Norbert regt sich auf vom 5.6.2007

 

über

Ihr klatscht scheisse

oder

Rock im Park 2007

Vorwort

Während sich wahrscheinlich die meisten von euch in Magdeburg vergnügt haben, hat sich der Standardfüller dieser Zeilen mal eine Fussballauszeit gegönnt und ist – wie schon letzte Woche angekündigt – zu Rock im Park gefahren. Und da diese Kolumne eher eine Therapie als das sie kundenorientiert ist, schreib ich natürlich auch darüber etwas. Wer etwas über Fussball lesen will, der sollte genau eine Kolumne zurück gehen. Da hat sich ein begabter Gastschreiber ausgelassen.

Berliner Tag / Der Freitag

Anreise mit dem ICE mit Champagner ist schon was feines. In einem ruhigen Abteil machte sich die Reisegruppe RoggimParg auf nach Nürnberg. In Würzburg in den Bummelzug gewechselt, wo doch schon einige junge Leute auf dem Weg nach Nürnberg waren. Sehr lässig dabei die beiden Jungs, die erzählten, dass sie am Donnerstagabend ihr Zelt aufgebaut hatten, um dann wieder nach Hause zu fahren und noch eine Nacht im heimischen Bett zu nächtigen. Das nenn ich doch mal Organisation.

Wir hingegen sind viel zu alt um zu campen, und so waren wir froh, als uns unsere Gastgeberin am Bahnhof in Empfang nahm. Nürnberg empfing uns mit einer brutalen Schwüle, die nichts Gutes erahnen lies. Aber noch war es sonnig, so dass wir frohen Mutes unsere Sachen verstauten und uns dann in Richtung Festivalgelände aufmachten.

Bändchen holen war kein Problem, kurze Zeit später konnten wir den Gang zum eigentlichen Festivalgelände beginnen. Ein Festival der kurzen Wege wird RIP nicht mehr, sprich ein gut 15 Minuten langer Fussmarsch begann. Was hier absolut negativ auffiel war, dass einige Leute anscheinend ein Festival als Entschuldigung verstehen sich komplett daneben zu benehmen. So lag das ganze Gelände voller Scherben und Müll. Unglaublich.

Die Ordner zeigten sich ganz entspannt und wir waren kurze Zeit später auf der „Alternastage“. Malerisch mitten in dem Park gelegen, der dem Festival seinen Namen gab. Erstmal ein Pilsbier besorgen. 3,30 für ein schlecht gezapftes Beck’s sind gelinde gesagt eine Frechheit, nicht mehr und nicht weniger.

Was war sonst noch auf dem Festivalgelände so zu sehen? Die üblichen Fress- und Cocktailstände, man muss aber sagen, dass keiner wirklich Qualität bot. Und auch Stände aus der Umgebung suchte man vergeblich. Dazu noch ein St. Pauli-Fanartikelstand, der das ganze Wochenende umlagert war. Folge war, dass am Ende mehr Leute mit St. Pauli Klamotten über das Gelände liefen als Leute, die dem nebenan spielenden deutschen Pokalsieger optisch zugeneigt sind. Ich hoffe mal, dass sich das letztendlich gelohnt hat. Als Service boten sie nebenbei die Zwischenstände aus Magdeburg auf einer kleinen Kreidetafel an.

Die Centerstage in das alte Reichstagsgelände integriert, was eine elegante neue Nutzung ist. Leider dementsprechend mit etwas viel Hall von den Mauern hinten, aber sonst natürlich sehr geeignet dafür. Genug Platz, insbesondere in der Breite, und ein fester Boden, der auch mal einen Regenguss ab kann.

Nun ging es los mit den Bands. Wie letztes Jahr soll jede Band ihren kleinen Abschnitt bekommen. Alles natürlich sehr subjektiv. Und der Punkt Musikrichtung ist nicht wirklich ernst gemeint. Es gibt nur gute oder schlechte Musik (dies nur vorab, weil letztes Jahr wirklich jemand darüber eine Diskussion anfangen wollte).

