Norbert regt sich auf vom 24.9.2007

 

über

Bock from Hehl

oder

Sankt Pauli ist die einzige Möglichkeit

Präklotum

Liebe Leser, Schnapsideen sollte man nicht verwirklichen. So etwas führt immer zu komischen Situationen. Und so entsteht zumindest der Beginn dieses Berichtes, während ich während der Todesschicht von 02:00 bis 04:00 vor dem Klo von Wagen 4 ausharre. Wie es dazu kam und alle anderen Details einer kranken, aber interessanten Tour:

Jetzt gehen wir in den Liegewagen

„Eine Sonderzugfahrt ohne ein Besuch des Zugendes ist keine Sonderzugfahrt. Was ist der Sinn des Lebens? Warum tun wir dies? Warum schlägt unser Herz braun-weiss? … denn ganz egal, was auch geschieht, wir werden immer bei dir sein… Ist Sankt Pauli wirklich die einzige Möglichkeit? We love you, and when you play we follow… Gedanken am Ende des Zuges; kurz nach ein Uhr am 22.9.2007.“

Aber – und dies ist ein Satz, der diese Kolumne über Jahre prägt – fangen wir doch vorne an.

Jede Fahrt hat ihre Vorgeschichte, und so auch diese (noch so ein Satz, der in ca. 320 Ausgaben dieser Kolumne ca. 250 mal vorgekommen ist). Irgendwann hatten wir mal ein abendliches Gespräch, bei dem es um die Frage ging, warum einige Leute nicht mehr mit Sonderzügen fahren wollen. Viele dieser Leute nannten als Grund, dass die Toilettensituation grauenhaft sei und man nie die Möglichkeit habe, auf ein sauberes Klo zu gehen. Der Schreiberling dieser Worte meinte daraufhin (sinngemäß): „Hey, kein Problem, dann machen wir halt ein kostenpflichtiges Klo und halten es sauber“. Und so sollte es bei der München Tour auch gemacht werden. Kurz mit dem Fanladen Rücksprache gehalten, die von der Idee begeistert waren, und schon sollte es ein solches Klo geben. Mitstreiter fanden sich über das Forum relativ schnell. Hier sei insbesondere der junge Mann genannt, der als Tante Tilly schreibt, denn er hat auch noch über elegante Fügungen alles Material mitgebracht.

Trotzdem muss man als Organisator natürlich die eher unangenehmen Schichten übernehmen, und so fühlte ich mich gezwungen, neben der relativ einfachen Anfangsschichten auf beiden Fahrten auch die Schicht von 02:00 bis 04:00 auf der Rückfahrt zu übernehmen.

Los war in dieser Schicht absolut gar nix mehr, so dass ich nun alleine auf dem kalten Gang sitze und eben diesen Bericht schreibe. Ansonsten war das aber ein voller Erfolg. Nicht nur, dass ungefähr 100 Euro für den Fanladen reingekommen sind, die Leute haben sich auch echt gut benommen, so dass die Reinigung des Klos kein wirkliches Problem darstellte.

Nun aber zu den anderen Geschichten dieses langen Tages. Kurz nach 23 Uhr fanden sich die Personen meines Abteils in Altona ein. Natürlich – und wie immer – viel zu früh, aber man merkt, dass man seinen Freundeskreis richtig gewählt hat, wenn alle aus dem Abteil zu früh sind.

Wagen 4 direkt neben dem Partywagen sollte nun für die nächsten gut 32 Stunden unser Domizil werden. H. hatte bereits zu Beginn äusserste Bedenken, dass es zu laut und zu fürchterlich werden würde, aber ausser einem Generator, der laut mitlief, war das alles im Rahmen. Insbesondere da unser Zug zwar sonst mehr als museumsreif und verdreckt, der Partywagen aber echt grosse Klasse war, über er zwei Waggons ging und genügend Platz für das Partyvolk bot. Dies bestand nebenbei zum grössten Teil aus unseren kurzhaarigen Freunden, die echt zwei Nächte richtig fett Gas gaben.

