Norbert regt sich auf vom 3.9.2007
über
Sehen Sie jemandem einen Fehler nach
oder
Alkohol war schon lange kein Problem mehr
Montag morgen, man sitzt komplett steif auf der Arbeit. Kopf? Geht! Müdigkeit? Geht! Gliederschmerzen? Oh, ja. So schön schnell ein ICE ist, so schön viel Beinfreiheit man in den Teilen hat, es reicht nicht. Dazu gibt es heute noch ein paar Anmerkungen zum Vereinsleben, und auch der beginnende Wahlkampf für AR und Präsidium soll nicht unkommentiert bleiben. Die AFM hat auch bald Versammlung und auch dort kann ein kleiner Kommentar nicht unterbleiben. Unser Stadion wächst immer noch in Zeitlupentempo, da gibt es schlichtweg nichts Spannendes/Neues. Letztendlich ist noch der Intergalactic Fraktion für die Überschrift zu danken. Doppelüberschriften gibt es sowieso so lange, bis die wieder regelmässig selber in die Tasten hauen.
Vor eine solche Auswärtsfahrt sollte man eigentlich einen ruhigen Samstag legen. Dies war aber nicht einzuhalten, denn erstmal musste mein Schwesterherz durch den Triathlon begleitet werden. Dass sich aus meiner Familie noch irgendjemand zum Extremsportler entwickelt hätte ich auch nie für möglich gehalten. War aber letztendlich in 1:43,21 (Sprintdistanz) kein Problem, auch wenn die Alster „so kalt war, dass ich kotzen wollte“. Und die Nebenleute guckten etwas komisch, als ich ihr nach der Schwimmdistanz ein „Locker!“ zuwarf und sie mit *motz* antwortete. Lachen mussten die Leute neben mir aber, als ich sagte, dass sie das seit 34 Jahren von ihrem Bruder ertragen muss.
Und Abends ging es dann noch zu „Wir sind Helden“ und zu Dr. H, der da meinte, am 2.9. Geburtstag zu haben. Nebenbei ein prägendes Element dieses Tages. Da er aber reinfeierte, waren wir sozial gezwungen, bis 0:00 Uhr auf einer netten Party zu verweilen. Und wenn nicht wieder Fussball die Macht übernommen hätte, dann hätten wir Dr. H. wahrscheinlich bis zum Morgengrauen hochleben lassen.
5 Stunden später klingelte dann der Wecker, sprich in der Zwischenzeit waren immerhin 4 Stunden Schlaf angefallen. Dankenswerterweise wurde ich nach Altona gefahren, wo bereits die üblichen Verdächtigen und unser Reiseleiter Schatzi warteten. Der Zug rollte auch pünktlich ein und eigentlich wäre alles ganz entspannt gewesen, wenn nicht der Zugteil Wuppertal den verschlossenen Teil Bielefeld mit sich geführt hätte und diese beiden Teile falsch herum am Gleis gestanden hätten. So liefen wir halt den halben Bahnsteig wieder zurück, bis wir unsere Plätze hatten. Mit Geschick und Heike hatten wir sechs schöne Plätze für den BlöVo, die Intergalactische, die beiden Vagabunden und den einen 42er (plus eben der Sitzbesetzerin) gefunden und eine entspannte Fahrt konnte mit lecker Frühstück begonnen werden.