Kilians

Musikrichtung: Britpop-Nachmache

Prägende Ansage: „Mann, ist die Bühne gross hier.“ „Wenn wir jetzt aus England kämen könnten wir ganz cool sagen: „The next Song…““

Und wie war es? Nun ja, ganz nett war es. Konnte man im Hintergrund hören, ausser dass die mit äusserst miesem Sound zu kämpfen hatten. Aber das ich nun sofort loslaufe und mir alle Platten kaufe? Ne, so gut kam das nicht rüber.

Danach ging es zur Centerstage und während dort noch Revolverheld seine letzten Lieder spielte, machten wir es uns gemütlich. Aber nicht sehr lange. Hatte es schon auf dem Weg dahin getröpfelt, ergoss sich nun ein riesiger Schwall Wasser über uns. Na super, da ist man noch nicht einmal angekommen und schon bis auf die Knochen nass.

Nachdem ca. 20 Minuten die Welt untergegangen war, regnete es immer nur noch dann, wenn meine beiden Begleitungen sich hinsetzen wollten. Bis sie diesen Zusammenhang erkannt hatten, mussten wir aber noch ca. 5 Schauer ertragen. Irgendwann mit einem dämlichen gelben aufblasbaren Plastikhut auf dem Kopf, der zwar vollkommen bescheuert aussah, aber immerhin Wasser abhielt.

Glücklicherweise hatten wir unsere Pullover in einer Tasche eingerollt, so dass wir immer noch etwas komplett trockenes anzuziehen hatten. Das ging einigen anderen Leuten definitiv anders, denn die hatten keinen trockenen Faden mehr am Leib. Und viele von denen hat das aufgrund von Alkohol nicht gestört. Ich möchte lieber nicht wissen, wie viele Erkältungen und Nierenentzündungen dort die Folge waren.

Good Charlotte

Musikrichtung: Hartpop

Prägende Ansage: ???

Und wie war es? Für Fans allemal gut, da sie alle ihre Hits spielten, dabei ganz gut abgingen und eigentlich sehr sympathisch rüber kamen. Aber mir ist die Musik viel zu langweilig, so dass das an mir vorbei ging.

Velvet Revolver

Musikrichtung: Roggnroll

Prägende Ansage: „We play motherfucking Rock-n-Roll.”

Und wie war es? Erstmal brachten die dem Festival gepflegte 30 Minuten Verspätung ein. Ob die Band was dafür kann, weiss ich nicht, es kann auch ohne weiteres sein, dass die Elektronik das Wasser nicht mochte. Für letzteres spricht, dass danach der Sound auf der Centerstage unterirdisch war und mit Aussetzern zu kämpfen hatte. Ansonsten rockten da Lance Armstrongs kleiner Bruder und Ex-Guns’n’Roses-Leute. Aber wirklich doll war das alles nicht.

Ich machte mich zur Alternastage auf, so dass von Korn die Begleitung berichten muss. Hier ihr Bericht:

Korn (es berichtet die rasende Reporterin Schwesterherz)

Musikrichtung: NuMetal-Althelden

Prägende Ansage: Solche Leute machen keine Ansagen

Und wie war es? Der Sound war matsch, was sehr schade war. Die Musik war klasse, im Gegensatz zu Velvet Revolver keine peinlichen Poser, sondern echte Musiker, die an ihrer Musik Spass hatten, und das sah man auch. Erstaunlich, dass trotz der Matschanlage und acht Musikern da noch eine gut klingende perfekt gespielte Musik raus kam. Und man konnte lernen, dass Dudelsäcke wirklich eine Angriffswaffe sind (was wahrscheinlich der Anlage den Rest gab).

Der Eingang zur Alternastage war nun Matsch pur und leider achtete auch keiner darauf, dass Leute nicht im Eingang stehen. Nix gegen entspannte Ordner (und das waren die wirklich), aber hier hätte mal ein Ordner, der die Leute einfach weiter schickt, echt gut getan.

Mia

Musikrichtung: Zirkus-Musik / Sehr neue deutsche Welle

Prägende Ansage: „Meine lieben Freunde“ „Wasser in so vielen bezaubernden Formen“

Und wie war es? Es gibt eine gewisse politische Kontroverse um die Band (die wahrscheinlich mal wieder komplett überzogen ist, wenn man mal so sieht, wo die sich engagieren). Die Sängerin hat dazu einen kompletten Dachschaden und der Auftritt ist etwas showhaft, aber - und das ist ein grosses aber - es wirkt. Es passt zur Musik, es passt zum Konzept und es kommt gut rüber. Insofern war der Auftritt gelungen und konnte auch mich eher kritischen Geist mitreissen.

