Norbert regt sich auf vom 4.6.2007
über
„Schade, Magdeburger Jungs“
Ein Bericht aus Magdeburg wird euch von Mathes präsentiert. Ein Rock im Park Bericht von mir folgt im Laufe der Woche.
Diese Berichte beginnen ja immer mit irgendwelchen Ritualen und so einem abergläubischen Zeug. So einen Schnickschnack gibt es bei mir natürlich nicht. Aber es ist natürlich noch nicht Schluss mit dieser verbalen Dreckschleuderei, wie ihm Forum gefordert. Denn Norbert schreibt ja in der nächsten Saison weiter und heute übernehme ich mal diesen Part. Und ich halte es so wie unser Vize-Präsident und piss auch mal gerne gegen eine Palme!
„Ich nehme die Kiste Bier und fahre die Strecke gleich wieder zurück.“
Um 06:00 Uhr Morgens traf man dann diejenigen Bremer, die nicht plötzlich krank wurden, urplötzlich zu Omas Geburtstag mussten oder ungeahnte Überstunden schieben mussten und immer noch bereit waren, die Metropole Sachsen-Anhalts kennen zu lernen. Die Fahrt begann dann ganz standesgemäß. In Rothenburg ein erster längerer Zwischenstopp wegen eines Polizeieinsatzes und danach das Sektfrühstück. So konnte es doch weitergehen. Das Sekt-Trinken war zwar schwieriger als geplant, was vor allem daran lag, dass die vorher stolz herumgezeigten pottenhässlichen Trinkgefäße, die Mitfahrer K. in einem 1-Euro-Shop erwarb, nur blöd aussehen aber keine Flüssigkeiten in sich behalten können. A. rannte mit seinem auslaufenden Becher wie ein kopfloses Huhn durch den Metronom und sorgte so dafür, dass die Metronom-Putzkolonne ein wenig mehr Fläche zu reinigen hatte. So schafft man auch Arbeitsplätze. Für weitere Kurzweile sorgten eine gefundene Bild-Zeitung und unterirdisch schlechte Witze. J. konnte sich zumindest kaum noch halten vor Lachen und kündigte an, das Bier zu entführen und gleich wieder zurückzufahren, wenn das denn so weiter ginge. Noch ahnte niemand, dass wir das eigentlich alle machen werden. In Harburg haben wir dann gleich die ersten üblichen Verdächtigen getroffen, irgendwann kam auch der Zug und los ging’s. In unserem Waggon die Südzecken begrüßt und darüber aufgeklärt, dass die wohl irgendwas falsch gemacht haben, denn wir fahren ja Richtung Süden. Aber da rationales Denken und Fußball-Fan noch nie zusammen passten, hatten sie auch gute und aussagekräftige Gegenargumente. Dann hieß es richtig frühstücken. Also ab in den Party-Waggon. Dort dröhnte die Musik dermaßen laut, dass normales Reden unmöglich war, aber irgendwann wurde es dann auch etwas leiser. Der erste Tresen war überfüllt, also ab zum zweiten, dem Kutten-Tresen. Dort fühlten wir uns dann auch gleich heimisch. Schädel mümmelte dort genauso rum, wie er es immer im Jolly macht. Sollten wir ihm mal ein Denkmal bauen, dann wüsste ich schon, wie es aussehen sollte. Hinter dem Tresen dann natürlich der Sprecherat-Fuzzi, der sich später noch als wahrer Tresen-Nazi (das Wort kennt Word!!!) erweisen sollte. Das Bier floss in Strömen, trotz Aufforderung des Kaspers wollte noch keiner tanzen und wir stellten fest, dass wir Richtung Bremen gondeln. Toll! Der Rest der Fahrt ging schnell rum. Wechselgesänge, viel Bier und Kopfballtraining mit einigen Hamburg-ist-braun-weiss-Luftballons und schon waren wir kurz vor Magdeburg. Eine halbe Stunde vor Ankunft wollte ich dann noch einmal die Südzecken und meinen eigenen Magen mit Bier versorgen, doch der Sprecherrat-Wirt blieb hart und verweigerte den Verkauf. „Du wirst es mir später danken“, sagte er dann noch. Pah! Auch später sollte ich kein Bier bekommen! Aber welches Versprechen wird in diesem Verein schon erfüllt?