Die Reisegruppe bestand aus 45 netten Leuten, 2 halben Idioten und 2 Vollidioten. Und letztere sorgen dafür, dass man nicht einfach über die Fahrt schreiben kann „es war super entspannt und super nett“. Nun war auf dem Hinweg nicht mal das Rauchverbot in Zügen ein wirkliches Problem. Geraucht wurde halt kurz im Freien bei den kurzen Zwischenhalts. Das ist zwar prinzipiell auch verboten, aber da stört es ja nun wirklich niemanden und man soll ja auch nicht päpstlicher als der Papst sein. Was nebenbei auch die Zugbegleiter meinten, die ebenfalls da standen und kurz eine durchzogen. Nennen wir jedoch unseren einen Mitfahrer mal „Tin“ (kleiner Insider). Tin meinte, dass man mit Personal in einem Speisewagen erstmal über die Preise diskutieren muss. Alleine das finde ich schon super nervig. Wenn dann aber auch noch auf die Frage seines „Kumpels“ (kein Plan, ob die wirklich zusammen gehörten, er hat von ihm Geld bekommen für beide), wo denn das Leberkäsebrötchen bleibt, die Antwort lautet „Das sieht gut aus, ich mein jetzt die Bedienung, aber nicht deren Arbeitstempo“, dann ist das einfach nur Scheisse. Ansprache? Versucht, kam in einem komplett versoffenen Hirn nicht an. Zum Bild passt es natürlich, dass genau Tin der war, der zwei Minuten, bevor wir raus mussten (um zum Regionalexpress zu eilen) mit einem neuen Weizenbier zu seinem Platz kommt. Wenn der etwas später gekommen wäre, dann wäre der vollkommen ohne Peilung nach München gefahren. Wir kommen später auf Tin zurück, seid gespannt.
Nun sind wir aber wieder im Speisewagen, wo zwei Ultras es sich ultra-gut gehen liessen und erstmal Frühstück genossen. Das nenn ich doch mal dekadent.
In Würzburg ein bisschen Hektik, da unser ICE doch ganz ordentlich Verspätung eingefahren hatte und wir nur zwei Minuten zum Umsteigen hatten, aber der Zug wartete und so konnten wir uns entspannt Plätze suchen. Langsam auch die ersten Südzecken, es blieb aber alles im Rahmen, wobei ich den Alkoholgenuss von offensichtlich Jugendlichen (die waren vielleicht 16 bis 18 und pfiffen sich um 11:00 Bacardi Cola in rauen Mengen rein) immer noch bedenklich finde. Im Regionalexpress wurde dann das Klo in ein Raucherzimmer umgewandelt, was ja auch irgendwie nicht Sinn der Sache sein kann. Man kann der Bahn nur empfehlen, sich dort Rauchmelder anzuschaffen.
Ansonsten muss aber bemerkt werden, dass sowohl im ICE wie auch im Regionalexpress alle Klos komplett sauber blieben. Nur im ICE gab ein Klo sein Geist auf, aber das lag wohl nicht an der Nutzung.
In Würzburg funkte die Polizei schon ganz hektisch und in Fürth empfing uns dann das USK. Aber man wurde nicht daran gehindert in die Stadt zu gehen. Nur die eine Richtung, die nicht zielführend war im Bahnhof, die hatten sie komplett abgesperrt. Zwar wurde man freundlich auf Busse zum Stadion hingewiesen, aber wenn man auf einem Gang in die Stadt bestand, dann wurde man auch durchgelassen. Auch oben war kein Kessel oder so da. Insgesamt muss ich sagen, dass ich mit einer solchen Polizeitaktik leben kann.
Ich seilte mich mit Franca ab vom Rest des Schützenfestes und ging erstmal meine Karte suchen. Das war hier nicht ganz einfach, die war nämlich in einem Hotel untergebracht. Das wurde aber schnell gefunden und anders als in Düsseldorf (das war meine erste Erfahrung mit einem Hotel) war die Karte auch schnell gefunden.
So konnte ich mit Franca noch spazieren gehen und schnacken und schlug etwas später am Gästeblock auf, wo das zweite Geburtstagskind geherzt werden konnte. Denn heute war ja Ralf(ph) Tag, denn ungefähr jeder Ralph(f) in diesem Verein hatte Geburtstag.
