Norbert regt sich auf vom 23.7.2007
über
Können wir nicht mal Gegner bekommen und nicht immer nur Opfer?
oder
Ein nahezu perfekter Tag
Nun wollen wir hier nicht in unbändige Euphorie ausbrechen, denn das steht dieser Kolumne nicht so gut. Aber zu meckern gibt es zur Zeit echt wenig. Daher bekommt ihr heute einen groben Überblick über alles, was man so schreiben kann. Das Spiel gegen Leverkusen, ein paar Gedanken zum Verein und ein paar Zeitungsstorys. Das übliche halt.
Viel zu früh stand die Poppenbütteler WG auf und machte sich auf den Weg zum Fanladen. Das frühe Aufstehen hatte im Endeffekt zwei Gründe: zum einen wollten wir mit Sicherheit ein Video ergattern, zum anderen ist es schwer, mit Gewohnheiten zu brechen nur weil der Anpfiff plötzlich zu einem anderen Zeitpunkt erfolgt. So waren wir gegen 11 Uhr im Fanladen. Dieser erwies sich als runderneuert. Die Wände neu gestrichen und noch nicht mit Schals behängt, so dass es selbst ein klein wenig hallte. Dazu noch ein Rauchverbot, welches für schöne Luft echt sorgt in dem Laden und wodurch das Essenkochen noch mehr Hunger entstehen lässt, weil der leckere Geruch nicht durch Qualm überdeckt wird. Da können noch so viele Leute meckern, es ist einfach angenehm. Und wirklich leerer? War es auch nicht, so dass viele Kneipen mal überlegen sollten, ob nun wirklich weniger los ist, wenn man drinnen nicht mehr rauchen darf.
Bereits auf dem Weg in den Fanladen hatten wir die Westbrigade (Ex-Activ Unit) getroffen und kurze Zeit später ihr Hab und Gut in unserem Auto untergebracht. Und dann war für Unterhaltung gesorgt, denn wir erlebten HoTo und Psycho in Bestform. Im Hintergrund liefen irgendwelche Serienmelodien der achtziger Jahre und zu Dallas kam nur der Kommentar „Ich konnte es auf Blockflöte“. Ja, ich weiß, Situationskomik. Insgesamt lief sehr Fanladen-untypische Musik, und spätestens bei irgendwelchen Schnulzen der 80er und Heart of Gold war an unserem Tisch die Stimmung am Überkochen. Dann aber kam wieder der Punk/Ska/Folk-Brei (der nebenbei schon so prägend ist, dass in dem Saisonführer der „11 Freunde“ darauf hingewiesen wird) und es war Zeit, die Kleine Pause zu supporten. Wurde nur etwas eingeschränkt gemacht und das zweite Bier wurde nicht mehr eingenommen, da ein gehirnamputierter Ex-Lokalrivalenfan, der nebenbei mal in einer Punkband sang, unbedingt da vorbei kommen musste. Es ist eigentlich eine Schande, dass dieser Schwachkopf (der natürlich auch gleich wieder ohne Anlaß beleidigend werden musste, oder wie soll man ein hingemurmeltes „Spacken“ werten?) immer noch bei uns rumläuft.
Ach, was rege ich mich auf? In einem solchen Fall gilt: Der Klügere gibt nach, ich verliess halt die Kleine Pause.
Im Fanladen war bei Rückkehr Hochbetrieb und dies, obwohl es immer noch vor 12 Uhr war. Insbesondere das Video ging weg wie geschnitten Brot. Interessant dabei war, dass eigentlich jeder zwei Stück kaufte. Nein, nicht wegen Ebay, sondern weil halt auch alle Auswärtigen wohl geschrien hatten. So kam es zu einigen Enttäuschungen, da das Teil nach dem Spiel ausverkauft war, man erst eine Vorbestellung erlauben wollte, dann diese doch nicht gemacht hatte (nach dem Prinzip „Sind genug da“) und nun doch überlaufen wurde. Ärgerlich, aber nicht zu ändern. Und aus diesem Fehler kann man ja nur lernen. Entweder keine Bestellung oder wenn man so etwas öffentlich äussert, dann muss man die auch durchziehen.