Wieder zur Centerstage, es war endlich trocken. Meine Begleitung wurde zwischendurch noch von irgendwelchen Pennern mit Megafon genervt, aber nun war Ruhe. Überhaupt ist es erschreckend, wie hackenstramm da einige Leute sind. Aber das schreibe ich auch jedes Jahr. Meine Wenigkeit würde keine 100 Euro ausgeben um letztendlich keine Band wirklich mitzubekommen, weil ich zu voll bin.

Die Ärzte

Musikrichtung: Musik zum Gesabbel

Prägende Ansage: „Perfekte Musiker wie Korn müssen sich fragen: Warum spielen die nach uns? Haben die Deutschen einen Knall? Klar, dass die den Krieg verloren haben. Die Ärzte, der Kruppstahl der Punkmusik.“ „Unser nächstes Album kommt im Herbst und heisst Chinese Democracy.“

Und wie war es? Schwach. Das Gelaber zwischen den Liedern war wie immer erste Sahne (wenn auch nicht immer politisch korrekt, wie oben zu lesen ist), echt zum Lachen, aber alle „Hits“ in die Zugaben zu packen und einen Set von eher unbekannten und ruhigen/nachdenklichen Stücken zu spielen kommt auf einem Festival nicht wirklich an. Der Sound war auch immer noch richtige Scheisse, so dass wir bereits zu den Zugaben den Ort des Geschehens verliessen und diese nur noch im Weggehen hörten.

Also wieder zur Alternastage, wo sich im Hintergrund noch Scissor Sisters mühten, sie hier aber ohne Bewertung bleiben, weil nur ca. zwei Lieder gehört. Dafür entdeckten wir eine Bank, die niemand belegte, und daneben befand sich ein sauberes Wasserklo, was schlichtweg von den Veranstaltern wohl nicht gesehen wurde. Denn ansonsten ist die Klosituation wie jedes Jahr schlichtweg eine Frechheit. Auf dem gesamten Bühnengelände nicht ein Wasserklo, draussen sollen die Wasserklos kosten und dazu kommt noch, dass die Dixies aber so gerade eben ausreichend sind. Das ist schlichtweg frech.

Wir sind Helden

Musikrichtung: Intelligenter Pop

Prägende Ansage: Wie soll man irgendwas aus den absolut druckreifen Sätzen, welche die Sängerin ins Publikum wirft, irgendetwas herausgreifen?

Und wie war es? Einfach klasse. Der Sound war gut, die vier haben sich einen Satz Bläser als Liveunterstützung angeschafft, und die Band glühte nur so vor Spielfreude. Und dazu ein perfekter Mix zwischen alten Hits und neuen Liedern. Der Spass war der Band, die sich nebenbei ständig gegenseitig foppt, echt anzumerken. Dazu spielten sie mit dem Publikum Stop-tanzen, was ich so noch nicht gesehen habe und was auch noch wirklich gut geklappt hat. Definitiv einer der Höhepunkte des Festivals.

Dann auf den Rückweg. Eigentlich wollten wir draussen noch die Wasserklos benutzen, aber die wurden gerade für 20 Minuten gereinigt (was für ein unpassender Zeitpunkt). Es dauerte dann ein bisschen, bis wir ein Taxi fanden, insbesondere, da uns eine solche Rübennase noch ein Taxi wegnahm. Aber irgendwann fanden wir unser Bett.

Verblüffte Musiker / Samstag

Morgens verliess uns erst mal unsere Gastgeberin und überliess es uns, das geniale Frühstück zu erledigen. Danach war erst mal Neudeutsch „Chillen“ angesagt. Und wir starteten den Versuch, unsere Regenjacken wieder regendicht zu bekommen. Imprägnierspray ist hier das Stichwort. Das Zeug hatte es echt in sich. Kein LSD Trip kann mehr high machen. Gut, was will man erwarten, wenn auf der Packung steht „Nur im Freien verwenden und nicht einatmen.“

Irgendwann kam unsere Gastgeberin zurück und konnte berichten, dass es in gesamt Nürnberg keine Gummistiefel mehr zu kaufen gab (!!!). Kurz bevor der MDR mit der Übertragung vom Fussball begann machten wir uns auf dem Weg (um dann Nachts festzustellen, dass wir immerhin die Tore auf Video gebannt hatten, aber aufgrund eines Gewitters weder Anfang noch Ende der Übertragung). Gewitter ist ein gutes Stichwort. Es donnerte schon ganz ordentlich auf dem Weg zum Gelände, aber trotz eines nachtschwarzen Himmels blieben wir im Grossen und Ganzen am heutigen Tage trocken.