In den Innenraum, wo ich ein bisschen hin und hergeschickt wurde, bis ich denn ein formschönes Leibchen hatte. Dort auch den anderen 42er vor Ort getroffen, der in seiner Rolle als SpoMi Reporter schon die Aufstellung hatte und die Taktik von Stani persönlich im Schreibblock hatte. Die Überraschung war unserem Teamchef gelungen, denn er änderte die Mannschaft auf insgesamt vier Positionen. So richtig zwingend waren diese Wechsel nicht. Sie waren aber auch nicht alle vollkommen überraschend, denn Brunnemann und Gunesch hatten auch schon bessere Spiele gemacht. Bei letzterem war das natürlich menschlich am Rande des Machbaren, den an seinem Geburtstag auf die Bank zu setzen. Und wenn das in die Hose gegangen wäre, dann hätte Stani richtig Feuer bekommen.
Ich denke aber auch, dass die Massnahme noch einen anderen Grund hat: Wir haben ca. 18 Spieler, die absolut auf einem Niveau sind und da muss ich auch mal wechseln, um alle bei Laune zu halten. Und ich vermeide so, dass sich Stammspieler „zu sicher“ fühlen. Ich denke, in dieser Mannschaft sind prinzipiell nur zwei bis drei Feldspieler gesetzt. Das ist Takyi, das ist Morena und das ist vielleicht noch Trojan. Alle anderen haben Konkurrenten, die direkt in ihrem Nacken lauern. Und gerade in der Abwehr wird es zu Härtefällen kommen und das wird noch schwieriger, wenn Lechner wieder volle Stärke erreicht. Zur Zeit ist dort Rothenbach gesetzt und überzeugt durch grossartige Leistungen, aber wenn Lechner wieder da ist, dann kommt es da auch zum Zweikampf. Und im Sturm rotiert Stani ja sowieso gerne. Da hatte nie ein Stürmer seinen Platz sicher, auch wenn er gerade ein Tor gemacht hat.
Aber kommen wir zum Geschehen des Tages zurück. Ralle wurde also auch gratuliert, und so richtig glücklich kann der nicht gewesen sein. Er meinte sowieso, dass Geburtstage als Fussballer ihre Bedeutung verlieren, weil man nie richtig feiern kann. Irgendwie auch die Schattenseite dieses Berufes.
Ansonsten muss man mal einen relativ entspannten Umgang mit Gästefans notieren. Die Einlasskontrollen waren noch vollkommen bescheuert, denn man durfte z.B. eine Kette an der Geldbörse nicht mit reinnehmen (dies wohl nur am Anfang, später war das dann kein Problem mehr) und die Verwahrung sollte auch noch 50 Cent kosten (Schweinerei so etwas). Im Block selber waren dann jedoch relativ viel Utensilien erlaubt und auch Transparente durften aufgehängt werden. Und für die war selbst soviel Platz vorhanden, dass dieser gar nicht zu 100 % gefüllt werden konnte. Die Ordner vor dem Block waren insgesamt auch ganz entspannt, wenn man mal von einem Heisssporn nach dem Spiel absieht, der mich das Transparent nicht abhängen lassen wollte. Und das fest angebrachte Vorsängerpodest (das von den Heimfans nicht genutzt wird) ist ja wohl ganz grosses Tennis. Das wollen wir am Millerntor bitte auch.
Insgesamt gut 1000 bis 1500 braun-weisse hatten sich auf den mehr oder minder weiten Weg gemacht. Franca wollte das Fanladenshirt ja schon mit ihren Anfahrtskilometern ergänzen, was dann heute gerade mal 10 gewesen wären. Der Block ging auch gut mit, und ich sag mal gut 95 % der Leute waren auch super drauf, korrekt und können gerne wieder kommen. Nur - wie üblich redet man über die 5 % die es nicht waren. Ein ständiger Bierbecherflug war zu beobachten. Eine Unsitte, die einfach nur scheisse ist. Dazu noch schwulenfeindliche Sprüche und als die Frau eine Ansage bekommt, macht sie sich noch lustig darüber. Als sie dann erneut eine Ansage bekommen hat, ist sie heulend raus. Zu beobachten sind einfach auch Leute, die komplett lattenstramm sind. Das muss nun echt nicht sein. Wobei sich diese 5 % nebenbei gleichmässig auf Hamburger und Südzecken verteilen. Und genau diese 5 % prägen dann leider auch den Eindruck des Haufens.
