwickelt. Nachdem wir nun eine Woche ungefähr den ganzen Fuhrpark von Hellmich auf unserer Baustelle bewundern konnten, beginnen diese Woche wirkliche Erdarbeiten. Und so kann man den Blick auf andere Details werfen, die bisher eigentlich komplett Latte waren. Oder wie schrieb so schön jemand im Forum: „Wer hätte vor drei bis vier Wochen gedacht, dass wir uns über so etwas unterhalten.“

Worüber unterhalten wir uns nun eigentlich? Über die Aussenfassade des Stadions. Aufgerissen hat dieses Thema das Hamburger Abendblatt, welches letzten Donnerstag einen Bericht mit dem Tenor „St. Pauli wollte kreative Fassade, aber Oberbaudirektor Walter will nur Glas und Beton“ brachte.

Nun sei mal vorweg folgendes gesagt: Stadien sind Zweckbauten. Ihr Leben wird durch die Menschen in ihnen gemacht. Und da ist es ziemlich egal, wie „schön“ dieses Stadion aussieht. Insbesondere wenn man zusätzlich bedenkt, dass „schön“ immer im Auge des Betrachters liegt.

Dass Oberbaudirektor Walter als „schön“ eine Beton- und Glasmonokultur definiert, können wir an vielen prominenten und nicht prominenten Stellen dieser Stadt bewundern. Das Stichwort „Hafencity“ sei hier mal genannt. Dass dieser Baustil in Hamburg in letzter Zeit Überhand genommen hat, kann man auch „bewundern“.

Eine etwas andere Optik bei unserem Stadion wäre schon zu begrüssen. Dabei geht es nicht um die verwendeten Baumaterialen, sondern eben um die Optik. Dies sei hier schon mal vorher unterstrichen. Und da ist eine – wenn auch geschummelte – Backsteinoptik mein persönlicher Favorit. Mir ist auch klar, dass sich so etwas mit echtem Backstein finanziell nicht umsetzen lässt, aber auch in „geschummelt“ sieht es aus meiner Sicht besser aus, als eine platte Beton- und Glasvariante. Und wo das zur Umgebung (das ist für mich erstmal das Telekomgebäude) nicht passen soll, ist mir nicht klar. Müssen wir uns schon mal darauf einstellen, dass wir die Nordkurve mit grauem Beton nur mit kleinen Fenstern bauen müssen, damit sie zu ihrer Umgebung passt?

Die weiteren Varianten, die das Abendblatt vorgestellt hat, kann ich mir nun in Realität nicht vorstellen. Der überdimensionale Kicker sieht in einer Zeichnung richtig geil aus, aber tut er dies auch in Realität? Es ist wie diese „Astrakiste“, die sieht auch in einer Zeichnung richtig geil aus, aber ob sie dies auch in der Realität täte? Für die „Reeperbahn“-Optik steht das Stadion auf der falschen Seite der Reeperbahn. Wenn wir nun am Spielbudenplatz gebaut hätten (was immerhin eine sinnvolle Nutzung dieses Schandfleckes gewesen wäre), dann hätte man so bauen müssen.

Nicht vorenthalten möchte ich euch einen Zeitplan, der im Forum errechnet wurde. Die Quellen für die Zeitangaben sind Artikel des Abendblattes und der Welt. Ganz interessant ist der Beginn der neuen Saison, wenn man das mit den Terminen der Fertigstellung vergleicht. Mein Laienempfinden sagt mir, dass wir in der Regionalliga die Südtribüne beim ersten Spiel nicht nutzen können, in der 2. Liga schon.

Dez - Jan 07: Abriss alte Tribüne [x] 7.5 bis 13.5.: Einrichten der Baustelle [x] ab 14.5: Bauarbeiten [ ] nach dem 27.5. Rasen abtragen, Rasenheizung einbauen [ ] (Quelle Abendblatt) bis 23.7 (10 Wochen) "Gründungsmaßnahmen" [ ] (Quelle Welt) ab 23.7 bis 20.8. (bis 14 Woche) "Baukonstruktion, parallel Innenausbau" [ ] (Quelle Welt) Mitte Juni "schon viel zu sehen" (Quelle Welt) [ ] 27.7. Start Regionalliga 28.7. Heimspiel Blue Devils 10.8 Start 2. Liga

… unser Trainer, der ja noch keinen neuen Vertrag für die nächste Saison hat. Nun kann er aufgrund des Erfolges garantiert Forderungen stellen und ich denke auch, dass sie ihm zu 80 bis 90 % erfüllt werden. Trotzdem irritiert die Art und Weise des Vertragspokers doch sehr. Denn warum zu diesem frühen Zeitpunkt Vertragsdetails über die Hamburger Morgenpost verhandelt werden, erschliesst sich mir nicht wirklich. Da wird ein öffentlicher Druck erzeugt, der nun zu diesem Zeitpunkt wirklich nicht sein muss. Dazu werden insbesondere auch Gehaltshöhen diskutiert und so etwas gehört aus meiner Sicht nun gar nicht in die Öffentlichkeit. Man kann nur hoffen, dass man sich nun darauf besinnt alles intern, schnell und ohne öffentliche Geräusche über die Bühne zu bringen.