Über die Baustelle in der Süd ging es dann in Richtung Stadion. Zwar geht es dort immer noch langsam voran, aber immerhin ist jetzt so etwas wie ein kontinuierlicher Baufortschritt zu erkennen. Leider immer noch im Zeitlupentempo, aber immerhin verändert sich jeden Tag irgendetwas in die richtige Richtung. Das ist erstmal positiv und lässt doch hoffen, dass wir uns in der Rückrunde über unser persönliches Kleinod freuen können.
Auch der AFM Container war bei bestem Wetter schon gut besucht. Selbst die übliche eingebaute Euphoriebremse von der Kontrolle konnte man heute mit dem Satz „Alles wird gut“ verabschieden. Was also stand einem eigentlich positiven Tag noch im Wege?
Erstmal die Eingangskontrollen, die sich auf meiner Höhe irgendwie nicht von denen letzte Saison unterschieden. Zwar gab es neue Leibchen und eine neue Firma, aber viele Ordner waren die gleichen wie vorher. Mal gucken, ob die gleiche Crew auch weiterhin die Amateure macht, dann ist alles gut.
Der neue Rasen erstrahlte auch im satten Grün. Die Erhöhung führte zumindest auf unserer Seite nicht zu Sichtbehinderungen. Sowohl auf unserer Höhe als auch am Zaun war die Sicht eigentlich wie immer. Das soll wohl doch etwas anders bei der Reihe 0 auf der Haupttribüne sein, aber da gehen die Stimmen auch sehr auseinander. Auf kurz oder lang sollte der Verein vielleicht überlegen diese Reihe abzubauen, indem er den Leuten einen Tausch vorschlägt und dort keine neue Dauerkarten verkauft (wenn denn mal die Süd gebaut ist).
Zu einem Spiel gehört immer auch ein Gastverein, und die Leverkusener waren mit einem Sonderzug angereist und verhielten sich absolut vorbildlich. Kein Gezündel, kein Generve. Natürlich eher ruhig, da das Spiel der eigenen Mannschaft ja auch sehr bescheiden war. Dies war das erste Spiel, wo wieder vorne an den Zaun Plakate durften. Die Leverkusener haben dies nicht für irgendwelchen Blödsinn ausgenutzt, so dass man nur hoffen kann, dass sich auch andere Fangruppen benehmen. Warum befürchte ich beinah, dass dies die anderen Kölsch-Trinker nicht hinbekommen?
Das Spiel war nun nicht wirklich etwas für Fussballästhetiker. Phasenweise ging das nach dem Prinzip: „Wir spielen hoch, wir bolzen viel, und treten tun wir viel zuviel.“ Nur um es mal klar zu sagen: Für Technik war ja eigentlich unser Gast gekommen. Die jedoch übten sich auch in ziemlichen Rumgetrete, so dass das Spiel sehr zerfahren war. Und erneut stellte sich heraus, dass wir pro abgelaufener Minute immer stärker werden. Die Konditionsarbeit schien erneut Früchte getragen zu haben, denn ab der 60sten Minute wurden unsere Helden immer überlegener und hatten plötzlich Torchancen in Hülle und Fülle. Nur dauerte es halt bis zur 87. Minute, bis dann auch mal ein Ball hinter der Linie war. Leverkusen hatte vielleicht eineinhalb Torchancen und die eine wirklich gefährliche Situation klärte Borger in einer Seelenruhe, die beinah unglaublich war. Wo die Zeitungen ansonsten Unsicherheiten gesehen haben wollen, erschliesst sich mir nicht wirklich, denn er war sonst nicht wirklich am Ball. Kommen wir zu den zwei Spielern des Spieles. Einer ist klar, dass ist unser Neuzugang mit Namen Barney oder Björn. Man was ist der gelaufen? Und dazu kann der ja auch noch einen Ball verarbeiten. Leider macht er nicht zur Krönung seiner Leistung das Tor, aber das ist wäre wirklich nur das Tüpfelchen auf dem i gewesen. Absolut überzeugend. Wenn der das im Ligaalltag bringt, dann ist der eine riesige Verstärkung. Der zweite Mann des Tages werden viele Leute immer noch die 2. Ligatauglichkeit absprechen, viele Leute werden immer noch labern, warum der ständig spielt, weil viele Leute eben nicht richtig hingucken. Der zweite Mann des Tages ist Carsten Rothenbach, der in den 90 Minuten nicht einen Zweikampf defensiv verlor und der dazu noch mit herausragendem Stellungsspiel glänzte. Und wenn mal einer halb an ihm vorbei war, dass biss er sich sofort zurück und machte den Ball doch noch kalt. Überhaupt überzeugte unser Defensivverband. Ich hatte ja etwas Sorgen, aber die Abstimmungsprobleme, die sie dann vielleicht mal hatten, wurden durch Einsatz wieder weg gemacht. Es war absolut begeisternd zu sehen, wie die Jungs aushalfen, wenn mal einer überlaufen wurde, und wie sie ständig bereit waren diese „Extra“ Meter zu gehen, die man für den Erfolg braucht. Man kann auch hier nur hoffen, dass dies im Ligaalltag ebenso ist.