Der Block ging wirklich gut ab, und auch auf der gegenüberliegenden Seite war er gut zu hören. Das liegt nebenbei auch an unserem Auswärtsvorsänger, der echt Talent für Massen hat. In Jena z.B. steigt er auf den Zaun und begrüsst erstmal die Leute, eine Geste, die ich einfach gut fand, sie bringt Lockerheit. Und auch diesmal war das aus meiner Sicht ganz grosser Vorsängersport. Und endlich hüpft von einem braun-weissen Block mal ca. 70 %. Das sah richtig klasse aus.
In der Halbzeit konnte ich mein neustes Spielzeug ausprobieren, eine UMTS-Karte. Das ist schon was Lustiges. Und so konnte sich der Verein bereits in der Halbzeit auf ein paar Bilder freuen.
Ja, kommen wir zum Spiel. Schon auf der Hinfahrt hatte irgendjemand sein Horror-skope aus der MopS (Mopo am Sonntag) vorgelesen und da stand die Überschrift dieses Berichtes drin. Warum nur wurde dieses Horror-skope auf dem Rückweg noch mehrfach zitiert? Der Bock von Borger ist eigentlich gar nicht das Rauslaufen. Das war so ein Ding, das leider mal passiert und das auch auf einem Fehler vorher basiert. Der Bock war, dass er in der Nachspielzeit das Spiel noch schnell machen will. Wenn man nicht den 100 % sicheren Pass hat, dann ist es in dieser Situation einfach Unsinn, da Hektik reinzubringen. Und so kam der Ball postwendend zurück und der Rauslaufbock passierte und scheisse war’s. Das Ding war alleine Paddys Scheisse. Damit flammte dann auch wieder die Torhüterdiskussion auf, die aber genauso unsinnig wie überflüssig ist. Natürlich steht bei uns kein Kahn oder Lehmann zwischen den Pfosten. Natürlich macht Paddy Fehler. Aber das machen in der Preisklasse alle Torhüter. In diesem Verein wird ja immer der Maly von Wuppertal so vergöttert, aber habt ihr den mal gesehen, wenn der nicht gegen uns spielt? Dann macht der auch Fehler. Nur gegen uns hat er in den letzten Jahren immer das perfekte Spiel gehabt. Ob er das auch immer für uns hätte, wage ich zu bezweifeln. Paddy war diese Saison schon für mindestens zwei Punkte gut (in Jena), diesmal hat er einen zum Fenster raus geworfen. Macht aus meiner Sicht immer noch plus 1.
Ansonsten muss man das ganze echt positiv sehen. Wir haben gegen eine Truppe, die definitiv zu einer der stärksten in der 2. Liga gehört (und dies, obwohl die keine grossen Namen hat), gut mitgehalten und in der 2. Halbzeit eigentlich keine wirkliche Torchance zugelassen. Rothenbach muss ich wahrscheinlich nicht mehr loben, der wird nun langsam auch von den Zeitungen entsprechend gewürdigt.
Insgesamt sind wir nach 4 Spielen im Soll. Wir haben zweimal glücklich gewonnen und zweimal unglücklich verloren. Das ist gerade in Zeiten der drei Punkte Regelung viel wert, denn vier unentschieden (und das wäre viermal gerecht gewesen) wären ja nur vier Punkte gewesen. Und wenn wir weiterhin aus allen vier Spielen 6 Punkte holen, dann wären wir am Ende der Saison bei 51. Das reicht locker für den Klassenerhalt. Und sollte Freiburg heute abend so brav sein und gegen Hoffenheim gewinnen, dann sind es immer noch fünf Punkte zu einem Abstiegsplatz. Im schlimmsten Fall wären es 4 Punkte. Nun jedoch kommen zwei absolute Hammerspiele mit Offenbach und 1860. Aus den beiden Spielen irgendwie drei Punkte und ich wäre absolut zufrieden.
