Norbert regt sich auf vom 1.10.2007
über
Carsten
oder
Helga
Doof, dass nach einer englischen Woche mit vier Spielen gleich wieder eine englische Woche folgt. Als geneigter Zuschauer bei beiden Mannschaften des FC St. Pauli kommt man da ganz schön in Zeitnot. Insbesondere, wenn dann noch einige längerfristige Projekte die Aufmerksamkeit verlangen. So ist der AFM Versammlungsbericht immer noch in der Mache, leider später, als ihr es sonst gewöhnt seid. Aber er wird schon irgendwann werden.
12:30 um nach Osnabrück zu fahren? Unter normalen Umständen reicht das für ein 15 Uhr Spiel aus, aber der Fanladen war weitsichtig und hatte die übliche Verkehrslage auf der A 1 an einem Freitagnachmittag mit eingeplant und hatte uns lieber zu früh zur Fahrt eingeladen.
Leider fühlten sich jedoch nicht die Busfahrer eingeladen, so dass wir um 12:30 dort zwar alle versammelt standen, aber kein Gefährt unser eigen nennen konnten. Nicht nur wir als Nichtraucherbus warteten, sondern auch der Hossa-Rockerbus, der einige echt hübsche Gestalten sein eigen nannte. Wer nicht am Treffpunkt war, verpasste u.a. unsere Stadionsprecherin als Rockerbraut.
Ein Anruf bei den Busfirmen ergab, dass unser Bus wohl irgendwann kommen würde, der Rockerbus aber nicht vor 2 Uhr zur Verfügung stehen würde. So gaben wir unsere Planspiele, doch Moritz Bus zu nehmen, irgendwann auf und besetzten für uns sehr unübliche Plätze, da ein bestimmter Labersack (der in dieser Kolumne schon häufiger vorkam) in unserem Bus auftauchte.
Reiseleiter war nebenbei Schatzi und die neue Lohnkraft des Fanladens, Carsten. Der wurde auf den Labersack auch nur mit dem Satz „Den wirst du noch kennenlernen“ eingestimmt.
Nun nahm das Unheil dieses Tages seinen Lauf. Helga hiess unsere Busfahrerin, und die war definitiv kein Genuss. Erstmal eine ellenlange Rede, die schon bei mehreren Mitfahrern zum Verdrehen der Augen führte. Und als leise vorgeschlagen wurde, die Stadt doch lieber über die A 7 zu verlassen, damit man gewisse Baustellen vermeidet, da fährt sie doch in Richtung A 1. Dann ging es in einer Abenteuer Tour durch Harburg (so hab ich die Stadt echt noch nie verlassen) und irgendwann hatten wir dann auch mal freie Fahrt. Aber auch schon gut eine Stunde verschenkt. Na, immerhin waren wir doch noch so früh weggekommen, dass wir letztendlich nur 50 km pro Stunde hätten schaffen müssen, damit wir um 18:00 in Osnabrück gewesen wären. Das schafften wir selbst mit Helga am Steuer, die aber noch für einen Höhepunkt sorgte, als sie eigenmächtig eine Pinkelpause ansagte und sich von Stefan erstmal erklären lassen musste, wer hier als erstes gefragt wird, ob wir Pause machen.
Ausser dass es ziemlich zäh voran ging war die Hinfahrt ereignislos. Ich lernte noch einen Namensvetter kennen und wir wurden von den Veteranen zu Whiskey-Cola eingeladen. Das ist wahrscheinlich der Ritterschlag der St. Pauli Auswärtsfahrkultur, wenn man aus Bernds Eiseimer Eiswürfel bekommt und diese mit Cola und Whiskey zuschütten darf. Neben dieser optimalen Getränkeversorgung sei noch die Frikadellenversorgung von Moritz und die Versorgung mit lecker Rohkost von seiner Begleitung erwähnt. Lange nicht so gut auf einer Auswärtsfahrt geschlemmt.
Kurz vor Osnabrück guckte uns ein Motorradpolizist zwar begeistert hinterher, erkannte uns aber nicht als St. Paulianer, so dass wir im Osnabrücker Stadtverkehr auf Polizeibegleitung verzichten mussten. Trotzdem kamen wir gut durch und waren ca. eine Stunde vor Anpfiff am Stadion. Netterweise hatte die Polizei diesmal nicht jeden Weg verrammelt, so dass ich problemlos die Karte für die West Brigaden Adoptivtochter loswerden konnte und meine Fotokarte besorgen konnte.