„Wir sind die erste Reihe, danach seid ihr dran!“
Dann kamen wir an diesem schönen Provinz-Bahnhof an und viel Polizei begrüßte uns. Wo sie diese Polizeibeamten überall gefunden hatten, konnten wir nur ahnen. Sie waren schon ziemlich alt und diese Kampfuniformen wollten auch nicht mehr so richtig sitzen. Aber später sollte sich dann zeigen, dass das auch nur zu unserem Vorteil war. Über uns kreiste ein Polizei-Hubschrauber und vor uns erzählte ein Polizist irgendetwas durch den Lautsprecher eines Polizei-Wagens. Es konnte zwar niemand hören, was der sagte, weil der Hubschrauber zu laut war, aber das hat nicht einmal die Polizisten gestört. Muss wohl unwichtig gewesen sein. Die Straßenbahn brachte uns dann zu einem großen Platz, auf dem wir uns sammelten. Nebenan befand sich natürlich die übliche Tankstelle. Und hier sammelte sich schon ein Begrüßungs-Kommando der Magdeburger. Das Einzige, was die tanken, ist ihr Androlon. Die trauten sich aber nicht zu uns und wir blieben auch brav stehen. „Jetzt müsst ihr 1200 Meter zum Stadion laufen“, teilte uns dann ein Polizist mit. Diese Angabe war für Hollywood wohl nicht genau verständlich, da er nachfragte, wie viel das denn in West sei. Eine Antwort bekam er nicht und so richtig lustig fand das der Polizist auch nicht. Wir schon! Eine kleine Attraktion war es wohl für die Magdeburger Bevölkerung als wir durch die Straßen liefen. Die erzählen jetzt wahrscheinlich überall rum, dass sie dabei waren, als der große St. Pauli-Mob durch ihre Straßen zog. So wie damals im Herbst 1989 als sie auch alle dabei waren. Im Wohnzimmer, hinter der Gardine. Nebenbei war es eine saublöde Idee des Magdeburger Bauhofs kurz vor unserem Marsch noch einmal die Straßenmarkierung nachzuweißen. Oder war’s Absicht? Jetzt haben die jedenfalls ganz viele weiße Schuhabdrücke auf ihren Straßen. Auf dem Weg lagen noch zwei nette Sport-Kneipen. Von uns wollte aber keiner dort ein Bier trinken und die Polizei hätte uns wohl auch nicht gelassen. Schon hier konnten wir sehen, welch intelligente Magdeburger uns noch begegnen werden. Sehr lustig war die eine Nase, die uns ständig zeigte, wie toll er Kopfnüsse üben kann. Aber vielleicht wollte er uns auch nur die richtige Kopfballmethode zeigen und wusste, dass wir mit Luftballons geübt haben. Direkt vor der zweiten Asi-Kneipe klingelte dann mein Handy und Packy teilte mir mit, dass er dort in der Kneipe gerade sein Bier genießt. Sachen gibt’s.... Der Marsch bog dann ab Richtung Stadion und ich ließ mich zurückfallen, da Packy noch ein Bier versprach. Kurze Zeit später kam dieses dann auch und erwies sich als Jever, was bei mir natürlich beinahe Jubelstürme auslöste. Der ganze Mob war schon fast am Stadion und wir standen noch mit sieben Leuten an der Straßenecke rum, als wir die Aufmerksamkeit einiger Polizisten erweckten. „Es ist uns egal, was Sie hier machen und auch ob Sie hier bleiben. Aber wir gehen jetzt. Und hier kommen gleich einige Magdeburger vorbei und wehe, Sie heulen nachher“, lautete die Ansage eines Beamten. So weit, so fair! Ein weiterer ergänzte noch: „Wenn Magdeburg heute nicht aufsteigt, wird das ziemlich hart für Euch. Wir sind nur die erste Reihe, danach seid ihr dran!“ Das machte Mut und daher gingen wir weiter zum Stadion und die Polizisten haben uns dann auch ganz nett begleitet und nebenbei bewiesen, dass sie nicht aus Magdeburg kamen: „In Magdeburg ist immer alles dreckig.“
Für die 2. Liga untauglich