Natürlich schielt jeder braun-weisse bei dieser unattraktiven 2. Liga nach oben und natürlich wäre ein Punkt und damit der Aufschluss zur Spitzengruppe sehr schön gewesen, aber auch dahin stehen uns immer noch alle Türen offen. Einfach die nächsten beiden Spiele gewinnen und wir sind richtig lecker dabei. Und selbst wenn wir nun beide Spiele verlieren, können wir höchstens und im übelsten Fall 2 Punkte hinter dem Erreichen unseres Saisonzieles liegen. Ich denke, wir stehen gut da.
Nun galt es aber die Rückfahrt zu beginnen. Bis Nürnberg begleitete mich noch Franca. Ich nahm die U-Bahn, was zu einer frühen Ankunft in Nürnberg führte. Dort konnten wir uns erstmal mit Getränken und ein bisschen Essen eindecken und dann auf den ICE warten. Die nicht wirklich glückliche Mannschaft trottete noch an einem vorbei, wobei denen anzumerken war, dass sie genervt waren. Hinzu kommt noch, dass sie einen Zug später nahmen und dementsprechend da noch rum hängen mussten. Und wenn du dann die Auswahl zwischen Burger King und McDonalds hast, dann ist die Ernährungsberaterin soweit weg wie Hamburg von Fürth. Sei ihnen trotzdem gegönnt.
Dann galt es sich von den ganzen befreundeten Südlern zu verabschieden und sich wieder in alle Himmelsrichtungen zu verteilen. Es folgte wieder der Auftritt von Tin. Erstmal fährt er nach Würzburg, wobei auf den Zetteln deutlich stand, dass wir über Nürnberg zurück fahren. Erstaunlicherweise findet er aber in Würzburg den Weg in den Zug. Nur leider hat er wohl irgendwelche Sachen im anderen Zug zurückgelassen, denn mit dem Einsteigen fängt er an diese in den Ablagen des ICE zu suchen. Dies war schon komplett skurril. Und wurde noch skurriler, als er die Schaffnerin (die das glücklicherweise mit Humor nahm) mit Suchanfragen nervte. Angeblich soll er schon auf dem Hinweg Sachen verloren haben, was seinem Zustand absolut entsprechen würde. Und so war auch die zweite Überschrift geboren.
Leider prägt so etwas immer den Auftritt des Haufens, aber die Schaffner waren glücklicherweise entspannt und der eine erzählte auch noch, dass er Kickersfan ist. Mit dem Ergebnis, dass er sich ein paar Eintracht Frankfurt-Gesänge anhören muss, was er aber auch mit Humor nahm.
Leider war die Nerverei noch nicht zu Ende, denn ein anderer Volltrottel musste unbedingt anfangen, im Abteil zu rauchen. Und als Stefan ihn sich zur Brust nahm nutze das auch nicht viel, und so fand er sich kurze Zeit später nach erneutem Rauchen auf dem Bahnsteig wieder. Selber Schuld. Stand nun deutlichst auf dem Zettel, den jeder in die Hand bekommen hat.
Ansonsten wurde die Rückfahrt zum Quatschen und zum Vorbereiten der Bilderserie genutzt, denn netterweise fanden sich in dem Zug Steckdosen unter den Sitzen. So konnte sich fc42.de direkt nach der Ankunft in Hamburg über Bilder freuen.
Und ich mich um 23:30 auf mein Bett.
… folgende Erklärung der im Lenkungsausschuss sitzenden Fangruppen:
Fanfreundliche Neukonstruktion des Millerntor Stadion nicht gewünscht?!
Zu Beginn der Planung für die Rekonstruktion unseres Millerntor Stadions im August 2006 hieß es in einem Vorschlag vom Präsidium und Aufsichtsrat des FC St. Pauli:
„Die operativen Maßnahmen im Gesamtprozess werden von der sog. Projektgruppe umgesetzt, die sich aus dem Geschäftsführer und dem Präsidenten des FC St. Pauli, sowie einem Planer und einem Berater zusammensetzt. Diese Projektgruppe berichtet an die „Lenkungsgruppe“, die als Beirat der Projektgesellschaft fungiert. Die Lenkungsgruppe trifft die Grundsatzentscheidungen und überwacht die Arbeit der Projektgruppe. Sie trifft die Entscheidungen mit einfacher Mehrheit.“
Dieses wurde vom Präsidium, von Corny Littmann auf der Mitgliederversammlung im CCH am 20. November 2006, noch einmal bekräftigt und damit die Einbindung von FanvertreterInnen in die Rekonstruktion des Stadions beschlossen.