… unsere Fanzine-Landschaft, die gleich mit vier Publikationen zum Düsseldorf Spiel aufwartete. Das Nachgetreten hab ich noch nicht gelesen, da war die Bahnfahrt gestern zur 2. zu kurz. Die Gazetta kommt in altbewährter Qualität. Der Artikel über einen eventuellen Aufstieg spricht mir komplett aus der Seele. Den Beitrag zur Schickeria Sache sehe ich inhaltlich komplett anders (siehe unten), kann ich aber als Meinung akzeptieren, auch wenn ich mir immer mehr prinzipielles Vertrauen in unseren Staat wünschen würde.

Der Übersteiger wurde teilweise im Forum richtig niedergemacht, aber dem kann ich nicht zustimmen. Ich sag mal eine „Arbeitsausgabe“, die ganz okay ist. Fehlen tut einfach das Persönliche, das Subjektive. Und so hat der Übersteiger immer dort seine Qualitäten, wo er doch mal persönlich und subjektiv wird. Der Artikel „Leben im Viertel“ ist auch in seinem 2. Teil absolut lesenswert und man „leidet“ richtig mit dem Autoren mit. Grosses Tennis. Ebenso der Comic, der uns gestern bei den Amateuren minutenlange Lachanfälle gebracht hat. Detailreich, lustig und einfach grosses Tennis. Nur der ärmste Bruns konnte wahrscheinlich nicht drüber lachen. Und der Seitenhieb gegen das Forum im Grundsteinartikel ist a. falsch (nie hat sich das Forum mit irgendwas „gerühmt“) und kann b. den guten Eindruck nicht kaputt machen.

Neu auf dem Markt ist das „Out of Control“. Zwar wird es als Nr. 9 bezeichnet, aber es ist wohl das erste, was frei erhältlich ist. Dabei handelt es sich um ein Mitteilungsblatt des Fanclubs „G.A.S.“ und es bleibt ein zweigeteilter Eindruck. Die Berichte lassen sich eigentlich alle gut lesen, das Layout ist – nun ja – teilweise schwer zu lesen, aber das ist alles okay. Man erfährt viel darüber, was die gemacht haben und eigentlich gehören sie auch auf die richtige Seite. Trotzdem stören mich einige Dinge. Zum einen erscheint mir das Berichtete teilweise einfach als zu assig und wird zu doll in den Himmel gehoben (wer nicht weiss, was ich meine, der lese den Emden Bericht), zum anderen teile ich halt viele geäusserte politische Meinungen so gar nicht. Und dann gibt es noch eine Sache, die mich deutlich stört und die auch mit einer freundlichen Mail an die Herausgeber enden wird. Da sind Fotos von mir drin. Und das finde ich nicht wirklich nett. Hier auf der Seite steht ein deutlicher Disclaimer und ich hab es echt nicht gerne, wenn Bilder von mir einfach geklaut werden. Zwar ist es so, dass natürlich jedes St. Pauli Zine gerne Bilder von mir nutzen kann, aber eben halt nur nach vorheriger Absprache (die z.B. mit der Gazetta und dem Chaoten aufgrund von gepflegten persönlichen Kontakten schon pauschal besteht). Mir geht es einfach darum, einen Ansprechpartner zu haben und zu wissen, in welchem Zusammenhang meine Fotos genommen werden. Aber wie schon gesagt: Das wird auch noch mal mit einer freundlichen Mail geklärt.

… Klaus Augenthaler, der eine denkwürdige Pressekonferenz gegeben hat, die genau – und deswegen muss das hier erwähnt werden – 42 Sekunden gedauert hat. Tja, 42 ist halt die Antwort auf alle Fragen, auch die selbst gestellten.