Unsere Abteil-Besatzung nutzte den Partywagen aber eher nicht, sondern unterhielt sich lieber über komische Themen und mit dem schönsten Mann der Welt. So wurde eben die Überschrift festgestellt und Martini zum Geburtstag gratuliert. Und als die Kloschichten geschafft waren, versuchten Mann und Frau irgendwann zu schlafen. Was mir zumindest nicht wirklich gelang, mir fehlten zwar einzelne halbe Stunden, aber das ist nicht wirklich echter Schlaf. Gerade wenn man sich an die Lärmkulisse durch Fahrtgeräusche und Partywagen gewöhnt hatte, dann änderte sich irgendwas, weil der Zug langsamer wurde oder weil irgendjemand unsere Tür aufschob. Und schon war man wieder wach. Gegen sechs stellte man dementsprechend die Versuche zu schlafen ein und frühstückte lieber Bier, Nudelsalat von Falko und die Frikadellen von Falko. Insbesondere letztere immer ein absoluter Genuss. Ein Genuss war dann auch das Deo einer mitreisenden Dame, die den Geruch selbst als „leicht modrig“ klassifizierte. Ein Mitfahrer kommentierte ihn trotzdem mit „Bom Chicka WahWah“. Aber er riss weder sich noch ihr die Kleider vom Leib.

Ansonsten war der Sonderzug zum einen nur sehr spärlich besetzt, was dem Fanladen ein Minus bescherte. Das ist natürlich sehr schade. Gerade wenn man dann wieder sieht, dass die Gruppen, die überall hinfahren, natürlich gut vertreten sind, aber gerade die ganzen Leute, die im Forum getrommelt haben, dass da doch unbedingt eine Fanladenfahrt stattfinden muss, nur sehr spärlich anwesend sind. Und natürlich ist es fett, dort mit ICE anzureisen, aber ein bisschen Solidarität mit dem Fanladen bringt auch mal was. Auf der anderen Seite war es so aber auch ein absolut entspannter Sonderzug mit sehr wenig Ausfällen.

Als geübter Sonderzugfahrer weiss man eines: Lass nichts, was auch irgendwie von Wert sein könnte, im Zug. Und was du im Zug lässt, dass schliesse an, denn ansonsten wird auch dieses entwendet. Dementsprechend wurden unsere Rucksäcke von Wertsachen befreit und alles angeschlossen. Eine gute Idee, wie sich später zeigen wird.

Nun waren wir aber in München und durften uns auf die ersten Begegnungen mit der Staatsmacht freuen. Bevor man überhaupt den Freistaat betreten durfte, gab es erstmal eine Personenkontrolle. Während ich noch mit entwaffnender Freundlichkeit grösseren Angriffen entkam mussten einige Mitreisende eine Filzung ihrer Sachen und Personalienkontrollen über sich ergehen lassen. Wie man so etwas rechtfertigen soll, erschliesst sich mir nicht. Es war schlichtweg Schikane.

Unser Kleingeld von der Klonummer wurde eingeschlossen und dann machte sich meine Reisegruppe auf in den englischen Garten. Bei früheren München-Besuchen hatte ich immer das Gefühl, dass man hier relativ wenig mit privaten Ordnungsdiensten oder Polizei zu tun hat, auch mal entspannt im Gras schlafen kann und es dort die beste Schweinshaxe gibt.

Erstmal musste ich noch meinen fehlenden Orientierungssinn unter Beweis stellen, aber nach ein bisschen irren waren wir am Chinesischen Turm und so konnte erstmal Haxe, Weisswurst oder was auch immer eingenommen worden.

Sehr nett war die Dame an der Kasse, nicht nur dass sie meinen 100 Euro Schein wechselte, sie verzichtete auch auf das Pfand, nachdem die zweite Bestellung ohne Pfand 19,10 Euro ergab. Natürlich haben wir die Gläser trotzdem wieder zurückgegeben. Nachdem die erste Stunde noch vollkommen entspannt war kamen dann leider etwas unsympathischere braun-weisse Leute. Nix gegen singen und trinken, aber so gnadenlos rumzuprollen, wie die es teilweise gemacht haben, ist nicht mein Ding. Wir sassen etwas abseits und genossen lieber das gute Wetter.