Im Hintergrund der sehr nette SMS-Service aus Magdeburg und bei uns die ersten Bands. Aber nicht ohne vorher den üblichen Gang über das Festivalgelände zu starten. Und hier herrschte Chaos. Wie man später in den Zeitungen lesen konnte waren die offiziellen Campingplätze bereits am Donnerstag Abend überfüllt. Man habe nicht mit so vielen Campern gerechnet. Ach ne, man verkauft 60.000 Tickets und hat dann nicht genug Platz? Das ist schon mehr als blauäugig. Und wenn man dann sieht, dass für die gesamten Zeltplätze gerade mal drei Klostellen vorhanden sind, dann wird es frech.

Die Einlasskontrollen wieder sehr entspannt, was auf der einen Seite sehr schön ist, was leider aber auch gnadenlos ausgenutzt wird, so dass erheblich Glasflaschen auf dem Festivalgelände rumliegen. Und da es echt Idioten gibt, die auch mit so etwas schmeissen, ist das natürlich ziemlich bedenklich.

Erstmal die Centerstage geentert. Nun also wieder zur Musik:

The Used

Musikrichtung: Rock im weiteren Sinne

Prägende Ansage: Keine Ansage hängengeblieben

Und wie war es? Wer behauptet eigentlich, dass Kurt Cobain tot sei? Der singt nun bei „The Used“, die, wenn man die Ringe unter den Augen als Massstab nimmt, den perfekten Bandnamen haben. Ansonsten war es nette Hintergrundmusik, die mich nun aber nicht vom Hocker gerissen hat.

The Hives

Musikrichtung: Schwedischerschweineroggnroll

Prägende Ansage: „from the Album Tyrannosaurus Hives”

Und wie war es? Grossartig. Die Jungs sind live einfach eine Bank. Rocken wie Hölle und machen Spass. Den dürren Gitarristen geben sie nach Touren immer im Irrenhaus ab und man sieht der Band immer noch an, dass die fett Spass haben am Liveauftreten.

Billy Talent

Musikrichtung: Nennt man so etwas „NuMetal“?

Prägende Ansage: „if somebody falls down, pick him up. And watch for the ladys in the crowd”

Und wie war es? Wenn man mal den schlechten Sound ausnimmt: Brilliant. Eine Band, die nahezu perfekt spielt und ein Sänger, der zwar nicht wirklich singen kann, dafür aber eine Energie von der Bühne runter bringt, die einfach überzeugt. Dazu kommt, dass die anscheinend über ihren Erfolg in Europa immer noch komplett begeistert sind und sich dementsprechend ständig bei Fans und Förderern bedanken. Kommt irgendwie sympathisch rüber.

Das ganze habe ich am Mischpult erlebt. Dort herrschte mittleres Gedränge, was aber prinzipiell ganz okay war, wenn es nicht immer wieder einige Leute geben würde, die sich nicht an die Ansagen von der Bühne halten, sondern alles überwälzen, was im Weg steht. Und wenn dann solche Leute ein Lied nach vorne springen, um nach dem nächsten Lied (weil es ihnen selber zu eng geworden ist) wieder zurück zu springen, dann kann das schon nerven (ich untertreibe).

Ab zur Alternastage, denn Hamburger werden in der Fremde unterstützt. So ging es durch das übliche Gedrängel (Organisation mangelhaft) auf die zweite Bühne. Auf dem Weg wurde ich nebenbei von einem Mädel mit dem Satz „Können SIE mir sagen, wie spät es ist?“ nach der Zeit gefragt. Das hat mir ungefähr noch gefehlt.

Das Wasserklo von gestern war nun verschlossen, so dass dann immerhin ca. zwanzig Dixies für die Leute bereit standen. Da sind lange Schlangen vorprogrammiert.