Das Stadion der Magdeburger ist auch so ein typischer Neubau. Mitten in der Pampa, nicht mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu erreichen und ziemlich steril. Ich verstehe auch nicht, wie man einen Neubau mit so wenig Toiletten bauen kann. Alles nicht so wirklich bundesligareif. Aber das muss es ja auch nicht mehr sein. Im Block gesellte ich mich zum Brigadenbub, was natürlich dazu führte, dass ich schnell von vielen Lächerlichen umzingelt war. Vor dem Anpfiff entwickelte sich dann alles, wie wir es erwartet haben. Im Block nebenan sammelten sich die Nazis, die völlig unbestraft den rechten Arm heben durften. Der Beitritt zum Geltungsbereichs des Grundgesetztes hat sich wohl noch nicht so ganz vollzogen. Was bis 1945 legal war, kann im Osten bis heute nicht verboten sein. Oder so ähnlich. Schon vor dem Spiel kamen bei uns die ersten Wechselgesänge und natürlich das umgedichtete Magdeburger Lied: „Schade Magdeburger Jungs. Aufstieg nur für uns!“ Die Magdeburger singen das mit „Vorwärts Magdeburger Jungs. Schießt ein Tor für uns!“ und fanden diesen „Diebstahl“ auch nicht so witzig. Was zum Spiel? Nö. Lest den Kicker oder die Mopo oder sonst was. Bei uns war der Support eigentlich ziemlich gut, die Magdeburger waren so lala. Manchmal ging das ganze Stadion mit und verstummte dann aber auch sofort wieder. Teilweise hätte die Tribüne neben uns auch das schöne „Wir stehen auf und setzen uns wieder hin“-Lied singen können. Denn genau das haben die ständig gemacht. Aufspringen und jubeln, nach drei Sekunden „ohh“ sagen und wieder hinsetzen. Dann kam der Abpfiff und damit der Anpfiff für eine weitere Magdeburger Saison in der Regionalliga Nord. Wir feierten, die Magdeburger neben uns winkten uns wieder einmal mit dem rechten Arm zu und jede Menge Polizisten liefen auf den Platz. Unsere Mannschaft hat sich mit dem Feiern ein wenig zurückgehalten. Zum einen wartete an der Mittellinie der Vize-Präsident des DFB zur Preisverleihung und zum anderen wussten die wohl, welche Magdeburger Gestalten gleich den Rasen betreten dürfen. Kaum war der Platz für die Fans freigegeben sammelte sich wohl so ziemlich das Blödeste was Sachsen-Anhalt zu bieten hat vor unseren Blöcken. Aber deren Dummheit war unsere Freude! Nach dem üblichen Komm-Doch-Winken haben die Magdeburger ein „Scheiß St. Pauli“ angestimmt und waren regelrecht schockiert, dass wir daraus einen schönen Wechselgesang machten und auch noch viel lauter waren. Die kochten, wir lachten. Aber wenn die Deppen so leicht fernzusteuern sind, kann man ja noch einen drauflegen. Also forderten wir die Magdeburger nach dem Wechselgesang zu einer gemeinsamen Welle auf. Nun drehten die völlig durch und griffen die Polizisten vor Ihnen an und bekamen dafür schön eins auf die Mütze. Besser kann man Arbeit nicht delegieren! Wieso die Magdeburger überhaupt den Rasen freigeben durften, werde ich aber wohl nie verstehen. War schon ein ziemlicher Blödsinn aber diente ja auch unserer Belustigung! Daher ein großes Danke an den 1. FCM für diese tolle After-Game-Show! Für uns blieben die Stadiontore natürlich zunächst verschlossen und bei allen Anwesenden war eine gewisse Grundanspannung zu spüren. Noch mal an diesen Kneipen vorbei? Das wird ein Spaß! Aber in bester Hamburger-Wanderkessel-Manier leiteten die Polizisten uns aus dem Stadion. Von uns kamen kaum Gesänge, die Anspannung war einfach zu groß. Dann liefen wir noch an einem Magdeburger