Dazu gab es natürlich auch noch ortsübliche Musik, sprich eine Blaskapelle. Als uns das aber irgendwie alles zu laut wurde, legten wir uns noch ein bisschen auf die Wiese. Und hätten die Mädels nicht nach ca. 30 Minuten einen Sabbelanfall bekommen hätte ich gut 90 Minuten schlafen können.

Bis zu diesem Zeitpunkt hatten wir nebenbei keinen einzigen 60er gesehen. Das sollte sich jetzt in der Bahn aber ändern. Die Verkehrsanbindung ist für ein Stadion, das draussen liegt in Ordnung, fährt die Bahn doch eigentlich ständig. Was jedoch Minuspunkte gibt, ist der lange Weg zwischen Bahn und Stadion. Schon komisch, da baut man ein Stadion - und ich meine, auch die Bahnstation neu - und schafft es nicht, beides in einem sinnvollen Abstand zu einander zu halten.

Über das Luftkissenboot ist viel geschrieben worden und die Meinungen gingen denn auch schon im Sonderzug weit auseinander, aber das Negative ist einfach die Umgebung des Stadions. Es mangelt komplett an Gastronomie, und der Zuweg ist eine Einöde, die auf dem Rückweg auch noch schlecht beleuchtet ist. Was noch kranker ist, dass ungefähr 90 % aller Zuschauer auf einer Seite das Stadion betreten müssen, denn sowohl die Parkhäuser wie auch die Bahn liegen alle auf einer Seite des Stadions und ein Herumgehen ausserhalb des Stadions ist nicht möglich. Fantrennung? Hier definitiv nicht möglich. Wer sich hier nach einem Abendspiel boxen will, kann dies entspannt tun. Und da hilft es auch nicht, dass ungefähr alle 10m eine Kamera ist, denn in diesem Gewusel braucht eine Eingreiftruppe der Polizei Stunden, bis man irgendjemanden gefunden hat.

Bereits vor dem Spiel gab es mehrere Auseinandersetzungen mit Sechziger-Pack. So meinten einige Vollidioten, das U-Bahnlied in der U-Bahn singen zu müssen, woraufhin sie freundlich gebeten wurden, doch die Bahn zu verlassen. An der Bahnstation wurden Nazischals verkauft, aber der Versuch einer Südzecke (Fanclub), die vorbeigehenden Leute auf diesen Skandal hinzuweisen, wurde mit einem gleichgültigen „Ja mei“ abgetan. Der eigentliche Skandal dabei ist, dass meines Wissens das Stadiongelände bereits direkt an der Bahn beginnt. Der Typ hat also anscheinend eine offizielle Erlaubnis, da zu stehen. Und dann wird so etwas vom Verein nicht kontrolliert?

Ich wartete also auf die Nürnbergfraktion, deren Karten ich hatte. Ich stand etwas länger und liess die Massen an mir vorbei gehen und wunderte mich, dass alle Leute ohne irgendwelche Gesänge oder so vorbei gingen. Ich bin es gewöhnt, dass vor einem Spiel zumindest vereinzelt Gesänge oder Rufe zu hören sind. Hier blieb alles stumm und ruhig. Liegt das vielleicht an der öden Gegend?

Ich verabschiedete mich dann aus der Fanwelt und durfte in den Pressebereich gehen. Und was die da als Pressebereich haben würde bei uns locker als Tribüne durchgehen. Die haben u.a. einen Raum für Fotografen (wo auch noch Schliessfächer für die örtlich anwesenden Fotografen vorhanden sind) und einen Raum für die schreibende Zunft. Dazu noch einen riesigen Aufenthaltsraum für alle Journalisten und einen Pressekonferenzraum, der in Hamburg als Multiplexkino durchgehen würde. Da sieht man dann doch den Unterschied zwischen Champions League und 2. Liga. Was dabei erstaunlich ist: Werder Bremen hat bei weitem nicht so einen riesigen Raum, und die sind auch Champions League.

Die Gästefans haben noch einen relativ guten Block in diesem Stadion, auch wenn die Preise für Sitzplätze absolut unglaublich sind. 23,10 Euro für ein 2. Ligaspiel ist einfach nur pervers. Erstaunlich, dass trotzdem gut 35.000 Zuschauer da waren. Die angesagte Zuschauerzahl war aus meiner Sicht viel zu hoch. Aber das hat bei Sechzig Tradition.