Jan Delay & Disko No. 1

Musikrichtung: Rave nennt er es selber

Prägende Ansage: „Mercedes“ „Dance“

Und wie war es? Auch wenn mein Schwesterherz was von „arroganten Schnösel“ sagte - ich fand den cool. Natürlich gehört zu einer solchen Musik eine gewisse Show, und die liefert der. Und dazu hat er drei absolut brilliante Backgroundsängerinnen und eine klasse Band. Singen kann er nicht, aber die Stimme ist absolut prägend und „man hört ihm zu“, wie unsere Gastgeberin so schön sagte.

Danach wieder zurück zur Centerstage, wo uns ein Leichenwagen entgegen kam, was irgendwie ein echter Stimmungstöter ist. Hintergründe waren absolut nicht zu erfahren und standen auch nicht in den Nachrichten. Keine Ahnung, was da passiert ist.

The Muse wurde nicht wirklich mehr gesehen, daher entfällt die Bewertung.

Linkin Park

Musikrichtung: Kritiker würden sagen Kommerzpop, Fans würden sagen NuMetal, Alternative Rock. Die Wahrheit liegt irgendwo in der Mitte

Prägende Ansage: „We like to thank all our fans, who made us No. 1“

Und wie war es? Mann, kann der Typ singen. Mann, spielen die sauber. Endlich auch mit vernünftigem Sound, so dass dem Konzertgenuss nix mehr im Wege stand. Und man kann über die neuen Lieder (die ich bisher nur Live gehört habe) sagen, was man will. Natürlich sind da ganz viele Teile bei, die echt NRD 2-kompatibel sind, aber sie klingen einfach gut und irgendwie passen sie in das Programm. Das Volk ging ebenso gut ab wie die Musiker. Wenn man mal von dem DJ der Band absieht, der echt das Pokerface schlecht hin ist. Erstaunlich war, dass es relativ leer war, was uns gute Plätze und gute Sicht verschaffte. Währenddessen sorgte das Publikum für die Überschrift. Ich habe noch nie eine Menge Menschen so ausserhalb jeglichen Taktes klatschen hören wie bei einigen Liedern von Linkin Park. Grundsätzlich dauerte es ca. eine Minute, bis die Menge den richtigen Takt hatte.

Zur Alternastage, wo es super voll wurde. Dementsprechend wieder Gedrängel. Was erschwerend hinzu kam war, dass die Leute auf der einen Seite stehen blieben und nicht auf die andere Seite gingen, wo es dann doch etwas leerer war. Aber wir sind ja klüger und standen auf der leereren Seite. Bier zu besorgen war ein mittleres Drama, da die Bierstände nun mal überfüllt waren, aber ein mobiler Getränkemann beendete auch dieses Problem.

The White Stripes

Musikrichtung: Geschwister machen Lärm

Prägende Ansage: Keine hängen geblieben

Und wie war es? Faszinierend. Diese Band ist wirklich unverwechselbar und macht ihren eigenen vollkommen unabhängigen Sound. Weder kann er super Gitarre spielen, noch klopft sie wirklich komplizierte Rhythmen, aber es klingt irgendwie mitreissend und einfach überzeugend. Und dies wohlgemerkt zu zweit. Selbst seine Gitarren nimmt er noch selber vom Halter und lässt sie sich nicht von einem Roadie bringen. Das Publikum auf der Alternastage war definitiv begeistert, selbst weit hinten standen Leute erstarrt in einer Mischung aus Verwunderung, Begeisterung und Faszination. Als Zugabe dann noch „Seven Nation Army“ und fertig war ein nahezu perfektes Konzert.

Der Heimweg wurde angetreten. Es ging diesmal durch Reihen von Zelten, die illegal aufgestellt waren. Die hygienischen Verhältnisse waren eine Katastrophe und dementsprechend roch es da auch überall. Erstaunlicherweise fanden wir eine Strassenbahn, die uns beinah bis zu unserem Bett brachte. Perfekt.