Danach war es aber auch vorbei mit der Entspanntheit. Denn über das versammelte Dorfdeppentum von Osnabrück kann man teilweise echt nur den Kopf schütteln. Das Ultraumfeld von denen hatte sich irgendwelche komischen Anti-St. Pauli Shirts gemacht, was ich natürlich ganz prall finde, wenn man gerade von St. Pauli zum Aufstieg geschossen wurde. Da muss man sich ja schon beinah ärgern, dass unsere Mannschaft in Magdeburg sportlich fair gehandelt hat. Dieser Ärger wird noch verstärkt, wenn die auch noch einen fetten Anti-St. Pauli Doppelhalter präsentieren.
Im Innenraum dann erstmal ein Foto vom doppelten Schwarze gemacht und mit dem zweiten 42er geschnackt und dann in Richtung Gästeblock gewandert. Auch hier gab es erstmal fröhlich Stress, denn natürlich waren mal wieder Transparente vor der Gästekurve verboten. Und das für irgendwelche Werbebanden, die sowieso noch 1000 Mal an andere Stelle hängen. Super lächerlich waren die Osnabrücker damit umgegangen, die echt über die Werbebanden ein genau passendes „Freiheit für die Kurven“ Plakat gehängt hatten… Was nebenbei mit einem gezockten St. Paulischal garniert war.
Die Ordner schafften es nicht, die Aufgänge frei zu halten. So war es für Spätkommende (und die gab es durch die Staus doch reichlich) nicht möglich, in den Block zu kommen. Es kann doch nicht sein, dass bei uns so etwas zur Auflage gemacht wird - bei uns nebenbei auch im Gästebereich nun schon seit einem Jahr vorbildlich praktiziert wird - und hier sich die Ordner zu fein sind, ihren Aufgaben nach zu kommen. Die sollen auch für Bequemlichkeit der Zuschauer sorgen, ja, auch der Gästefans, und nicht nur den Schikanemenschen mimen.
Durch eine kleine Anarchieeinlage hingen dann aber zum Anpfiff doch die Plakate am Zaun. Darunter auch ein Soliplakat mit Birma. Auch die meisten Skins liefen in roten Shirts als Solidaritätsbekundung auf. Hintergrund ist, dass einer aus ihren Reihen aus Birma stammt (und stilecht in Mönchskutte kam). Leider kam der Aufruf an andere Gruppen, sich doch zu beteiligen, wohl etwas spät.
Warum neben dem überdachten Gästebereich sich so ein komischer Mischblock entwickelte, ist mir auch nicht klar. Der war weder ganz voll (zumindest standen da beim letzten Spiel viel mehr Leute drin), noch war er Osnabrück oder St. Pauli klar zugeordnet. Wenn es in diesem Block geknallt hätte, hätt sich Osnabrück nicht beschweren dürfen, denn Fantrennung sieht irgendwie anders aus.
Unser Fanfotograf durfte nebenbei nur die ersten Minuten in den Innenraum, was genauso albern ist. Was soll der da nun Böses machen? Bereits bei 1860 gab es in diesem Hinblick Stress und nun auch bei Osnabrück. Irgendwie albern, wenn mich jemand fragt. Nun ja, meinereiner als „Viva St. Pauli Fotograf“ suchte sich erstmal eine schöne Ecke zum knipsen. Nun ist es in einem solchen engen Stadion immer schwierig, einen Platz zu finden, wo man niemandem vor der Nase sitzt. Und das will ich ja auch verhindern, denn irgendwelchen Kindern vor der Nase zu stehen wäre ja auch unfair. Ich fand eine sehr schöne Ecke, liess mich nieder und hätte wahrscheinlich ganz tolle Fotos machen können, wenn nicht nach fünf Minuten Mr. Oberwichtigordner gekommen wäre, der sich als einziger Ordner im gesamten Stadion nicht an direkt an den Zaun stellte, sondern schön direkt vor mir (obwohl er mich sah) an die Aus-Linie. Da muss man gar nicht diskutieren, der wollte einen stören. Komischerweise war dieser Platz für ihn natürlich nur so lange interessant, so lange ich dort sass. Ich wechselte also die Seite, fand einen definitiv schlechteren Platz und wer läuft drei Minuten später an mir vorbei: genau! Mr. Oberwichtig!
Nun gut, das Spiel begann, und wie schon letztes Jahr festgestellt kommt auf der jeweils anderen Seite von der Stimmung nix an. So entstehen dann die üblichen „Wir haben nix von denen gehört“-Berichte. Joy hätte nach zwei Minuten locker fliegen müssen, denn seine Blutgrätsche war nun definitiv rot. Dem Osnabrücker Spieler kann man nur gute Besserung wünschen. Eher zweifelhaft fand ich da die rote Karte gegen Meggle. Okay, er trifft ihn, aber ist das nun wirklich eine Notbremse? Und ein Foul, wenn Reichenberger, da sofort den sterbenden Schwan macht? Naja, kann man wohl so geben, aber warum der Linienrichter kein Foul anzeigt und der Schiedsrichter (der deutlich schlechter zu dem Zweikampf steht und das insbesondere von hinten beurteilen soll, wo ihm durch die Beine klar die Sicht versperrt ist) dann doch pfeift, das soll mir erstmal jemand erklären.