Das Stadion ist ja ansonsten nur grau in grau, da es von beiden Vereinen genutzt wird. Was aber auffällt ist, wie unterschiedlich mit den Gegebenheiten des Stadions umgegangen wird. Bei Bayern gibt es genug Platz, um Zaunfahnen aufzuhängen, bei Sechzig wird das durch die Platzierung der Werbebanden beinah unmöglich gemacht. Bei Bayern kommen die Gäste in den Oberrang, bei 1860 auch in den unteren Bereich.

Vor dem Spiel noch die übliche Arena Show, die einfach nur nervig ist und bei der ich hoffe, dass sie nie bei uns kommt, und bei der ich es außerdem traurig finde, dass sich leider auch auf St. Pauliseite jemand fand, der das Gewinnspiel des Münchener Sponsors mitmachte und nun die Mannschaftsaufstellung verkünden durfte. Ich weiss, viele werden das toll finden, ich finde es nervig.

Nervig ist auch die Akustik. Support kann man sich hier zum grössten Teil schenken, denn alles geht in einer diffusen Lärmkulisse unter. Die jeweils gegenüberliegende Seite ist nicht zu hören. Traurig eigentlich.

Zum Spiel: Ja hätte, könnte, sollte! Positiv gesagt: Es gibt anscheinend in dieser Liga keine Truppe, die wirklich stärker ist als wir. Negativ gesagt: Wir schaffen es trotzdem nicht, in unseren guten Spielen die notwendigen Punkte zu holen. Ein individueller Fehler (vor dem 1-0) und eine aus meiner Sicht fragwürdige Abseitsentscheidung (vor dem 2-0) und schon ist ein solches Spiel verloren. Warum fragwürdig? Ganz klar, der letztendliche Torschütze steht nicht im Abseits, aber ob ein Spieler, der in der Mitte steht und über dessen Kopf der Ball segelt, wirklich passiv ist, wage ich doch zu bezweifeln. Diese Regelauslegung ist aus meiner Sicht schlichtweg falsch. Paddy würde ich beim 2-0 keinen Vorwurf machen. An einem riesigen Tag hält er den, aber wenn man in einer „so lala“-Form ist, dann kommt man halt mit den Fingern dran und er kullert rein.

Die zweite Halbzeit war dann mit das Beste, was ich von braun-weiss seit langem gesehen habe. Ausser Lokalrivale II kann ich mich an niemanden erinnern, den wir auswärts so an die Wand gespielt haben wie Sechzig. Natürlich kamen die bei steigendem Risiko auch noch zu ihren Chancen, aber ein Ausgleich wäre absolut verdient gewesen. Und wenn der Hackenschuss von Schnitzler a. drin und b. kein Abseits gewesen wäre, dann hätten wir nebenbei noch das Tor des Jahrhunderts geschossen. So blieb es aber bei der unglücklichen Niederlage. Besonders gut gefallen hat mir Ludwig. Da mag man noch so viele menschliche Vorbehalte haben, aber zur Zeit spielt der Junge einfach so, als ob St. Pauli schon immer sein Lieblingsverein gewesen wäre. Wer mir überhaupt nicht gefiel ist Kuru, der erneut einfach schwach und unbeweglich wirkte. Hier fehlt wirklich Sako als Waffe, denn der wäre in den letzten 15 Minuten als Turm in der Schlacht echt Gold wert gewesen.

Nach dem Spiel wurde die Mannschaft – diesmal absolut zu Recht – mit Applaus verabschiedet und für uns begann der lange Rückweg. Erstmal sammelte sich meine Bezugsgruppe an der Bahnstation. Hier kam es zu vollkommen überflüssigen Gedrängel, da das Tor zur Brücke nur zur Hälfte geöffnet war und vor der Brücke auch noch so komische Wellenbrecher stehen. Neben mir ging irgendein Typ ständig mit irgendwas von „Scheissbayern“ ab (war ein Sechziger, der den Lokalrivalen meinte) und sonst lief alles bunt gemischt durcheinander.