Nach nun genau einem Jahr und zehn Treffen dieser Lenkungsgruppe ist die Einbindung von FanvetreterInnen gescheitert und die beteiligten Fan-Gremien werden sich mit sofortiger Wirkung aus der „Lenkungsgruppe“ zurückziehen.
Die FanvertreterInnen bzw. die gesamte Lenkungsgruppe, zu der auch noch VertreterInnen der AFM und vom Amateurvorstand gehören, wurde in diesem Jahr in nahezu keine der anfallenden Grundsatzentscheidungen eingebunden, eine Überwachung der Arbeit der Projektgruppe konnte nicht stattfinden. Informationen aus der Arbeit der Projektgruppe gab es nur auf Nachfrage oder durch Zufall, es fand nur eine unzureichende Berichterstattung zur laufenden Planung und Arbeit seitens der Projektgruppe gegenüber der Lenkungsgruppe statt. Selbst kleinere und eher unwichtige Grundsatzentscheidungen (z.B. die Farbe und Anordnung der Sitze auf der neuen Südtribüne) wurden letztlich nicht von der Lenkungsgruppe gefällt bzw. Entscheidungen der Lenkungsgruppe zu der Thematik wurden später „aus Kostengründen“ wieder von der Projektgruppe gekippt.
Dies lässt uns zu dem Schluss kommen, dass die Lenkungsgruppe als Gremium von den Verantwortlichen nicht ernst genommen wird. Das Präsidium nahm nur an einem Bruchteil der Sitzungen teil, ebenso der bezahlte Projektleiter Dr. Binz. Wünsche der Lenkungsgruppe, Nachfragen der FanvertreterInnen wurden nur teilweise, verspätet oder auch gar nicht beantwortet.
Ein Jahr lang haben wir dieses Verhalten gegenüber dem Gremium angemahnt, Fristen gesetzt, die Tagesordnungen mit fanrelevanten Themen gefüllt und unser Unverständnis und Unwillen gegenüber der Situation geäußert. Wir waren zu einer konstruktiven Mitarbeit gewillt und haben teilweise Kompromisse im Sinne des Vereins mitgetragen, die unseren Wünschen als Fans für ein neues Stadion nicht entsprachen. Wir haben monatlich versucht, die Entscheidungsträger zu einem Umdenken zu bewegen und uns das versprochene Mitsprache- und Entscheidungsrecht einzuräumen. Das ist wiederholt nicht geschehen, weshalb wir nicht länger bereit sind durch unsere Teilnahme die Lenkungsgruppe künstlich am Leben zu erhalten, da sie unter diesen Umständen vielmehr den Anschein erweckt, ein Feigenblatt zu sein.
Wir sehen uns gezwungen, diese Situation jetzt öffentlich zu machen, um den Rest der Fanszene zu informieren. Wir wollen nicht am Ende für (teilweise fanfeindliche oder der Fanszene nicht entsprechende) Entscheidungen mitverantwortlich gemacht werden, die wir nicht mitgestalten oder abstimmen konnten.
Wir wollen nicht Teil eines elitären Kreises sein, dem Entscheidungen seitens der Projektgruppe vorgestellt werden, ohne diese ändern oder stoppen zu können.
Aus diesem Grunde verlassen wir die Lenkungsgruppe. Wir bedauern sehr, dass der Verein eine große Chance zur Einbindung von Fan-Interessen in die Rekonstruktion des Millerntors vergeben hat. Wir waren zu einer konstruktiven Mitarbeit bereit, die Projekt-Verantwortlichen leider nicht.