… die Schickeria München, die nun wahrscheinlich durch die Stadionverbote der Geschichte angehört. Die Stellungnahme zu der Auseinandersetzung mit Nürnberger Fans findet ihr ganz unten angehängt. Es bleiben aber trotzdem Fragen, und insofern tue ich mir doch etwas schwer mit einer uneingeschränkten Solidarität. Richtig ist allemal, dass Stadionverbote gegen Leute, die in diesem Bus sassen, aber sonst nix getan haben, vollkommen zu Unrecht erfolgen. Trotzdem stellen sich folgende Fragen:

Dieser Aufruf verurteilt nur Gewalt mit Waffen (= Flaschen), nicht auch mit Fäusten. Muss ich im Wege des Gegenschlusses daraus schliessen, dass es vollkommen okay ist jemandem ein auf die Nase zu hauen, wenn er von einem anderen Verein ist? Oder ist das einfach in der Hektik doof formuliert? Oder versteh ich es schlichtweg falsch?

Leider wird auch nicht so richtig erzählt, warum es zu dem „Handgemenge“ gekommen ist. Warum ist man denn überhaupt zu den Nürnberger Bussen gegangen? Oder sind die zu den Bussen der Bayern gekommen? Kann man hier unterstellen, dass man halt ein „Match“ haben wollte, oder geht das in die falsche Richtung?

Ich deute diese Fragen jetzt mal bewusst an, denn auch so kann man diese Stellungnahme lesen. Ob sie so gemeint ist? Keine Ahnung, mir fehlen dort die Hintergründe, ich hoffe mal, dass sie schlichtweg nur missverständlich formuliert ist.

Um es mal – unabhängig von diesem Vorfall und ohne dies der Schickeria zu unterstellen – zu sagen: Gewalt hat im Fussball nix zu suchen und wenn ich irgendjemanden nur deswegen auf die Nase haue, weil er Münchener, Nürnberger, Schalker oder Lokalrivalenfan ist oder wenn ich so etwas in meiner Gruppe dulde, dann muss ich mich über ein pauschales Stadionverbot nicht beschweren. Und dies sei mal gesagt, obwohl ich es für falsch finde pauschal gegen Gruppen Stadionverbote zu erteilen.

Es zeigt eben auch, dass es keine „gute“ Gewalt und keine „schlechte“ Gewalt gibt, da im Notfall und unter Alkoholeinfluss Leute immer über die Grenzen treten können. Daher ist die Stellungnahme (wenn sie denn so gemeint ist) insoweit Blödsinn.

Es wäre deutlich sinniger, sich ausdrücklich von Gewalt zu distanzieren und dies dann auch in einem zweiten Schritt zu leben. Ich mache nur eine Ausnahme (und da widerspreche ich mir notgedrungen selber) bei irgendwelchen Nazis habe ich irgendwie kein Mitleid.

Genauso offen bleibt, warum man erst den langen Schuh gemacht hat, denn erst dadurch wurde das ganze in der Öffentlichkeit zu einer Aktion der Gruppe, da der Eindruck entstand, man deckt hier die Täter. Ist natürlich schwierig in dieser Situation (mal ganz ehrlich: das ist ein Freund von dir, der hat Scheisse gebaut, da lässt man ihn garantiert nicht da zurück), aber glücklich war das nicht.

Es bleibt zu hoffen, dass die Schickeria a. diesen Vorfall überlebt, b. die Täter von den Unschuldigen auch in der öffentlichen Wahrnehmung und vom FC Bayern getrennt werden und man c. vielleicht aus gewissen Fehlern lernt.

Einschub: Ich halte ja „The Unity“ von Dortmund ungefähr für die unsympathischste Ultragruppe in ganz Deutschland. Aber was die zum Derby auf ihrer Internetseite geschrieben haben, fand ich doch relativ okay und lässt mich an meinem Vorurteil (denn mehr ist es ja nicht) zweifeln. Da wird mehrfach zur Gewaltfreiheit aufgerufen (ob man das dann auch lebt, steht auf einem anderen Blatt) und man distanziert sich von Aufklebern mit antisemitischem Inhalt, weil man „unpolitisch“ sei. Wenn man so „unpolitisch“ versteht, dann finde ich das schon nur noch halb so schlimm. Aber dann dürfte man auch keine Rechten in seiner Gruppe dulden.