Relativ reibungslos ging es dann in den Zug, aber auf dem Bahnsteig knallte es fröhlich, nachdem einige Typen der Marke „Ich meine das ist Ultra und hab nix verstanden“ unbedingt St. Paulianer angreifen mussten. Ist wohl alles aber ohne Schaden auf unserer Seite abgegangen. Die Bahnfahrt artete in einen Sangeswettstreit aus, den fünf anwesende Sechziger klar nach Punkten gegen St. Pauli verloren. Das dargebotene Hamburger Liedgut wird uns wohl ein paar Sympathiepunkte gebracht haben. Und ein paar Lacher waren auch dabei. „We love St. Pauli“ einmal durchgebrüllt im Wechselgesang (passend schon mit „beat the fuckin’ Gladbach“) und beim zweiten mal sagt der Vorsänger nach eben genannter Textzeile nur leise: „Ich will mal ne Pause“.

Am Ostbahnhof stand glücklicherweise schon der Sonderzug und so machten wir es uns bequem. Leider kam es auch hier zu Auseinandersetzungen, da ca. 50 Thor Steinar Idioten Stress machten. Und dies, obwohl die Polizei ausdrücklich auf diese Gruppe hingewiesen wurde, diese es aber nicht für nötig hielt, hier eine entsprechende Trennung oder Festsetzung dieser Gruppe einzuleiten. Wie auf ganzer Linie die Polizei im Freistaat versagt zeigte sich dann an den zurückgelassenen Sachen im Sonderzug. Diese waren erneut systematisch durchsucht worden und alles, was auch nur annähernd einen Wert hat, war entwendet worden. Und dias, obwohl nur Putzpersonal im Zug war. Es ist schlichtweg eine Frechheit, dass diese mafiösen Banden immer noch freie Hand haben, obwohl das Problem seit Jahren bekannt ist und seit Jahren die Polizei eigentlich mal eingreifen müsste. Ja, liebe Bahnpolizei, es ist auch Eure Aufgabe, Eigentum von Fussballfans zu schützen und nicht nur auf diese einzuknüppeln! Was sich hier ereignet, reicht schon an Strafvereitelung im Amt.

Bei uns wurde nur Klopapier (!!!) entwendet, sonst war alles noch da. In unserem weiteren Umfeld hatte jemand aber seine Jacke mit seinem Haustürschlüssel im Zug gelassen, und die war auch weg. Der war dementsprechend geladen.

Der Fanladen bereitet wohl eine Anzeige vor, so dass wenigstens versucht wird, da ein bisschen Druck auf Polizei und Bahn auszuüben.

Die Rückfahrt begann für mich mit einer Kloschicht. Bisher nicht erwähnt habe ich nebenbei den Tourplan und die Schilder an den einzelnen Waggons, die Marc Wallas (einigen vielleicht noch aus der Vermarktung bekannt) wirklich hervorragend in Farbe gestaltet und ausgedruckt hatte. Das war wirklich grosses Tennis. Grosses Tennis war auch, dass er wirklich für „unser“ Klo noch ein eigenes Schild gemacht hatte.

Die Nutzerstruktur des Klos war nebenbei anders als gedacht. Ich hatte mich eigentlich auf viele Frauen und einige Männer vorbereitet, aber genau andersherum war es. Und wie schon erwähnt: Alle vorbildlich, und das Klo sah am Ende wirklich immer noch gut aus. Vielen herzlichen herzlichen herzlichen Dank an dieser Stelle an alle Mithelfer, die teilweise noch spontan Schichten übernahmen, die alles machten, ohne mich zu wecken und die wirklich tolle Arbeit ablieferten. Vielen Dank auch an die vielen Leute, die gespendet haben, und an die Person, die mir wirklich auf der Hinfahrt eine Flasche Sekt in die Hand drückte.

Jetzt gab es aber erstmal zwei Stunden Pause und die wurden im Partywagen am Tresen verbracht. Lustigerweise hatten mehrere Leute auch noch Geburtstag, unter anderem auch F. der für die Zwischenüberschrift sorgte, denn er und K. hatten Liegewagen, den sie aber weder auf der Hinfahrt noch auf der Rückfahrt wirklich nutzen, sondern auch fröhlich Gas gaben.