Fanbus vorbei und beide Seiten spendeten nach einer Umarmungsaktion zweier älterer Fans spontan Applaus. Der Vorschlag, nach dem Klatschen den Bus anzugreifen, erntete aber auch jede Menge Lacher. Die Polizei war auch so schlau, einen anderen Rückweg zu nehmen. So blieben uns direkte Kontakte erst einmal erspart. Auf einer großen Straße rannten dann doch einige Magdeburger auf uns zu und beschossen uns mit Vogelschreck. Die Cops brachten die Nasen aber sehr schnell zum Laufen und so kamen die Magdeburger nicht an uns heran. Endlich kamen wir an der Straßenbahnhaltestelle an und die ersten drei Bahnen waren hoffnungslos überfüllt, so dass wir auf die nächste warteten. Diese ließ dann aber auch ziemlich lange auf sich warten. Als unsere Zivis dann noch mit einem BMW abgeholt wurden, wurden bei uns auch schon andere Möglichkeiten des Transports ausgelotet, als die Bahn doch noch auftauchte. Ein gewisser „u“ hat noch versucht, mit dem Fahrer zu kommunizieren, gab es aber auf, da beide nicht die gleiche Sprache beherrschten. Am Bahnhof Herrenkrug zeigte sich auch wieder eine sehr entspannte Polizei. Ok, die ganzen Autofahrer, die an der Straßensperre warteten, werden das anders sehen. Aber wir können uns wirklich nicht beklagen. Unser Zug wollte einfach nicht kommen und so warteten wir auf dem Platz neben dem Bahnsteig. Erstaunlicherweise hielt sich die Polizei angenehm zurück. Normal wäre hier ein behelmtes Spalier rund um den Platz und auch ein Gassi-Gehen mit Hasso und Wotan, die dann auch mal kurz an den Fans schnüffeln dürfen. Hier warteten die Polizisten in großer Entfernung an und in ihren Autos und auf der anderen Seite des Bahnsteigs. Die haben sich gesonnt, unterhalten und gelangweilt und trugen damit zu einer großen Entspannung bei. Und das war ja nur die zweite Wahl. Deren erste Garde durfte sich ja gerade in Rostock durchboxen und austoben. Ich will jetzt immer G8-Gipfel, wenn wir Auswärtsspiele mit Stresspotential haben. ;-) Die Rückfahrt begann und unser Zug schlenderte im gemütlichen Tempo durch Magdeburg. Diese Stadtbesichtigung festigte bei uns den Eindruck, dass der letzte alliierte Luftangriff erst zwei Tage zurückliegen kann. Schuttberge und Ruinen ohne Ende. Schön ist das da nicht. Als wir den Hauptbahnhof durchfuhren zeigten uns die Ossi-Kinder wieder ihre schönen Mittelfinger und es knallte wieder Vogelschreck gegen unseren Zug. Aber das war es dann auch. Auf dem Rückweg ging dann noch auf der Transitstrecke das Bier im Partywaggon aus. Also gab es für mich wieder keinen Grund, dem Roha Danke zu sagen, da ich kein Bier bekam! Ein USP-Mitglied zeigte dann aber, dass Ultras vor allem genial organisieren können und sorgte dafür, dass in Hannover zehn Kisten Bier auf dem Bahnsteig standen. Wir standen auch auf dem Bahnsteig, da die Reise von Hannover nach Bremen schneller geht. So ging es mit Trank, Gesang und irgendwelchen lärmgeplagten Mitreisenden per Regionalexpress in unsere Hansestadt. Schöne Auswärtstour, aber noch schöner, dass wir nicht mehr dahin müssen! Jetzt können wir uns auf wöchentliche Berichterstattung über den Neubau der Süd freuen, in denen es wohl heißen wird, dass nächste Woche die Betonteile kommen, nächste Woche das Dach kommt, nächste Woche der Innenausbau beginnt und vor zwei Wochen ja eigentlich schon Saisonbeginn war und bis zum nächsten Heimspiel alles zum Teil, aber doch nicht ganz fertig sein wird,...usw. Wird bestimmt lustig!