Wir erwarten von der Vereinsführung und der Projektgruppe, dass in Zukunft regelmäßig Informationsabende über die Fortschritte und Pläne der Rekonstruktion stattfinden. Diese Informationsabende dürfen nicht einem kleinen Kreis vorbehalten, sondern sollten offen für alle interessierten Mitglieder und Fans sein.
Hierzu laden wir gern in regelmäßigen Abständen sein.
Diese Erklärung sollte gestern, am Donnerstag, 30. August 2007, den Verantwortlichen vorgestellt werden mit der Möglichkeit, dazu Stellung zu beziehen und eine Umkehr unseres Entschlusses zu erreichen. Doch wieder einmal war niemand vom Präsidium oder der Geschäftsführung anwesend. Dadurch haben sich die Gründe für unseren Entschluss leider bestätigt.
Sankt Pauli, 31. August 2007
Fanladen St. Pauli Sprecherrat der offiziell eingetragenen Fanclubs des FC St. Pauli Ultrà Sankt Pauli
Dazu folgende Anmerkungen: Auch wenn das schon wieder einige da hinein lesen: Dies ist keine Anti-Littmann-Erklärung. Vielmehr wird die gesamte Geschäftsführung des Vereines kritisiert, und dies absolut zu Recht. Es ist mehr als bedauerlich, dass es nicht gelaufen ist. Und das hört man ja schon seit Monaten aus dem in diesem Verein üblichen Buschfunk. Abwertend heisst es da dann „Die dürfen über die Farbe der Sitze entscheiden“ oder „Ist vollkommen überflüssig“. Das ist richtig. Natürlich braucht man so etwas nicht. Man kann auch einfach ein Stadion bauen, und Stadien tendieren dann ja dazu, sich ihr Publikum zu machen. Aber so wurde das Projekt bei uns nicht vorgestellt. Und so ist es sehr schade, dass es nun doch so kommt. Horrorszenario gefällig? Versitzplatzung der GG und damit nur noch 3000 Stehplätze wären absolut im Bereich des Denkbaren. Und das würde nicht zu weniger Publikum führen, sondern nur zu einem anderen Publikum. Es ist mehr als bedauerlich, dass von der leitenden Ebene keiner bereit ist, mal ein bisschen auf die Leute zuzugehen und sie zu informieren und einzubauen. Das kann doch nicht immer ein Widerspruch sein? So läuft Vereinsleben nicht. Aber leider wird auch dies nicht zu einem entsprechenden Aufschrei über die Grenzen der sehr kleinen aktiven Szene kommen. 90 % der Leute werden das für „notwendig“ und für „muss so leider sein, sonst bekommen wir kein Stadion“ halten. Schade. Es bleibt nur zu hoffen, dass trotzdem Faninteressen zum Tragen kommen und ein Unterrang Platz bei uns nicht auch bald zwingend 40 Euro pro Spiel oder eine Dauerkarte voraussetzt (wie beim Lokalrivalen).
Fakt ist auch, dass sich hier zeigt, dass das neue Präsidium keine Person hat, die „für den Verein“ da ist. Dies ist schon nach dem Kompromiss und dem Ausscheiden von Rummelhagen kritisiert worden. Denn nur so einer hätte ja da sein müssen. Niemand erwartet, dass da Littmann ständig auftaucht. Aber wenn es so einen Mittler gegeben hätte und man Faninteressen ernst genommen hätte, dann wäre vieles möglich gewesen. So ist leider nichts möglich. Und um es mal deutlich zu machen: Nicht immer sind Faninteressen gegensätzlich zu denen eines Vermarkters oder eines Investors. Ganz im Gegenteil. Durch kreative Ansätze kann man am Ende Dinge schaffen, die viel mehr Geld bringen und die das Stadion für Fans annehmbarer machen. Welche Auswirkungen dies auf andere Ideen hat, die es von Fanseite zum neuen Stadion gibt (und ich kann euch sagen, da sind echte Träume bei), wird sich zeigen.