Musik für Erwachsene / Der Sonntag

Nachdem wir mehr oder minder ausgeschlafen hatten und unser Frühstück zu uns genommen hatten, machten wir uns wieder auf den Weg. Wir hielten den gleichen Weg durch das Gelände ein wie an den Tagen zuvor, was dazu führte, dass wir die Veränderungen doch sehen konnten. So hatten viele Leute schon abgebaut und viele Leute hatten ihren Müll auch zusammengekehrt. Das an der Müllabgabestelle beinah nur weibliche Wesen standen war Zufall - oder doch noch gesellschaftliche Prägung? Es fiel zumindest auf.

30 Seconds to mars

Musikrichtung: Roggnroll

Prägende Ansage: Keine hängen geblieben

Und wie war es? Na, da spielt so irgendein Hollywoodschauspieler mit, und so sind die Jungs ganz nett anzusehen. Die Musik ist eher mittelmässig unterhaltsam. Auch wenn der Sänger eine nette Show abgezogen hat.

Wolfmother

Musikrichtung: Die Musik zum LSD-Trip

Prägende Ansage: „Rock am Ring *Pause* sorry, Rock im Park.“

Und wie war es? Kennt ihr diese Serie „Live on Mars“, wo ein Polizist aus der Neuzeit in die 70er Jahre verfrachtet wurde. Die Jungs waren der Ausgleich dafür und wurden aus den 70er Jahren in die Neuzeit verfrachtet. Hippiemusik gepaart mit Metaleinflüssen. Irgendwie ganz faszinierend, aber nicht wirklich meine Kanne Musik.

Kaiser Chiefs

Musikrichtung: Britpop

Prägende Ansage: „We start the next song, when…” Ansonsten: “Nimm doch mal den Teppich aus dem Mund.”

Und wie war es? Ich halte mich von diesen ganzen englischen Hypebands immer so ein bisschen fern. Zwar mag ich grundsätzlich solche Musik, aber dort geht mir der Wandel einfach zu schnell und ich mag nicht auf jeden fahrenden Zug aufspringen. Die Jungs sind aber nun aus dem Stadium „Hype“ heraus und das definitiv zu Recht. Klasse Lieder, die mit Power und Spass vorgetragen werden, und ein Sänger, der nicht nur nach Bier, Fritten und Pub aussieht, sondern auch noch singen und das Publikum unterhalten kann. Da wird ein Song erst gestartet, wenn der Bungeespringer abgesprungen ist (soviel Aufmerksamkeit hatte der noch nie) und da wird auch der eigentliche Notfallgang zu einem Spaziergang im Publikum genutzt. Nur von den Ansagen verstand man nicht viel. Da kam der Leedsdialekt voll zum tragen.

Mando Diao

Musikrichtung: Schweden machen roggnroll

Prägende Ansage: Nix hängen geblieben

Und wie war es? Solide Schwedenrocknummer. Ist bei mir eine Band, die so unter „ganz okay“ läuft, aber live sind die Schweden doch immer ein Stein im Brett. Die haben echt gerockt.

Als bekennender Beatsteaks-nicht-Möger ging es nun zur Alternastage. Und hier erwartete uns plötzlich die ältere Hälfte des Publikums, denn nun gab es Musik für Erwachsene. Man könnte das auch „Heavy Metal“ nennen.

Type O Negativ

Musikrichtung: Industriegewerkschaft Metal, Fachbereich Schwermetal

Prägende Ansage: Ansage? Seit wann machen solche Leute Ansagen?

Und wie war es? Kontroverse Band, die Symbolik macht sie eher bedenklich. Aber die Musik war klasse.

Stone Sour

Musikrichtung: Industriegewerkschaft Metal, Fachbereich Metalrock

Prägende Ansage: Nix hängen geblieben

Und wie war es? Netter Metal mit Rockeinflüssen. Ging ganz nett ab.

Musste dann aber verlassen werden, denn zu den Smashing Pumpkins wollten wir dann doch auf der Hauptbühne sein.

Natürlich wieder volle Elle gegen den Strom, da alles von den Beatsteaks abrückte. Aber mit taktischem Warten an den richtigen Stellen waren wir schnell an einem guten Ort, um das Konzert zu verfolgen. Vor der Bühne war es eher leer, was alleine schon daran lag, dass die meisten Leute wahrscheinlich noch Benjamin Blümchen gehört haben, als die Smashing Pumpkins ihren Höhepunkt hatten.