… die Razzia in der Roten Flora. Hier bleiben doch erhebliche Bedenken gegen das Vorgehen der Polizei. Nun habe ich wenig Sympathien mit Leuten, die irgendwo Autos anstecken etc., geschweige denn finde ich die politischen Ziele wirklich richtig, aber es bleibt beim Vorgehen der Polizei ein sehr fader Beigeschmack, wenn auf der einen Seite behauptet wird, man ginge gegen „Terroristen“ vor und auf der anderen Seite keiner der 18 Beschuldigten in Untersuchungshaft sitzt. Und dies nicht etwa, weil man von mangelnder Fluchtgefahr ausgeht oder so, sondern weil die Polizei selber sagt, dass es am dringenden Tatverdacht fehlt. Bei diesem Ergebnis muss man sich auch als braver Steuerzahler fragen, ob dafür wirklich eine Durchsuchung mit 900 Polizisten notwendig war. Mal ganz von den Folgekosten für den Demoeinsatz zu schweigen. Aber ähnlich wie bei Fussballfans wird nun auch bei Demonstranten auf jeden Spatz gleich mit einer Kanone geschossen. Wo diese Spirale enden soll, weiss ich nicht. Ich ahne zumindest nix Gutes.

Und hier nun die Stellungnahme der Schickeria. Aus Zeitgründen ohne Absätze (sorry dafür)

Offizielle Erklärung Schickeria München  (07.05.2007) Hiermit möchten wir die Gelegenheit nutzen, aus offizieller Sicht der Gruppe Stellung zu den Ereignissen auf dem Rasthof Würzburg zu nehmen. Um ca. 5:15 fuhren die Busse mit Bayernfans aus München los. Um ca. 8:00 erreichten die Busse den Rasthof Würzburg, auf dem sich zu diesem Zeitpunkt bereits mehrere Busse mit Club-Fans befanden. Ein Teil der Fans aus den Bussen stieg aus, andere blieben in den Bussen bzw. bemerkten den Stop am Rasthof Würzburg gar nicht, da sie noch schliefen. Später ereignete sich dort ein Handgemenge, aus dem heraus es zu dem tragischen Vorfall kam. Zunächst einmal wollen wir eines vollkommen deutlich klarstellen: Wir distanzieren uns als Gruppe Schickeria München in vollem Umfang von den erfolgten lebensgefährlichen Flaschenwürfen auf Personen durch Einzelne, unabhängig davon ob diese jetzt unserer Gruppe als Mitglieder angehören, oder nicht. Das Werfen von Gegenständen auf Personen entspricht für uns ganz klar dem Einsatz einer Waffe. Dies haben wir nachprüfbar (z.B. auf unserer Homepage oder in einer gruppeninternen Informationsbroschüre) immer abgelehnt und tun dies selbstverständlich auch weiterhin. So etwas hat für uns auch nichts mit einer wie auch immer zu definierenden „Ultrà Mentalität“ oder mit „Rivalität unter Fans“ zu tun, sondern stellt einen feigen und darüberhinaus lebensgefährlichen und zu verurteilenden Akt dar. Dass nun die ganze Gruppe öffentlich mit dem Geschehenen identifiziert wird, ist bei dem in der Presse mittlerweile leider üblichen Umgang mit Fußballfans leider nicht weiter verwunderlich, auch wenn es für die Gruppe als Ganze mit ihren mehreren hundert(!) Mitgliedern natürlich extrem unglücklich ist. Andererseits gibt es, wie das vergangene Wochenende traurigerweise vor Augen geführt hat, wesentlich schlimmere Dinge als Rufmord. Unser aufrechtes Mitgefühl gilt daher an dieser Stelle der durch dieses dumme und inakzeptable Verhalten schwer verletzten Frau und Ihren Angehörigen – wenngleich wir wissen, dass diese Worte keinen wahren Trost bringen können, geschweige denn irgendetwas relativieren oder wiedergutmachen. Man könnte jetzt sicher noch sehr viel mehr hierzu sagen, jedoch würde man Gefahr laufen, dass sich die Worte in den Ohren der Betroffenen und ihrer Angehörigen doch nur wie purer Hohn anhören würden. Zu gegebener Zeit und mit dem gebührenden Abstand würden wir als Gruppe gerne versuchen – abseits vom aktuellen Medienrummel – in dieser Hinsicht aktiv zu werden. Dennoch wollen wir darauf hinweisen, dass wir die Stadionverbote und kollektive Bestrafung aller 80 Mitfahrer, also explizit auch aller Unschuldigen und Unbeteiligten sowie die für mehrere Bayernfans angeordnete Untersuchungshaft für höchst fragwürdig halten. Die überwiegende Mehrheit der in den Bussen mitgereisten Bayernfans war an dem Vorfall nicht beteiligt. Aufgrund der Vorfälle und den damit verbundenen Reaktionen, die die Gruppe geradezu überrollen, sowie den nach dem Gießkannenprinzip erteilten Stadionverboten werden wir sämtliche Aktivitäten unserer Gruppe im Stadion bis auf weiteres notgedrungen einstellen. Ebenso wird die geplante Saison-Abschlussfeier im Anschluss an das letzte Heimspiel gegen Mai