… so langsam beginnt auch der Wahlkampf um die Aufsichtsratsposten und der Wahlkampf zum Präsidium. Bei letzterem kann man noch nichts sagen, denn aus meiner Sicht kommt es hier entscheidend auf das Gesamtpaket an. Littmann als teilweise sehr schwieriger „Macher“ ist allemal eine Basis, die aber auch ergänzt werden muss. So fehlt im aktuellen Präsidium definitiv jemand „für den Verein“. Der Ball liegt aber nun im Spielfeld von CL, der nun Kandidaten nominieren muss, die dann erneut wieder nur aus wichtigem Grund vom AR abgelehnt werden können. Warten wir also diese Wahl ab.
Beim AR sind wir auch nicht viel weiter. Es soll wohl Kandidaten geben, die vom Amateurvorstand und der AFM vorgeschlagen werden. Das sind Leute, bei denen man sich die Wählbarkeit schon mal genau angucken kann. Angeblich soll ja Lars Sörensen (jetziger Kassenprüfer) kandidieren wollen (so zumindest das Abendblatt). Das wäre allemal eine gute Wahl, denn der hat ja nun in seinen Jahren als Kassenprüfer gezeigt, dass er auch in heissen Phasen einen kühlen Kopf bewahren kann und dass er was von seinem Handwerk versteht. Und vom Fach ist er als Steuerberater auch. Wer sonst noch kommt? Wir werden es sehen. Wichtig erscheint mir, dass wir Leute finden, die a. vom Fach sind (Unternehmer, Juristen, Steuerfachleute oder ähnliches), die aber auf der anderen Seite dort weder den Frühstücksdirektor mimen und alles unkritisch sehen noch alles kritisch sehen. Und ganz ehrlich: Ex-GAL- und immer-noch-GAL-Leute haben wir eigentlich genug in der Leitung des Vereines. Ihr fühlt euch angesprochen? Kandidiert! Ein Traum wäre natürlich, wenn wir es schaffen würden in diesem Kompetenzbereich auch noch eine Frau zu finden. Denn der weibliche Einfluss in diesem Verein ist wirklich gering. Oder vielleicht eine Vizepräsidentin? Corny, das wäre doch mal was. Nur bitte nicht Fr. Sager, da wären wir nämlich wieder bei Ex- und immer noch GAL…
Die von Corny angesprochene neue Struktur ist erstmal eine richtige Baustelle, denn eine wirklich gute Verteilung zwischen hauptamtlich und ehrenamtlich tätigen Leuten ist in diesem Verein nicht gegeben und wird von jedem angemahnt. Da wird es spannend sein, welche Konzepte vorgelegt werden. Ich finde zumindest, dass da die richtige Baustelle aufgemacht wird.
… die AFM Versammlung steht auch an und auch hier ist ein bisschen Wahlkampf angesagt. Leider verabschiedet sich mal wieder ein Kassenwart, eine Position, die echt der Schwachpunkt der Abteilungsleitung ist. Nun kandidiert dort Andre, der vielen besser als BlöVo Andy bekannt sein wird. Allemal vom Fach, und es bleibt zu hoffen, dass sich damit ein Kassenwart findet, der die AFM voran bringt. Der Mensch gehört nun zu dem engsten Kreis meiner Leute bei St. Pauli, insofern kann ich ja natürlich nur Vorschusslorbeeren geben. Leider nicht gefunden hat sich bisher (mal wieder) ein Kassenprüfer. Notwendige Kompetenz? Siehe im letzten Absatz. Ihr fühlt euch angesprochen? Kandidieren!
Die Abteilungsleitung der AFM steht ansonsten nicht zur Wahl. Trotzdem ist sie zu beurteilen. Und da wird sich zeigen, was aus den Ankündigungen der letzten Jahre geworden ist. Wie sieht der Fuhrpark aus, der uns seit zwei Jahren versprochen wurde? Was ist noch passiert? Daraus kann man dann auch sehen, was in den nächsten zwei Jahren so passieren kann. Insbesondere da wir nun mehr Geld haben und dies für die Jugend ausgegeben werden muss.
Mir bleiben