Auch danach hätten wir dieses Spiel nicht verlieren müssen, aber leider sind eben nicht alle 9 Feldspieler bereit gewesen, die 110 % zu geben, die notwendig gewesen wären, um noch Punkte zu holen. Und so konnten sich die Osnabrücker sowohl vor dem 1-0 wie auch vor dem 2-0 die Bälle stundenlang vor unserem Strafraum zuspielen, ohne wirklich angegriffen zu werden, und konnten zwei Fernschüsse ansetzen, ohne wirklich angegriffen zu werden. Aggressives Abwehrverhalten sieht irgendwie anders aus. Das 3-1 zähl ich nun nicht wirklich, denn dort spielten wir schon „Alles oder nichts“, und da kann man in einen solchen Konter laufen. Dazu kommt, dass uns auch das notwendige Glück fehlt. Osnabrück schiesst in diesem Spiel vielleicht vier Mal aufs Tor, davon sind drei drin (denn wirklich mehr Torchancen hatten die gar nicht), wir schiessen genauso oft aufs Tor, treffen aber halt Posten und Latte (letzteres ein ziemliches Billardding). Es sollte einfach nicht laufen und so verloren wir letztendlich unglücklich, aber eben doch zu Recht.
Da ist sie nun unsere Krise, die irgendwann in einer solchen Saison halt kommt. Aber wirklich verloren ist nun absolut nicht. Wir haben immer noch Vorsprung auf die Abstiegsplätze und sind nun mit vielen Gegnern durch, die oben stehen. Leider hatten wir zum falschen Zeitpunkt viele angeschlagene Spieler, so dass die englische Woche zu viel Kraft kostete. Egal, Mund abwischen und weiter. Dann muss halt Paderborn dran glauben.
Immerhin auf das „Ohne Pauli wärt ihr gar nicht hier“ reagierten Teile der Osnabrücker mit Applaus und entsprechenden Gegenrufen, die Kurve entblödete sich aber auch in diesem Moment nicht, gepflegt „Scheiss St. Pauli“ anzustimmen.
Nach dem Spiel darf man in Osnabrück erstmal Stunden zum Bus laufen. Eigentlich ist vor der Gästekurve eine Strasse, wo man auch elegant Busse parken kann, aber das wäre ja beinah schon gästefreundlich. Stattdessen kann man erstmal durch halb Osnabrück rennen. Das tat ich dann auch schon etwas angenervt und kam so an den Bussen an, dass diese noch ohne Polizeibegleitung waren. Hier erstmal entspannt gepinkelt und auf den Rest gewartet. Der kam dann mit Polizeibegleitung, jedoch nicht mit „normaler“ Polizei, sondern mit so einer vermummten Mutanteneinheit (in der Polizeisprache auch Beweissicherungs- und Festnahmeeinheit „BFE“ genannt). Warum man a. Helme auf haben muss und sich b. zur Unkenntlichkeit vermummen muss, das erschliesst sich mir absolut nicht. So etwas erwartet man eher in einem Unrechtsstaat, aber nicht in einem angeblich demokratischen Rechtsstaat. Absurd wurde es, als diese Mutanten dann noch zwei der Skins nicht zu ihren Bussen lassen wollten und deren Personalien aufnahmen, als diese sich – vollkommen zu Recht – beschwerten. Dass hier noch nach Ohrenzeugen von Polizisten Aussagen wie „Bist du doof oder nur ein Kasper?“ fielen zeigt, wie unglaublich der ganze Vorgang war. Leider findet sich nie jemand, der mal ruhig (!!) und konsequent genug ist, zu unseren Zivis zu gehen, Anzeige erstattet, diese dann nicht aufgeschrieben bekommt und mal gegen unsere Zivis gepflegt eine Anzeige wegen Strafvereitelung im Amt stellt. Nicht, dass da was draus wird, aber die Nasen haben erstmal Ärger und Generve. Und nur so schlägt man die.
Leider kam es noch zu internem Stress, so dass unsere Lohnkraft gleich ihre Feuerprobe hatte, diese aber elegant löste. Ein bisschen mehr Verständnis für die Reaktion der Gegenseite hätte hier intern echt beiden Seiten gut zu Gesicht gestanden. Aber auch hier war die Ruhe leider nicht mehr vorhanden.
So, bloss raus aus dieser unschönen Stadt. Nebenbei: wer sich nach dem Erlebten noch aufregt, dass im Gästeblock die Zwischenüberschrift gerufen wurde, der hat entweder ein buddhistisches Grundstudium hinter sich oder ist Vollhippie.