The Smashing Pumpkins

Musikrichtung: Organisierter Lärm

Prägende Ansage: Ansagen? Hey Leute, wo denkt ihr hin! Dachten wir zumindest für die ersten acht Lieder. Aber dann: „Schock! Es spricht!“ Naja, nach dem dreizehnten Lied sprach es noch mal und am Ende der Zugaben, sprich nach dem zwanzigsten Lied, noch einmaö. Aber sonst eher nicht. Lustig dann noch, dass er erklärt, dass das neue Album „Zeitgeist“ heisst und dann sagt „for my german fans. The American fans have to love me because I am american.” Sprich in Ich-Form redet, obwohl es doch eigentlich eine Band ist.

Und wie war es? Klasse. Ich hatte früher immer ein gespaltenes Verhältnis zu dieser Band, aber man muss sagen, dass sie es ähnlich wie die Pixies schaffen, Lärm melodisch klingen zu lassen. Der Auftritt an sich war eher skurril. Die Band ganz in weiss, Billy am Anfang mit einem BatMan Umhang. Die Bassistin ist in der Band auch nur ausschliesslich wegen ihres musikalischen Talentes und nicht, weil sie ein knappes weisses Kleidchen mit Highheels tragen kann und trug.

Zu Beginn hab ich gedacht: Können die auch mal lächeln? Aber dann ging es immer mehr ab. Höhepunkt war die letzte Zugabe, die in einer 20 minütigen Improvisation endete, bei der am Ende wie aus dem Nichts irgendein Altrocker (Name wurde gesagt, aber vergessen) und der Schenker von den Scorpions mit auf der Bühne stehen. Woher die auch immer plötzlich kamen. Grossartiges Konzert.

Dann wieder zur Alternastage, wo sich noch Slayer angesagt hatten.

Slayer

Musikrichtung: Industriegewerkschaft Metal Fachabteilung Schnellmetal. Oder ist das Trashmetal?

Prägende Ansage: Hallo? Was mehr als Liednamen und „Thank you“ erwartet ihr?

Und wie war es? Ich fand es grossartig, aber meine Begleitungen meinten, die würden immer nur ein und dasselbe Lied spielen. So habe ich nicht ganz das ganze Konzert gehört. Aber endlich Männer mit langen Haaren, die ihr Haar ordentlich schütteln.

Erneut erwischten wir eine Strassenbahn, die aber „eingezogen“ wurde, so dass wir noch zwei Stationen laufen mussten. Nein, die muss dann nicht zum Bund und fährt nun in Afghanistan, die fuhr ins Depot, aber der Fahrer sprach davon, dass sie eingezogen wird.

Rückfahrtag und Danksagung

Ein Dank geht natürlich an unsere Übernachtungsorganisatorin, die erneut einen super Platz zum Nächtigen und Chillen bereit gestellt hatte. Dann natürlich an mein Schwesterherz, welches sich um die Fahrt gekümmert hatte. Weiterhin an Kiezwichtel Torsten, der sich als einziger sonst-Hamburger auf den Weg gemacht hatte. Und last but not least natürlich an alle Informanten aus Magdeburg, die einem beinah das Gefühl gaben, dabei gewesen zu sein.

Wir verabschiedeten uns von unserer Gastgeberin und wir machten uns auf den langen Weg zurück. Am Bahnhof ein riesiger Haufen müder Jugendlicher, so dass wahrscheinlich viele Eltern an diesem Tag müde, dreckige, aber glückliche Kinder in die Arme nehmen konnten. In unserem Zug auch noch ein paar Norddeutsche RIPler. Immerhin 18 Auftritte vollständig mitbekommen. Ein guter Schnitt. Trotz des Organisationchaos ein gutes Festival. Und falls die Bands nächstes Jahr stimmen, bin ich wieder am Start. Und dann ja auch ohne Überschneidung mit Fussball.

Zuletzt noch eine kleine ganz interessante Fussnote. Der Bericht über RIP 2006 war die fortlaufende Nummer 260 der „Norbert regt sich auf“ Berichte. Der Bericht über RIP 2007 ist die fortlaufende Nummer 302. Wenn man nun bedenkt, dass ein Bericht nicht aus meiner Feder stammt, dann schaff ich immerhin 41 Ausgaben pro Ja