Gas geben? Vorne dabei natürlich auch wieder unsere Skins, die auch zwei Geburtstage zu feiern hatten. Tradition des FC 42 ist ein Besuch am Ende des Zuges und den hab ich auch diesmal gemacht, dabei wurden einige philosophische Gedanken gestrickt, die oben zitiert sind und die von einigen wahrscheinlich als „lächerlich“ und von anderen als „interessant“ eingestuft werden. Reproduzierbar ist diese Situation nur, wenn ihr euch auf der Rückfahrt eines Sonderzuges mal an das Ende des Zuges stellt und man auch noch rausgucken kann. Wer da nicht nachdenklich wird, der kann nicht denken.

Nach abgesessener Kloschicht (Dank an Moritz für die Unterhaltung) machte ich es mir in unserem Abteil gemütlich, wo es kurz mal ein bisschen Gezicke wegen Platz gab, was aber eher an der Übermüdung der Leute als an wirklichen Meinungsverschiedenheiten lag. Ich hoffe, es konnte alles ausgeräumt werden.

Der Rest der Fahrt wurde schlichtweg verschlafen und in Hamburg wurde alles in Moritz Laster gekippt und wir fuhren nach Poppenbüttel, um erstmal wieder ein nicht schwankendes Bett zu testen. Komisches Gefühl, und nach gerade mal 2 ½ Stunden klingelte auch schon wieder der Wecker, da ja auch noch die 2. Mannschaft zu besuchen war.

Netterweise machte Moritz erneut den Chauffeur, und relativ pünktlich kamen wir an der Waidmannstrasse an. Dort auch schon ein riesiges Aufgebot an Polizei, was für 98 % der Oldenburger absolut nicht notwendig gewesen wäre, denn die erwiesen sich als nette, lautstarke und fröhliche Gruppe. Zwischen beiden Fangruppen gibt es nun wirklich viel Kontakt und so wurde doch ordentlich geschnackt. Nur leider kamen sie auch. Die 2 % Vollidioten. Typen, denen die Dummheit bereits ins Gesicht geschrieben steht. Irgendwer muss die vorher gebrieft haben, denn die meisten hatten keine Klamotten an, die sofort als Nazischeisse zu erkennen waren. Und wer so etwas an hatte, der hatte sehr elegant Pullover oder anderes darüber gezogen. So war leider nicht zu vermeiden, dass da Typen mit „Nationaler Widerstand Ammerland“-Shirts im Stadion waren. Und gerade als ich die Ordner darauf aufmerksam machte zeigten die Penner ihre nackten Oberkörper, so dass da leider auch nachträglich nix ging.

Einzigartig und sehr lobenswert ist die Distanzierung der anderen Oldenburger von dieser Gruppe. Bereits vor dem Spiel wurde die Polizei um eine Trennung gebeten, so dass es letztendlich zwei Trennungen gab: Nazis vom Rest des Stadions und Oldenburg von St. Pauli. Letztere wäre eigentlich überflüssig gewesen.

Die Nazis entblödeten sich jedoch nicht, Spieler rassistisch zu beschimpfen, so dass der Linienrichter aufmerksam wurde und eine deutliche Ansage der Stadionsprecherin notwendig war.

In diesem Moment bekamen sie nebenbei von allen anderen Zuschauern ein gepflegtes „Nazis Raus“ um die Ohren. Und wenn in diesem Moment keine Polizei anwesend gewesen wäre, dann hätten die wohl richtig fröhlich laufen müssen.

Das Spiel war ein typisches Spiel für die ganzen Mannschaften, die um Platz 5 streiten. Sehr intensiv, sehr zweikampfbetont und am Ende mit einem leistungsgerechten 2-2. Ich fand es okay, aber da gingen die Meinungen weit auseinander.

Oldenburgintern hat es dann wohl noch gekracht, aber St. Pauli kam an die Nazis leider nicht ran, da hatte die Polizei vorgesorgt.

Danach war ich noch zum Grillen eingeladen, wurde dankenswerterweise von Moritz hingefahren, und konnte so den Tag ausk