So wurde auch kompensiert, dass Ralle eben noch nicht bei 100 % Schnelligkeit ist. Aber auch bei ihm war einfach der Kampfgeist absolut überzeugend.
Hoffentlich bleibt dies im Ligaalltag so. Jetzt zu glauben, dass Köln ein Selbstgänger wird, wäre der fatalste Fehler den es gibt. Da brennt jetzt schon der Baum und ein verletzter Löwe – äh, Geissbock ist immer noch ein sehr gefährlicher Geissbock. Wir benötigen also alle Konzentration und Kraft, um die auch aus dem Millerntor zu schiessen.
Nach dem Spiel war wieder vollumfänglich Party angesagt, wobei Lechner bewies, dass er auch mit Krücken hätte locker mitspielen können. Mann, ist der schnell. Nebenbei sowieso eine sehr schöne Geste, dass alle Spieler mit einem „Gute Besserung“-Shirt aufliefen. Das gilt nebenbei auch für alle anderen Verletzten, wobei Sako ja schon wieder fröhlich über den Rasen lief, so dass hier hoffentlich auch bald wieder Einsatzreife gegeben ist.
Im Fanladen wurde noch kurz das leckere Essen gegessen, dann war sozusagen Familienzeit, die mit einem Dombummel endete, wo man sich wirklich fragen kann, wie es sein kann, dass Leute offen Thor Steinar und ähnliches Zeug da tragen können. Das Jolly fiel diesmal aus, wobei die gefühlten 30 Sekunden Anwesenheit sehr nett waren.
… unser Bier, welches 50 Cent teurer geworden ist. Nun ist es interessant, dass dieses Thema natürlich sehr schnell fünf Seiten Forum schuf (innerhalb weniger Stunden, auch wenn man dazu sagen muss, dass einige Beiträge sehr lustig über 10 oder 11 Cent diskutierten (muss man lesen)), während andere viel wichtigere Themen vielleicht in einer solchen Zeit ca. eine Seite schaffen. Die Begründung sind die Mehrwertsteuererhöhung (wobei 3 % von 3 Euro immer noch ca. 9 Cent sind), 20 % der Erhöhung für die Jugendabteilung (das sind –wie eben im Forum bewiesen wurde- irgendwas zwischen 9 und 11 Cent (Achtung Insider)) und die gestiegenen Rohstoffkosten (für die immerhin 31 Cent und damit 10 % der Erhöhung ausmachen). Ist das Bier im Supermarkt eigentlich auch 10 % teurer geworden?
… die DFL, die eine Reform des Spielplanes verabschieden will. So soll die Winterpause fallen (sinnvoll) und es sollen Spiele zur Mittagszeit erlaubt werden um die Fernseheinnahmen zu erhöhen. Na dann herzlichen Glückwunsch. Warum bleibe ich dabei, dass von der neuen 3. Liga der Regelspieltag irgendwie Mittwochs 18 Uhr wird, weil sich angeblich ja schon Kömel für die Fernsehrechte interessie