Wenn man um kurz nach 20 Uhr in Osnabrück startet hofft man eigentlich, um 23 Uhr seinen Cider im Jolly einnehmen zu können. Nur leider hatten wir die Rechnung ohne Helga gemacht. Natürlich war das Klo angeblich voll. Komischerweise ist das immer so, dass das Klo auf der Hinfahrt durchgängig nutzbar ist und dann zufällig genau, wenn man an des Gegners Ort ankommt, plötzlich für die Rückfahrt voll ist. Oder hat der Busfahrer es in der Pause gereinigt und hat kein Bock mehr, dies nochmal zu machen? Warum ist wohl letzteres der Fall?
Naja, das hätte ich ja gerade noch unter „üblich“ abgetan, aber was nun folgte, war einfach nur bescheuert. Bereits beim ersten Halt hören wir, dass vor uns 12 km Stau liegen. Aber anstatt diesen zu umfahren stellen wir uns hinten an und ändern dies auch nicht, als neben uns ein LKW nach dem anderen abbiegt. Als Berufsfahrerin sollte ich doch eigentlich 1 und 1 zusammenzählen können und wissen, dass LKWs nur dann abfahren, wenn sie wissen, dass dies schneller geht. Aber nein – abfahren? Warum? Wir haben ja Zeit. Und so standen wir im Stau; und standen; und standen; und standen. Zu der Zeit, wo ich mir schon meinen Cider erträumt hatte, waren wir gerade mal 40 km gefahren. Vor uns noch der Skinheadbus, der ebenso im Stau stand. Der später gestartete Rockerbus umfuhr den Stau übrigens und war letztendlich über eine Stunde vor uns in Hamburg. Dass Helga nach dem Stau erstmal 30 Minuten Pause machen musste mag ja dem Gesetz geschuldet sein, was aber dabei verwunderte, dass komischerweise kein anderer Busfahrer diese Pause machte und die Tageslenkzeit sowieso schon lässig überschritten war, was aus meiner Sicht ja wohl das schwerere Vergehen ist.
So hatte uns Hamburg erst nach 2 Uhr wieder, was Bernd zu der Aussage brachte, dass er aus München auch nicht länger gebraucht habe.
Was brachte die Rückfahrt sonst noch? Eine Stimmungsdiskussion, die auf althergebrachten Argumenten beruhte und so stark eine Geschmacksdiskussion wurde, dass sie einfach unsinnig war (über Geschmack kann man nicht streiten). Ein Wettrennen mit dem Skinhead Bus, welches wir gepflegt verloren (siehe oben). Eine Pinkelpause, die ich verschuldete (die aber auch von allen anderen genutzt wurde). Kein Halt in Hollenstedt, da Moritz direkt mit dem Auto reingefahren war.
Im Jolly dann Cider bis zum Abwinken und dann entgegen meiner üblichen Gewohnheiten ein Taxi. Mit einem Fahrer, der einen für mich nicht reproduzierbaren Weg fuhr, der jedoch ca. 5 Euro sparte.
Und als hätte man nicht genug von schlechtem Fussball traf sich am Sonntag dann die übliche Amateure Gang um nach Lübeck zu fahren. Etwas Respekt hatte man im Vorfeld schon, und so machte man sich ziemlich neutral an die Trave auf. Die Hinfahrt dauerte gerade mal 35 Minuten. Vor dem Stadion war noch gar nix los, so dass wir erstmal guckten, ob wir irgendwo Freikarten bekommen konnten. Dies gelang auch, obwohl wir erstmal einmal um das Stadion rumlaufen mussten. Dankenswerterweise konnte ich auch in den Innenraum und mich so mit Knipsen beschäftigen.
Vor dem Stadion sammelte sich Lübecker Ultra Volk, wobei die erst nach Anpfiff das Stadion betraten. Warum dies so war, erschliesst sich mir nicht. Ich hab keinen Plan, ob die nun warteten, ob sie mit USP eine Boxerei anfangen können.
Insgesamt fanden sich vielleicht 16 St. Paulianer an der Lohmühle ein. Was zu ein bisschen Internetgepöbel der Lübecker führte, die ja dafür bekannt sind, dass sie ihre 2. mit 1000 Leuten zu jedem Spiel begleiten (Ironie!!!).
Über das Spiel Worte zu verlieren wäre Unsinn. Perfekter Systemfussball von zwei Mannschaften, die sich komplett egalisieren, führte zu grosser Langeweile und zu zwei Torchancen. Jedes Team hatte genau eine.
Nach dem Spiel bloss weg da. Wir mit dem Auto, die fünf versprengten Bahnfahrer mit einem Polizeiauto, was angesichts einiger doch relativ finster guckender Lübecker wahrscheinlich besser so war.
Auf der Rückfahrt dann Stau, der zwar umfahren wurde, aber doch Zeit kostete. Aber immerhi